Pimpf ist eine umgangssprachliche, scherzhaft bis abwertend konnotierte Bezeichnung für einen kleinen Jungen. In der Zeit des Nationalsozialismus war Pimpf ein Dienstgrad für 10- bis 14-jährige Mitglieder des Deutschen Jungvolks.

Wortgeschichte Das Wort Pimpf begegnet in verschiedenen deutschen Mundarten in unterschiedlicher Bedeutung. Im Bairischen und hier insbesondere im Österreichischen bedeutet es so viel wie Karl Kraus schreibt 1907 in der Fackel einem Wiener Lumpensammler die Beleidigung „Sö dampfgscherter Pimpf“ zuDie Fackel. 237, 1907, S. 8., und 1911 behauptete er ebendort, Eduard Pötzl habe „öfter als gerichtlicher Sachverständiger für die Frage, ob ‚Pimpf‘ eine Ehrenbeleidigung ist,“ fungiert.Die Fackel. 319, 1907, S. 11.

In einigen südwestdeutschen und den westmitteldeutschen Dialekten bedeutet Pimpf hingegen „kleiner Junge, Knirps“. Dieses lautmalerische Wort bezeichnete zunächst und eigentlich einen leisen Furz, im Gegensatz zum „Pumpf“, einem lauten Furz, später dann einen noch nicht ausgewachsenen Knaben – der demnach nur einen Pimpf, aber noch keinen erwachsenen Pumpf von sich zu geben vermag. Diese Zote scheint gegen 1880 zuerst im verbindungsstudentischen Umfeld der Universität Marburg aufgekommen zu sein. Um 1900 galt „Pimpf“ unter Waffenstudenten der benachbarten Universität Gießen als „Tusch“, also als schwere Beleidigung, die der „Satisfaktion“ bedurfte.Pimpf. In: Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. De Gruyter, Berlin 1967, S. 550, Sp. 2. Weitere Verbreitung fand das Wort erst nach 1920, als die bündische Jugendbewegung sich die Vokabel zur Bezeichnung ihrer jüngeren Angehörigen aneignete. Bei einigen Gruppen der Nerother Wandervögel etwa bildeten die „Pimpfe“ einen eigenen Stand, für den „Pimpfenabende“ veranstaltet wurden.

In der Zeit des Nationalsozialismus diente Pimpf ab 1933 dann als Dienstgrad für 10- bis 14-jährige Mitglieder des Deutschen Jungvolks;Pimpf. In: Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. De Gruyter, Berlin 1998, ISBN 3-11-013379-2, S. 467–468. nach bestandener „Pimpfenprobe“ durften sie zur Jungvolkuniform außer Diensthose, Lederkoppel mit Koppelschloss, Braunhemd, Halstuch und Lederknoten auch den Schulterriemen und das HJ-Fahrtenmesser tragen. Der ins Exil geflohene Heinrich Mann nahm die Aneignung des Wortes durch die Nationalsozialisten mit Befremden zur Kenntnis, in seiner 1935 im Pariser Tageblatt erschienenen Glosse Der Pimpf unkte er:

mini|Buchdeckel des Buchs der Hitlerjugend: Pimpf im Dienst, 1934

Heute gilt das Wort als „veraltend“ (so das Variantenwörterbuch des Deutschen) bzw. als „kaum noch gebräuchlich“ (so das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache). Im Zuge seiner Bemühungen um geschlechtergerechte Sprache hat indes der Duden in seinen jüngsten Auflagen neben der historisch nicht verbürgten „Reichskanzlerin“ und der „Generalfeldmarschallin“ auch dem Begriff „Pimpfin“ zu einem Eintrag verholfen.Hartmut Schmidt: Lexikografische Defizite eines Volkswörterbuchs in der Berücksichtigung des neueren deutschen Wortschatzes. In: Jarochna Dąbrowska-Burkhardt, Ludwig M. Eichinger, Uta Itakura (Hrsg.): Deutsch: lokal - regional - global. Narr, Tübingen 2017, S. 257–268, hier S. 265–266.

Literatur Pimpf. In: Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. De Gruyter, Berlin 1998, ISBN 3-11-013379-2, S. 467–468. Pimpf. In: Ulrich Ammon, Hans Bickel, Jakob Ebner u. a.: Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. De Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-016574-0, S. 575.

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Einzelnachweise

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