mini|Flagge der ersten Uyghurischen Republik mini|Das eigentliche Staatsgebiet in Grün, beanspruchte Gebiete in Hellgrün

Die Republik Ostturkestan, bekannt als Erste Ostturkestanische Republik (, , ), war der kurzlebige Versuch, von Kaschgar aus in einem Teil des Gebiets der heutigen Autonomen Region Xinjiang (Volksrepublik China) eine Islamische Republik zu begründen. Sie bestand von 1933 bis 1934. Zunächst entstand sie aus der uigurischen Unabhängigkeitsbestrebungen, umfasste im Laufe der Zeit jedoch auch Teile der kirgisischen und anderer türkisch-ethnischer Bevölkerungsgruppen der Region.

Durch die Eroberung von Kaschgar 1934 durch Hui-Truppen des Warlords Ma Zhongying, der nominell mit der Regierung der Kuomintang in Nanjing alliiert war, wurde die erste Erste Ostturkestanische Republik vollständig beseitigt. Ihr Vorbild diente jedoch in gewissem Umfang als Motivation zur Gründung der Republik Ostturkestan ein Jahrzehnt später und übt Einfluss auf die modernen uigurischen nationalistischen Bewegungen für ein unabhängiges Ostturkestan aus. Isa Alptekin war der Generalsekretär der Islamischen Republik Ostturkestan.

Ursprünge der republikanischen Bewegung Die Entwicklung des uigurischen Separatismus am Anfang des 20. Jahrhunderts waren stark vom türkischen Dschadidismus beeinflusst. Zunächst verbreiteten sich die Ideen unter wohlhabenden Uiguren und im Zusammenhang mit Ideen von Pan-Turkismus. Viele bereisten die Türkei, Europa und Russland und kehrten mit dem Vorsatz zurück, das Erziehungssystem in Xinjiang zu modernisieren und zu reformieren. Die erste bedeutende Schule, die nach europäischem Vorbild aufgebaut war, befand sich außerhalb von Kaschgar und spezialisierte sich auf die technischen Bereiche der Wissenschaften wie Physik, Mathematik und Sprachen, anders als die traditionellen Medresen. Der Jadidismus betonte die Macht von Bildung als Mittel des persönlichen und nationalen Fortschritts. Eine Entwicklung, die selbstverständlich den Status quo in Xinjiang störte. Der Herrscher in Xinjiang, Gouverneur Yang Zengxin (楊增新) reagierte, indem er mehrere der neuen Schulen schließen ließ.

Die Geburt der Sowjetunion und der sozialistischen Zentral-Asiatischen Republiken war ein weiteres Element, dass die Lage in der Region veränderte und die Stimmung zu Gunsten der separatistischen und kommunistischen Bewegungen verschob. 1921 wurde eine Revolutionäre Organization in Xinjiang gegründet. Darüber hinaus diente das Gebiet vielen Intellektuellen als Rückzugsort, wenn sie vor dem Kommunismus in Zentralasien fliehen mussten. Diese bildeten eine besondere Gruppierung in der kommunistischen Bewegung vor Ort.

Die Situation in Xinjiang verschlechterte sich durch die Ermordung von Yang Zengxin 1928. Daraufhin kam sein bisheriger Stellvertreter Jin Shuren (金樹仁) an die Macht, der sich selbst zum Gouverneur ausrief, nachdem er den Mörder von Yang, einen rivalisierenden Beamten (Fan Yaonan, 樊耀南) gefangen gesetzt und hingerichtet hatte. Autokratisch, korrupt und ineffektiv in den Regierungsgeschäften, stürzte er die Bevölkerung in Unruhe, indem er Sinisierungsbestrebungen verstärkte, Steuern erhöhte und die Haddsch verbot, sowie Han-Chinesen in Beamtenposten beförderte und einheimische Beamte ersetzte.

Rebellion mini|Uigurische Revolutionäre 1930 verschärfte sich die Situation noch einmal, als der Khan von Kumul (Hami) im östlichen Xinjiang, Shah Mexsut, starb. Nach Vorgehensweisen, die aus der Politik der Qing übernommen worden waren, hatte der Khan das Recht, seine erbliche Herrschaft nach den Prinzipien des Feudalismus und der Satrapie fortzuführen. Die Bedeutung des Gebiets von Hami lag darin, dass es an der Hauptroute zwischen China und wertvollem landwirtschaftlichem Gebiet lag. Jin versuchte nun, seine Macht zu festigen und dabei die indirekte Herrschaft abzuschaffen. Er hob das Khanat auf und übernahm die direkte Herrschaft im Gebiet.

Als erstes verdoppelte er die Steuern für die uigurische Bevölkerung, verstaatlichte ausgesuchte landwirtschaftliche Flächen und verteilte sie unter Han-chinesische Flüchtlinge aus der benachbarten Provinz Gansu, unterstützte deren Interessen und siedelte Uiguren um an den Rand der Wüste. Die neue Garnison, die in Yizhou stationiert wurde, sorgte für noch größere Unruhen. Ab 1931 entstanden Revolten an unterschiedlichen Stellen und eine Widerstandsbewegung formierte sich. Im Februar 1931 versuchte ein chinesischer Offizier (Chieng) ein uigurisches Mädchen zu heiraten. Uigurische Berichte behaupten oft, dass das Mädchen vergewaltigt und die Familie gezwungen wurde, da das Islamische Recht jedoch sowieso gemischtreligiöse Ehen verbietet, war diese Heirat ein deutlicher Affront gegen die uigurische Gemeinschaft.

Am 20. Februar 1931 begann die Hami-Rebellion mit einem Massaker an Chieng und seinen 33 Soldaten bei der Hochzeitszeremonie. Außerdem wurden 120 hanchinesische Flüchtlinge aus Gansu getötet. Die Rebellion war jedoch nicht nur ein Aufstand der Uyguren, sondern auch Kasachen, Kirgisen und auch einige Kommandanten der Han-Chinesen und der Hui lehnten sich gegen Jin auf. Zudem kämpften sie an verschiedenen Stellen gegeneinander.

Die Sowjet-Regierung heizte die Situation an, indem sie Truppen entsandte, die Jin und seinem Kommandant Sheng Shicai (盛世才) Hilfe leisten sollten, und auch Flüchtlinge der Weißen Bewegung, die im Gebiet des Ili Zuflucht gesucht hatten, beteiligten sich an den Kämpfen.

Hauptsächlich rund um Ürümqi fanden Kämpfe statt, wo die Hui-Truppen eine Belagerung aufrechterhielten, bis die Truppen von Sheng Shicai durch Truppen der „Weißen“ und der Mandschu verstärkt wurden, die vor der Japanischen Invasion in Nord-Ost-China geflohen waren. Im April 1933 wurde Jin von einer gemischten Truppe abgesetzt und durch Sheng ersetzt, der von den Sowjets unterstützt wurde. Mit neuen Mitteln ausgestattet, gelang es Sheng die verfeindeten Kräfte rund um Ürümqi zu spalten, in dem er mehreren uigurischen Kommandanten (unter anderem Hodscha Niyaz (Khoja Niyas Hajji), einem Berater von Hami Khan) Posten im Süden von Xinjiang versprach, sofern sie die Einheiten der Hui im Norden, die von Ma Zhongying befehligt wurden, angriffen.

Eine andere Abteilung der Hui im Süden Xinjiangs hatte währenddessen eine Allianz mit uigurischen Verbänden bei Kuqa gebildet. Der Anführer war Timur Beg. Die Truppen machten sich auf den Weg nach Kaschgar, doch dann zerfiel dieser Verband wieder, als der Kommandant Ma Zhancang (馬占倉) sich mit dem Repräsentanten des Provinzregierung, einem Hui mit Namen Ma Shaowu (馬紹武) verbündete und die Uiguren angriff, wobei Timur Beg getötet wurde.

Etwas früher war bereits eine Kirgisische Rebellion in Xinjiang ausgebrochen, in die auch die Sowjetunion verwickelt war. Diese Rebellion wurde von Id Mirab angeführt, aber von Ma Shaowu sehr bald zerschlagen.

Gründung der Republik mini|Ausrufung der Türkisch-Islamischen Republik von Ost-Turkistan am 12. November 1933 in Kashgar. mini|Politische Karte der Republik Ostturkestan im Jahr 1947

Während diese Ereignisse abliefen, hatten im nahegelegenen südlichen Tarimbecken, in der Stadt Hotan, drei Brüder aus der reichen Bughra-Familie, Muhammad Amin Bughra, Abdullah Bughra und Nur Ahmad Jan Bughra, eine Rebellion der Arbeiter der Goldminen von Surghak (Keriya ) und entlang der Flüsse Yurungkax und Karakax angezettelt und sich selbst als Emire eingesetzt. Am 16. März 1933 riefen sie die Unabhängigkeit von China aus.

Der Anführer der Goldgräber von Karakax, Ismail Khan Khoja, sandte dem Gouverneur Jin Shuren eine Nachricht: „Dumme Ungläubige wie du sind nicht fähig zu regieren. … Ihr Ungläubigen denkt, weil ihr Gewehre, Kanonen, … habt und Geld, könnt ihr euch auf diese verlassen. Aber wir verlassen uns auf Gott, in dessen Händen unsere Leben sind.“„Foolish infidels like you are not fit to rule. … You infidels think that because you have rifles, guns … and money, you can depend on them, but we depend of God in whose hands are our lives.“

Die örtlichen Provinzbeamten und Soldaten wurden im ganzen Gebiet (Vilâyet) von Hotan ausgelöscht. Die kleinen Gruppen von chinesischen Anwohnern kamen meist mit ihrem Leben und ihrem Besitz davon, wurden jedoch gezwungen den Islam anzunehmen. Bei der Erstürmung von Hotan am 16. März 1933 wurde die Kasse und das Arsenal der Stadt erobert, wodurch die Rebellen in den Besitz von mehreren tausend Gewehren und mehr als einer Tonne Gold kamen. Das Emirat von Hotan entsandte Shahmansur (Emir Abdullah) und einen ehemaligen Verleger, Sabit Damulla Abdulbaki nach Kaschgar, wo sie das Kaschgar Affairs Office der Hotan-Regierung einrichteten. Das Büro wurde von Muhammad Amin Bughra geleitet. Bereits im Herbst des Jahres hatte das Büro viele Beziehungen zur Hotan-Regierung aufgegeben und sich selbst zu einer multi-ethnischen, quasi-nationalistischen East Turkestan Independence Association entwickelt, die eifrig die Ideen der Islamischen Reform, von Nationalismus und Dschadidismus förderte.

Im November 1933 verkündete Sabit Damulla die Gründung der Republik Ost-Turkestan mit Hodscha Niyaz als Präsident – obwohl der General gerade zu dieser Zeit im Norden von Xinjiang in Kämpfe verwickelt war und dabei mit Sheng Shicai verbündet war. Die Original-Proklamation richtete sich äußerst stark gegen Tunganen (anti-Tungan) und gegen die Han-Chinesen (anti-Han): Die Tungan, mehr als die Han sind die Feinde unseres Volkes. Bereits heute sind unsere Leute frei von der Unterdrückung durch die Han, aber immer noch leben sie unter dem Joch der Tungan. Wir müssen noch immer die Han fürchten, aber können nicht umhin, auch die Tungans zu fürchten.The Tungans, more than Han, are the enemy of our people. Today our people are already free from the oppression of the Han, but still continue live under Tungan subjugation. We must still fear the Han, but cannot not fear the Tungans as well. The reason, we must be careful to guard against the Tungans, we must intensively oppose them, cannot afford to be polite, since the Tungans have compelled us to follow this way. Yellow Han people have not the slightest thing to do with Eastern Turkestan. Black Tungans also do not have this connection. Eastern Turkestan belongs to the people of Eastern Turkestan. There is no need for foreigners to come be our fathers and mothers. … From now on we do not need to use foreigner's language or their names, their customs, habits, attitudes, written languages and etc. We must also overthrow and drive foreigners from our boundaries forever. The colours yellow and black are foul. … They have dirtied our Land for too long. So now it's absolutely necessary to clean out this filth. Take down the yellow and black barbarians! Live long Eastern Turkestan! Zhang, Xinjiang Fengbao Qishinian [Xinjiang in Tumult for Seventy Years], 3393–4.

Tungan, Dungan und Hui sind Bezeichnungen für chinesisch sprechende Muslime, vorwiegend Angehörige der Hui.

Am 12. November 1933 wurde die unabhängige Türkische Islamische Republik von Ostturkestan (Turkish Islamic Republic of Eastern Turkestan (TIRET), Republic of Uyghurstan) ausgerufen. Dieses Ereignis wurde durch eine Massenkundgebung an einem Sonntagmorgen gefeiert. Etwa 7.000 Militärs und 13.000 Zivilisten versammelten sich entlang des Ufers des Tuman außerhalb Kaschgars. Darunter befanden sich viele Lehrer und Schüler, die zusammen mit neu ernannten „Ministern“ der jungen Republik Reden hielten. Mittags wurde mit Kanonen 41 Mal Salut geschossen und die Menge zog fahnenschwenkend mit den blauen Bannern der Unabhängigkeit zur Altstadt von Kaschgar, wo die Kundgebung auf dem Platz vor der Idgah-Moschee fortgesetzt wurde und weitere Reden gehalten wurden. Sabit Damulla trat dort als einer der Hauptsprecher auf.