Der Schneiderberg ist ein mehrphasig genutzter Grabhügel des Neolithikums und der Bronzezeit in Baalberge, einem Ortsteil von Bernburg (Saale) im Salzlandkreis, Sachsen-Anhalt. Bei einer Grabung im Jahr 1901 wurden hier erstmals Keramikgefäße einer archäologischen Kultur entdeckt, die später den Namen Baalberger Kultur (3900–3400 v. Chr.) erhielt. Der Schneiderberg wurde damit zum namensgebenden Fundort für diese Kultur. Weitere Bestattungen in diesem Hügel wurden später von der Walternienburger Kultur (3350–3100 v. Chr.), der Kugelamphorenkultur (3100–2650 v. Chr.), der Schnurkeramik (2800–2050 v. Chr.) und der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur (2300–1550 v. Chr.) angelegt. Die Funde aus dem Grabhügel befinden sich heute im Schlossmuseum Bernburg.

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] } Der Schneiderberg befindet sich im Norden von Baalberge, direkt südlich einer Gartensparte. Wenige Meter südwestlich befindet sich eine nach ihm benannte Gaststätte.

In und um Baalberge existierten ursprünglich noch mehrere weitere Grabhügel, die aber alle im späten 18. und im 19. Jahrhundert zerstört wurden. Südöstlich des Orts bei der Bockwindmühle lag der Lange Berg, der 1853 abgetragen wurde, von dem aber noch einige Details zu den Gräbern und zu den Beigaben bekannt sind. Am heutigen Friedhof lag der Schinderberg, der 1793 zerstört wurde. Zwischen Baalberge und Bernburg lag der Evangelienberg. 1794 wurde ein Grabhügel bei Rönitz abgetragen. Ein weiterer zerstörter Grabhügel war der Tochauer Berg bei Kleinwirschleben.

In der weiteren Umgebung befinden sich noch einige erhaltene Grabhügel, so etwa 6,2 km westlich der Grabhügel Stockhof bei Gröna und in nördlicher Richtung 4 km entfernt der Pohlsberg, 4,3 km entfernt der Pfingstberg und 4,6 km entfernt das Spitze Hoch (alle bei Latdorf) sowie 4,2 km nordöstlich der Fuchsberg bei Weddegast. Ebenfalls nördlich liegen die drei Großsteingräber Steinerne Hütte bei Latdorf (4,8 km entfernt), Heringsberg bei Grimschleben (6,6 km entfernt) und Bierberg bei Gerbitz (6,9 km entfernt).

Unmittelbar östlich und südöstlich des Schneiderbergs existierte in der späten Bronze- und frühen Eisenzeit eine größere Siedlung. Zugehörige Funde stammen von einem nur wenige Meter südöstlich des Schneiderbergs gelegenen Einfamilienhaus,Caroline Janick: Neue Untersuchungen zur spätbronze-/früheisenzeitlichen Besiedlung in der Gemarkung Baalberge, Salzlandkreis – Der Fundplatz »Einfamilienhaus am Schneiderberg«. 2021, S. 252, 256. von mehreren Stellen des östlich davon gelegenen Geländes der Agrargenossenschaft Baalberge, vom nördlich angrenzenden Feld, von der südlich der Agrargenossenschaft liegenden Schule und von einem weitere 200 m südlich befindlichen Grundstück.Andreas Neubert: Zur spätbronzezeitlichen Besiedlung von Baalberge, Ldkr. Bernburg. 1999, S. 355–356.

Name Erstmals überliefert wurde die Existenz des Schneiderbergs von Johann Christoph Bekmann in seiner 1710 erschienenen Historie des Fürstenthums Anhalt. Er berichtet von zwei Grabhügeln, die er als Baals-Berge bezeichnet. Es handelt sich dabei vermutlich um den Schneiderberg und den im 19. Jahrhundert zerstörten Langen Berg. Bekmann spekulierte, ob die Bezeichnung auf den phönizischen Gott Baal zurückgehen könnte oder auf das Wort Pahl bzw. Pfahl im Sinne von Grenzpfahl und die Grabhügel somit als Grenzmarkierungen gedient haben könnten.

Paul Höfer lehnte diese Herleitungen ab und vermutete vielmehr, dass Baal auf das mittelhochdeutsche bal bzw. altsächsische balu (übel, schlecht, schädlich) zurückgeht, vermutlich in dem Wissen, dass es sich um alte heidnische Begräbnisplätze handelt. Bestätigt wird seine Vermutung dadurch, dass der Ort Baalberge bereits in Urkunden des 10. Jahrhunderts in der Schreibweise Balberg auftaucht. Da Baalberge zudem in einer weithin ebenen Gegend liegt, kann die Endung -berge nicht von einer natürlichen Erhebung abgeleitet sein. Höfer folgerte daher, dass die beiden Grabhügel von alters her als Baalberge bekannt waren und der angrenzende Ort seinen Namen von ihnen ableitete.Paul Höfer: Baalberge. 1902, S. 16–17.

Da Bekmann zudem der Name Schneiderberg unbekannt war, vermutete Höfer weiterhin, dass dieser Name jüngeren Datums ist.Paul Höfer: Baalberge. 1902, S. 17. Er taucht erstmals in der Baalberger Kirchenchronik von 1742 auf.

Forschungsgeschichte Im Jahr 1901 fanden am Schneiderberg umfangreiche Grabungen durch den Bernburger Altertumsverein unter Leitung von dessen Vorsitzenden Ferdinand Kälber statt. Ein weiterer Teilnehmer war Paul Höfer, von dem der einzige ausführlichere Grabungsbericht stammt. Der Hügel sollte eigentlich großflächig geöffnet werden, dieses Vorhaben wurde jedoch durch einen trigonometrischen Punkt auf der Kuppe des Hügels eingeschränkt. Es wurden also nur einzelne Suchschnitte angelegt. Die im Hügel angetroffenen Bestattungen zeigten eine sehr lange Nutzungsdauer an: So fanden sich Gräber der Walternienburger Kultur, der Kugelamphorenkultur, der Schnurkeramik und auch noch aus der Bronzezeit. Am Boden des Hügels wurde schließlich das älteste Steinplattengrab entdeckt, das wegen seiner zentralen Lage allerdings nicht komplett ausgegraben werden konnte, denn direkt über ihm befand sich der Vermessungspunkt.

In diesem Grab fielen zwei Gefäße auf, die dem Toten beigegeben worden waren (siehe unten) und deren Form den Ausgräbern bis dahin unbekannt war. Höfer glaubte, Ähnlichkeiten zur Keramik der norddeutschen Trichterbecherkultur ausmachen zu können. Der deutlichste Unterschied war allerdings, dass den Stücken aus Baalberge die typische Verzierung der norddeutschen Keramik fehlte. Gemäß seiner Argumentation seien die beiden Gefäße daher wohl am ehesten der Bernburger Kultur zuzuordnen, da diese die Verzierungen aus dem Norden zwar übernimmt, sie aber stark verflacht und oftmals völlig weglässt.

In den folgenden Jahren tauchten aber immer mehr ähnliche Gefäße auf und eine Zuordnung zur Bernburger Kultur erschien immer zweifelhafter. Eine erste systematische Übersicht der fraglichen Funde stellte 1922 Paul Kupka zusammen. Kupka trug insgesamt 43 Fundorte zusammen, von denen Keramik stammt, die durch drei gemeinsame Merkmale gekennzeichnet ist: Ihren Aufbau, ihre spärliche Verzierung und ihre Auffindung in Einzelgräbern mit Körperbestattung. Bezüglich der Gräber trifft Kupka die Einschränkung, dass die Keramik sowohl in Dolmen, Steinkistengräbern und Flachgräbern aufgefunden wurde. Er unterscheidet fünf Gefäßformen: Trichterhalsamphoren, vierösige Vasen, Henkelkrüge, bauchige, einhenklige Töpfchen und Kummen (Halbkugel- und konische Gefäße). Von den verschiedenen Autoren waren diese ursprünglich der Bernburger Kultur, der Rössener Kultur, der Schnurkeramik, der Megalithkeramik (Trichterbecherkultur), der Bronzezeit und sogar der Latènezeit zugeordnet worden. Kupka schloss sich schließlich einer weiteren Zuordnung an, nämlich der zur Pfahlbaukeramik (süddeutsche Michelsberger Kultur) und definierte einen spezifisch mitteutsche Pfahlbaukeramik.

Diese Deutung Kupkas fand jedoch keinen großen Anklang und bereits 1925 erkannte Nils Niklasson die Eigenständigkeit der Baalberger Keramik. Er definierte ausgehend von den Funden aus dem Baalberger Schneiderberg und dem Pohlsberg bei Latdorf den Typus der „Kannen vom Baalberger Typ“. Zu dieser Hauptform ergänzt er noch acht- oder vierhenkelige Amphoren und kleine Henkeltöpfchen. Über die Definition eines neuen Gefäßtyps ging Niklassons Arbeit aber zunächst nicht hinaus. Er erkannte zwar, dass der Baalberger Typ in keine der bis dahin definierten archäologischen Kulturen so recht hineinpassen wollte, eine neue Regionalgruppe oder eigenständige Kultur leitete er aus den Funden allerdings noch nicht ab.

Diesen letzten Schritt unternahm erst Paul Grimm. Ab 1929 beschäftigte dieser sich in Zusammenarbeit mit Niklasson genauer mit dem Baalberger Typ und veröffentlichte seine Ergebnisse 1937. Mit 163 Fundorten hatte er eine erheblich größere Ausgangsbasis als Kupka. Dies erlaubte ihm nun auch eine innere Gliederung der Baalberger Keramik und Aussagen zur relativen Chronologie, was aber beides durch neuere Arbeiten von Joachim Preuß, Jan Lichardus und zuletzt Johannes Müller stark revidiert wurde.

mini|Untersuchung des spätbronze-/früheisenzeitlichen Siedlungsareals südöstlich des Schneiderbergs im Vorfeld der Errichtung eines Einfamilienhauses, März 2012 Nachdem im Herbst 1989 im Vorfeld der Errichtung einer Gerätehalle etwa 120 m östlich des Schneiderbergs Siedlungsspuren entdeckt worden waren, wurde die Stelle von Februar bis September 1990 durch Mitarbeiter des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle (Saale) und des Schlossmuseums Bernburg unter Leitung von Karin Wagner archäologisch untersucht. Eine kurze Nachuntersuchung erfolgte 1991. Die Aufarbeitung und Publikation dieser Grabung erfolgte Ende der 1990er Jahre durch Andreas Neubert.Andreas Neubert: Zur spätbronzezeitlichen Besiedlung bei Baalberge (Lkrs. Bernburg) – ein Vorbericht. 1997.Andreas Neubert: Studien zu einer spätbronzezeitlichen Siedlung «Am Schneiderberg/Gerätehalle» bei Baalberge, Ldkr. Bernburg, Sachsen-Anhalt. 1998.Andreas Neubert: Zur spätbronzezeitlichen Besiedlung von Baalberge, Ldkr. Bernburg. 1999. Das untersuchte Areal dürfte Teil einer größeren spätbronze-/früheisenzeitlichen Siedlung sein. In früheren Jahren wurden östlich und südlich der untersuchten Stelle immer wieder Lesefunde und undokumentierte Funde bei Baumaßnahmen gemacht. Westlich der Gerätehalle und damit näher am Schneiderberg wurde 2012 im Zuge der Errichtung eines Einfamilienhauses ein weiteres Stück dieser Siedlung in einer Rettungsgrabung unter Leitung von U. Trebstein untersucht. Die Publikation erfolgte 2021 durch Caroline Janick.Caroline Janick: Neue Untersuchungen zur spätbronze-/früheisenzeitlichen Besiedlung in der Gemarkung Baalberge, Salzlandkreis – Der Fundplatz »Einfamilienhaus am Schneiderberg«. 2021.

Im Juni 1993 wurden am Schneiderberg geoelektrisch-tomografische Messungen durchgeführt, um dieses damals in der Archäologie noch recht neue Verfahren zu testen. Auf den Messbildern waren die zentrale Grabkammer und etwas weniger deutlich die Grabungsschnitte von 1901 zu erkennen.F. Jacobs et al.: Geoelektrisch-tomographische Messungen an ortsfesten Bodendenkmalen. 1994, S. 174–177.

Im März 1997 wurde der Schneiderberg beim Anlegen eines Wanderwegs angeschnitten. Dabei wurde eine abgebrochene Feuersteinklinge geborgen. Die untere Denkmalschutzbehörde Bernburg verhängte daraufhin einen Baustopp und ordnete die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands des Hügels an.C. Hornig: Archäologische Fundchronik des Landes Sachsen-Anhalt 1998. In: Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte. Band 82, 1998, S. 231–232 (Online).

Zum besseren Verständnis des stratigrafischen Aufbaus des Schneiderbergs führte ein Team des Sonderforschungsbereichs 1266 an der Christian-Albrechts-Universität Kiel 2024 eine Untersuchung mittels Geoseismik und Geoelektrik (Electrical resistivity tomography (ERT) und Elektromagnetische Induktion (EMI)) durch. Auch Kernbohrungen und Radiokohlenstoffdatierungen wurden durchgeführt.Manuel Zolchow et al.: Multi-Method Structural Investigation of the Schneiderberg–Baalberge Burial Mound (Saxony-Anhalt, Germany) Including Seismic Full-Waveform Inversion (FWI). In: Archaeological Prospection. 2024 (Online).

Beschreibung

Der Hügel mini|Die Oberseite des Hügels bildet ein Plateau mini|Ein Vermessungsstein steht in der Mitte des Plateaus mini|1958 wurde am Hang des Hügels ein Gedenkstein zum tausendjährigen Bestehen von Baalberge aufgestellt. mini|Grundriss und Querschnitt des Schneiderbergs mini|Funde aus dem Schneiderberg