Der Königin-Carola-Schacht (ab 1948: Paul-Berndt-Grube) war eine Steinkohlengrube des Königlichen Steinkohlenwerkes Zauckerode. Die Doppelschachtanlage lag im westlichen Teil der Steinkohlenlagerstätte des Döhlener Beckens auf Döhlener Flur.
Der Schacht trug den Namen der letzten Königin von Sachsen, Carola, Prinzessin von Wasa.
Vorgeschichte Der Faktor Ernst Friedrich Wilhelm Lindig äußerte 1846 die ersten Überlegungen zur Anlage eines neuen Schachtes als Ersatz für den Döhlener Kunstschacht. Zu diesem Zweck wurden 1851 auf der Wiese des Kammergutes Döhlen zwei Versuchsschächte abgeteuft. Nach dem Tod Lindigs am 4. März 1852 wurde das Vorhaben zurückgestellt. Sein Nachfolger wurde Friedrich Schmiedel. Am 12. Juli 1854 übergab er dem Königlichen Finanzministerium einen Bericht. In diesem favorisierte er zum Aufschluss des südlich gelegenen Feldes das Teufen von drei Schächten. Diese sollten neben dem Döhlener Kunstschacht 1871 den Oppelschacht und 1873 den Albertschacht ersetzen. Am 28. Juli 1856 genehmigte das Finanzministerium den Plan zur Teufe des ersten Schachtes im Frühjahr 1857. Inzwischen hatte man den Plan einen einzelnen Schacht zu teufen zu Gunsten einer Doppelschachtanlage aufgegeben. Die Genehmigung für diesen Plan durch das Finanzministerium erfolgte am 3. Juli 1858. Geteuft werden sollten nun ein Förder- und Fahrschacht sowie ein Kunst- und Holzhängeschacht. Die Schachtanlage sollte im Weißeritztal, unmittelbar an der neu erbauten Albertsbahn, errichtet werden.
Am 1. September 1859 wurde mit der Teufe des ersten Schachtes im Gebiet des jetzigen Döhlener Gewerberinges in Freital begonnen. Schon nach einer Teufe von 5,65 Metern betrug die Menge des zusitzenden Wassers 13 bis 16 m3/h. Daraufhin wurden die Teufarbeiten Ende September 1859 eingestellt. Nach dem Aufstellen einer Dampflokomobile zur Wasserhebung wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Aber auch diese Maßnahme reicht nicht aus, so dass die Arbeiten im Dezember 1859 erneut eingestellt wurden. Nach der Aufstellung einer Dampfmaschine von Richard Hartmann, Chemnitz zur Förderung und Wasserhaltung, wurden die Arbeiten im April 1860 wieder aufgenommen. Da man nach 16,80 Metern Teufe noch kein festes Gestein erreicht hatte, wurde am 12. Juli 1860 eine Bohrung nieder gebracht. Aber auch bei einer Teufe von 95,70 Metern unter der Rasenkante wurde kein festes Gebirge erreicht. Die Wasserzugänge waren inzwischen auf 56 m3/h angestiegen. Daraufhin wurden die Arbeiten an diesem Schacht aufgegeben. Man unternahm in einer Entfernung von 210 Metern, etwa am heutigen Langen Rain, einen zweiten Versuch. Im April 1861 erreichte man eine Teufe von 40,80 Meter. Auch hier wurde die weitere Teufe mit einer Bohrung untersucht. Aber auch nach weiteren 41 Metern wurde kein festes Gebirge erreicht. Daraufhin wurden die Arbeiten eingestellt. Man unterbreitete dem Finanzministerium den Vorschlag, den Döhlener Kunstschacht zur Erschließung des südlichen Feldes bis zur 7. Hauptstrecke zu teufen. Diesem Vorschlag stimmte das Ministerium am 16. September 1863 zu. Die beiden Schächte wurden verfüllt und die Dampfmaschine verkauft.
Am 26. April 1869 unterbreitete das Finanzministerium den Vorschlag der Teufe eines Rundschachtes mit Hilfe von gusseisernen Tübbings wie es in Leimbach beim Teufen der Freieslebenschächte I und II angewandt wurde. Nach der Besichtigung des Abteufens durch den Bergrat Friedrich Schmiedel übergab er dem Finanzministerium am 27. Oktober 1871 einen Bericht, in dem er Bedenken über diese Variante äußerte. Am 31. Oktober 1871 trat er zurück. Seine Stelle übernahm am 1. November Bergrat Bernhard Rudolf Förster.
Förster verwarf den Plan Schmiedels zum Teufen von 3 neuen Schächten. Er unterteilte das südliche Feld in 2 Felder. In jedem Feld sollte ein neuer Schacht geteuft werden. Vorrang hatte das Döhlener Gebiet, da die weitere Teufe des Döhlener Kunstschachtes nicht umgesetzt worden war. Im Gebiet von Saalhausen sollte später die zweite Schachtanlage geteuft werden. Am 22. Mai 1872 genehmigte das Finanzministerium diesen Plan.
Geschichte Königin-Carola-Schacht 1 und 2 Das Königliche Steinkohlenwerk Zauckerode begann am 3. Juni 1872 mit dem ersten Spatenstich das Teufen des bei angeschlagenen Schachtes I. Gleichzeitig begann der Bau des Beamtenwohnhauses, der Bergschmiede, sowie des Kesselhauses und der Maschinenanlage. Am Jahresende wurde eine Teufe von 51 Metern erreicht.
Am 15. Februar ging eine alte einzylindrige Balancierdampfmaschine zur Förderung und Wasserhaltung in Betrieb. Die Teufe erreichte 192 Meter. Der Wasserzufluss lag zwischen 8,6 und 19,7 m3 am Tag.
Am 22. April 1874 wurde in einer Teufe von 268,80 Metern das 1. Flöz mit einer Mächtigkeit von 4,80 Meter erreicht. Bei 278,70 Metern wurde das 2. Flöz mit einer Mächtigkeit von 0,40 Meter und bei 285,50 Metern das 3. Flöz mit einer Mächtigkeit von 1,10 Meter durchteuft. Das Abteufen wurde bei 286,80 Metern eingestellt. Das Füllort der 6. Hauptstrecke wurde in einer Teufe von 257,95 Metern und das der 8. Hauptstrecke in einer Teufe von 286,44 Metern angeschlagen. Am 30. Mai 1874 wurde der Schacht mit Genehmigung von König Albert von Sachsen Königin-Carola-Schacht getauft. Nach dem Aufbau des eisernen Seilscheibenstuhls und der von der Wilhelmshütte Sprottau gelieferten Zwillingsfördermaschine begann ab August 1874 die Ausmauerung des Schachtes. Die während des Abteufens eingebaute Bolzenschrotzimmerung wurde durch eine 0,37 Meter starke Ziegelausmauerung ersetzt. Am 26. Juni 1874 wurde der 227,60 Meter lange Bremsberg 32 von der 5. Hauptstrecke des Döhlener Kunstschachtes zur 6. Hauptstrecke des Königin-Carola-Schachtes durchschlägig. Über ihn wurden die Klarkohlen des Kunstschächter Reviers über den Schacht I gefördert und der Döhlener Wäsche zugeführt.
1875 wurde die Ausmauerung des Schachtes fertig gestellt und die Füllörter ausgebaut. In einer Teufe von 80 Metern wurde eine Wasserstrecke aufgefahren und eine Wasserhaltungsmaschine eingebaut.
1876 wurde der 480 Meter lange Bremsberg, der die Schachtanlage mit der Döhlener Wäsche verbindet, fertiggestellt. Im Juli 1876 nahm der Schacht die Förderung auf. Im Herbst 1876 erfolgte versuchsweise die Mannschafts-Seilfahrt. Sie wurde allerdings auf die ausfahrende Früh- und Mittagsschicht beschränkt. Die generelle Mannschaftsseilfahrt wurde erst nach 1881 eingeführt. 1876 wurde in einer Entfernung von 75 Metern südwestlich des Schachtes I mit der Teufe des Schachtes II begonnen. Bei einer Teufe von 25 Metern musste das Teufen wegen starken Wasserzuganges eingestellt werden. Mit einer Bohrung in die Wasserstrecke des Schachtes I konnte das Problem gelöst werden und die Schachtteufe erreichte zum Ende des Jahres 115,60 Meter. Gefördert wurde anfangs mit einem Dampfhaspel, später dann mit der beim Albertschacht abgebrochenen alten Fördermaschine.
1877 wurde die Teufe des Schachtes II bei 132 Metern unterbrochen und der Schacht aufgrund des druckhaften Gebirges von der Rasenhängebank bis 124 Meter Teufe ausgemauert. In diesem Zuge wurde 80 Meter unter Tage ein Wettertrum abgeteilt und separat zu Tage geführt. Am Jahresende wurde eine Teufe von 187,80 Metern erreicht. Im Tiefsten des Schachtes I wurde eine Wasserhaltungsmaschine der Sächsischen Maschinenfabrik in Chemnitz eingebaut.
1878 erreichte die Teufe des Schachtes II 261 Meter und die Schachtröhre wurde auf der ganzen Länge ausgemauert.
1879 erreichte der Schacht das Niveau der 8. Hauptstrecke. Das Füllort wurde angeschlagen und ein Querschlag zum Schacht I aufgefahren. Am 15. April 1879 wurde die Ausmauerung vollendet und in einer Feierstunde der Schlussstein gesetzt. Die Kohleflöze wurden nicht angetroffen, da der Schacht in der Carolaschacht-Verwerfung mit einer Sprunghöhe von 00 Metern und einer Abschiebungsbreite von 40 Metern steht.
1880 wurde eine Telefonverbindung zwischen der Döhlener Wäsche, der Hängebank von Schacht I, sowie der Kopfstation des Bremsberges 32, dem Hauptförderpunkt des Reviers, hergestellt. 1881 ging die Fördermaschine des Schachtes II in Betrieb und die Mannschaftsfahrung wurde aufgenommen.
1886 wurde der Schacht I um 48 Meter von der 8. zur 10. Hauptstrecke weiter geteuft und mit der Ausmauerung begonnen. 1887 wurde das Füllort bei 334,35 Metern hergestellt. In der Teufe wurden bis 314 Meter vier weitere Flöze durchteuft, deren Zuordnung aber nicht gesichert ist. 1893 wurde Schacht II ebenfalls bis zur 10. Hauptstrecke niedergebracht.
Im Oktober 1895 wurde für die Bergleute eine Waschkaue („Mannschaftsbrausebad“) eingerichtet. Diese bedeutende soziale Einrichtung war die erste bei einem Steinkohlenbergwerk im Döhlener Becken.
Auch der Königin-Carola-Schacht war von dem Weißeritzhochwasser am 30./31. Juli 1897 betroffen. Aus Sicherheitsgründen fuhr die Belegschaft am 30. Juli um 18 Uhr aus; auch die Grubenpferde wurden über Tage gebracht. Am 31. Juli um 1.30 Uhr wurde die noch in der Auffahrung befindliche 10. Hauptstrecke und der dort befindliche Maschinenraum der Pumpen von dem über den Döhlener Wetterschacht eindringenden Wasser überflutet. Die Pumpen fielen daraufhin aus. 3.00 Uhr brach die Ernst-Strecke ein. Diese führt als 58. Untergebirgsstrecke bis zur 10. Hauptstrecke. Die eindringenden Wassermassen überfluteten die 9. und die 8. Hauptstrecke. Am 31. Juli gegen 8.00 Uhr war das Hochwasser abgeflossen. Der Wasserstand auf der 8. Hauptstrecke betrug am Schacht II jetzt 2,13 Meter über Sohle. Auch die hier befindliche Wasserhaltung war ausgefallen. Am Nachmittag des 31. Juli wurde mit auf den Fördergestellen befindlichen Hunten in beiden Schächten mit der Wasserhebung begonnen. Die Fördergestelle wurden soweit in den Schacht gehangen, dass die Hunte von allein vollliefen. Zwischen dem 1. und 9. August wurden so 10.000 m3 Wasser gefördert. Am 8. August war die Wasserhaltung auf der 8. Hauptstrecke wieder frei und wurde in Betrieb genommen. Am 16. August wurde der Förderbetrieb auf Abbauen oberhalb der 8. Hauptstrecke wieder aufgenommen. Am 25. August war die 8. Hauptstrecke komplett wiederhergestellt. Um das Wasser aus den tieferen Bauen zu heben, wurde am 31. August im Schacht I eine Dampfpumpe eingehängt, die mit sinkendem Wasserspiegel stückweise abgesenkt wurde. Ende Dezember 1897 war auch die 10. Hauptstrecke wieder wasserfrei. Zwischen dem 31. Juli und dem 31. Dezember 1897 wurden 90.000 m3 Wasser gehoben. Da die als Wetterstrecken zum Döhlener Wetterschacht fungierenden 50. und 58. Untergebirgsstrecke durch das Wasser vollständig zerstört waren, mussten sie aufgegeben werden. Damit war der Döhlener Wetterschacht als Wetterschacht nicht mehr nutzbar. Seine Aufgabe übernahm der wieder in Betrieb genommene Mehnerschacht. Ende 1898 waren die Hochwasserschäden im Grubengebäude beseitigt.
mini|Platte mit Saurierfossilien, gefunden 1901 Bei der Abbauführung im 4 Meter mächtigen 1. Flöz über der 8. Hauptstrecke im Abbauort 156 brach am 19. November 1901 eine ca. 1 m2 große Gesteinsplatte aus der Firste. Der Reviersteiger Hermann Emil Erler entdecke auf der zerbrochenen Platte sechs gut erhaltenen Saurierskelette der Art Pantelosaurus saxonicus.Frederik Spindler: (PDF). Um auch die andere Hälfte der Fossilien zu bergen, wurde unter der Anleitung des Markscheiders August Robert Hausse eine 1,0 × 1,3 Meter große und 0,4 Meter starke Platte aus der Firste geborgen. Die Fossilien entstammen einer an dieser Stelle 8 cm mächtigen grünen Tonsteinschicht. Aufgrund dessen wurde sie von den Bergleuten als „Grüne Schale“ bezeichnet.
Ab 1903 wurde der Schacht I weiter geteuft. 1905 erreichte die Teufe das Niveau der 13. Hauptstrecke. Am Schacht I wurde das Füllort bei 409,24 Metern angeschlagen, der Schacht ausgemauert und der Sumpf aufgefahren. Damit hatte der Schacht seine Endteufe von 414,80 Metern erreicht. 1906 wurde das Füllort ausgemauert und ein Querschlag zum Schacht II und von dort weiter Richtung Süden getrieben um das 1. Flöz auszurichten.