mini|Grenzzaun und Wachposten (2011) mini|hochkant|Grenzanlage – links Ceuta, rechts Marokko (2017) Der Grenzzaun bei Ceuta ist Teil der Grenze zwischen Marokko und Spanien bei der spanischen Exklave Ceuta, die auf nordafrikanischem Festland an der Straße von Gibraltar liegt. Zweck der Grenzanlage ist die Unterbindung von illegaler Einwanderung und Schmuggel.
Geografie mini|Geografische Lage Ceutas mini|Karte von Ceuta Der Grenzverlauf hat eine Länge von gut 8 Kilometern und wird im Süden vom Arroyo de las Bombas und seinem Quellfluss, dem Arroyo de Sidi Bruhim, und im Norden vom Arroyo de Benzu gebildet.
Entwicklung 1993 wurde ein erster, 8,2 Kilometer langer Zaun an der Landgrenze zu Marokko errichtet, die Kosten trug zu 75 Prozent die EU. Der damalige Zaun erwies sich zu Beginn als ungeeignet zur Unterbindung von Grenzüberschreitungen. Zwei Jahre später begann die Errichtung einer erweiterten Anlage mit NATO-Draht. 2005 wurde sie von drei auf sechs Meter erhöht. Die gesamte Anlage ist (Stand 2008) 24 km lang.Jaume Castan Pinos: Building Fortress Europe? Schengen and the Cases of Ceuta and Melilla (PDF, 12. Januar 2009, working paper), School of Politics, International Studies and Philosophy, Queen’s University Belfast.
Die Zäune stehen nach einer Untersuchung von 2014 teilweise bis zu 12 Meter hinter der eigentlichen Grenze auf spanischem Hoheitsgebiet, so dass sich Personen auch außerhalb der Zäune schon in Spanien befinden. Um Asyl zu beantragen, müssten Schutzsuchende jedoch nach Auffassung des spanischen Staates von 2014 die „funktionale“ oder „operative“ Grenze erreichen, die erst hinter der Mehrfachumzäunung beginnt.Raphael Minder: At Spanish Enclave, a Debate Over What Makes a Border. The New York Times vom 24. November 2014.
Krisen Als 2005 mehrere hundert Menschen versuchten, den Zaun zu überwinden, schossen spanische Grenzwächter mit Gummigeschossen und marokkanische mit scharfer Munition in die Menge. Mindestens acht MenschenVisit to Ceuta and Melilla – Mission Report Technical mission to Morocco on illegal Immigration7th October– 11th October 2005, europa.eu. Website der Europäischen Kommission. Abgerufen am 9. September 2015. starben,Jaume Castan Pinos (2009) bezifferte hier (ohne Quellenangabe) die Zahl der Toten auf 13. einige wurden verletzt. Danach wurde der Zaun von drei auf sechs Meter erhöht; Hindernisse im Vorfeld des Zaunes sollen eventuelle Menschenmassen auflockern.
2016 Am 9. Dezember 2016 schafften es rund 400 Menschen aus Subsahara-Afrika, über den Grenzzaun nach Ceuta zu gelangen."Migrants break in to Spain's Ceuta enclave in North Africa" Euronews vom 9. Dezember 2016 Im gesamten Jahr 2016 schafften es nach der Einschätzung der EU-Grenzwachtagentur Frontex fast tausend Migranten über die Grenzen von Ceuta und der ebenfalls von marokkanischem Gebiet umgebenen spanischen Exklave Melilla auf spanisches Gebiet; so viele waren es zuvor mehrere Jahre lang nicht gewesen.
2017 Zum Jahreswechsel 2016/2017 versuchten rund 1100 Menschen aus Subsahara-Afrika, die Grenzbefestigung gewaltsam zu durchbrechen. Der Versuch wurde abgewehrt, 55 Polizisten und mehrere Grenzübergänger wurden verletzt.Reuters.com vom 2. Januar 2017: Hundreds of migrants try to storm border into Spain's enclave of Ceuta
Bei einem Massenansturm am 17. Februar 2017 versuchten rund 700 überwiegend aus Subsahara-Afrika stammende Männer, teils mit Werkzeug und Knüppeln ausgerüstet, die Grenzbefestigung zu überwinden. Dabei wurden 11 spanische und 10 marokkanische Polizisten und mindestens 30 der Stürmenden bei Zusammenstößen verletzt. 498 Personen durchbrachen oder überwanden die Sperren, 55 Menschen wurden sofort nach Marokko zurückgeschickt. Das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) forderte, die übrigen Personen, die den Zaun überwunden hatten, auf das europäische Festland zu transportieren, damit sie menschenwürdig untergebracht werden könnten, solange ihre Asylanträge geprüft würden.Lizzie Dearden: “Hundreds of migrants scale 20ft fence into Spanish enclave of Ceuta as refugee route shifts” The Independent vom 18. Februar 2017 Im Auffanglager Centro de Estancia Temporal de Inmigrantes (C.E.T.I.) in Ceuta wurden rund 400 Menschen betreut.
Drei Tage später, am Morgen des 20. Februar 2017, gelangten erneut 300 Flüchtlinge und Migranten über den Zaun auf spanisches Gebiet. Elf Personen verletzten sich beim Überwinden der Grenzbefestigungen so schwer, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden mussten.Paul Day: “Hundreds of migrants cross into Spain’s Ceuta in second wave in three days” Reuters vom 20. Februar 2017
Beobachter spekulierten, dass Marokko seine Polizei möglicherweise angewiesen habe, die Flüchtlingsbewegungen in Richtung Ceuta nicht mehr zu unterbinden, um ein Druckmittel bei Wirtschaftsverhandlungen mit der EU zu haben. Eine entsprechende Warnung vor einem Flüchtlingsstrom beim Scheitern des Wirtschaftsabkommens hatte die Regierung von Marokko Anfang Februar 2017 ausgesprochen.Hunderte Flüchtlinge durchbrechen EU-Außengrenze mit Marokko Sueddeutsche Zeitung vom 20. Februar 2017
2018 Ende Juli 2018 kam es zu einem erneuten Massenansturm von über 800 Migranten; sie hatten Löcher in den Grenzzaun geschnitten. Rund 600 von ihnen gelang die Einreise nach Ceuta; sie attackierten dabei Polizeibeamte mit selbst gebastelten Flammenwerfern und ätzendem Branntkalk. 15 verletzte Polizeibeamte und 16 Migranten kamen ins Krankenhaus. Der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska äußerte danach, der Stacheldraht des Grenzzauns sollte trotzdem entfernt werden; das Sicherheitsniveau könne auch mit „weniger grausamen Mitteln beibehalten werden“.
Am 22. August 2018 gelang es 116 weiteren Migranten, den Grenzzaun zu überwinden, nachdem über 300 Migranten versucht hatten, den Zaun zu stürmen. Hierbei wurden sieben Polizisten erneut mit Löschkalk, Batteriesäure und Exkrementen verletzt, um sie an der Grenzsicherung zu hindern. Bereits am darauffolgenden Tag wurden alle beteiligten Migranten nach Marokko abgeschoben. Nach Angaben der spanischen Behörden hatte keiner der abgeschobenen Migranten einen Asylantrag gestellt, obwohl ihnen anwaltliche Hilfe zuteilgeworden sei.Thomas Urban, Spaniens Kehrtwende in der Asylpolitik sz.de, 24. August 2018.
2019 Am 30. August 2019 überwanden etwa 150 Personen aus einer Gruppe von 250 Migranten erfolgreich den Grenzzaun. Sechs Polizisten und neun der Migranten wurden verletzt.
Am 18. November 2019 durchbrach ein Marokkaner mit einem Kleintransporter ein Grenztor. 52 Personen aus Subsahara-Afrika verließen anschließend das Fahrzeug und wurden von Sicherheitskräften in eine Krankenstation gebracht.Kleintransporter mit 50 Migranten durchbricht Grenze nach Ceuta Welt.de vom 18. November 2019Un kamikaze revienta las puertas de la frontera y cuela a 52 inmigrantes en Ceuta elfarodeceuta.es vom 18. November 2019
2021 Ab 17. Mai 2021 gelangten Tausende von Flüchtlingen nach Ceuta, indem sie durch das Meer schwammen. Die Massenflucht wurde möglich, weil sich die marokkanischen Sicherheitskräfte, die zuvor stets die Wassergrenze bewacht hatten, zurückgezogen hatten. Der Rückzug war offenbar von Marokkos König Mohammed VI. angeordnet; es hieß, dieser benutze die Migrationspolitik regelmäßig, um Druck auf Spanien und Europa auszuüben. Als konkreter Anlass wurde davon ausgegangen, dass Marokko sich daran gestört hatte, dass Spanien Brahim Ghali, dem Generalsekretär der Befreiungsbewegung Frente Polisario, eine Krankenhausbehandlung im spanischen Logroño ermöglicht hatte.Flüchtlingssturm – Marokkos König rächt sich mit 6000 Migranten an den Spaniern. In: Luzerner Zeitung, 18. Mai 2021
2026 Am 30. Juli 2026, während der Feierlichkeiten zum Throntag in M’Diq, verschaffte sich eine große Zahl von Menschen über den Wellenbrecher von Tarajal bzw. im Meer schwimmend Zugang zur Exklave. Aktivisten schätzten zunächst, dass an diesem Tag mehr als 2000 Personen die Grenze schwimmend überquert hätten, laut den regionalen Behörden waren bereits in der Vorwoche 1500 Personen angekommen. Die Zahl der Ankommenden stieg am Folgetag stark an: Die spanischen Behörden erklärten am 31. Juli, dass in den letzten 24 Stunden rund 60.000 Menschen die Grenze irregulär über das Meer schwimmend überwunden hätten und dabei mindestens 72 Menschen gestorben seien. Die meisten der über das Meer angekommenen Menschen kehrten in den folgenden Tagen zurück nach Marokko. Wie bereits 2021 vermuteten politische Beobachter, der marokkanische Staat habe die Situation aus außenpolitischen Gründen mehr oder weniger absichtlich herbeigeführt – in diesem Fall als Reaktion auf einen Staatsbesuch des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez im mit Marokko verfeindeten Algerien am 20. Juli 2026. Am 3. August korrigierte die spanische Regierung die Zahl der Toten auf mindestens 88; später meldete Ceutas Präsident Juan Jesús Vivas insgesamt mindestens 100 Tote. Henna Virkkunen, Kommissarin für Digitale- und Grenztechnologien der EU, gab Meta und TikTok indirekt eine Mitschuld an der Krise. Beide Plattformen würden nichts gegen Falschinformationen unternehmen. Dort waren Videos und Nachrichten geteilt worden, dass die Grenze plötzlich offen sei und Flüchtlinge nach Spanien könnten. In Krisensituationen müssten die Plattformen handeln. „Es braucht mehr Aufsicht, Kooperationen mit Faktenprüfern müssen ausgebaut werden.“ In der US-Zeitschrift The Nation wurde die Theorie aufgestellt, die Ereignisse seien „weder eine echte humanitäre Krise noch Teil eines antikolonialen Kampfes, sondern Teil der Bemühungen des immer stärker werdenden US-israelisch-marokkanischen Bündnisses (…), eine progressive europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten und das Völkerrecht zu untergraben.“Im Original: „neither a genuine humanitarian crisis nor part of an anti-colonial struggle, but part of efforts by the growing US-Israeli-Moroccan nexus (…) to weaken a progressive European government, divide Europe, and undermine international law.“ Dies spielt darauf an, dass Spanien sich 2024 als erstes EU-Land der Völkermordklage gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof anschloss und Israel sich dafür mutmaßlich rächen wolle. Der Leiter des ARD-Studios Nairobi, Georg Restle, zitierte diese Theorie in sozialen Medien, was eine kontroverse Diskussion zur Folge hatte, da keine Belege für diese Theorie vorgelegt wurden und sie antisemitische Untertöne habe. In Ceuta ist es nach Angaben des dortigen Universitätskrankenhauses zu sexuellen Übergriffen auf Minderjährige unter 14 Jahren gekommen, die aus Marokko in die Stadt kamen. Da die Aufnahmeeinrichtungen überfüllt seien, lebt eine undefinierte Anzahl an minderjährigen Mädchen derzeit auf der Straße. Ähnliche Vorfälle werden auch aus dem provisorischen Auffanglager Sidi Embarek gemeldet, zu dem Minderjährige aus dem umgebenden Gebirge kommen. Ende August 2026 kam es zu verschärften Konflikten zwischen den Einwohnern Ceutas und den Neuankömmlingen.Frankfurter Allgemeine Zeitung (Nr. 200) vom 29. August 2026, Seite 4
Tunnelanlagen Im März 2025 wurde erneut eine Tunnelanlage entdeckt, die in 12 Metern Tiefe unter der Grenzanlage verlief. Sie wurde zum Schmuggel von Drogen errichtet.Walaw - Descubriendo el túnel de drogas que conecta Ceuta y Marruecos, 15. März 2025, abgerufen am 27. April 2025 Durch sie wurden große Mengen Haschisch nach Ceuta und weiter auf die Iberische Halbinsel gebracht. Die Anlage wurde in Zusammenarbeit zwischen den marokkanischen und den spanischen Behörden in der sogenannten Operación Hades aufgespürt.El Faro Ceuta - La gran trama del narcotráfico que unió un túnel entre Ceuta y Marruecos, 17. März 2025, abgerufen am 27. April 2025
Siehe auch Flucht und Migration über das Mittelmeer in die EU Flüchtlingskrise in Europa 2015/2016 Liste befestigter Grenzen
Weblinks
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Grenzbefestigung