mini|Aimee Semple McPherson (1927)
Aimee Elizabeth Semple McPherson, geboren als Aimee Elizabeth Kennedy, auch Sister Aimee (* 9. Oktober 1890 in Salford, Ontario, Kanada; † 27. September 1944 in Oakland, Kalifornien, USA) war eine kanadisch-amerikanische Evangelistin in den 1920er und 1930er Jahren.Variety Obituaries. 4. Oktober 1944. Sie gründete die Foursquare Church in Los Angeles. Sie war eine Pionierin im Einsatz von Massenmedien und errang dadurch große Prominenz. Sie nutzte vor allem die steigende Nachfrage nach Unterhaltungssendungen bei den Radioübertragungen, um ihre Arbeit im Angelus Temple einer breiten Bevölkerungsschicht bekannt zu machen.bbc.co.uk
Zu ihrer Zeit war sie eine der meistveröffentlichten christlichen Evangelisten und übertraf darin selbst Billy Sunday.George Hunston Williams, Rodney Lawrence Petersen, Calvin Augustine Pater: The Contentious Triangle: Church, State, and University. Truman State University Press, 1999 S. 308. Sie vollzog öffentliche „Glaubensheilungen“ vor großen Massenversammlungen. Zeitgenossen sprachen von bis zu 10.000 Menschen, die geheilt worden seien.Daniel Mark Epstein, Sister Aimee: The Life of Aimee Semple McPherson (Orlando: Harcourt Brace & Company, 1993), S. 111. In der Schrift heißt es: Die Heilungen sind ein gigantisches Hindernis für die wissenschaftliche Geschichtsschreibung. Wenn die Ereignisse so abgelaufen sind, wie Zeitschriften, Briefe und Zeugnisse es beschreiben, dann war Aimee S. McPhersons Heilungsdienst ein echtes Wunder… Die Dokumentation ist überwältigend: sehr kranke Menschen kamen zu Schwester Aimee zu zehntausenden, blind, taub, gelähmt. Viele wurde zeitweise geheilt, einige für immer. Sie verwies auf den Himmel, auf Christus den Großen Heiler und nahm für den Erfolg keine Mitwirkung in Anspruch. („The healings present a monstrous obstacle to scientific historiography. If events transpired as newspapers, letters, and testimonials say they did, then Aimee Semple McPherson's healing ministry was miraculous…. The documentation is overwhelming: very sick people came to Sister Aimee by the tens of thousands, blind, deaf, paralyzed. Many were healed some temporarily, some forever. She would point to heaven, to Christ the Great Healer and take no credit for the results.“) McPhersons Anspruch, dass die Vereinigten Staaten eine Nation sind, die durch göttliche Inspiration gegründet und erhalten werde, wird noch heute von vielen Pastoren und Kirchen wiederholt. Die Nachrichtenmaschinerie machte aber auch ihre Missgeschicke in der Familie und mit Kirchenmitgliedern zu Medienereignissen. Die Debatte, ob eine Entführung von ihr fingiert wurde, machten diesen Fall zu einem nationalen Ereignis. McPhersons Predigtstil, ihre ausgedehnte karitative Arbeit und ihre ökumenischen Beiträge waren ein großer Beitrag zur Wiederbelebung der nordamerikanischen evangelikalen Bewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und verhalfen auch der jungen Pfingstbewegung zu größerer gesellschaftlicher und kirchlicher Akzeptanz.
Leben Jugend McPherson wurde auf einer Farm bei Salford, in der Provinz Ontario, Kanada, als Aimee Elizabeth Kennedy geboren.Matthew Avery Sutton, Aimee Semple McPherson and the Resurrection of Christian America Cambridge, Harvard University Press, 2007, S. 9 Sie wurde von ihrer Mutter Mildred Evangeline Pearce (1871–1947), genannt Minnie (25. April 1998, englisch, abgerufen am 7. März 2026), die sich als Sonntagsschullehrerin bei der Heilsarmee engagierte, religiös erzogen. Als Kind spielte sie Salvation Army mit ihren Klassenkameraden oder versammelte ihre Puppen zum Gottesdienst.Sutton, S. 9 Bereits mit zwölf Jahren hielt sie zwei Reden bei der Woman's Christian Temperance Union in Ingersoll und London (Ontario), wo sie mit einer Silber- und eine Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Als Teenager interessierte sie sich für Groschenromane, Kino und Tanzveranstaltungen. In den Kreisen der Heilsarmee und bei ihrem religiösen Vater James Morgan Kennedy (1836–1929), genannt Jim (25. April 1998, englisch, abgerufen am 7. März 2026), einem Methodisten, wurde dies als unmoralisch abgelehnt. Romane fanden sich jedoch auch in der Bücherei der Methodistenkirche, und Aimee las sie mit einer Mischung aus Schuldgefühlen und Lust. Bald stellte sie jedoch fest, dass die Strenge nicht von allen Christen geteilt wurde. Ihr Tanzpartner war ein presbyterianischer Pfarrer. In der Highschool wurde sie mit Charles Darwins Evolutionstheorie konfrontiert.Sutton, S. 9–10Epstein, S. 28–29 Sie begann, ihre Lehrer und Pfarrer über Glauben und Wissenschaft auf die Probe zu stellen, erhielt aber keine befriedigenden Antworten.Sutton, S. 10 Daraufhin schrieb sie an die kanadische Zeitung Family Herald and Weekly Star und stellte die Frage, warum in öffentlichen Schulen Kurse gegeben wurden, die das Christentum untergraben würden. Auf diesen offenen Brief erhielt sie erstmals Rückmeldungen aus dem ganzen Land. Nach ihrer Konversion zur Pfingstbewegung startete sie noch an der Highschool einen Kreuzzug gegen die Evolutionstheorie, was zu einer lebenslangen Passion wurde.
Bekehrung Bei einer Erweckungsveranstaltung im Dezember 1907 lernte Aimee Robert James Semple kennen, einen Missionar der Pfingstbewegung aus Irland. Auf dieser Veranstaltung endete eine Glaubenskrise, und sie entschied sich, ihr Leben Gott zu widmen.
Heirat und erste Familie mini|Robert and Aimee Semple (1910)
Auf dieser Veranstaltung wurde sie nicht nur von den Predigten Robert Semples mitgerissen, sondern verliebte sich auch in ihn. Sie entschied, ihr Leben Gott und Robert zu weihen, und nach einer kurzen Verlobungszeit heiratete sie ihn am 12. August 1908 in einer Zeremonie der Heilsarmee in Salford. Sie verpflichtete sich, dass ihre Ehe niemals ihren Eifer für Gott oder ihre Nächstenliebe zu den Kameraden und ihre Verbindlichkeit für die Army stören sollte. Die Bedeutung, die das Paar dem Begriff Army beilegte, war sehr offen und umfasste viel mehr als nur die Salvation Army. Robert unterstützte sie als Arbeiter in einer Gießerei und predigte gleichzeitig bei der pfingstlerischen Mission in Salford, ab 1909 als Pastor in Chicago und Findlay (Ohio). Das Paar studierte zusammen die Bibel und erwarb sich so weitgehende Kenntnisse.Edith Waldvogel Blumhofer: Aimee Semple McPherson: everybody's sister, Grand Rapids: Wm. B. Eerdmans Publishing, Inc., 1993, S. 81 Nach einem Knöchelbruch erlebte sie Heilung durch Gebet ihres Pastors William Durham.
Auf ihrer Reise nach China predigte sie in Victoria und in der Albert Hall in London. In Hongkong steckten sich beide mit Malaria an, Robert erkrankte zusätzlich an Dysenterie und starb am 17. August 1910 dort. Aimee erholte sich und brachte die gemeinsame Tochter Roberta Star Semple am 17. September zur Welt, aber mit 19 Jahren war sie nun bereits Witwe. An Bord des Schiffes, das sie zurück in die Vereinigten Staaten brachte, begann sie eine Sonntagsschule und hielt Gottesdienste ab. In ihren Predigten sprach sie oft von ihrem verstorbenen Mann.
Bald nach ihrer Genesung schloss sie sich in den USA ihrer Mutter Minnie an, die mit der Heilsarmee arbeitete. In New York City traf sie auf Harold Stewart McPherson, einen Angestellten. Sie heiratete ihn am 5. Mai 1912, woraufhin sie nach Providence, Rhode Island, zogen. Der gemeinsame Sohn Rolf Potter Kennedy McPherson kam am 23. März 1913 zur Welt.
In dieser Zeit fiel McPherson erneut in eine Krise, denn sie hatte das Gefühl, ihre Berufung zum Predigen zu vernachlässigen. Sie entwickelte eine Zwangsstörung.Sutton, S. 58Epstein, S. 72–73 Nach der Geburt ihres Sohnes wurde das Verlangen, wieder zu predigen noch stärker. 1914 wurde sie ernsthaft krank. Nach einer Operation hörte sie eine Stimme, die sie aufforderte zu predigen. Als sie diese Herausforderung akzeptierte, konnte sie sich, trotz einer misslungenen Operation, ohne Schmerzen im Bett bewegen. 1915 verließ sie ohne Vorankündigung ihren Mann und nahm die Kinder mit. Einige Wochen später lud sie ihn ein, sie bei der evangelistischen Arbeit zu begleiten.Epstein, S. 74–76
Ihr Mann wollte sie zunächst wieder zurückholen. Als er sie jedoch bei einer Evangelisation antraf, konnte er feststellen, wie sehr sie sich verwandelt hatte. Er wurde ihr Mitarbeiter, und sie verkauften das Haus in Providence. Er half dabei, die Zelte für die Evangelisation aufzustellen, und er predigte manchmal selbst.Epstein, S. 91, 95, 128 Während der Touren lebten sie in einem Auto. Doch Harold McPherson sehnte sich nach einem geregelteren Leben, er kehrte nach Rhode Island zurück und reichte 1918 die Scheidung ein, die 1921 bewilligt wurde. Von 1917 bis 1923 predigte sie in über 100 Städten Amerikas, was mit langen Reisen verbunden war. Ihre Mutter Minnie, ihre Tochter Roberta und ihr Sohn Rolf waren auch mit dabei.Roberts Liardon: Gottes Generäle. Warum sie Erfolg hatten und warum einige scheiterten, Adullam Verlag, Grasbrunn 2007, ISBN 978-3-931484-10-1, S. 225–264: Aimee Semple McPherson. Eine Frau mit Bestimmung
Am 13. September 1931 heiratete McPherson erneut – den Schauspieler und Musiker David Hutton. Diese Ehe war von großen Auseinandersetzungen gekennzeichnet, sie zog sich sogar eine Kopfverletzung zu.Sutton, S. 172
Während sie in Europa zur Kur war, erfuhr sie, dass Hutton sich als Aimees Mann in seiner Kabarett-Nummer selbst lächerlich machte und oft mit leicht bekleideten Frauen fotografiert wurde.Epstein, S. 374–375 McPherson und Hutton trennten sich 1933 und wurden am 1. März 1934 geschieden. Später berichtete McPherson öffentlich, dass diese Ehe von Beginn an falsch gewesen sei, sowohl theologischBlumhofer, S. 333. 1932 gründeten 33 Mitarbeiter der Foursquare Gospel Church ihre eigene Pfingstkirche, die Open Bible Evangelistic Association, nachdem ihnen die Dramen des Ehepaares zu viel geworden waren. als auch persönlich.Epstein, S. 434 Daher wies sie 1935 auch den Antrag des bekannten Gospelsängers Homer Rodeheaver ab.Blumhofer, S. 333. Note: Homer Rodeheaver, war „singing master“ bei Billy Sunday gewesen. McPherson kannte ihn durch die Zusammenarbeit in Angelus Temple. Er war es gewesen, der sie mit David Hutton bekannt gemacht hatte. McPhersons Biograph Sutton merkte an, in Verweis auf Roberta Star Semple, dass McPherson Rodeheaver mochte, jedoch nicht seine Art zu küssen.Aimee May Marry Homer Rodeheaver (North Tonawanda, NY Evening News vom 21. Juni 1935)
Erste Erfolge als Evangelistin Während sie noch mit Robert Semple verheiratet war, war sie mit ihrem Mann nach Chicago gezogen und war Mitglied in William Durhams Full Gospel Assembly geworden. Dort wurde entdeckt, dass Aimee eine Begabung hatte Zungenrede auszulegen, und sie übersetzte wortgewandt. Da sie keine Erfüllung als Hausfrau fand, begann sie 1913 bei Evangelisationen und Zelteinsätzen (englisch: Sawdust trail) in den Vereinigten Staaten und Kanada zu predigen.
Nach ersten erfolgreichen Einsätzen hatte sie kaum Schwierigkeiten, akzeptiert zu werden, und viele Bekehrte füllten die Kirchen vor Ort. Dieser Erfolg verwandelte manche zögerliche Pastoren in enthusiastische Unterstützer. Oft begann sie eine Evangelisation in einer kleineren Kirche, und sie musste bald darauf ein größeres Gebäude anmieten, weil der Raum die Zuhörerschaft nicht mehr fassen konnte. Sie bemühte sich darum, allen Enthusiasmus zu entfalten, den eine Pfingstkirchenveranstaltung entwickeln konnte, inklusive „Amen Corner“ und „Halleluiah Chorus“. Dabei sorgte sie jedoch dafür, dass jedes überschäumende Chaos mit Schreien, Zittern und mehrfacher Zungenrede zu gleicher Zeit vermieden wurde. Bei ihren Veranstaltungen hatte sie immer die Öffentlichkeit im Blick. Daher richtete sie jeweils einen „Tarry tent room“ ein, einen Raum, der außerhalb des öffentlichen Bereiches lag, damit diejenigen, die plötzlich anfingen, in Zungen zu reden oder andere Auswirkungen des Heiligen Geistes erlebten, dorthin gebracht würden, damit nicht die restliche Zuhörerschaft gestört würde.Epstein, S. 172