Kiron Education gGmbH (frühere Namen: Kiron Open Higher Education, Kiron University, davor Wings University) ist ein 2015 gegründetes Social Start-Up mit dem Ziel, bestehende Barrieren auf dem Weg zu Bildung und nachhaltiger Beschäftigung für Geflüchtete mittels digitaler Lern- und Unterstützungsangebote abzubauen. Abgerufen am 26. September 2015.Ralf Pauli: Kiron University: Die Pionier-Uni, die nur 400 Euro pro Flüchtling kostet, Die Zeit 11. September 2015 Abgerufen am 20. September 2015.

Der Name Kiron ist abgeleitet von Cheiron, einer Figur aus der griechischen Mythologie.

Geschichte Die Idee für das Konzept entstand erstmals auf einer Konferenz zur Flüchtlingsthematik am 16. September 2014. Im März 2015 wurde Kiron gegründet, zunächst noch unter dem später aus markenrechtlichen Gründen aufgegebenen Namen „Wings University“. Im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne im Herbst 2015 konnten über eine halbe Million Euro für die Organisation gewonnen werden. Im ersten Jahr nach der Gründung waren laut Angaben von Kiron 1250 Studierende im Programm. Im August 2017 zählte Kiron 2700 Studierende, erste Studierende waren nach Unternehmensangaben bereits an eine Partnerhochschule gewechselt.

Organisation Kiron bietet eine Plattform, die ihren Studierenden virtuelle Lernumgebungen bereitstellt und diese um regionale Konzepte des integrierten Lernens sowie um gezieltes Mentoring ergänzt. Das Studium erfolgt dabei im Rahmen von onlinebasierten Kursformaten (Massive Open Online Courses, MOOCs). Der Grundsatz der Organisation ist der, eine Antwort auf die hauptsächlichen Schwierigkeiten für studieninteressierte Flüchtlinge beim Übergang an die Hochschule zu finden: fehlende finanzielle Mittel, fehlende Sprachkenntnisse, begrenzte Kapazitäten an Hochschulen und fehlende Dokumente, wie zum Beispiel Schulzeugnisse. Dementsprechend ist das Studium durch zahlreiche Kooperationen und Förderer und das digitale Lernangebot für die Studierenden kostenfrei und kann unabhängig von den sonst notwendigen Dokumenten online begonnen werden. Die Studierenden gewinnen Zeit, um beispielsweise die entsprechende Landessprache zu erlernen oder Fragen der Finanzierung und Sondierung von Dokumenten zu klären.

Team Kiron wird von einem etwa 70-köpfigen Kernteam und einem Pool von über 400 Unterstützern getragen. Begleitet wird diese Arbeit durch ein Netzwerk an externen Beratern, durch Förderprogramme sowie einen Beirat. Neben dem Hauptsitz in Berlin und einem Büro in München ist Kiron in zwei weiteren Ländern, Frankreich und Jordanien, aktiv vertreten und unterhält dort Standorte.

Kooperationen Zur Bereitstellung der Studieninhalte werden Kooperationen mit etablierten Anbietern von MOOCs wie edX und Coursera unterhalten. Partneruniversitäten sind zum Beispiel die RWTH Aachen, die FH Lübeck, die Leuphana Universität oder die SciencesPo Paris. Insgesamt bestehen mittlerweile Kooperationen mit insgesamt 45 Hochschulen in acht Ländern. Kiron ist Mitglied im Mitglied im Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland.

Finanzierung Für die Flüchtlinge ist das Online-Studium bei Kiron kostenfrei. Kiron finanziert sich seit Gründung aus Fördergeldern des öffentlichen Sektors, Stiftungen, Firmen und durch Sponsoring und Privatspenden. Im September 2016 stellte das Bundesministerium für Bildung und Forschung für zunächst 13 Monate rund 2,1 Millionen Euro zur Verfügung. Die Berliner Wirtschaft unterstützt Kiron und 22 weitere Bildungsprojekte im Jahr 2016 mit insgesamt 15 Millionen Euro.

Studium Kiron nimmt Studierwillige auch ohne geklärten Aufenthaltsstatus auf, der Flüchtlingsstatus muss jedoch spätestens zum Wechsel an die Partnerhochschule nachgewiesen werden. Für die Anmeldung genügt ein Nachweis dafür, dass „die Bildungsbiographie durch eine Krisensituation unterbrochen wurde“.

Nach zwei Einführungskursen und begleitenden Assessments, können sich die Studierende für eine Studienrichtung entscheiden und Kurse beginnen. Diese Kurse werden bei Kiron unabhängig vom Anbieter auf der Plattform Kiron Campus (campus.kiron.ngo) in Module gebündelt, die alle Standards des Europäischen Hochschulraums erfüllen und ein studierbares online-basiertes Kern-Curriculum ermöglichen.

Erfolgreich abgeschlossene Module können von Partnerhochschulen in einem Umfang von bis zu 60 ECTS angerechnet werden. Nach bis zu zwei Jahren bewerben sich Kiron-Studierende im Regelfall ganz regulär bei einer Partnerhochschule und absolvieren dort das verbleibende Studienprogramm, um dann einen regulären, akkreditierten Studienabschluss zu erwerben.

Studienangebote Bisher werden fünf Studien-Fachrichtungen angeboten: Mechanical Engineering (Maschinenbau) Computer Science (Informatik) Political Science (Politikwissenschaft) Business and Economics (Betriebswirtschaft) Social Work (Soziale Arbeit)

Erweiterte Angebote für Studenten Neben den akademischen Inhalten bietet Kiron über seine Plattform noch weitere Unterstützungsangebote für die Studierenden an. Auf dem sogenannten Forum können die Studierenden mit Mitarbeitern und ihren Mitstudenten in Verbindung treten und sich austauschen. Im Rahmen eines Buddy-Programmes werden Kiron Studierende mit „Buddies“ zusammengeführt, die sie bei der kulturellen und sozialen Eingewöhnung unterstützen. Über Mentoring stehen zudem Fachkräfte bei studien- und fachspezifischen Fragen online und offline zur Verfügung. Zum weiteren Angebot gehören eine Beratung für diejenigen Studierenden, die Unterstützung bei der Verarbeitung ihrer teils traumatischen Erfahrungen brauchen und gegebenenfalls an Experten weitergeleitet werden, sowie ein Help Desk, das für jegliche Fragen zur Verfügung steht.

Blended Learning 2.0 Das didaktische Modell von Kiron basiert auf dem Konzept des Blended Learnings 2.0. Die Studiengänge kombinieren asynchrone Lerninhalte, also MOOCs mit synchronen, ergänzende digitalen Live-Tutorials, welche durch den zusätzlichen Service Direct Academics angeboten werden. Dies impliziert, dass zu den Online Kursen begleitende Tutorien und Trainingskurse bereitgestellt werden, um Studierende dabei zu unterstützen ihre akademischen Ziele zu erreichen. Dieses Konzept wird aufgrund seiner Verbindung von digitalen synchronen und asynchronen Inhalten mit der traditionellen Mischung von online und offline Elementen als Blended Learning 2.0 bezeichnet.

Auszeichnungen 2016: Arno-Esch-Preis

Weblinks Website von Kiron – kiron.ngo Bernd Kramer (Text) und Robert Ackermann (Video): Kiron University. Wo Flüchtlinge studieren können – gratis und auf Englisch. In: Spiegel Online, 8. November 2015. (Artikel und Video)

Einzelnachweise

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