Es gibt über 700 verschiedene Trachten in der Schweiz.Landliebe: Schweizer Trachten – Kleid der Heimat Diese unterscheiden sich nicht nur von Kanton zu Kanton, sondern auch innerhalb der Kantone sind, besonders die Frauentrachten, regional oft unterschiedlich. Praktisch in allen Regionen wird zwischen Festtags- und Werktagstrachten unterschieden.

Trachten sind heute im alltäglichen Strassenbild der Schweiz nicht mehr anzutreffen. Sie werden ausschliesslich zu Festen, wie den eidgenössischen Festen, dem Nationalfeiertag oder in einigen Regionen zu Fronleichnamprozessionen sowie zu kulturellen Veranstaltungen, wie Vorführungen von Trachtengruppen und Gesangsvereinen getragen.

Trachtenvereine und Schweizerische Trachtenvereinigung In der Schweiz sind 2015 über 16 000 Mitglieder in 650 Trachtenvereinen organisiert. Viele der angeschlossenen Trachtenvereine, auch Gruppen genannt, pflegen in erster Linie den Volkstanz. Die Vereine sind in 26 Kantonalvereinigungen zusammengefasst. Die Dachorganisation ist die 1926Michael van Orsouw: Bubikopf oder Trachtenhut? Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 16. Dezember 2020 gegründete Schweizerische Trachtenvereinigung STV.

Eidgenössisches Trachtenfest Im Abstand von zwölf Jahren führt die Schweizerische Trachtenvereinigung STV ein landesweites Trachtentreffen als Eidgenössisches Fest durch. Letztmals trafen sich am Eidgenössischen Trachtenfest 2024 vom 28.–30. Juni 2024 rund 7000 Trachtenleute in Zürich. Das Fest zog etwa 150'000 Besucher an.Tradition trifft Innovation: Eidgenössisches Trachtenfest 2024 begeistert in Zürich. Abgerufen am 2. Juni 2026.

Geschichte der Trachten in der Schweiz Ursprung mini|Unter den Trachtenfiguren stehen die Bezeichnungen "Zurich, Soleure, Schaffhouse, Zurich". Trachten kennt man in der Schweiz seit über 250 Jahren.St. Gallische Trachtenvereinigung: Geschichte Die meisten Volkstrachten gehörten damals zur allgemeinen bäuerlichen Kleidung, genäht aus grobem Stoff für die harte Arbeit auf Feld und Hof. Bereits im 18. Jahrhundert gab es eine grosse Fülle an verschiedenen Trachten.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Bilder mit Trachtenleuten sehr beliebt. Dabei fand in der zeitgenössischen Grafik eine formale Reduktion und Emblematisierung der bäuerlichen Kleider statt. Dies hing mit den politischen Umwälzungen zwischen 1798 und 1815 (Untergang der Alten Eidgenossenschaft, Helvetische Republik und der Mediation) zusammen. Reiche ausländische Reisende, die dank dem aufkommenden Tourismus die Schweiz bereisten, erfreuten sich an den Trachten und kauften diese Abbildungen als Reiseandenken. Zu den bekanntesten Trachtenmalern seiner Zeit gehörte der Luzerner Josef Reinhard (1749–1829). Seine 125 Porträts gelten als Schatz der Schweizer Kulturgeschichte. Sammlungen seiner Werke sind im Historischen Museum Bern und im Kunstmuseum Luzern zu besichtigen.

Im Zuge der aufkommenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert verschwanden die Trachten immer mehr zu Gunsten städtischer Kleider aus dem Alltagsleben. Billige Fabrikgüter verdrängten die Handarbeit und in den Städten trugen die Damen lieber elegantere Reifröcke.St. Gallische Trachtenvereinigung: Trachten

Im Gegenzug fand durch die Trachtenmalerei eine Vereinheitlichung der Trachten statt. Dabei wurde jedem Kanton ein Trachtenpaar zugewiesen und an Fasnachtsumzügen und an Festen traten 22 Paare in Trachtenkostümen auf. An der Landesausstellung 1896 in Genf bevölkerten Trachtenleute das Village suisse.

Trachten werden Kulturgut Das erste Trachtenfest fand 1898 auf Initiative des Lesezirkels Hottingen in Zürich statt. Glücklicherweise wandte sich das Interesse wieder den historischen Originalen zu. Ende des 19. Jahrhunderts verschrieben sich Städter der Oberschicht der Rettung der bedrohten ländlichen Kultur. 1898 erfolgte die Gründung der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde. Bäuerlicher Hausrat, Schmuck und Trachten wurden gesammelt und im 1898 eröffneten Schweizerischen Landesmuseum ausgestellt. Für den Festumzug anlässlich der Museumseröffnung wurden nach alten Vorbildern Trachten genäht. Später wurden diese in die Sammlung des Landesmuseums aufgenommen. Der autodidaktischen Forscherin und Mitbegründerin der Trachtensammlung des Landesmuseums, Julie HeierliAlexander Rechsteiner: Ein Leben für die Tracht Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 15. Dezember 2017, ist es zu verdanken, dass die Trachten als historische Zeugnisse fortan von der Gesellschaft ernst genommen wurden.

In der am Vorabend des Ersten Weltkriegs stattgefundenen Schweizerischen Landesausstellung in Bern stand die Tracht im Zentrum. Die Kriegsgefahr führte zu einer Änderung in der Einstellung zum schweizerischen Kulturgut. Mit dem Tragen der Tracht zeigte man die Verbundenheit zum Vaterland und bald galt die traditionelle Kleidung als Sinnbild der Heimatliebe.

Zu den Aufgaben des 1906 gegründeten Schweizerischen Heimatschutzes gehörte auch der Erhalt von Trachten und Volksbräuchen.Hermann Balsiger: Die Trachten des Zürichbietes im Jahre 1925. In: Heimatschutz = Patrimoine, Bd. 20, 1925, S. 81–98. Im Jahr 1926 spaltete sich die Trachtenbewegung vom Schweizerischen Heimatschutz ab und gründete in Luzern die Schweizerische Trachtenvereinigung.Vereinsnachrichten: Zur Trachtenbewegung. In: Heimatschutz = Patrimoine, Bd. 21, 1926, S. 64. In den folgenden Jahren wurden im ganzen Land kantonale Trachtenvereinigungen gegründet. Gleichzeitig begann landesweit eine sorgfältige Reform des Trachtenwesens.

Das Ziel der Schweizerischen Trachtenvereinigung bestand darin, die zeitlosen und schlichten Frauentrachten bei der ländlichen Bevölkerung wieder einzuführen. Die Trachten sollten auch sozial harmonisierend wirken. Der STV arbeitete mit dem Schweizerischen Landfrauenverband zusammen und erreichte so die zukünftigen Bäuerinnen in den Bäuerinnenschulen. Das 1930 gegründete Schweizer Heimatwerk förderte durch den Verkauf einheimischer Textilien die Trachtenbewegung.

Die neuen Trachten entstehen In den 1920er Jahren entstanden in verschiedenen Regionen des Landes verschiedene Modelle von neuen Trachten in mehr oder weniger freier Interpretation des historischen Materials. In den Jahren 1922–1932 veröffentlichte Julie Heierli ihr fünfbändiges Hauptwerk «Die Volkstrachten der Schweiz». Es ist bis heute das umfassendste und historisch fundierteste Werk zum Thema. Julie Heierli beeinflusste mit ihren rein historisch begründeten Vorschlägen zur Erneuerung der Trachten die Trachtenbewegung massgeblich und wirkte dem folkloristischen Aspekt der neuen Trachtenbewegung entgegen.

Der Weg in die Gegenwart Im Zuge der Schweizerischen Landesausstellung 1939 in Zürich sowie des Zweiten Weltkriegs stieg die Mitgliederzahl der Trachtenvereinigungen kontinuierlich an und sank erst ab Ende der 1950er Jahre wieder. Der Generationenwechsel erwies sich als schwierig. Das Bedürfnis nach regionalen und gar lokalen Differenzierungen der Trachten wirkte ab den 1970er Jahren belebend auf die Trachtenbewegung, dabei wurde auf die historische Legitimierung der Trachten grosser Wert gelegt.

Die Trachten heute Durch die vielfältigen Aktivitäten der Trachtengruppen wie Singen (Volkslieder), Tanzen, Reisen und Handarbeiten wurde das Trachtenwesen immer mehr zu einer Art von Freizeitgestaltung. Dadurch konnten auch vermehrt Männer zum Tragen von Trachten animiert werden.

Die Herstellung und das Tragen von Trachten unterliegen in der Schweiz verschiedener Regeln. Ein Grundsatz besagt, dass nur die Tracht des Heimat- oder Wohnorts getragen wird. Weiter sollen Trachten nicht ausgeliehen und nicht mit anderen Kleidungsstücken kombiniert werden.

Die alpenländische Trachten- und Landhausmode ist in der Schweiz so gut wie nicht anzutreffen. In den 2010er Jahren wurden Oktoberfeste nach bayrischem Vorbild populär. Die Besucher tragen dafür gerne Dirndl und Lederhosen, häufig Billigmodelle vom Discounter, und mehr als Verkleidung denn aus Tradition.20 Minuten: Die Schweiz im Oktoberfest-Rausch vom 24. September 2015

Eine Dauerausstellung im Freilichtmuseum Ballenberg zeigt die Geschichte der Trachten und deren Herstellung.Freilichtmuseum Ballenberg: Freilichtmuseum Ballenberg - Ausstellungen

Verschiedene Trachten der Schweiz Zu den bekanntesten Festtagstrachten der Schweiz gehören die schwarze Bernertracht mit ihrem reichen Silberschmuck und die Engadinertracht aus rotem Wollstoff. Im Kanton Zürich sind die Wehntalertracht mit der leuchtend blauen Schürze und die Tracht des Knonauer Amtes, das Burefeufi (so genannt wegen der am Rücken V-förmig gebundenen Schürze) am häufigsten zu sehen.

Die bekanntesten Männertrachten sind die Appenzeller Sennentracht mit ihren gelben Lederhosen und dem roten Chilet, der Berner Mutz, eine schwarze, kurzarmige, bestickte Samtjacke sowie das bestickte, blaue Sennechutteli, eine Trachtenbluse der Innerschweiz.

Historische Fotos von Schweizer Trachten nach Kantonen Aargau

Appenzell Innerrhoden

Basel-Landschaft

Freiburg im Üechtland

Glarus

Graubünden

Nidwalden

Schaffhausen

Thurgau

Valais

Zurich

Genf, Neuchâtel, St. Gallen, Solothurn, Ticino, Vaud

Liste der Kantonalen Trachtenvereinigungen Die Websites der kantonalen Trachtenvereinigungen geben einen ausführlichen Überblick über die verschiedenen Trachten der Schweiz.

+ Kantonale Trachtenvereinigungen Kanton Trachtenvereinigung Gründungsjahr Mitglieder Anzahl Trachtengruppen Website Zürcher Trachtenvereinigung 1928 www.trachten-zuerich.ch Bernische Trachtenvereinigung 1929 128 www.trachtenvereinigung-bern.ch Luzerner Trachtenvereinigung 1927 1750 51 www.trachtenvereinigung-luzern.ch Trachtenvereinigung Uri 1942 7 www.trachten-uri.ch Kantonal Schwyzerische Trachtenvereinigung 14 www.trachten-sz.ch Obwaldner Trachten- und Volkslieder-Vereinigung 7 trachten-ow.ch Kantonale Trachtenvereinigung Nidwalden 1940 227 4 www.trachtenvereinigung-nidwalden.ch Trachtenvereinigung des Kantons Glarus Zuger Kantonale Trachtenverband 1941 www.zugertrachten.ch Freiburgische Vereinigung für Tracht und Brauch ffcc.ch Solothurner Trachtenverband 20 www.so-trachtenverband.ch Trachtenverband des Kantons Basel-Stadt 1936 36 2 www.trachtenvereinigung-bs.ch Trachtenvereinigung Baselland 1939 400 12 www.trachtenvereinigung-bl.ch Schaffhauser Kantonale Trachtenvereinigung www.trachten-schaffhausen.ch Trachtenvereinigung Appenzell Ausserrhoden 1926 6 www.trachtenvereinigung-ar.ch Trachtenvereinigung Appenzell Innerrhoden 1936 240 1 www.trachtenverein-ai.ch/ St. Gallische Trachtenvereinigung 1927 900 35 www.stgallischetrachtenvereinigung.ch Bündner Trachtenvereinigung 1933 26 www.buendnertracht.ch Aargauischer Trachtenverband 1927 54 www.trachtenverband-aargau.ch Thurgauer Trachtenvereinigung 1926 18 www.thurgauer-trachtenvereinigung.ch Federazione Cantonale del Costume Ticinese 1937 17 www.costumiticinesi.ch Association Cantonale du Costume Vaudois 1916 18 www.costume-vaudois.ch Walliser Trachtenvereinigung 41 www.costumes-valais.ch Société du costume neuchâtelois Fédération Cantonale du Costume Genevois 1930 15 fccge.ch Association des costumes et coutumes de la République et Canton du Jura (Quellen: Websites der kantonalen Trachtenvereinigungen, Stand September 2015)

Literatur Adolf Fluri: Kleidermandate und Trachtenbilder in gegenseitiger Beleuchtung: an einem Beispiel aus der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts veranschaulicht. In: Blätter für bernische Geschichte, Kunst und Altertumskunde, Band 23, Heft 4. 1927. S. 259–284 (Digitalisat).

Weblinks

Homepage der Schweizerischen Trachtenvereinigung

Einzelnachweise

Kategorie:Immaterielles Kulturerbe (Schweiz) Kategorie:Trachtenkunde (Europa)