Die Türkei, deren NOK, das Türkiye Milli Olimpiyat Komitesi, 1908 gegründet und 1911 vom IOC anerkannt wurde, nimmt bereits seit 1906 an Olympischen Sommerspielen teil. Seit 1936 werden auch Sportler zu Winterspielen entsandt. Jugendliche Sportler nahmen an allen bislang ausgetragenen Jugend-Olympiaspielen, sowohl im Sommer als auch im Winter, teil.
Allgemeines Seit 1912 ist die Türkei bei Olympischen Sommerspielen vertreten. Nur dreimal war sie nicht dabei. 1920 wurde das türkische NOK nicht eingeladen, da die Türkei, wie auch Deutschland, Österreich, Ungarn und Bulgarien, als Auslöser des Ersten Weltkrieges galt. 1932 verzichtete man auf eine Teilnahme wegen der hohen Reisekosten in die USA. 1980 schloss sich die Türkei dem von den USA angeregten Boykott der Spiele von Moskau an.
Die Mannschaftsstärke der türkischen Olympiateams variierte stark. Seit 1924 lag die Zahl der Athleten ständig im zweistelligen Bereich. 2012 gingen erstmals mehr als 100 Athleten an den Start. Mit 112 Aktiven war die Olympiamannschaft von London die bislang größte.
Die mit Abstand erfolgreichste Olympiasportart der Türkei ist das Ringen. In beiden Stilarten wurden bislang 63 Medaillen gewonnen. 29-mal stellte die Türkei den Olympiasieger, hinzu kommen 18 Silber- und 16 Bronzemedaillen. Auf Platz zwei mit elf Medaillen, davon acht goldene, liegt das Gewichtheben.
Die erfolgreichsten Athleten der Türkei sind jedoch Gewichtheber. Naim Süleymanoğlu wurde 1988, 1992 und 1996 Olympiasieger im Federgewicht. Ebenfalls drei Olympiasiege erzielte Halil Mutlu. 1996 siegte er im Fliegengewicht, 2000 und 2004 im Bantamgewicht. Der Freistilringer Hamit Kaplan konnte mit einer Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille ebenfalls drei Medaillen gewinnen. Der Schwergewichtler siegte 1956, wurde 1960 Zweiter und 1964 Dritter.
Bewerbung für die Ausrichtung Olympischer Spiele Die türkische Stadt Istanbul bewarb sich insgesamt fünfmal für die Ausrichtung Olympischer Sommerspiele. Die Bewerbung für die Ausrichtung der 27. Olympischen Sommerspiele 2000 scheiterte auf der 101. IOC-Session 1993 in Monte Carlo im ersten Wahlgang. Mit nur sieben Stimmen schied man als erster von fünf Bewerbern aus. Die Bewerbung für die Ausrichtung der 28. Olympischen Sommerspiele 2004 wurde vom IOC nicht akzeptiert.
Auf der 112. IOC-Session 2001 in Moskau wurde über die Ausrichtung der 29. Olympischen Sommerspiele 2008 entschieden. Im ersten Wahlgang blieb Istanbul mit 17 Stimmen im Rennen. Im zweiten Wahlgang erhielt Peking die erforderliche absolute Mehrheit, so dass kein weiterer Wahlgang mehr nötig war. Die Bewerbung Istanbuls für die Ausrichtung der 30. Olympischen Sommerspiele 2012 wurde vom IOC nicht akzeptiert.
Auf der 125. IOC-Session 2013 in Buenos Aires ging es um die Vergabe der Ausrichtung der 32. Olympischen Sommerspiele 2020. Im ersten Wahlgang lag Istanbul punktgleich mit Madrid (26 Punkte). Eine Stichwahl musste die Entscheidung bringen, welche der beiden Städte in den zweiten Wahlgang gegen Tokio kam. Istanbul gewann die Stichwahl mit 49:45. Den zweiten Wahlgang verlor man gegen Tokio dann mit 36:60.
Übersicht Sommerspiele 1908 bis 1956 Zu den Turnwettbewerben der Sommerspiele war Aleko Mulos gemeldet.Offizieller Bericht, Seite 182 (engl.) Er taucht jedoch in keiner Ergebnisliste auf, daher ist strittig, ob Mulos überhaupt teilgenommen hat.
Die erste belegte Teilnahme türkischer Athleten an Olympischen Spielen fand 1912 in Stockholm statt. Die erste türkische Olympiamannschaft bestand aus zwei Leichtathleten. Der erste Olympiastarter war am 6. Juli 1912 der Mittelstreckenläufer Vahram Papazyan. Die ersten Frauen bei Olympischen Spielen waren am 4. August 1936 die Florettfechterinnen Suat Aşani und Halet Çambel.
Nach der Leichtathletik gingen türkische Sportler bei folgenden Sommerspielen auch in den Sportarten Ringen, Gewichtheben, Fechten und Fußball (ab 1924), Radsport (ab 1928), Basketball, Reiten und Segeln (ab 1936), Schwimmen (ab 1960), Boxen und Schießen (ab 1968), Judo und Wasserspringen (ab 1976), Bogenschießen (ab 1984), Rudern (ab 1992), Taekwondo (ab 2000), Tischtennis (ab 2008), Badminton, Turnen und Volleyball (ab 2012) sowie im Kanusport, modernen Fünfkampf und im Tennis (ab 2016) an den Start.
Erst 1924 kam die Türkei wieder zurück auf die olympische Bühne. 1928 erreichte der Ringer Tayyar Yalaz im Leichtgewicht des griechisch-römischen Stils Platz 4. 1936 in Berlin konnten die ersten Medaillen, gleichzeitig auch der erste Olympiasieg, gefeiert werden. Beide Medaillen wurden von Ringern gewonnen. Im griechisch-römischen Stil wurde Yaşar Erkan Olympiasieger im Leichtgewicht. Im Schwergewicht belegte Mehmet Çoban Platz 4. Im Freistil gewann Ahmet Kireççi Bronze im Schwergewicht. Der Radrennfahrer Talat Tunçalp wurde Siebter im Straßenrennen. Der Springreiter Cevat Kula erreichte auf seinem Pferd Sapkin Platz 6 der Einzelwertung.
Die Sommerspiele von 1948 in London wurden zu den erfolgreichsten Olympischen Spielen der Türkei. Zwölf Medaillen, davon sechs Gold-, vier Silber- und zwei Bronzemedaillen, standen zu Buche. Elf der zwölf Medaillen wurden von Ringern gewonnen. Olympiasieger wurden im griechisch-römischen Stil der Federgewichtler Mehmet Oktav und der Schwergewichtler Ahmet Kireççi. Silber holten Kenan Olcay im Fliegengewicht und Muhlis Tayfur im Mittelgewicht. Hinzu kam eine Bronzemedaille durch Halil Kaya im Bantamgewicht. Im Freistil gab es vier Olympiasiege durch Nasuh Akar im Bantamgewicht, Gazanfer Bilge im Federgewicht, Celal Atik im Leichtgewicht und Yaşar Doğu im Weltergewicht. Halit Balamir im Fliegengewicht und Adil Candemir im Mittelgewicht gewannen Silber. Der Leichtathlet Ruhi Sarıalp gewann Bronze im Dreisprung.
1952 in Helsinki sorgten wieder die Ringer für die Medaillengewinne. Im Freistil wurden Hasan Gemici im Fliegengewicht und Bayram Şit im Federgewicht Olympiasieger. Adil Atan gewann Bronze im Halbschwergewicht. Dessen Zwillingsbruder Irfan belegte im Schwergewicht Platz 4. Zu den Sommerspielen von 1956 reiste eine reine Ringermannschaft ins australische Melbourne. Die Freistilringer Mustafa Dağıstanlı im Bantamgewicht und Hamit Kaplan im Schwergewicht wurden Olympiasieger, İbrahim Zengin im Weltergewicht gewann Silber, Hüseyin Akbaş im Fliegengewicht Bronze. Im griechisch-römischen Stil wurde Mithat Bayrak Olympiasieger im Weltergewicht. Rıza Doğan gewann Silber im Leichtgewicht, Dursun Ali Eğribaş Bronze im Fliegengewicht. Im Juni des gleichen Jahres waren sechs Reiter zu den Olympischen Reiterspielen nach Stockholm gereist.
1960 bis 1996 1960 in Rom wurden die meisten Goldmedaillen gewonnen. Alle sieben Olympiasieger waren Ringer, auch die zwei Silbermedaillen, die zudem gewonnen wurden, wurden durch Ringer erkämpft. Im griechisch-römischen Stil wurden Müzahir Sille im Federgewicht, Mithat Bayrak im Weltergewicht und Tevfik Kış im Halbschwergewicht Olympiasieger. Im Freistil wurden Ahmet Bilek im Fliegengewicht, Mustafa Dağıstanlı im Federgewicht, Hasan Güngör im Mittelgewicht und İsmet Atlı im Halbschwergewicht Olympiasieger. Hinzu kamen Silbermedaillen durch İsmail Ogan im Weltergewicht und Hamit Kaplan im Schwergewicht. Bayrak und Dağıstanlı waren damit die ersten türkischen Athleten, die ihre Olympiasiege wiederholen konnten.
Auch 1964 sorgten die Ringer für die Medaillengewinne. Kâzım Ayvaz wurde Olympiasieger im Leichtgewicht des griechisch-römischen Stils. Im Freistil wurden İsmail Ogan im Weltergewicht Olympiasieger. Silber holten Hüseyin Akbaş im Bantamgewicht, Hasan Güngör im Mittelgewicht und Ahmet Ayık im Halbschwergewicht. Hamit Kaplan gewann Bronze Schwergewicht. 1968 in Mexiko-Stadt gewannen Freistilringer zwei Goldmedaillen. Olympiasieger wurden Mahmut Atalay im Weltergewicht und Ahmet Ayık im Halbschwergewicht. In der Leichtathletik wurde İsmail Akçay Vierter des Marathonlaufes.
1972 in München konnte nur Vehbi Akdağ im Federgewicht des Freistilringens eine Silbermedaille gewinnen. 1976 blieb die türkische Mannschaft das erste Mal nach 1928 medaillenlos. Der Freistilringer Mehmet Uzun erreichte im Mittelgewicht Platz 4. 1980 folgte die Türkei dem Boykottaufruf der USA und blieb den Sommerspielen von Moskau fern. 1984 in Los Angeles konnten dann wieder Medaillen gefeiert werden. Der Freistilringer Ayhan Taşkın gewann Bronze im Superschwergewicht, seine Teamkollegen Hayri Sezgin und Salih Bora belegten vierte Plätze. Sezgin trat im Freistil im Schwergewicht an, Bora im griechisch-römischen Stil im Halbfliegengewicht. Zwei Bronzemedaillen erkämpften sich die Boxer Eyüp Can im Fliegengewicht und Turgut Aykaç im Federgewicht.
1988 in Seoul wurde der Gewichtheber Naim Süleymanoğlu Olympiasieger im Federgewicht. Der Freistilringer Necmi Gençalp gewann Silber im Mittelgewicht. Im Bantamgewicht belegte Ahmet Ak Platz 4. Süleymanoğlu wiederholte 1992 in Barcelona seinen Olympiasieg, Ringer Akif Pirim siegte im Federgewicht des griechisch-römischen Stils. Im Halbschwergewicht gewann Hakkı Başar Silber, er unterlag im Finale dem Deutschen Maik Bullmann. Im Freistil gewann Kenan Şimşek Silber im Halbschwergewicht, Ali Kayalı gewann Bronze im Schwergewicht. Im Superschwergewicht wurde Mahmut Demir Vierter, ebenso Remzi Musaoğlu im Bantamgewicht. Eine weitere Bronzemedaille gewann die Judoka Hülya Şenyurt im Extraleichtgewicht, die damit die erste türkische Frau war, die eine Olympiamedaille gewinnen konnte.
In Atlanta 1996 wurde Naim Süleymanoğlu zum dritten Mal Olympiasieger im Gewichtheben. Damit war er der erste Türke, der drei Olympiasiege erreichte. Im Fliegengewicht siegte Halil Mutlu, im Mittelschwergewicht belegte Sunay Bulut Platz 4. Im Freistilringen wurde Mahmut Demir Olympiasieger im Superschwergewicht. Im griechisch-römischen Stil gewann Hamza Yerlikaya den Wettkampf im Mittelgewicht. Akif Pirim gewann Bronze im Federgewicht. Der Boxer Malik Beyleroğlu gewann Silber im Mittelgewicht. Bei den Bogenschützinnen wurde Elif Altınkaynak Vierte in der Einzelwertung. Auch mit der Mannschaft belegte sie den vierten Platz.
2000 bis heute In Sydney 2000 erzielten türkische Athleten fünf Medaillen. Olympiasieger wurden dabei der Gewichtheber Halil Mutlu im Bantamgewicht, der Judoka Hüseyin Ozkan im Halbleichtgewicht und der griechisch-römische Ringer Hamza Yerlikaya im Halbschwergewicht. Im Freistilringen erkämpfte sich Adem Bereket Bronze im Weltergewicht. Ebenfalls Bronze gewann die Taekwondoin Hamide Tosun im Federgewicht. Wie schon in Atlanta belegte das Team der Bogenschützinnen Platz 4. Im Match um Bronze unterlagen sie der deutschen Mannschaft mit 239:251. Die Männermannschaft belegte Platz 5.