Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der Fußballnationalmannschaft der UdSSR die von 1959 bis 1988 für die Sowjetunion und 1992 für die Gemeinschaft unabhängiger Staaten bei Europameisterschaften bzw. den Qualifikationen dazu antrat. Die UdSSR konnte sich sechsmal für die Endrunde der Europameisterschaft qualifizieren, erreichte viermal das Finale und konnte es aber nur beim ersten Mal gewinnen. Nach der Aufspaltung der Sowjetunion in mehrere unabhängige Staaten trat die russische Nationalmannschaft ihre Nachfolge an und nahm erstmals 1996 an der Qualifikation teil, wo sie sich auf Anhieb qualifizieren konnte. Die Erfolge der Mannschaft der UdSSR werden von der UEFA nun Russland zugerechnet.

Übersicht

Die UdSSR nahm an den ersten vier Endrunden mit vier Teilnehmern teil und zudem zweimal an Endrunden mit acht Teilnehmern. Fünfmal scheiterte die UdSSR am späteren Europameister, davon dreimal im Finale und einmal in der Qualifikation. Nach der letzten Qualifikation nahm sie als Gemeinschaft Unabhängiger Staaten teil, zu der die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen nicht mehr und Georgien noch nicht gehörten.

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten1960Frankreich Finale Jugoslawien EuropameisterGawriil KatschalinErster Titel 1964Spanien Finale SpanienVizemeisterKonstantin Beskow 1968Italien Spiel um Platz 3 EnglandVierter Michail JakuschinIm Halbfinale durch Losentscheid am späteren Europameister Italien gescheitert. 1972Belgien Finale Deutschland Vizemeister Alexander Ponomarjow 1976Jugoslawien nicht qualifiziert Im Viertelfinale am späteren Europameister Tschechoslowakei gescheitert. 1980Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Griechenland gescheitert 1984Frankreich nicht qualifiziert In der Qualifikation an Portugal gescheitert 1988BR Deutschland Finale Niederlande Vizemeister Walerij Lobanowskyj In der Vorrunde gegen den späteren Finalgegner gewonnen. 1992Schweden Vorrunde Deutschland, Niederlande, Schottland 8.Anatoli ByschowezNach Remis gegen Weltmeister Deutschland und Titelverteidiger Niederlande sowie einer Niederlage gegen Schottland als Gruppenletzter ausgeschieden. Endrunden mit vier Teilnehmern EM 1960 links|mini|Aufstellungen im ersten EM-Finale

An der ersten Fußball-Europameisterschaft 1960, die noch als „Europapokal der Nationen“ ausgetragen wurde, nahm auch die UdSSR teil und musste dazu im Achtelfinale gegen Ungarn antreten. Nach einem 3:1 am 28. September 1958 in Moskau, bei dem Anatoli Iljin bereits in der vierten Minute das 1:0 erzielte,UdSSR 3-1 Ungarn und einem 1:0 ein Jahr später in Budapest stand die UdSSR im Viertelfinale. Dort sollte dann Spanien der Gegner sein. Die spanische Regierung unter Diktator Franco verbot aber der Mannschaft, die sich bereits zum Flug nach Moskau am Madrider Flughafen versammelt hatte, die Reise. Die UdSSR verweigerte ihrerseits die Austragung auf einem neutralen Platz. Die UEFA wertete beide Spiele für die UdSSR, die damit die Endrunde erreichte, die in Frankreich ausgetragen wurde.

Am 6. Juli 1960 fand in Marseille das erste EM-Endrundenspiel der UdSSR statt und 3:0 setzte sich die Mannschaft gegen die Tschechoslowakei durch, wobei Walentin Iwanow zwei Tore erzielte. Im Endspiel gegen die Jugoslawen blieb es 40 Minuten lang torlos, dann gingen die Jugoslawen in Führung und retteten den Vorsprung in die Halbzeitpause. Vier Minuten nach Wiederanpfiff gelang Slawa Metreweli der Ausgleich, aber weitere Tore fielen zunächst nicht, so dass es zu einer Verlängerung kam. Sechs Minuten vor dem Ende konnte dann Wiktor Ponedelnik, der gegen die ČSSR das dritte Tor erzielt hatte, den Siegtreffer für die UdSSR erzielen, die damit erster Europapokalsieger der Nationen wurde. Mit ihren beiden Toren wurden Walentin Iwanow und Wiktor Ponedelnik zudem mit drei anderen Spielern beste Torschützen des Turniers. Finalgegner Jugoslawien konnte dann aber mit einer nahezu identischen Mannschaft zwei Monate später die olympische Goldmedaille gewinnen, wofür sich die UdSSR nicht qualifizieren konnte.

EM 1964 Vier Jahre später wollten schon mehr Mannschaften als 1960 teilnehmen. Daher wurde dem Achtelfinale eine Vorrunde vorgeschaltet. Die UdSSR erhielt aber ein Freilos und musste erst im Achtelfinale gegen Italien antreten. Nach einem 2:0 im Heimspiel reichte ein 1:1 im Rückspiel um das Viertelfinale zu erreichen. In diesem trafen sie auf Schweden. Nach einem 1:1 in Solna wurde das Rückspiel 14 Tage später mit 3:1 gewonnen und damit erneut die Endrunde erreicht.

Im Halbfinale waren diesmal die Dänen der Gegner, die sich durch Siege gegen Malta, Albanien und Luxemburg qualifiziert hatten. Mit 3:0 gewann die UdSSR wie vier Jahre zuvor das Halbfinale und stand damit erneut im Finale. Hier trafen sie auf Gastgeber Spanien und verloren durch ein 1:2 den Titel.

EM 1968 Für die Fußball-Europameisterschaft 1968 wurden in der Qualifikation erstmals Gruppenspiele angesetzt. Die UdSSR musste gegen Griechenland, Österreich und Finnland antreten. Die UdSSR gewann die ersten vier Spiele und war damit bereits für das Viertelfinale qualifiziert. Daher konnte die Niederlage im fünften Spiel in Österreich verkraftet werden und mit einem Sieg in Griechenland im letzten Spiel wurde die Qualifikation abgeschlossen. Im Viertelfinale war dann Ungarn der Gegner. Nach einer 0:2-Niederlage in Budapest profitierten sie im Rückspiel in Moskau von einem Eigentor der Ungarn und gewannen mit 3:0.UdSSR 3-0 Ungarn

Bei der Endrunde in Italien trafen sie im Halbfinale auf den Gastgeber. Da beiden Mannschaften in 120 Minuten kein Tor gelang, musste zum einzigen Mal bei einer EM das Los entscheiden. Der deutsche Schiedsrichter Kurt Tschenscher wollte eigentlich die Münzentscheidung im Mittelkreis des Spielfeldes im Beisein der beiden Mannschaftskapitäne Giacinto Facchetti und Jurij Istomyn vornehmen. Dagegen wandten sich die beiden Verbandspräsidenten Walentin Granatkin und Artemio Franchi, die verlangten, den Münzwurf in einem geschlossenen Raum durchzuführen. Beide trafen sich zusammen mit dem Schiedsrichter in dessen Kabine, während die beiden Mannschaftskapitäne vor der Kabinentür und die Mannschaften auf dem Platz warten mussten. Granatkin verlangte zunächst einen Probewurf, der zweite Wurf sollte der entscheidende sein. Italien wurde hierdurch als Sieger ermittelt. Hätte schon der erste gegolten, wäre die UdSSR ins Endspiel eingezogen.Diese Darstellung des Geschehens stammt vom Schiedsrichter in einem , im Spielbericht der UEFA waren es die beiden Kapitäne, die mit Betreuern in der Kabine am Münzwurf teilnahmen und die UEFA nennt in der Spielaufstellung Albert Schesternjow als Kapitän. Da alle Beteiligten den Münzwurf als große Ungerechtigkeit empfanden, wurde er bei internationalen Turnieren kaum noch angewandt.

Siehe auch: Liste der Losentscheide im Fußball

Im Spiel um Platz 3 am 8. Juni 1968 trafen sie in Rom auf Weltmeister England, der noch mit 11 Spielern aus dem WM-Kader anreiste. England gewann mit 2:0 und erreichte damit seine bis heute beste Platzierung bei einem großen Turnier nach dem WM-Titel 1966. Die UdSSR blieb zum einzigen Mal bei einer Endrunde ohne Torerfolg.

EM 1972 Für die EM-Endrunde 1972 konnte sich die UdSSR dann auch wieder qualifizieren. In einer Gruppe mit Spanien, Nordirland und Zypern reichten ihnen vier Siege – darunter der einzige sportliche Sieg gegen Spanien – und zwei Remis, um ins Viertelfinale einzuziehen. Hier war Jugoslawien der Gegner. Nach einem torlosen Remis in Belgrad wurde das Rückspiel mit 3:0 gewonnen. Die Sowjetunion fuhr damit zur EM-Endrunde nach Belgien. Im Halbfinale war dann wieder einmal Ungarn der Gegner und mit einem einzigen Tor durch Anatolij Konkow vor nur 1.700 Zuschauern wurde zum dritten Mal das Finale erreicht. Hier unterlag die Mannschaft aber einer deutschen Mannschaft, die Traumfußball zelebrierte und gegen die sie nach einem 1:4 drei Wochen zuvor mit wenig Hoffnung antrat. Mit 0:3 musste die UdSSR eine ihrer höchsten Niederlagen bei EM-Endrunden hinnehmen und verabschiedete sich damit für 16 Jahre von der EM-Bühne.

EM 1976 1976 wurde die Endrunde letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen. Die UdSSR musste sich dazu in der Gruppenphase gegen Irland, die Türkei und die Schweiz qualifizieren. Die UdSSR verlor das erste Spiel in Irland und das letzte in der Türkei, konnte dazwischen aber vier Spiele gewinnen und stand damit im Viertelfinale, da Irland in der Türkei nur ein 1:1 gelang. Im Viertelfinale war dann die ČSSR der Gegner. Nach einem 0:2 in Bratislava reichte das 2:2 im Rückspiel nicht, um die Endrunde zu erreichen. Die ČSSR erreichte dann in Jugoslawien das Finale und gewann dies im ersten Elfmeterschießen der EM-Geschichte gegen Titelverteidiger Deutschland.

Endrunden mit acht Teilnehmern EM 1980 Die Fußball-Europameisterschaft 1980 wurde erstmals mit acht Mannschaften ausgetragen und erstmals stand der Gastgeber vorab fest, so dass er sich nicht qualifizieren musste. Als Ausrichter hatten sich die Bundesrepublik Deutschland, England, Griechenland, Italien, die Niederlande und die Schweiz ins Spiel gebracht.Dietrich Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Europameisterschaft, Verlag Die Werkstatt, ISBN 978-3-89533-553-2 Am 19. Oktober 1977 teilte die UEFA mit, das England oder Italien die EM ausrichten sollten und am 12. November 1977 wurde Italien als Ausrichter bekannt gegeben. Die UdSSR scheiterte in der Qualifikation an Griechenland, Ungarn sowie Finnland und konnte nur das erste Spiel gegen den späteren Gruppensieger Griechenland gewinnen und wurde Gruppenletzter. Die Griechen kamen bei der Endrunde dann nicht über die Vorrunde hinaus.

EM 1984 In der Qualifikation für die EM 1984 in Frankreich musste die UdSSR in Gruppe 2 gegen Portugal, Polen und wieder Finnland antreten. Die UdSSR gewann die ersten fünf Spiele und benötigte aus dem letzten Spiel in Portugal nur noch einen Punkt um die Endrunde zu erreichen. Durch eine 0:1-Niederlage, bei der das Tor in der 44. Minute durch einen verwandelten Elfmeter fiel,Portugal 1-0 UdSSR wurde die Endrunde verpasst. Portugal scheiterte dann bei der Endrunde im Halbfinale an Gastgeber Frankreich, aber insbesondere an Michel Platini, dem in der Verlängerung in der 119. Minute der Siegtreffer gelang.

EM 1988 Die Qualifikation für die EM in Deutschland lief dann endlich wieder erfolgreich für die UdSSR. In einer Gruppe mit Titelverteidiger Frankreich, der DDR, Island und Norwegen wurde der erste Platz belegt. Dabei wurden fünf Spiele gewonnen und nur bei drei Remis Punkte abgegeben.

In der Bundesrepublik Deutschland traf die UdSSR in der Gruppenphase im ersten Spiel auf die Niederlande und gewann mit 1:0. Nach einem 1:1 gegen die erstmals teilnehmenden Iren und einem 3:1 gegen England, wobei Sjarhej Alejnikau nach 2:07 Minuten das zweitschnellste Tor bei EM-Endrunden gelang, stand die UdSSR im Halbfinale, wo sie auf Italien traf und mit 2:0 gewann. Damit stand die UdSSR als erste Mannschaft zum vierten Mal im Finale und traf erneut auf Vorrundengegner Niederlande. Diesmal waren die Niederländer aber die bessere Mannschaft und auch ein Foulelfmeter konnte nicht zur Ergebnisverbesserung genutzt werden. Mit 0:2 verlor die UdSSR zum dritten Mal ein Finale.

EM 1992