mini|Stolpersteinverlegung vom 16. Mai 2009 Die Liste der Stolpersteine in Irsee führt die vom Künstler Gunter Demnig verlegten Stolpersteine in Irsee auf. Die im ehemaligen Benediktinerkloster Kloster Irsee verlegten Stolpersteine erinnern an die Opfer der „Euthanasie“ in der Zeit des Nationalsozialismus.

Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee Von 1939 bis 1945 wurden in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee über 2000 Patienten, darunter auch viele Kinder, zunächst im Rahmen der Aktion T4 und nach dem „offiziellen“ Ende der Aktion T4 1941 im Rahmen der sogenannten „wilden Euthanasie“ und ab 1943 in der Aktion Brandt in Vernichtungsanstalten deportiert. Viele starben durch Unterernährung, die mit dem bayerischen „Hungerkost-Erlaß“ vom 30. November 1942 legalisiert wurde, oder wurden durch Injektionen mit überdosierten Medikamenten direkt umgebracht.

Ziel dieser Liste ist es, biografische Details zu den Personen zu dokumentieren, zum Teil ergänzt um Informationen und Anmerkungen aus Wikipedia-Artikeln und externen Quellen, um damit ihr Andenken zu bewahren.

Anmerkung: Vielfach ist eine lückenlose Darstellung ihres Lebens und ihres Leidensweges nicht möglich. Insbesondere die genauen Umstände ihres Todes können nicht mehr geklärt werden. Offizielle Totenscheine aus den Krankenanstalten können Angaben enthalten, die die Todesursachen verschleiern, werden aber unter der Beachtung dieses Umstandes mitdokumentiert.

Verlegte Stolpersteine Alle Stolpersteine wurden auf dem Gelände des Klosters Irsee verlegt.

Stolperstein Inschrift Name, Leben120pxHIER LEBTE ELLA BANEHRJG. 1916 EINGEWIESEN 16.11.1943 ANSTALT KAUFBEUREN- IRSEE ERMORDET 2.5.1944Ella Margarete Banehr wurde am 14. Mai 1916 Burgdamm, heute Ortsteil des Bremer Stadtteils Burglesum, geboren. Sechs Monate nach dem Suizid ihrer Mutter erfolgte im März 1941 ihre Einweisung in die Rotenburger Anstalten der Inneren Mission (seit 1996 Rotenburger Werke). Schon im Oktober 1941 wurde Ella Banehr mit weiteren 139 Rotenburger AnstaltsbewohnerInnen in die Heil- und Pflegeanstalt Günzburg verlegt. Nach deren Auflösung im Oktober 1943 gelangte sie schließlich in die Nebenstelle Irsee der Anstalt Kaufbeuren-Irsee. Ella Banehr starb am 2. Mai 1944 in Irsee, mit hoher Wahrscheinlichkeit durch eine überdosierte Medikamentengabe. Weitere Details zur Biografie von Ella Banehr finden sich auf der Website der Anstalt Irsee: Ella Banehr 120px|Stolperstein Alois Bauer HIER LEBTEALOIS BAUERJG. 1876EINGEWIESEN 20.11.1940ANSTALT KAUFBEUREN-IRSEE'VERLEGT' 4.6.1941SCHLOSS HARTHEIMERMORDET 4.6.1941AKTION T4 wurde am 23. April 1876 in Bodenstein (katholisch) geboren. Er war der Sohn eines Zimmerers und selbst ohne Berufsausbildung und verdingte sich als Tagelöhner. Straffällig geworden wurde Alois Bauer am 16. Juni 1934 aus dem Zuchthaus Straubing in die Pflegeanstalt der Barmherzigen Brüder in Straubing verlegt. Ohne Familie und ohne festen Wohnsitz wurden die Kosten der Unterbringung vom Landesführsorgeverband Schwaben getragen. Am 20. November 1940 wurde Alois Bauer in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren gebracht. Als „Pflegefall“ und „nicht arbeitsfähig“ wurde Alois Bauer in die Nebenstelle Kloster Irsee weiterverlegt. Dort wurde von Dr. Lothar Gärtner am 3. Januar 1941 in der Krankenakte vermerkt: „wirrer Halluzinant“, „Schizophren“ und „voll von Wahnideen“. Schließlich wurde Alois Bauer am 4. Juni 1941 von Kloster Irsee in die Tötungsanstalt Hartheim verlegt und dort in der Gaskammer ermordet. 120px|Stolperstein Maria Rosa Bechter HIER LEBTEMARIA ROSABECHTERJG. 1935EINGEWIESEN 1942'HEILANSTALT'KAUFBEUREN/IRSEEERMORDET 8.3.1943 wurde am 12. Februar 1935 geboren. Sie wurde am 8. März 1943 in der sogenannten „Kinderfachabteilung“ in Kaufbeuren ermordet. 120px|Stolperstein Rosina Biehler HIER LEBTEROSINA BIEHLERJG. 1873EINGEWIESEN 17.5.1898ANSTALT KAUFBEUREN-IRSEE'VERLEGT' 27.8.1940GRAFENECKERMORDET 27.8.1940AKTION T4, genannt Rosa, wurde am 4. Februar 1873 in Anhausen (katholisch) geboren. Sie verdingte sich als Dienstmagd und wurde am 17. Mai 1898 in die Heil- und Pflegeanstalt Irsee eingewiesen. Am 27. August 1940 wurde sie von Kloster Irsee in die Tötungsanstalt Grafeneck verlegt und dort ermordet. 120px|Stolperstein Anna Brieger HIER LEBTEANNA BRIEGERJG. 1905EINGEWIESEN 1944'HEILANSTALT'KAUFBEUREN/IRSEEERMORDET 13.12.1944 wurde am 22. November 1905 in Dittersdorf bei Striegau (Schlesien) als Anna Dorothea van Klaeden (evangelisch) geboren. Sie heiratete den jüdischen Arzt Heinrich Brieger und wurde Mutter eines gemeinsamen Sohnes. Heinrich Brieger wanderte, mit seinen vier Kindern aus erster Ehe, 1938 nach Amerika aus, seine Ehefrau erhielt keine Einreiseerlaubnis. 1939 wurde Anna Brieger von ihren Geschwistern wegen „Allgemeiner Unruhe, wirren Reden und einer negativen Haltung“ in das Sanatorium Westend in Berlin-Charlottenburg eingeliefert. Im Sommer 1940 wurde Anna Brieger in die Privatanstalt Tannenfeld in Nöbdenitz (Thüringen) überstellt. Ihr Ehemann hatte angeregt, seine Frau mittels Elektroschocktherapie gegen Schizophrenie zu behandeln. Da diese Therapie in der Privatanstalt Tannenfeld nicht möglich war, wurde Anna Brieger am 9. Mai 1942 in die Universitätsnervenklinik Leipzig verlegt. Vom 13. Mai 1942 bis zum 21. Juli 1942 wurden 20 Schockbehandlungen vollzogen mit geringem Erfolg. Auf Wunsch der Familie wurden zehn weitere Elektroschock-Versuche unternommen. Ab dem 11. September 1942 ist ihr Aufenthalt in der Wahrendorffschen Privatklinik in Ilten bei Hannover belegt. Im Sommer 1943 wurde ein weiterer, erfolgloser Therapieversuch mit dem Krampfmittel Azoman der Firma Boehringer & Sohn unternommen. Anna Brieger wurde schließlich am 16. November 1944 mit einem Transport von 149 Patienten von Ilten in die Heil- und Pflegeanstalt Irsee verlegt.

Anna Dorothea Britzer (BrieggerAnmerkung: Namenseintrag im Totenregister der Heil- und Pflegeanstalt Irsee (Quelldokument ) eingetragen.) wurde dort am 13. Dezember 1944 von der Krankenschwester Pauline Kneißler auf der Station im „Landhaus“ auch „Tobhaus“ oder „Haus für unruhige Frauen“ genannt (Kloster Irsee) mittels überdosierter Medikamente ermordet. Im Toten-Register der Heil- und Pflegeanstalt Irsee wurde als Todesursache „Hsch“ vermerkt.120pxHIER LEBTE JOSEFA BÜHLERJG. 1894 EINGEWIESEN 1920 ANSTALT KAUFBEUREN-IRSEE 'VERLEGT' 8.11.1940 GRAFENECK ERMORDET 8.11.1940 'AKTION T4'Josefa Bühler, geborene Schuster, wurde am 1. März 1884 in Marxheim geboren. Sie heiratete 1909 in Augsburg und hatte fünf Kinder, von denen zwei früh gestorben sind. Nach ihrer dauerhaften Einweisung in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee, Nebenstelle Irsee, im Jahr 1920 wuchsen die Kinder im Waisenhaus auf. Am 8. November 1940 wurde Josefa Bühler in die Tötungsanstalt Grafeneck verlegt und dort ermordet. Weitere Details zu ihrer Biografie finden sich auf der Website der Anstalt Irsee: Josefa Bühler120pxHIER LEBTEMARIA FABERJG. 1894EINGEWIESEN 18.11.1944ANSTALT KAUFBEUREN-IRSEE

ERMORDET 5.12.1944Maria Faber wurde am 1. April 1894 in Fintrop (Essen) geboren. Bis zu ihrer Heirat 1917 arbeitete sie als Sekretärin.1928 erkrankte sie erstmalig, bevor sie seit 1932 dauerhaft in verschiedenen Psychiatrien wegen „Schizophrenie“ untergebracht wurde. Maria Faber hatte fünf Kinder. Nach einigen Verlegungen starb sie am 5. Dezember 1944 in der Nebenstelle Irsee der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee, ermordet durch Pauline Kneißler. Weitere Details zu ihrer Biografie finden sich auf der Website der Anstalt Irsee: Maria Faber und Maria Faber120pxHIER LEBTE JOSEFA FRIESJG. 1898 EINGEWIESEN 1925 ANSTALT KAUFBEUREN-IRSEE 'VERLEGT' 27.8.1940 GRAFENECK ERMORDET 27.8.1940 'AKTION T 4'Josefa Fries wurde am 30. Juni 1898 geboren. Die Familie lebte in Hintersalach (Obergünzburg). Seit 1924 war sie aufgrund einer Behinderung dauerhaft in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee untergebracht, seit 1928 in der Nebenstelle Irsee. Am 27. August 1940 wurde Josefa Fries mit mehr als 70 weiteren Frauen in die Tötungsanstalt Grafeneck deportiert und dort ermordet. Weitere Details zu ihrer Biografie finden sich auf der Website der Anstalt Irsee: Josefa Fries120pxHIER LEBTE HEINZ FUHSEJG. 1924 EINGEWIESEN 8.10.1941 ANSTALT KAUFBEUREN-IRSEE ERMORDET 23.4.1944Heinz Fuhse wurde am 22. November 1924 in Röllinghausen (Alfeld an der Leine) geboren. Verursacht durch Geburtskomplikationen war er geistig behindert und in seiner Bewegung eingeschränkt. Er lebte zunächst im Anna-Stift in Hannover und danach in den Rotenburger Anstalten. Im Herbst 1941 wurde er in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee, Zweigstelle Irsee, verlegt. Heinz Fuhse starb am 23. April 1944 in Irsee. Als Todesursache wurde „Lungentuberkulose“ genannt, letztlich geht sie auf Überfüllung, Unterernährung und Vernachlässigung zurück. Weitere Hinweise zur Biografie von Heinz Fuhse finden sich auf der Website der Anstalt Irsee: Heinz Fuhse 120px|Stolperstein Ludwina Geisenhof HIER LEBTELUDWINA GEISENHOFJG. 1919'EINGEWIESEN' 16.4.1943ANSTALT KAUFBEUREN-IRSEEERMORDET 14.7.1944, genannt Lydia, wurde am 28. September 1919 in Pfronten-Ried (katholisch) geboren. Sie wurde 1940 erstmals wegen „Schwermut“ und „Suizidgefahr“ in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren eingewiesen. Der dortige Direktor der Anstalt Dr. Valentin Faltlhauser empfahl wegen „zweifelsfreier Schizophrenie“ eine Behandlung mittels Insulinkur. Nach Abschluss der Behandlung lebte Lydia Geisenhof wieder im Haushalt ihrer Eltern. Am 16. April 1943 wurde sie vom Amtsarzt wegen „Geisteskrankheit“ und „Gemeingefährlichkeit“ erneut in die Anstalt Kaufbeuren eingewiesen und mit der Elektroschocktherapie behandelt. Nach einer Behandlungsserie von 20 Elektroschocks verschlechterte sich ihr geistiger- und körperlicher Zustand und Lydia Geisenhof wurde pflegebedürftig und zeitweise isoliert. Ihr Zustand besserte sich etwas, als ihre Mutter Albertine Geisenhof (geboren am 14. April 1896 in Rieden bei Aitrach) wegen eines „Nervenzusammenbruchs“ und „Morphinsucht“ ebenfalls in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren eingewiesen wurde. In der Krankenakte wurde vermerkt: „[Ludwina Geisenhof] geht viel an das Bett ihrer schwerkranken Mutter, stellt sich zu ihr an das Kopfende, spricht nichts, berührt sie nicht, stiert nur gerade aus.“ Ihre Mutter stirbt am 19. Januar 1944 an einer Blutvergiftung infolge eines eitrigen Dekubitus. Bei einer Röntgenuntersuchung wurde bei Lydia Geisenhof „eine ausgedehnte Tuberkulose über beide Lungen“ festgestellt, worauf sie am 11. Juli 1944 auf die Infektionsabteilung Irsee verlegt wurde.