Der Pohlsberg ist ein während mehrerer Phasen genutzter Grabhügel des Neolithikums und der Bronzezeit in Latdorf, einem Ortsteil von Nienburg (Saale) im Salzlandkreis, Sachsen-Anhalt. Das älteste Grab des Hügels stammt aus der Baalberger Kultur (3900–3400 v. Chr.). Weitere Bestattungen wurden später von der Walternienburger Kultur (3350–3100 v. Chr.), der Kugelamphorenkultur (3100–2650 v. Chr.), der Schnurkeramik (2800–2050 v. Chr.) und der spätbronzezeitlichen Saalemündungsgruppe (1300–750 v. Chr.) angelegt. 1904 fand am Pohlsberg eine Grabung unter der Leitung von Paul Höfer statt. Die Fundstücke befinden sich heute im Schlossmuseum Bernburg.

Lage miniatur|Prähistorische Grabmonumente bei Bernburg, die 1644 in die Befestigung eines schwedischen Heerlagers integriert wurden. Grün: Großsteingräber, rot: Grabhügel, orange: heute zerstörte Anlagen (vermutlich Grabhügel) Der Pohlsberg liegt südöstlich von Latdorf. In der Umgebung befinden sich noch einige weitere erhaltene Grabhügel, so etwa 1,5 km östlich der Pfingstberg und 1,5 km westlich das Spitze Hoch, 2,6 km südöstlich bei Weddegast der Fuchsberg, 4 km südlich bei Baalberge der Schneiderberg und 8,3 km südwestlich bei Gröna der Grabhügel Stockhof. Wohl erst im 20. Jahrhundert wurden die vermutlichen Grabhügel Gorrenberg, Leerberg und Trappenberg zwischen Gerbitz und Latdorf zerstört. Weiterhin gibt es in der näheren Umgebung noch drei Großsteingräber: 1,5 km östlich des Pohlsbergs die Steinerne Hütte sowie 3 km nördlich der Heringsberg bei Grimschleben und der Bierberg bei Gerbitz. Besondere Bedeutung kommt hierbei dem Schneiderberg zu, da dieser eine sehr ähnlich kulturelle Nutzungsabfolge aufweist wie der Pohlsberg.

Aus Karten des 17. Jahrhunderts geht hervor, dass der schwedische Feldherr Lennart Torstensson 1644 während des Dreißigjährigen Krieges bei Bernburg ein Heerlager errichtete, welches Latdorf umschloss und den Heringsberg, den Bierberg, (eventuell) den Gorrenberg, den Leerberg, den Trappenberg, den Pohlsberg und den Pfingstberg als Aussichtspunkte für die Bastionen der Befestigung nutzte.

Nur 28 m nördlich des Pohlsberges wurde eine bronzezeitliche Steinkiste entdeckt.Paul Höfer: Der Pohlsberg bei Latdorf, Kr. Bernburg. 1905, S. 64.

Forschungsgeschichte miniatur|Grabung am Pohlsberg (1904) Da der Hügel akut durch Kiesabbau bedroht war, entschloss sich der Bernburger Altertumsverein 1904 zu einer Grabung, die im September desselben Jahres unter Leitung von Paul Höfer durchgeführt wurde. Hierbei wurden auf Höhe der Hügelsohle zur Mitte hin zunächst zehn Schnitte mit einer Breite von jeweils etwa 2 m angelegt: Zwei von Osten, jeweils drei von Norden und Süden und jeweils einer von Südosten und Nordosten. Die Schnitte erhielten später Nummern, von denen sich zum Teil die Nummerierungen der in ihnen angetroffenen Gräber ableitete. Nachträglich wurden noch ein weiterer Schnitt auf der Nordseite und drei auf der Westseite angelegt, die aber fundleer blieben.Paul Höfer: Der Pohlsberg bei Latdorf, Kr. Bernburg. 1905, S. 64–65.

Beschreibung Der Hügel miniatur|Querschnitt und Grundriss des Hügels miniatur|Funde aus dem Pohlsberg miniatur|Funde aus dem Pohlsberg mini|Informationstafel vom Arbeitskreis Archäologie im Bernburger Land e. V. Der längliche Hügel ist etwa ost-westlich orientiert. Er hat eine Länge von 40 m, eine Breite von 18 m und eine durchschnittliche Höhe von 4 m. Der Hügel ruht auf einer Kiesschicht, ist aber selbst aus humoser Erde aufgeschüttet. Zudem wurde im Westen eine etwa 15 m lange nachträgliche Verlängerung des Hügels durch eine Sandaufschüttung festgestellt. Durch Aktivitäten in einer benachbarten Kiesgrube ist sein westliches Ende beschädigt. Außerdem ist die Hügelschüttung stark von Kaninchenbauten durchsetzt, wodurch Bestattungsreste und Grabbeigaben teilweise verlagert wurden. Nach Beendigung der Grabung wurden alle Schnitte wieder zugeschüttet und das äußere Erscheinungsbild des Hügels in seinen ursprünglichen Zustand versetzt. Hierbei wurde ein Steinbeil aus dunkelgrauem Syenit mit einer Länge von 7,7 cm und einer Breite von 5,3 cm an der Schneide bzw. 3,2 cm am Nacken gefunden. Höfer vermutete, dass es aus dem oberen Grab der Schnurkeramikkultur (siehe unten) stammte, da dort eine Axt aus dem gleichen Material entdeckt wurde.Paul Höfer: Der Pohlsberg bei Latdorf, Kr. Bernburg. 1905, S. 92–93.

Das zentrale Plattengrab der Baalberger Kultur Das in der Mitte des Hügels befindliche ursprüngliche Grab der Baalberger Kultur wurde über einer leichten natürlichen Bodenerhebung erbaut. Die Kiesschicht ist an dieser Stelle etwa 0,8 m höher als an den Rändern des Hügels. Das Grab selbst wurde etwa 0,6 m über der Kiesschicht errichtet. Es ist ungefähr ost-westlich orientiert und besitzt eine trapezförmige steinerne Umfassung aus Granit-Findlingen. Ihre Breite beträgt an der östlichen Schmalseite 6,45 m. Die nördliche Langseite konnte auf einer Länge von 25 m verfolgt werden, die südliche nur auf 19,5 m. Ihr Abstand hatte sich an dieser Stelle auf 4,25 m verringert. Eine westliche Schmalseite konnte nicht festgestellt werden. Die östliche Schmalseite der Umfassung besteht aus acht Steinen. Ein umgekippter Umfassungsstein hatte eine Länge von 1,4 m. Die Lücken zwischen den Findlingen waren mit kleineren Steinen aufgefüllt.Paul Höfer: Der Pohlsberg bei Latdorf, Kr. Bernburg. 1905, S. 87–89.

Etwa auf der Mittellinie zwischen den beiden Langseiten der Umfassung befindet sich die Grabkammer. Sie ist von der nördlichen Langseite 2,4 m, von der südlichen Langseite 2,3 m und von der östlichen Schmalseite 3,9 m entfernt. Die Kammer ist mit einer 2 m langen und 1 m breiten Platte aus Sandstein abgedeckt, die im Westen 0,24 m und im Osten 0,4 m dick ist. Auch die Wandplatten bestehen aus Sandstein. Die südliche hat eine Länge von 1,62 m, eine Höhe von 0,95 m und eine Dicke von 0,12 m. Die nördliche hat eine Länge von 1,76 m, eine Höhe von 0,95 m und eine Dicke von 0,16 m. Die beiden Platten an der Schmalseiten sind 0,2 bzw. 0,28 cm dick. Die Fugen zwischen den Platten waren mit Lehm verstrichen. Die südliche Wandplatte wies eine äußere Stützkonstruktion auf, bestehend aus drei nebeneinander stehenden Platten, an die wiederum eine schräg liegende Platte und durch einen 0,5 m langen, 0,5 m breiten und 0,36 m hohen Stein angelehnt waren. Die Grabkammer hat innen eine ost-westliche Länge von 1,42 m, eine nord-südliche Breite von 0,7 m und eine Höhe von 0,95 m.Paul Höfer: Der Pohlsberg bei Latdorf, Kr. Bernburg. 1905, S. 89–90.

Durch das Herausbrechen der westlichen Hälfte der südlichen Wandplatte gelangten die Ausgräber ins Innere der Kammer. Vom Begräbnis waren nur noch einige sehr poröse Knochenreste erhalten, meist Röhrenknochen und Gelenkenden. Einzige Grabbeigabe war eine in der Nordostecke gefundene Kanne. Sie hat eine Höhe von 17,5 cm, einen maximalen Durchmesser von 16,3 cm und einen Mündungsdurchmesser von 8,5 cm. Der Bauch-Schulter-Umbruch ist gerundet und die Mündung wölbt sich leicht nach außen. Um den Hals-Schulter-Umbruch verläuft ein Band aus kleinen Kerben, was eine Besonderheit darstellt, da Baalberger Keramik meist unverziert ist.Paul Höfer: Der Pohlsberg bei Latdorf, Kr. Bernburg. 1905, S. 90.

Fundstellen A und B Im östlichen Hügelbereich, etwa 19 m östlich und 6 m südlich der Mitte, direkt auf der Sohle der Hügelschüttung bzw. 1,25 m unter der Oberfläche stießen die Ausgräber auf eine Sandsteinplatte (Fundstelle A), die mit einer Schicht aus Asche sowie menschlichen und tierischen Knochen bedeckt war, sonst aber keine weiteren Funde aufwies. Etwa 3 m nördlich davon lag eine weitere, 0,7 m große Sandsteinplatte, die völlig ohne Beifunde war.Paul Höfer: Der Pohlsberg bei Latdorf, Kr. Bernburg. 1905, S. 66.

In der Nähe wurde eine weitere, schräg stehende, nord-südlich orientierte Sandsteinplatte entdeckt (Fundstelle B). Sie hatte eine Länge von 1,55 m, eine Höhe von knapp 1,0 m und eine Dicke von 0,5 m. Sie war in einem Winkel von etwa 45° nach Osten geneigt. Am südlichen Ende schlossen sich nach Westen hin Steinpackungen an. Die Unterseite der Platte blieb fundleer. Am unteren Ende ihrer Oberseite wurden hingegen zahlreiche Keramikscherben gefunden, aus denen sich drei Gefäße rekonstruieren ließen, von denen eines sicher der Walternienburger Kultur zuzuordnen ist. Es handelt sich um eine graue Amphore mit konischem Hals, vier Ösen und einem Dekor aus einem mit Punkten besetzten Zickzackband am Bauch. Bei einem zweiten Gefäß scheint es sich um eine schwarze Kugelamphore zu handeln. Das dritte Gefäß war ein rotbrauner Topf mit abgesetztem zylindrischem Hals. Auch den Steinen wurden noch zwei einzelne Scherben gefunden, von denen eine zur Walternienburger Amphore gehörte, die zweite war mit zwei Reihen horizontaler, viereckiger Grübchen und einer darunter verlaufenden imitierten Schnurlinie verziert.Paul Höfer: Der Pohlsberg bei Latdorf, Kr. Bernburg. 1905, S. 66–67.

Fundstelle C Etwa 11,5 m östlich und 6 m südlich der Mitte, 0,75 m unter der Oberfläche wurde eine weitere Fundstelle der Walternienburger Kultur entdeckt. Der einzige Fund war eine unverzierte, doppelkonische Tasse mit einer Höhe von 9 cm, einem Bodendurchmesser von 4 cm, einem maximalen Durchmesser von 9 cm und einem Mündungsdurchmesser von 7 cm.Paul Höfer: Der Pohlsberg bei Latdorf, Kr. Bernburg. 1905, S. 67–68.

Ganz in der Nähe wurden zwei Bruchstücke eines menschlichen Schädels gefunden, bei denen aber kein Zusammenhang zu der Tasse ersichtlich war. Vermutlich waren sie durch Tiere verlagert worden, vielleicht stammten sie aber auch gemeinsam mit der Tasse aus einem zerstörten Grab.Paul Höfer: Der Pohlsberg bei Latdorf, Kr. Bernburg. 1905, S. 68.

Das obere Grab der Schnurkeramikkultur Etwa 3 m östlich und 1,5 m südlich der Mitte wurde in 1 m Tiefe eine Körperbestattung gefunden, die auf einer 4 cm dicken, in zwei Teile zerbrochenen Sandsteinplatte gebettet war. Das Skelett war nur schlecht erhalten, der Unterkiefer war unvollständig und der Schädel fehlte. Wahrscheinlich stammten die nahe Fundstelle C gefundenen Schädelbruchstücke ursprünglich von hier.Paul Höfer: Der Pohlsberg bei Latdorf, Kr. Bernburg. 1905, S. 70.

An Grabbeigaben wurden zwei Gefäße, weitere einzelne Scherben, eine Steinaxt und mehrere Perlen gefunden. Das erste Gefäß stand auf einem Stein. Es handelte sich um eine unverzierte, rotbraune, kugelige Amphore mit zwei Ösen am Bauch. Sie hat eine erhaltene Höhe von 27 cm, einen Bodendurchmesser von 9,5 cm und einen maximalen Durchmesser von 27,4 cm; der Hals fehlte. 70 cm nördlich davon wurde ein schwarzbrauner Becher mit Schnurverzierung gefunden. Er hatte eine Höhe von 14 cm und einen Mündungsdurchmesser von 10 cm. Zu den einzelnen Scherben gehörten eine die einen Zapfen und ein Dekor aus zwei Punktreihen aufwies sowie einige weitere, die zu einem rötlichen, mit Fischgrätenmuster verzierten Becher gehörten. Die Steinaxt bestand aus dunkelgrauem, marmoriertem Syenit und war facettiert, wobei die Übergänge zwischen den einzelnen Facetten eher weich waren. Die Länge der Axt betrug 14 cm. Die Perlen waren ringförmig, etwa 4 mm breit und hatten einen Durchmesser zwischen 7 und 8 mm. Höfer hielt das Material zunächst für Bronze, eine in Halle (Saale) durchgeführte chemische Analyse zeigte aber, dass es sich um reines Kupfer handelte.Paul Höfer: Der Pohlsberg bei Latdorf, Kr. Bernburg. 1905, S. 70–72.

Die schnurkeramische Fundstelle D