Flat Holm (walis. Ynys Echni) ist eine Insel im Bristolkanal etwa 6 km (4 Meilen) entfernt von Lavernock Point im Vale of Glamorgan vor der Küste von Südwales. Die Insel ist der südlichste Punkt von Wales. Administrativ gehört sie zum Cardiffer Stadtteil Butetown.
Die Insel hat eine lange Siedlungsgeschichte, die mindestens bis zur Zeit der Angelsachsen und der Wikinger zurückgeht. Es gab verschiedene religiöse Nutzungen, unter anderem von Schülern des Cadoc im 6. Jahrhundert und die Bristol Channel Mission (1835). Ein Sanatorium für Cholerapatienten wurde 1896 als Isolierstation für den Hafen von Cardiff errichtet. Guglielmo Marconi sendete die ersten kabellosen Signale über das offene Meer von Flat Holm nach Lavernock. Um die häufigen Schiffsunglücke einzudämmen, wurde ein Leuchtturm errichtet, der 1737 durch ein Leuchtfeuer von Trinity House ersetzt wurde. Aufgrund der strategischen Position an den Zufahrtslinien nach Bristol und Cardiff wurde 1860 eine Reihe von Kanonenstellungen, die so genannten Flat Holm Battery, als Teil der Verteidigungslinie der Palmerston Forts errichtet. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Insel erneut zum Militärstützpunkt.
Heute wird sie vom Flat Holm Project Team des Cardiff Council verwaltet und ist ein Naturpark, eine Site of Special Scientific Interest und ein Special Protection Area. Das meeresnahe Grasland beherbergt schützenswerte Arten wie Rock sea-lavender (Limonium binervosum) und wilden Ackerlauch und bedeutende Seevogel-Kolonien. Darüber hinaus ist sie Heimat einer Population von Blindschleichen (slow worm) mit ungewöhnlich ausgedehnter blauer Zeichnung.
Geschichte Bronzezeit und frühchristliche Zeit Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung stammen aus der Ewart-Park-Phase in der späten Bronzezeit, 900 bis 700 v. Chr. Eine Bronzeaxt wurde 1988 zwischen einem Farmgebäude aus der Neuzeit und der West Beach () gefunden.
In der nachrömischen Zeit ab dem 6. Jahrhundert n. C. wurde die Insel Rückzugsort für den Heiligen Cadoc, der sieben Jahre lang als Einsiedler auf der Insel gelebt haben soll. Sein Freund, der Heilige Gildas, lebte zur selben Zeit auf dem nahe gelegenen Steep Holm und die beiden trafen sich manchmal zum Gebet. Gildas wurde später Abt von Glastonbury.
mini|hochkant|links|Teil eines mittelalterlichen Grabsteins (42 × 26 × 11 cm) im National Museum of Wales
1815 besuchte Thomas Turner Flat Holm in einem kleinen Boot und saß wegen starker Winde eine Woche lang auf der Insel fest. Er entdeckte zwei christliche Gräber 23 m nordöstlich des Farmgebäudes. Ein Grab war geöffnet worden. Es enthielt noch ein männliches Skelett. Der Grabstein des geöffneten Grabes bestand aus Purbeck-Marmor und trug ein Keltenkreuz, war aber zerbrochen. Ein weiteres beschädigtes Grab, das ebenfalls durch einen Grabstein markiert war, wurde im Südosten der Insel gefunden. Es enthielt einen Sarg der mit Eisennägeln zusammengefügt war. Im Inneren befanden sich zwei Skelette, die mit Brandkalk abgedeckt worden waren, was darauf hindeutet, dass die Toten möglicherweise durch eine ansteckenden Krankheit verstorben waren.
Angelsächsische Ära und Mittelalter Die Angelsachsen nannten die Insel Bradanreolice. Reolice kommt von dem irischen Wort für „Kirchhof“, bzw. „Friedhof“, was darauf hindeutet, dass die Insel eine religiöse Bedeutung als Begräbnisplatz hatte. Der heutige Name „Holm“ kommt dagegen aus dem Altnordischen und hat die Bedeutung „Insel in einem Ästuar“. Aufzeichnungen deuten an, dass eine Wikingerflotte vom Süden der Bretagne, angeführt von zwei Earls, Ottir (Oter) und Hroald (möglicherweise Ragnall), nach einer Niederlage, die sie durch die Sachsen bei Watchet erlitten hatten, Zuflucht suchten.
Die Angelsächsische Chronik berichtet, dass 1067 Gytha Thorkelsdóttir, die Mutter von Harold Godwinson sich mit ihrer Enkelin Gytha auf der Insel aufhielt, bevor sie nach der Normannischen Eroberung Englands nach Saint-Omer in Frankreich gingen. Nach der Invasion gründete Lord Robert Fitzhamon, ein Cousin von Wilhelm I., die Grafschaft Shire of Glamorgan in Wales mit Cardiff Castle als Machtzentrum. Flat Holm kam zum Pfarrbezirk von St Mary’s, einer von Cardiffs beiden Pfarrkirchen und wurde erblicher Besitz der normannischen Lords of Glamorgan.
Eine archäologische Untersuchung durch Howard Thomas 1979 brachte eine Reihe von mittelalterlichen Scherben in der Nähe des Farmgebäudes zu Tage und erbrachte Beweise für eine dauerhafte Besiedlung der Insel wie zum Beispiel Middens mit Tierknochen und Austern- und Herzmuschelschalen Darüber hinaus fand man Fragmente von grün glasierten Flaschen und Flakons aus dem späten 12. und 13. Jahrhundert sowie Steingutscherben aus dem 14. Jahrhundert. Pennant-Sandstein-Schindeln und ein Fragment eines glasierten Ziegels deuten darauf hin, dass es ein größeres Gebäude gegeben hat, möglicherweise eine Kapelle. Wahrscheinlich wurde dieses abgerissen, als das heutige Farmgebäude errichtet wurde. Besitzurkunden von 1542 zeigen, dass Heinrich VIII. ein Lehen an einen Edmund Tournor ausstellte, damit er die Insel bebaute. Seine Familie blieb auf Flat Holm bis zum Ende des 17. Jahrhunderts, als das Lehen an Joseph Robins gegeben wurde.
18. Jahrhundert – Schmuggel mini|Höhle und Minengang in den östlichen Klippen von Flat Holm Im 18. Jahrhundert wurde die Insel zu einer idealen Schmugglerbasis. Man hat gemutmaßt, dass ein alter Stollenschacht im Norden der Insel mit einer Reihe natürlicher Tunnels und einem versteckten Ausgang zum Meer verbunden war. Obwohl Flat Holm sowohl von der walisischen als auch der e englischen Küste voll einsehbar war, waren die Zollbehörden machtlos, da sie selbst kein Boot besaßen. Die Tradition besagt, dass eine kleine Höhle in den östlichen Klippen der Insel als Lagerraum für Schmuggelware wie Tee und Brandy gedient habe.
19. Jahrhundert – Seafarer’s Mission mini|Post Office Engineers inspizieren Marconis Ausrüstung auf Flat Holm, Mai 1897 1835 gründete John Ashley von Clevedon die Bristol Channel Mission, nachdem er drei Monate bei den Seeleuten auf der Insel gelebt und gewirkt hatte. Er hatte die Bedürfnisse der Seeleute auf damals 400 Segelbooten im Bristolkanal erkannt. Daraus entstand später die Mission to Seafarers, die noch heute Seeleute in 300 Häfen betreut. Jedes Jahr wird ein Gottesdienst abgehalten um die Insel zu segnen.
Die erste kabellose Morse-Übertragung über das Meer Am 13. Mai 1897 übertrug der 22-jährige italienische Erfinder Guglielmo Marconi das erste kabellose Morsesignal über das offene Meer von Flat Holm nach Lavernock Point bei Penarth, Wales. Er wurde dabei von dem Post Office Engineer George Kemp aus Cardiff unterstützt. Marconi hatte es nicht geschafft, die Italienische Regierung von seiner Erfindung zu begeistern, und brachte sein Telegrafiesystem nach Großbritannien. Er begegnete William Preece, einem Waliser, der zu dieser Zeit der Chief Engineer des General Post Office und eine bedeutende Persönlichkeit auf diesem Feld war. Marconi und Preece errichteten einen 34 m hohen Transmitter auf Flat Holm und einen 30 m hohen Empfänger bei Lavernock Point. Die ersten Versuche am 11. und 12. Mai scheiterten. Am 13. Mai wurde der Mast in Lavernock auf 50 m erhöht, woraufhin die Signale deutlich empfangen wurden. Die Nachricht in Morsezeichen war „Are you ready“; das originale Papier mit dem Morsecode mit Unterschriften von Marconi und Kemp befindet sich im National Museum of Wales.
Die Insel machte am 8. Oktober 2002 erneut Kommunikationstechnik-Geschichte, indem sie eines der ersten Gebiete in Süd-Wales wurde, die durch kabellose Verbindungen vom Cardiff Council mit dem Internet verbunden wurde. Dies geschah im Rahmen des Flat Holm Projects. Die Verbindung wird für Internet, Zugang zum Cardiff Council data network und VOIP-telephonie benutzt. Im Farmgebäude gibt es zwei Telefonapparate, die zum PBX des Councils gehören. Daher besitzen sie Telefonnummern mit der Vorwahl von Cardiff. 105 Jahre nach Marconi machte der IT Consultant Spencer Pearson den ersten Telefonanruf von der Insel zu seinem Büro in der County Hall, Atlantic Wharf, Cardiff.
Schiffsunglücke Die trügerischen Bedingungen für Schiffe rund um die Insel führten zu vielen Schiffsunglücken. Das britische Passagierschiff Tapley verlor sieben Passagiere als es im Januar 1773 auf der Überfahrt von Cork, Irland nach Bristol bei Flat Holm auflief.
Am 23. Oktober 1817 sank die britische Sloop William and Mary, nachdem sie auf den nahegelegenen Felseninseln, die als The Wolves bekannt sind, aufgelaufen war. Das Schiff war unterwegs von Bristol nach Waterford und sank innerhalb von fünfzehn Minuten. Der Mate John Outridge und zwei Seeleute konnten im Rettungsboot entkommen. Fünfzehn Überlebende wurden später gerettet, die sich an der Takelage des Schiffes festgehalten hatten, aber 54 weitere Passagiere ertranken. Fünfzig von ihnen wurden aus dem Schiff geborgen und auf Flat Holm beigesetzt.
1938 fuhr das Dampfschiff Norman Queen auf Grund, konnte aber wieder befreit werden, 1941 sank das Dampfschiff Middlesex.
Geographie mini|350px|Lagekarte für Südwales Flat Holm liegt im Bristol-Kanal. Sie ist eine kleine, beinahe kreisrunde Kalkstein-Insel mit etwa 620 m (2030 ft) Durchmesser und 35 ha (86 acre) Fläche. Sie steigt gemächlich von der Wetterseite im Westen, mit ihrer felsigen Küste, an bis zu den weniger ausgesetzten Klippen im Osten, wo heute der Leuchtturm steht. An ihrer höchsten Stelle ist sie 32 m (105 ft) hoch. Flat Holm gehört kommunal zu Wales, während das nahe gelegene Steep Holm (walis. Ynys Rhonech) Teil von England ist. Etwa 1,3 km (0,8 mi) nordwestlich von Flat Holm liegen die beiden kleinen Inseln, die als The Wolves bekannt sind. Sie haben Abmessungen von ca. 25 m × 20 m (82 × 66 ft).
Der Tidenhub im Bristol-Kanal beträgt 15 m (49 ft); er wird nur durch den Tidenhub in der Bay of Fundy in Ost-Kanada übertroffen.
Geologie mini|hochkant|Geologischer Aufschluss Während der letzten Eiszeit, vor etwa 1,8 Millionen Jahren, lag der Wasserspiegel im Severn Estuary etwa 50 m unter dem heutigen Meeresspiegel und Flat Holm war mit der Küste von Somerset als Ausläufer der Mendip Hills verbunden. Seit dem Beginn der Mittelsteinzeit vor 15.000 Jahren zogen sich die Eispanzer zurück und die Ebenen entlang der Flussmündung wurden überflutet. Die Erhebungen der Mendip Hills wurden zu den Inseln Flat Holm und Steep Holm. severnestuary.net (englisch).
Der Carboniferous Limestone (Kohleführender Kalkstein), aus dem Flat Holm besteht, stammt aus einem größeren mesozoischen Becken, dass sich von Bristol und Mendip westwärts entlang der Mündung des Severn nach Süd-Wales erstreckt. Er steht im Westen noch bei Sully Island und Barry an. Teile von Flat Holm sind ausgewiesen als Geological Conservation Review (GCR)-Gebiet und als Site of Special Scientific Interest (SSSI). Die GCR- und SSSI-Interessengebiete liegen an der südwestlichen Küstenlinie, ausgehend vom Nordwest-Kap bis zum Lighthouse Point, wo große fossile „ripple marks“ als wellenförmige Muster sichtbar sind.
Es gibt silberhaltigen Galenit auf Flat Holm. Die Gruben und Erdhaufen auf der Inselfläche sind die Ergebnisse von Probegrabungen. Ein Streit über Abbaurechte in den 1780ern endete damit, dass John Stuart, Lord Mount Stuart eine offizielle Beschwerde einreichte, wonach der Leuchtturmwärter die Kohlen für das Leuchtfeuer zur Herstellung von Blei verwendete. Bleiabbau war jedoch nicht profitabel. Roter Mergel aus der Trias füllte Spalten im Kalkstein, was auf Verkarstung während dieser Zeit hindeutet. Höhlen auf der West- und Nordost-Seite der Insel wurden als Schmugglerverstecke genutzt.
Gebäude Leuchtturm und Nebelhorn mini|hochkant|Flat Holm Lighthouse