mini|Mobiltelefone revolutionierten zunächst die Welt der Kommunikationstechnik. Ihre computerbasierten Nachfolger, die Smartphones, bieten mit Funktionen wie dem mobilen Bezahlen völlig neue Möglichkeiten. Die zugrunde liegende Schlüsseltechnologie ist jedoch die Near Field Communication (NFC), die den Datentransfer (kontaktloses Bezahlen) ermöglicht. Die RFID-Technologie bildet die Basis für eine Vielzahl von Systemen und Anwendungen. Die Bezeichnung Schlüsseltechnologie () beschreibt eine fortschrittliche Technologie, die nicht nur in einem Arbeitsgebiet anwendbar ist, sondern ein Marktpotenzial für viele Wirtschaftszweige besitzt. Hier geht es nicht um die Technik der Schlüssel, sondern um ein Klassifizierungskonzept für Technologie.
Die verschiedenen Arten von Technologien sowie Beispiele für Schlüsseltechnologien und weitere Aspekte werden im Rahmen der Spitzentechnologien zusammenfassend beschrieben.
Definition Sprachlich besteht das Kompositum aus „Schlüssel“ und „Technologie“. Das Bestimmungswort Schlüssel ist hierbei als Schlüsselrolle für Technologien zu verstehen, die entweder selbst einen erheblichen Absatzmarkt haben, die bedeutsam für die Erschließung neuer Absatzmärkte sind oder die Voraussetzung für die Realisierung einer anderen Technologie sind.Heliand-Verlag Lüneburg (Hrsg.): Muttersprache - Zeitschrift zur Pflege und Erforschung der deutschen Sprache. 1987, S. 169. Eine weitere Deutung ist, dass sie wie ein Schlüssel eine „Tür“ öffnet und ihr damit das Vertrauen oder die Hoffnung zukommt, dass sie eine Veränderung bewirken kann.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) definiert: „Schlüsseltechnologien sind von zentraler Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft. Es handelt sich um forschungsintensive, innovative Technologien mit hohen Anwendungspotenzialen, die branchenübergreifendend von großem Nutzen sind und die nicht einfach durch andere Technologien ersetzt werden können.“
Eine normative Begriffsabgrenzung aus dem Jahr 1991 lautet: „Schlüsseltechnologie-Industrien sollen auf einem hohen technologischen Niveau stehende Produkte entwickeln und herstellen, durch hohe Beschäftigtenzuwächse die Arbeitsmärkte stabilisieren sowie als Impulsgeber wirtschaftliches Wachstum auf bestimmte Segmente der Volkswirtschaft übertragen. “
Der Begriff „Schlüsseltechnologie“ ist ähnlich wie der Begriff „Hoch- oder Spitzentechnologie“ – und umgekehrt. Ihr wird das Potenzial zugeschrieben, den Stand der Technik zu verändern und möglicherweise sogar zu revolutionieren. Oftmals ist diese Einstufung jedoch subjektiv, weshalb keine exakten Vorhersagen darüber getroffen werden können, ob eine ausgewählte Technik den zugrunde liegenden Kriterien genügt. In diesem Umfeld wird häufig auf Modelle wie den Hype-Zyklus Bezug genommen.
Eine Technologie wird laut einer Definition von Ökonomen zur „Schlüsseltechnologie“, wenn sie aus der „Schrittmachertechnologie“ in die Wachstumsphase übergeht und mit ihr Wettbewerbs- und Markterfolge errungen werden können.
Der Wirtschaftswissenschaftler Harry Nick sieht Schlüsseltechnologie als bildhaften Ausdruck für die Bezeichnung der Eigenheiten revolutionärer wissenschaftlich-technischer Neuerungen an, die arbeits-, energie- und materialsparend sind.Harry Nick: Wissenschaftlich-technische Revolution. In: Wirtschaftswissenschaft. Heft 9, 1986, S. 1303–1320. Breite Anwendungspotenziale sind mithin begriffsnotwendig.Bodo Rüdiger: Schlüsseltechnologien: Die Herausforderung für die 90er Jahre. In: Armin Töpfer, Tom Sommerlatte (Hrsg.): Technologie-Marketing. 1991, S. 36–52.
Ein Merkmal einer Schlüsseltechnologie ist, dass sie nicht nur Auswirkungen auf das eigene Fachgebiet hat, sondern auch in anderen Fachgebieten genutzt werden kann oder auf diese übergreift. Ein weiteres Merkmal ist, dass patentierte Schlüsseltechnologien dem Anbieter Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz verschaffen, da diese die Technologien wegen des Patentschutzes nicht kostenfrei übernehmen können.
Abgrenzung Schlüsseltechnologien, die in Kombination mit anderen Technologien einen „Katalysator“ für Innovationen in vielen Fachgebieten hervorrufen können, sind auch als „Enabling-Technology“ bekannt. Damit beschreibt das das Ermöglichen einer Technologie.
Beispiele
Ein Beispiel wäre die Computertechnologie und Informationstechnik (IT), weil sie über die technischen Aspekte hinaus grundlegende Neuerungen in allen Bereichen der Wirtschaft und Gesellschaft ermöglicht hat und die moderne Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) in weiten Teilen ermöglicht. In den Fachgebieten Risikomanagement und Controlling werden Risikoaggregation und Monte-Carlo-Simulation zu den Schlüsseltechnologien gezählt. Die Erfindung des Laser führte zu neuen Technologien wie z. B. der CD-ROM und später Blu-ray Disc, aber auch die laserbasierten Verfahren in der Dermatologie (allgemein: Laserbehandlung), die kommunikativen Anwendungen der Photonik uvm. Der Leichtbau gilt als interdisziplinäre Schlüsseltechnologie für viele Technikzweige. Die Mathematik und die MINT-Fächer werden als Schlüssel für moderne Technologie gezählt.
Wirtschaftliche und Gesellschaftliche Aspekte Schlüsseltechnologien weisen ein hohes Innovationspotenzial auf und sind können von großer Breitenwirkung auf eine Wirtschaftsstruktur sein.Deutscher Gewerkschaftsbund/Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (Hrsg.): WSI Mitteilungen. Ausgabe 37, 1984, S. 469. Sie können Auslöser eines regionalen oder sektoralen Strukturwandels sein und damit die Wirtschaftsstruktur verändern. So hat beispielsweise die digitale Revolution einen Wandel nahezu aller Lebensbereiche bewirkt und in eine Digitale Welt geführt, ähnlich wie die industrielle Revolution 200 Jahre zuvor in die Industriegesellschaft führte. Deshalb ist auch von einer „dritten industriellen Revolution“ die Rede oder in technischer Hinsicht von „mikroelektronischer Revolution“.
Die Bedeutung der Schlüsseltechnologien hatte in der Deutsche Demokratische Republik (DDR) auch ein Parteitag der SED erkannt, denn sie seien „von grundlegender Bedeutung für die langfristige Sicherung eines stabilen ökonomischen Wachstums und die Steigerung der Arbeitsproduktivität“.Direktive des XI. Parteitages der SED für die Jahre 1986–1990. XI. Parteitag der SED vom 17. bis 21. April 1986. 1986, S. 48.
Kontroversen Organisationen oder Unternehmen im Besitz von „Schlüsseltechnologie“ können das Marktwachstum in monopolistischer Form nutzen, um ihren Marktanteil zu steigern und möglicherweise zum Marktführer oder Technologieführer aufsteigen. Die strategische Planung muss dabei der wachsenden Bedeutung von Basis- und Schlüsseltechnologien Rechnung tragen.
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