mini|hochkant=1.3|Ermordung von Giuliano de’ Medici im Dom Santa Maria del Fiore im Rahmen der Pazzi-Verschwörung (Gemälde von Stefano Ussi) Die Pazzi-Verschwörung war eine gescheiterte Verschwörung der Florentiner Bankiersfamilie Pazzi, mit der die Vorherrschaft der Familie Medici in der Regierung der Republik Florenz gebrochen werden sollte. Unterstützung für diesen Plan kam vom römischen Papsttum und anderen politischen Akteuren wie der Republik Siena, dem Königreich Neapel und dem Herzogtum Urbino. Am 26. April 1478 wurde ein Attentat auf Lorenzo de’ Medici und seinen Bruder Giuliano de’ Medici verübt, bei dem Lorenzo verletzt und Giuliano getötet wurde.

Das Scheitern der Verschwörung trug dazu bei, die Macht und Popularität der Medici zu stärken. Dies hatte nachhaltige Auswirkungen auf das Machtgleichgewicht in Italien am Ende des 15. Jahrhunderts. Die Mitglieder der Familie Pazzi, die direkt an der Verschwörung beteiligt waren, wurden hingerichtet, während die übrigen Familienmitglieder aus Florenz verbannt wurden.

Hintergrund mini|hochkant|Papst Sixtus IV. (Porträt in Öl von Pedro Berruguete im Cleveland Museum of Art, etwa 1476/82) Seit 1469 wurde Florenz de facto von Lorenzo de’ Medici und seinem Bruder Giuliano, den Söhnen Piero di Cosimo de’ Medici, der in jenem Jahr verstorben war, regiert. Lorenzo war damals 20 und Giuliano 16 Jahre alt. Lorenzo beeinflusste das politische Leben mit der gleichen Methode wie sein Großvater Cosimo, das heißt, er bekleidete keine direkten Ämter, sondern kontrollierte alle Magistrate und Schlüsselpositionen durch Vertraute. Durch die Hochzeit von Guglielmo de’ Pazzi mit Bianca de’ Medici, der Schwester von Lorenzo und Giuliano, bestand ein familiäres Bündnis zwischen den beiden wohlhabenden Familien.

Es ist unklar, ob die Idee einer Verschwörung in Florenz auf Initiative der Familie de’ Pazzi entstand oder vielmehr in Rom durch ihren Verbündeten, Papst Sixtus IV. Auf jeden Fall einte die Idee der physischen Beseitigung der de-facto-Herrscher der Stadt eine Reihe von ihnen feindlich gesinnten Persönlichkeiten, die sich zu einer regelrechten Verschwörung zusammenschlossen.

Papst Sixtus IV., ein bekannter Nepotist, bekundete nach seiner Wahl zum Papst im Jahr 1471 Interesse daran, die reichen Gebiete der Stadt Florenz zu übernehmen und damit seine Neffen, darunter den Adligen Girolamo Riario, zu begünstigen. Er wollte die kostspieligen Bauvorhaben, die er in Rom in Angriff genommen hatte – wie beispielsweise die Verschönerung und Neuorganisation der Vatikanischen Bibliothek – finanzieren. Außerdem sah er die Expansionsbestrebungen der Medici in Richtung Romagna nicht gerne.

Die Spannungen zwischen den beiden Familien begannen, als Lorenzo den Pazzi vorwarf, dem Papst dreißigtausend Dukaten geliehen zu haben, damit dessen Neffe die nahe an den florentinischen Gebieten gelegene Grafschaft Imola in Besitz nehmen konnte. Diese Entscheidung widersprach einer ausdrücklichen Anweisung Lorenzos. Er hatte nicht nur dem Papst das Darlehen verweigert, sondern auch die anderen Florentiner Banken gebeten, dies ebenfalls zu tun. Francesco Pazzi stellte aber dem Papst nicht nur den Großteil des Kaufpreises zur Verfügung, sondern informierte ihn auch über Lorenzos Bitte. Daraufhin verlegte der Papst das päpstliche Konto von der Medici- zur Pazzi-Bank. Die Pazzi behaupteten gegenüber Lorenzo de’ Medici, dass dieser Wechsel der Gunst nur auf ihre geschäftlichen Verdienste und nicht auf Unredlichkeit zurückzuführen sei. Die Verwaltung der päpstlichen Finanzen brachte enormes Ansehen und großen Reichtum mit sich. Dieser stammte sowohl aus den Provisionen für die Geldtransfers als auch aus der Ausbeutung der Alaunminen der Monti della Tolfa. Alaun wurde als Fixiermittel für das Färben von Stoffen und für die Farben von Miniaturen verwendet. Die Minen von Tolfa befanden sich auf päpstlichem Gebiet in der Nähe von Civitavecchia und waren damals die einzigen bekannten Minen in Italien. Ihre Ausbeutung garantierte somit das Monopol auf einen unersetzlichen Stoff in der Textil- und Buchproduktion. Im Gegenzug ließ Lorenzo ein rückwirkendes Gesetz in Kraft setzen, das Töchtern ohne Brüder das Erbrecht entzog und es stattdessen an männliche Cousins übertrug. Damit verhinderte er eine Vergrößerung des Pazzi-Vermögens durch eine mögliche Erbschaft der Frau von Giovanni de’ Pazzi. Das Erbe von Giovanni Borromeo ging somit nicht an seine Tochter, sondern an seine Neffen, die Borromei, die enge Freunde der Medici waren.

Ablauf mini|Bertoldo di Giovanni, Medaille zur Pazzi-Verschwörung, 1478. Links Kopf von Lorenzo de’ Medici mit Szenen des Anschlags und der Inschrift Salus Publica, rechts Kopf von Giuliano de’ Medici mit der Szene seiner Ermordung und der Inschrift Luctus Publicus Die Verschwörung begann wahrscheinlich im August 1477 und wurde vor allem von Jacopo und Francesco de’ Pazzi geplant. Zu ihnen gesellte sich Francesco Salviati, Erzbischof von Pisa, der mit den Medici im Streit lag, da diese ihm den Lehrstuhl in Florenz vorenthalten und stattdessen einen ihrer Verwandten, Rinaldo Orsini, bevorzugt hatten. Nach der Beseitigung der Medici sollte Girolamo Riario die Führung in Florenz übernehmen. Für den Beginn der Verhandlungen war der Tod des einflussreichen Kardinals Latino Orsini im August 1477 wahrscheinlich nicht unerheblich. Er war der Onkel von Clarice Orsini, der Frau von Lorenzo de’ Medici, und hätte der Verwirklichung der Verschwörung gegen seine Schützlinge sicherlich im Weg gestanden.

Der Papst bemühte sich, weitere externe Unterstützung zu finden: die Republik Siena, den König von Neapel sowie Truppen aus den Städten Todi, Città di Castello, Perugia und Imola, allesamt päpstliche Gebiete. Außerdem empfahl er, Blutvergießen zu vermeiden. Dies war jedoch nur ein pro forma ausgesprochener Vorschlag, den die Verschwörer ignorierten, denn die beiden Medici sollten getötet werden. An der Verschwörung war zudem Federico da Montefeltro, der Herzog von Urbino, beteiligt. Er stellte den Verschwörern eine Truppe von 600 Mann vor den Toren von Florenz zur Verfügung.

Im März wurde in den Räumen des Apostolischen Palasts der Plan vereinbart. Er sah vor, dass nach dem erfolgreichen Abschluss der Verschwörung Lorenzo Giustini, päpstlicher Gesandter, und Gianfrancesco Mauruzzi da Tolentino, der zum Gouverneur von Imola ernannt worden war, die Truppen des Riario, etwa 2000 Mann und einige Pferde, vor die Tore von Florenz führen und sie dem Erzbischof von Pisa, Francesco Salviati, und Francesco de’ Pazzi zur Verfügung stellen sollten.

Samstag, 25. April 1478 Ursprünglich sah der Plan vor, die Brüder de’ Medici während eines von ihnen organisierten Banketts in der Villa Medici von Fiesole am 25. April 1478 zu ermorden. Mit dem Bankett sollte die Ernennung des 18-jährigen Raffaele Riario, ein Neffe von Sixtus IV., zum Kardinal gefeiert werden. Dessen Beteiligung an der Verschwörung ist umstritten. Es ist nicht bekannt, ob sein Onkel Sixtus IV. ihn über die Pläne der Verschwörer informiert hatte.

Das Bankett und die Verwandtschaft zwischen den Pazzi und den Medici sollten den Verdacht von den eigentlichen Drahtziehern der Verschwörung ablenken. An diesem Tag machte jedoch eine plötzliche Unpässlichkeit Giulianos das Vorhaben zunichte, sodass es auf den nächsten Tag verschoben wurde.

Sonntag, 26. April 1478 mini|hochkant|Porträt des Giuliano de’ Medici von Sandro Botticelli, Ende 15. Jh. Die Verschwörer hatten erwartet, dass die Medici den Kardinal in ihrem Palast empfangen würden. Stattdessen wurde der Kardinal im Dom empfangen, wo zu seinen Ehren ein Hochamt zelebriert werden sollte. Zunächst wurde der Soldat Giovan Battista Montesecco ausgewählt, den eigentlichen Mord auszuführen. Montesecco weigerte sich jedoch, eine solche Tat in einer Kirche während eines Gottesdienstes zu begehen. Er wurde durch zwei Priester ersetzt, die wenig Erfahrung im Umgang mit Waffen hatten, Stefano da Bagnone und den apostolischen Vikar Antonio Maffei da Volterra.

Die Medici und die Verschwörer nahmen an der Messe teil, mit Ausnahme von Montesecco. Da Giuliano jedoch immer noch unpässlich war, beschlossen Bernardo Bandini, der für Giuliano bestimmte Mörder, und Francesco de’ Pazzi, ihn persönlich abzuholen. Auf dem Weg vom Palazzo Medici zur Santa Maria del Fiore umarmten die Verschwörer Giuliano, um zu sehen, ob er unter seinen Gewändern ein Kettenhemd trug. Aufgrund einer Infektion am Bein verließ er jedoch das Haus ohne die übliche Schutzjacke und ohne sein Gentile, wie er sein Kriegsmesser scherzhaft nannte. Als sie in der Kirche ankamen, hatte die Messe bereits begonnen.

In dem feierlichen Moment der Elevation, als alle niederknieten, kam es zum eigentlichen Attentat: Bandini stürzte sich auf Giuliano, schlug ihm wiederholt auf den Rücken und rannte dann auf Lorenzo zu. Währenddessen stach Francesco de’ Pazzi mit seinem Dolch auf Giuliano ein, der in einer Blutlache lag. Er verblutete auf dem Boden des Doms, während Lorenzo verwundet entkam und von dem Humanisten Angelo Poliziano in der Sakristei eingeschlossen wurde. Der Versuch, das Amt des Gonfaloniere und die Signoria zu besetzen, wurde vereitelt, als der Erzbischof und das Oberhaupt der Salviati-Familie in einem Raum gefangen wurden, deren Türen verborgene Riegel hatten. Der Staatsstreich war gescheitert.

Standgericht an den Verschwörern mini|hochkant|Bernardo di Bandino Baroncelli wurde am 29. Dezember 1479 gehängt (Skizze von Leonardo da Vinci) Jacopo de' Pazzi hatte die Reaktion der Florentiner Bevölkerung völlig falsch eingeschätzt. Als er mit einer Gruppe von Gefährten zu Pferd auf der Piazza della Signoria erschien und „Volk und Freiheit!“ rief, wurde er nicht bejubelt, sondern von der Menge angegriffen. Diese stürzte sich in einer unbändigen Volksbewegung vom Dom aus über die ganze Stadt gegen die Verschwörer. Während der etwa dreitägigen öffentlichen Unruhen wurden 70 oder mehr Menschen hingerichtet, einige durch die Justiz, andere durch das Volk. Die Truppen des Papstes und anderer Städte, die rund um Florenz in Bereitschaft standen, wurden beim Klang der Glocken misstrauisch. Jacopo de’ Pazzi verließ die Stadt mit der Nachricht vom Scheitern des Komplotts, sodass kein Angriff stattfand.

Für die Pazzi und ihre Verbündeten nahm die Geschichte ein tragisches Ende: Francesco de’ Pazzi, der verletzt in seinem Haus Zuflucht gesucht hatte, und der Erzbischof von Pisa, Francesco Salviati, wurden wenige Stunden nach dem Hinterhalt an den Fenstern des Palazzo della Signoria erhängt. Unter dem Ruf „Tod den Verrätern!“ lösten die Bürger in der Stadt eine regelrechte Menschenjagd aus.

Wenige Tage später wurden auch Jacopo und Renato de’ Pazzi gehängt. Obwohl die zeitgenössischen Berichte den politischen Charakter der Verschwörung betonten, gab es auch deutliche religiöse Aspekte. So kamen in den Tagen nach der Ermordung von Giuliano de' Medici Bauern nach Florenz und zeigten sich empört über die gotteslästerliche Natur des Verbrechens. Sie waren entsetzt darüber, dass Jacopo de' Pazzi auf geweihtem Boden beigesetzt worden war, obwohl er „keine Achtung vor der Religion oder Gott“ gezeigt hatte, wie Poliziano berichtete. Jacopo de’ Pazzis Leiche wurde zunächst in der Grabkapelle seiner Familie begraben, dann von Jugendlichen ausgegraben, durch die Stadt geschleift und schließlich in den Arno geworfen.