Der Waldpark Wilhelmshain ist eine Parkanlage in Hanerau-Hademarschen im deutschen Bundesland Schleswig-Holstein. Sie liegt im Ortsteil Hanerau und gehört zum gleichnamigen Gut. Durch die Anlage führen Spazierwege zu alten Kaskaden, Lichtungen oder Grotten sowie zu Fischteichen, dem Waldfriedhof und zu einer Bronzeplastik des Dichters Theodor Storm, der dort gerne spazieren ging. Die Zufahrtsallee und der Waldpark gehören zu den Kulturdenkmalen der Gemeinde.
Entstehungsgeschichte Westlich der Zufahrtsallee zum Gut Hanerau legte der damalige Gutsherr Johann Wilhelm Mannhardt Anfang des 19. Jahrhunderts einen zehn Hektar großen Waldpark an, den er in den Jahren von 1812 bis 1816 im Stile eines englischen Landschaftsgartens umgestalten ließ. Angeregt wurde er durch den Kieler Universitätsprofessor und Gartentheoretiker Christian Cay Lorenz Hirschfeld (1742–1792), der schon 1779 in seiner Theorie der Gartenkunst die Anlage öffentlicher Parks empfohlen hatte. Einzelheiten über die damalige Gestaltung des Waldparks lassen sich aus dem Brief eines unbekannten Verfassers aus dem Jahre 1818 – erschienen im Band 8 der Zeitschrift Schleswig-Holstein-Lauenburgische Provinzialberichte – entnehmen:
Die Laub- und Nadelgehölze sowie die Fischteiche wurden forst- und fischereiwirtschaftlich genutzt. Der nach Mannhardt benannte Wilhelmshain war von Beginn an für die Bevölkerung zugänglich und gilt als erster Volksgarten Schleswig-Holsteins.
Im Jahr 1819 legte Mannhardt in der Nähe des Waldfriedhofes den später nicht mehr zum Gut gehörenden Hof Lerchenfeld an. Laut Johannes von Schröders Topographie gab es 1841 im Park neben Fischteichen und Lusthäusern auch ein Wohnhaus.
Viele der einst angelegten Elemente sind nicht mehr vorhanden. Das Wohnhaus brannte Ende des 20. Jahrhunderts ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Der Park wird nach wie vor von der Bevölkerung als Erholungsort genutzt. Mitten im Wald erinnert ein aufgerichteter großer Findling mit einer Inschrift, Namen und Lebensdaten an die Hanerauer Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Infolge einer Aktion des Arbeitskreises Kultur und Tourismusangebote der Gemeinde Hanerau-Hademarschen und des Ortsvereins des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes im Jahr 2013 wurden mehrere Stifterbänke, versehen mit Zitaten oder Textauszügen bezüglich Theodor Storms, im Waldpark aufgestellt.
Waldfriedhof
Einzigartig in Norddeutschland ist der im Park gelegene Waldfriedhof, den Mannhardt – als Gutsherr war er Patron der evangelisch-lutherischen Severinkirche – 1805 nach Ordnung der Herrnhuter Brüdergemeine mit ihren Vorstellungen von Gleichheit vor dem Tod und der Ruhe vor der Auferstehung anlegen ließ. Als Vorbild diente ihm vermutlich der Gottesacker im dänischen Christiansfeld. Die Sprüche am Eingangstor wurden vom 1730 angelegten Herrnhuter Gottesacker übernommen.
Auf dem Waldfriedhof gibt es keine Familiengräber, sondern eine Einteilung in sechs Felder, in denen die einzelnen Grabstellen in Reihen liegen. Der breite Mittelweg trennt die Geschlechter. Im oberen Drittel liegen Verheiratete, deren Grabstellen spiegelbildlich angeordnet sind. Die beiden mittleren Felder waren anfänglich nur für Jünglinge und Jungfrauen vorgesehen, die unteren für Kinder. Alle Entschlafenen werden nach Osten zum Sonnenaufgang schauend beigesetzt. Die Grabstellen sind einheitlich flach angelegt und schlicht in ihrer Bepflanzung. Die liegenden Sand- oder Marmorsteine haben Inschriften in schwarzer Kursivschrift. Die einheitliche Anlage soll die Gleichheit aller Menschen im Tod versinnbildlichen.
Storm-Skulptur mini|Storm-Statue am Ostzugang zum Waldfriedhof Die lebensgroße Bronzeskulptur des Schriftstellers Theodor Storm wurde am 19. Mai 1993 eingeweiht und war bei der Errichtung das dritte Denkmal, das an den Lyriker erinnert. Geschaffen wurde sie vom Bildhauer Werner Löwe aus Thüringen. Zuvor gab es seit 1898 die von Adolf Brütt geschaffene Storm-Büste im Husumer Schlosspark und die 1988 eingeweihte Skulptur im Heilbad Heiligenstadt.
Der Überlieferung nach hielt sich Storm während seiner Zeit in Hademarschen gerne am heutigen Standort der Skulptur am Waldfriedhof auf. Storms Tochter Gertrud beschrieb in ihren Erinnerungen: „Es gehörte zu den heimlichen Freunden meines Vaters, seine Gäste zu einem kleinen, im Park von Hanerau verborgenen Mennonitenkirchhof (Gemeint ist der oben beschriebene Waldfriedhof.) zu führen. Durch das anmutige, im Schatten alter Kastanien gelegene Dorf Hanerau ging es über Wiesen und lauschige Waldwege durch ein lebendiges Tor zu diesem friedlichen Fleckchen Erde. Wenn dann unser Gast, ganz vertieft im Gespräch, aufblickend, sich plötzlich auf einem stillen, grünen Friedhof erblickte, war meinem Vater die Überraschung wieder einmal gelungen.“Hans-Jürgen Kühl: Gleich zwei Gründe zum Feiern – Heimatbund feierte 25-jähriges Bestehen und 26. Jahrestag der Storm-Skulpturen-Einweihung, Mitteilungsblatt für Mittelholstein vom 24. Mai 2019.
Literatur Arthur Gloy: Die Entstehung des Ortes Hanerau und die neuesten Ereignisse bis zur Gegenwart. In: Geschichte und Topographie des Kirchspiels Hademarschen. Kommissionsverlag von Lipsius & Tischer, Kiel 1895, S. 67–71.
Weblinks
Gutspark (Park Wilhelmshain) in der Denkmaldatenbank Schleswig-Holstein Zufahrtsallee (Kastanien) zum Gut und zum Waldpark in der Denkmaldatenbank Schleswig-Holstein
Einzelnachweise
Kategorie:Parkanlage in Schleswig-Holstein Kategorie:Kulturdenkmal in Hanerau-Hademarschen Kategorie:Friedhof in Schleswig-Holstein HanerauHademarschen