__NOTOC__ Die Mikrobe des Jahres wurde erstmals 2014 von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) ernannt. Ziel dieser alljährlichen besonderen Herausstellung eines Mikroorganismus ist es, auf den Wert von Bakterien, Archaeen oder Pilzen für den Einzelnen und für die Gesellschaft aufmerksam zu machen.Felicitas Pfeifer: Mikrobe des Jahres 2014 – das Cyanobakterium Nostoc. In: Biologie in unserer Zeit. Band 44, Nr. 5, 2014, S. 283, doi:10.1002/biuz.201490068, Volltext (PDF). Ausgewählt wird die Mikrobe des Jahres von einer Jury aus MikrobiologenSehr klein, jedoch sehr bedeutend. Rhizobium ist Mikrobe des Jahres 2015. Auf: scinexx.de vom 10. Februar 2015. unter Berücksichtigung insbesondere der Bedeutung des jeweiligen Mikroorganismus im Gebiet von Ökologie, Medizin, Technik, Lebensmittelwirtschaft, Energiegewinnung, Geschichte oder Forschung.
Begleitet wird die öffentliche Vorstellung der Mikrobe des Jahres in manchen Jahren von einem Schüler- und Studentenwettbewerb unter dem Motto „Findet die Mikrobe des Jahres“.Mikrobe des Jahres: Rhizobium ruft zum Wettkampf. Auf: agrarzeitung.de vom 10. Februar 2015. Die Teilnehmer können Fotos, Videos oder andere kreative und künstlerische Gestaltungen rund um den herausgestellten Mikroorganismus einreichen und als Hauptpreise Praktikumsplätze in Schülerlaboren und Instituten gewinnen.Schüler findet die Mikrobe des Jahres 2014! Sieger des Wettbewerbs mit Praktikum ausgezeichnet. Auf: idw-online.de vom 2. Oktober 2014.Pfullendorfer Brüder finden Mikrobe des Jahres. Auf: suedkurier.de vom 7. Oktober 2014.
Die Mikrobe des Jahres wird jeweils kurz vor dem Jahreswechsel für das folgende Jahr bekannt gegeben.
Bisherige Mikroben des Jahres Jahr Name Beschreibung Bild 2014 Nostoc Die Nostoc-Arten gehören zu den Cyanobakterien („Blaualgen“) und leben in einer Gallerthülle auf Wiesen und in Seen.„Mikrobe des Jahres“ gekürt. Nostoc ist eine wahre Überlebenskünstlerin. Auf: rhein-neckar-zeitung.de vom 18. April 2014.Sie sind ein Anzeiger für ein gesundes Ökosystem und bieten Ansätze für Medikamente und Biokraftstoffe.Harald Engelhardt: Mikrobe des Jahres 2014: Nostoc – Multitalent mit bewegter Vergangenheit. In: BIOspektrum. Band 20, Nr. 2, 2014, S. 234–235, doi:10.1007/s12268-014-0431-4.Iris Maldener: Nostoc, ein prokaryotischer Vielzeller. Mikrobe des Jahres 2014. In: Biologie in unserer Zeit. Band 44, Nr. 5, 2014, S. 304–310, doi:10.1002/biuz.201410545.Timo H. J. Niedermeyer: Biologisch aktive Naturstoffe aus Cyanobakterien der Gattung Nostoc. In: BIOspektrum. Band 20, Nr. 2, 2014, S. 151–153, doi:10.1007/s12268-014-0420-7. 250px|Nostoc 2015 Rhizobium Die Arten der Gattung Rhizobium gehören zu den so genannten Knöllchenbakterien und erleichtern den Anbau von Hülsenfrüchtlern (Leguminosen);Susanne Zehner und Michael Göttfert: Knöllchenbakterien: Helfer der Landwirtschaft. Mikrobe des Jahres 2015. In: Biologie in unserer Zeit. Band 45, Nr. 5, 2015, S. 296–302, doi:10.1002/biuz.201510573.Giftige Symbiose. Kieler Studie zeigt: Mikrobe des Jahres verantwortlich für Pflanzengifte. Auf: idw-online vom 17. März 2015. hierzu gehören wirtschaftlich bedeutende Kulturpflanzen wie Bohne, Erbse, Linse, Erdnuss und Klee.Harald Engelhardt: Symbiotische Bakterien machen Pflanzen genügsam und Menschen satt. In: BIOspektrum. Band 21, Nr. 2, 2015, S. 232–233, doi:10.1007/s12268-015-0564-0.Anke Becker: Knöllchensymbiose – wenn Pflanzen und Bakterien sich verstehen. In: BIOspektrum. Band 21, Nr. 2, 2015, S. 151–153, doi:10.1007/s12268-015-0551-5.Simon Irmer et al.: New aspect of plant–rhizobia interaction: Alkaloid biosynthesis in Crotalaria depends on nodulation. In: PNAS. Band 112, Nr. 13, 2015, S. 4164–4169, doi:10.1073/pnas.1423457112.
Zu den Arten der Gattung gehören u. a. Rhizobium radiobacter (auch bekannt als Agrobacterium tumefaciens) und Rhizobium rhizogenes (= Agrobacterium rhizogenes), die eng verwandt sind mit den Bradyrhizobium-Arten. mini|Knöllchenbakterien an den Wurzeln der Zaunwicke 2016 Streptomyces Streptomyceten spielen eine wichtige Rolle in der Ökologie des Bodens. Sie scheiden zahlreiche Enzyme aus und bauen damit viele komplexe Substanzen ab, beispielsweise schwer spaltbare Stoffe wie Cellulose aus Holz oder Chitin von Insektenpanzern und Pilzen. Die entstehenden kleineren Nährstoffe dienen den Streptomyceten als Nahrung. So sorgen diese Bakterien für das Recycling von Pflanzenfasern und Resten abgestorbener Organismen und tragen damit wesentlich zur Kompost- und Humusbildung bei. Auch der typische Duft frischen Waldbodens stammt von Bakterien der Gattung. Streptomyceten produzieren viele medizinisch genutzte Wirkstoffe, die Bakterien, Pilze oder Parasiten abtöten und das Wachstum von Tumoren hemmen.Hildgund Schrempf und Ullrich Keller: Streptomyceten: Relevanz für Ökologie, Medizin und Biotechnologie. In: BIOspektrum. Band 22, Nr. 1, 2016, S. 22–25, .Streptomyces: Mikrobe des Jahres rettet viele Menschenleben. In: ÄrzteZeitung vom 16. Februar 2016, Volltext.
Streptomyces wurde bereits zwei Mal mit dem Nobelpreis geehrt: als Produzent des Antibiotikums Streptomycin (1952) und des gegen Wurminfektionen wirkenden Ivermectins (2015).Mikrobe des Jahres 2016: Streptomyces – Nobelpreisträger und Recycling-Profi. Auf: idw-online.de vom 11. Februar 2016.Harald Engehardt: Streptomyces, Mikrobe des Jahres 2016: Streptomyceten – die Pharmazeuten unter den Mikroben. In: BIOspektrum. Band 22, Nr. 1, 2016, S. 104–106, . mini|Hyphen eines Streptomyces-Stammes, der eine rote, zytotoxische Verbindung synthetisiert 2017 Halobacterium salinarum HalobakterienMikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum – die einzellige Urform des Sehens. Auf: vaam.de, zuletzt abgerufen am 21. Mai 2022. gehören zu den halophilen Archaeen, die den Bakterien ähneln, jedoch enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind. Wie andere Archaeen ist auch Halobacterium salinarum an extreme Biotope angepasst (→ „Extremophile“), nämlich an extrem hohe Salzkonzentrationen; das Archaeon kommt in Salinen und Salzlaken vor und kann in Salzkristallen hunderte von Jahren überleben.Felicitas Pfeifer: Rote Überlebenskünstler in Salzlagunen. In: BIOspektrum. Nr. 1, 2017, . Seine rote Farbstoffe (Karotinoide) können im Falle von Massenvermehrungen den Lebensraum rötlich-violett einfärben und sich in der Nahrungskette anreichern, sodass sie über Salinenkrebse in den Körper von Flamingos gelangen und die rosarote Farbe von deren Federkleid bestimmen.
Halobacterium salinarum kann – wie Halobacterium halobium – mit Hilfe von Bacteriorhodopsin Lichtenergie in Energie für den Stoffwechsel wandeln, fand der Biochemiker Dieter Oesterhelt 1971 heraus.Christina Beck: Einzeller bringen Licht in die Neurobiologie. In: MaxPlanckForschung. Nr. 3, 2014, S. 18–25, Volltext (PDF). Bemerkenswert ist hierbei, dass ein vergleichbar aufgebautes Rhodopsin im Auge der Säugetiere für den Sehvorgang verantwortlich ist: Die Evolution der biochemischen Grundlage der visuellen Wahrnehmung wurzelt offenbar in archaischen Mikroben.Harald Engelhardt: Brachten Mikroben uns das Augenlicht? In: BIOspektrum. Nr. 1, 2017, . Osterhelts Forschung eröffnete letztlich auch den Weg zur Optogenetik.Peter Hegemann und Andreas Möglich: Was ist Optogenetik? In: Humboldt-Spektrum. Nr. 1, 2012, S. 10–17, Volltext (PDF).Stefan Streif: Understanding Phototaxis of Halobacterium salinarum. Dissertation, Otto-von-Guericke Universität und Institut für Automatisierungstechnik, Magdeburg 2011, doi:10.2370/9783844000917. mini|San Francisco Bay Salt Ponds: Halophile Archaeen färben Wasserflächen zur Salzgewinnung. 2018 Lactobacillus Lactobakterien gehören zusammen mit anderen Bakteriengattungen zu den Milchsäurebakterien, die durch Gärung Milchsäure erzeugen. In vielen Kulturkreisen werden Lebensmittel erzeugt und nahezu täglich von fast allen Menschen verzehrt, die mit Hilfe von Lactobakterien produziert wurden: Hierzu gehören u. a. Käse und Joghurt, Salami und Sauerkraut, konservierte Rote Bete und Oliven, Gewürzgurken und Brot aus Sauerteig. „Lactobacillus bildet aus den vorhandenen Kohlenhydraten Milchsäure. Dadurch sinkt der pH-Wert so stark, dass sich schädliche Bakterien nicht vermehren können: Lebensmittel werden haltbar. Etwa 5000 solcher Lactobacillus-fermentierter Lebensmittel sind weltweit bekannt.“Mikrobe des Jahres 2018: Lactobacillus – lecker und gesund. Auf: vaam.de, zuletzt abgerufen am 21. Mai 2022.Charles M. A. Franz et al.: Lactobacillus – Mikrobe des Jahres 2018. Unser täglich Brot: Helfer in der Lebensmittelfermentation. In: BIOspektrum. Nr. 1, 2018, doi:10.1007/s12268-018-0886-9, Volltext (PDF). mini|Lactobacillus paracasei ist eine stäbchenförmige Bakterienart, die zu den am häufigsten in der milchverarbeitenden Industrie vorkommenden Arten der Gattung gehört. 2019 Magnetospirillum „Magnetische Bakterien“ wurden erstmals 1963 von dem Italiener Salvatore Bellini beschrieben. In ihrem Inneren besitzen sie Ketten aus 15 bis 30 Magnetit oder Greigit-Kristallen, die zusammen als Magnet wirken und sich wie eine Kompassnadel im magnetischen Feld horizontal ausrichten. Senkrecht zu dieser Ausrichtung können sie so erleichtert „oben“ und „unten“ unterscheiden: Unter Wasser suchen sie im Boden gezielt Schichten mit dem für sie optimalen geringen Sauerstoffgehalt auf. „In Laborversuchen übertreffen isolierte Magnetosomen die Wirksamkeit kommerzieller magnetischer Kontrastmittel deutlich; dies macht sie für die Magnetresonanztomographie (MRT) oder Bildgebungsverfahren in Forschung und medizinischer Diagnostik interessant.“Mikrobe des Jahres 2019: Magnetospirillum: Bakterielle Orientierung – anziehend für Zukunftsforschung. Auf: vaam.de vom 28. Dezember 2018.Siehe auch: Magnetospirillum-Forscher der ersten Stunde: Fragen an Prof. Dr. Dirk Schüler, Universität Bayreuth. Auf: vaam.de vom 28. Dezember 2018. mini|Magnetospirillum gryphiswaldense mit Magnetosomen. Die Art lebt in tieferen sauerstoffarmen Sedimentschichten. Aufgrund der Ausrichtung am Erdmagnetfeld können sie, senkrecht zu diesem, dem von oben nach unten verlaufenden Sauerstoff-Gefälle besonders leicht folgen. 2020 Myxococcus xanthus „Myxococcus xanthus ist ein in der Gruppe aktiver Jäger, der andere Bakterien als Nahrungsquelle nutzt. Dazu müssen die winzigen stäbchenförmigen Bakterien miteinander kommunizieren und ihr Verhalten koordinieren.“Mikrobe des Jahres 2020: Myxococcus xanthus – ein soziales und kommunikatives Bakterium. Auf: vaam.de vom 28. Dezember 2019. Die Bakterienzellen setzen jedoch nicht nur komplexe Botenstoffe frei, die der Kommunikation untereinander dienen, sondern auch Giftstoffe und Enzyme, mit deren Hilfe andere Zellen abgetötet und zersetzt werden. Forscher vermuten daher, dass die von Myxobakterien freigesetzten Wirkstoffe als Quelle für die Entwicklung neuartiger Antibiotika infrage kommen könnten.Cystobactamid: Antibiotika der Zukunft? In: In Fact. Das Magazin des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung. Nr. 1, Mai 2019, S. 13. Zugleich auf: helmholtz-hzi.de, Mai 2019, zuletzt abgerufen am 21. Mai 2022.