mini|hochkant=1.3|Schloss Johannisberg mit zugehörigem Weinberg von Süden aus fotografiert mini|Schloss Johannisberg um 1832 auf einem Stich nach Tombleson
Schloss Johannisberg ist eine Schlossanlage mit einem traditionsreichen Weingut sowie der dazugehörigen Weinlage in der Gemarkung von Geisenheim im Rheingau. Die Gesamtanlage geht auf ein Klosterweingut zurück, dessen Geschichte bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht. Der Fürst-von-Metternich-Saal des Schlosses ist heute Spielstätte für das Rheingau Musik Festival.
Die dem VDP angehörende Weinbaudomäne ist alleiniger Besitzer der 50 Hektar großen Lage, die zu den besten des Rheingaus zählt.Ernst Hornickel: Wein-Gotha. Die großen Lagen und Spitzenweine Europas. Seewald Verlag, Stuttgart 1972, ISBN 3-512-00078-9 (Der Autor zählt Schloss Johannisberg zu den sieben besten Lagen des Rheingaus). Hier wird ausschließlich Riesling angebaut. Schloss Johannisberg ist administrativ ein eigener Ortsteil von Geisenheim, was dem Weingut mit dem Weingesetz von 1971 das Recht verlieh, den Lagennamen ohne Ortsbezeichnung auf dem Etikett zu führen. Im Jahr 2000 wurde Schloss Johannisberg schließlich als eine einzige Lage in das Lagenkataster des hessischen Weinbauamtes eingetragen.
Geschichte
Anfänge und Klosterweingut mini|Klosterkirche Johannisberg mit barockem Gitter zum Ehrenhof und großer Zeder mini|Johannisberger Klause St. Georg
Der Legende nach ist die Anlage eines Weinbergs auf Karl den Großen zurückzuführen, der von seiner Pfalz in Ingelheim aus beobachtet haben soll, dass der Schnee auf dem Johannisberg als erstes schmolz. Im Jahr 772 wurde eine Schenkung von Geisenheimer Ländereien an die Abtei Fulda beurkundet. 817 tauschten die Mönche die Anlagen mit Ludwig dem Frommen gegen Ländereien in der Wetterau. Der Vertrag erwähnt explizit die Lage der Parzelle am Elsterbach, der am Fuß des Johannisberges fließt. Kaiser Otto II. verlieh 983 den Mainzer Bischöfen die Hoheitsrechte über den westlichen Teil des Rheingaus, für den Weinberg hatte sich aber bereits zuvor der Name „Bischofsberg“ etabliert.
Um 1100 schenkte der Mainzer Erzbischof Ruthard ihn dem Mainzer Benediktinerkloster Sankt Alban, das dort eine neue Mönchsgemeinschaft einrichten sollte. Das neue Kloster wurde dem heiligen Johannes geweiht. Die Stiftung und Namensgebung wurde mit dem Mainzer Judenpogrom (jüdisch Gezerot Tatnu) vom 27. Mai 1096 (Gedenktag des Papstes Johannes I.) in Verbindung gebracht und demnach als Sühneleistung des Bischofs und seines Schwagers Rheingraf Richolf verstanden, auch aus jüdischer Sicht. In der Mitte des 12. Jahrhunderts erschien erstmals die Bezeichnung „Sankt Johannisberg“ für den Besitz. Bis 1130 war Johannisberg eine Priorei des Klosters Sankt Alban. Danach wurde es von Adalbert von Saarbrücken zu einem eigenständigen Kloster erhoben. Etwa um diese Zeit wurde die dreischiffige Pfeilerbasilika mit neun Jochen und vorspringendem Querschiff erbaut, von der nur noch Fundamente erhalten sind. Zeitweilig besaß das Kloster Johannisberg eine Priorei, aus der später das Kloster Eberbach hervorging. Kloster Johannisberg war in der Anfangszeit ein Doppelkloster, mit einer angeschlossenen Frauenklause. Die erstmals um 1170 erwähnte Sankt-Georgsklause am Fuß des Berges, die bis 1452 bestand, wurde zur Namenspatin der heutigen Weinlage „Johannisberger Klaus“.
Niedergang und Ende des Klosters Nach einer anfänglichen Blütezeit setzte ein allmählicher Niedergang ein. Im Jahr 1451 klagte der Kardinal Nikolaus von Kues, dass „das Kloster innerlich und äußerlich zerfallen“ sei „infolge der unordentlichen Lebensweise der Mönche“. Sie seien aber reformwillig unter der Bedingung, dass ihnen zur Sicherung ihrer Lebensgrundlage auch die Klause mit ihren Gütern zugesprochen werde. Dies geschah, und 1457 schloss sich der Konvent der reformorientierten Bursfelder Kongregation an. Eine neue Blütezeit begann. Der Bauernkrieg 1524/25 brachte dann jedoch den Anfang vom Ende, und der Raubzug des Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach im Markgräflerkrieg 1552 ruinierte das Kloster vollends. Als 1563 der letzte Abt starb, verfügte der Mainzer Erzbischof Daniel Brendel von Homburg die Auflösung des Klosters; die Güter unterstanden fortan weltlicher Verwaltung. 1635 sah sich der damalige Mainzer Erzbischof Anselm Kasimir gezwungen, zur Abdeckung der Kosten der schwedischen Besatzung des Rheingaus im Dreißigjährigen Krieg, den Johannisberg zu verpfänden. Die Klosterkirche war 1634 zum ersten Mal zerstört worden. Der Reichspfennigmeister Hubert von Bleymann erhielt die gesamten Weineinkünfte als Verzinsung des von ihm gewährten Darlehens über 20.000 Reichstaler. Die Schuldsumme wurde 1641 um 10.000 Taler erhöht, und der Vertrag ging später auf die Nachkommen des Gläubigers, Georg von Gise bzw. dessen Sohn Johann Heinrich, über. Diese verloren aber anscheinend Anfang des 18. Jahrhunderts das Interesse am Johannisberg.
Die Fuldaer Zeit und die Entwicklung der Spätlese mini|hochkant|Der Spätlesereiter
Im Jahre 1716 verkaufte der Erzbischof Lothar Franz von Schönborn den Johannisberg an den Fuldaer Fürstabt Konstantin von Buttlar, der für den Erwerb insgesamt 75.392 Gulden aufbrachte. Er ließ das Anwesen für weitere 148.000 Gulden zu seiner Sommerresidenz ausbauen. Die romanische Kirche wurde wieder aufgebaut und innen nach Plänen Johann Dientzenhofers barockisiert.
Führende Mainzer Baumeister – Andrea Gallasini und Johann Kaspar Herwarthel – errichteten ein dreiflügeliges barockes Schlossgebäude, dessen Ehrenhof im Norden liegt. Von diesem Bau existieren unverändert noch die beiden äußeren Pavillons sowie das Hofgitter. Innerhalb der Schlossanlage erhielt das Kelterhaus einen zentralen Platz. 1721 wurde der imposante, 260 m lange Gewölbekeller vollendet. Auch in die Weinberge wurden erhebliche Summen investiert. Die Rebfläche wuchs von 14,3 auf 18,9 Hektar, wovon die Hälfte neu bestockt wurde. Es wurde fast ausschließlich Riesling gepflanzt, nur ein kleiner Anteil blieb für die Orléansrebe – die damals beispielsweise noch am Rüdesheimer Berg dominierte – und Muskateller. Aus diesem Grund bezeichnet sich Schloss Johannisberg noch heute als das erste Riesling-Weingut der Welt. Die Pflanzdichte war damals erheblich höher als heute, denn allein 1720 und 1721 wurden 293.950 Reben gesetzt, was auf mindestens 30.000 Stöcke pro Hektar schließen lässt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden bereits größere Mengen des Johannisbergers in Flaschen gefüllt – üblicherweise nach zehn Jahren Fasslagerung. Die Abfüllung erfolgte im Keller der Orangerie des Fuldaer Stadtschlosses. Dieser Keller, in dem die besten Johannisberger Weine eingelagert wurden, unterstand dem „geheimen Cabinet“, der Privatschatulle des Fürstabtes bzw. Fürstbischofs (ab 1752).
Bei diesen „Cabinet“-Weinen handelte es sich nach heutigen Maßstäben um Auslesen und Beerenauslesen, die von der Johannisberger Domäne seit dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts systematisch erzeugt wurden. Der Beginn dieser Tradition ist mit großer Sicherheit 1775 zu suchen. Der Kurier, der jedes Jahr eine Probe von Johannisberger Trauben nach Fulda zu bringen hatte, um dort die Leseerlaubnis einzuholen, hatte sich um acht Tage verspätet. Die Trauben waren in der Zwischenzeit von Edelfäule befallen; trotzdem kelterte man daraus einen Wein. Am 10. April 1776 stellte Verwalter Johann Michael Engert fest, so einen vorzüglichen Geschmack habe er noch nie erlebt. Ab diesem Zeitpunkt hat man die Lese stets so weit wie möglich hinausgeschoben. Die erste als „Cabinet“-Wein bezeichnete Auslese gab es auf Schloss Johannisberg wohl im Jahr 1779; den ersten Eiswein im Jahr 1858.
Ein Denkmal im Hof des Johannisberger Schlosses hat den „Spätlesereiter“ verewigt. Es handelt sich aber nicht um die ersten Weine aus edelfaulen Trauben. Solche sind bereits aus dem 16. Jahrhundert belegt, und 1757 wurde auf Schloss Johannisberg ebenfalls ein „delikater Wein“ aus edelfaulem Lesegut gekeltert.
Schloss Johannisberg als Spielball der europäischen Politik In den Koalitionskriegen hatte Schloss Johannisberg schwer unter den Übergriffen und Beschlagnahmen französischer Truppen zu leiden und wurde in der Folge zum Spielball der europäischen Politik. Die Säkularisation im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 sprach Schloss Johannisberg nicht dem Fürsten Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg, der den Rheingau bekommen hatte, sondern dem Haus Nassau-Oranien zu. Prinz Wilhelm V. reichte das Gut an seinen Sohn, den Erbprinzen Wilhelm-Friedrich weiter.
Da sich die Oranier weigerten, dem Rheinbund beizutreten, wurden sie 1806 von Napoleon Bonaparte enteignet. Der Versuch des Herzogs von Nassau, Schloss Johannisberg in seinen Besitz zu bringen, scheiterte jedoch. 1807 schenkte es Napoléon seinem Marschall François-Christophe Kellermann, dem Sieger von Valmy, als Belohnung für dessen militärische Verdienste. Als auf das gute Jahr 1807 mehrere schlechte Jahrgänge gefolgt waren, sah sich die damalige Verwalterin Adelaide Marco genötigt, den 1811er am Stock an den Frankfurter Bankier Peter Arnold Mumm zu verkaufen. Der sogenannte „Kometenjahrgang“ wurde der beste des ganzen Jahrhunderts. Mumm, der dafür nur 32.000 Gulden aufgewendet hatte, erlöste über 150.000 Gulden und konnte mit dem Gewinn sein eigenes Weingut in Johannisberg begründen.
1814 wurde die Domäne von den Verbündeten beschlagnahmt und unter gemeinsame Verwaltung gestellt. Im Wiener Kongress fiel zwar der Rheingau an das Herzogtum Nassau, der Johannisberg blieb jedoch davon ausgenommen. Ein Abkommen vom 13. Juni 1815 unterstellte es der Souveränität Österreichs. Es war jedoch abzusehen, dass die österreichische Krone das Gut nicht selbst verwalten würde. Zahlreiche verdiente Staatsmänner machten sich daher Hoffnungen auf den Johannisberg, so der preußische Generalstabschef Gneisenau, der Generalfeldmarschall von Blücher und der Minister Reichsfreiherr vom Stein, den der russische Zar Alexander I. favorisierte.
Schenkung an Metternich In dieser Situation griff der österreichische Außenminister Klemens von Metternich zu. Die Wurzeln seiner Familie lagen am Rhein (Haus Metternich in Koblenz), aus Geldnot hatte er jedoch 1811/12 die Besitzungen in Geisenheim und Rüdesheim versteigern lassen. Er konnte Kaiser Franz I. im Jahre 1816 davon überzeugen, ihm den Johannisberg gegen eine jährliche Abgabe von einem Zehntel des Ertrags der über zwölf Jahre alten Weinberge an das Haus Habsburg zu überlassen. Dieser Zehnte überdauerte bis heute alle politischen Umwälzungen. Seit 1945 wird er in Geld abgegolten, zuvor wurden die Fässer ausgelost. Zehntberechtigter ist zurzeit Karl Habsburg-Lothringen. Ursprünglich sollte das Gut als Fideikommiss bei Aussterben der Linie Metternich-Winneburg an die Habsburger zurückfallen. Diese Regelung fiel der Abschaffung der Adelsprivilegien im Jahr 1920 zum Opfer. Auf die politischen Souveränitätsansprüche auf den Johannisberg verzichtete Österreich erst 1851, was kräftige Steuernachzahlungen an die nassauische Staatskasse zur Folge hatte.
Metternich investierte nicht nur in den Weinbau. Unter der Leitung des großherzoglich-hessischen Hofbaumeisters Georg Moller wurde der Hauptbau des Schlossgebäudes klassizistisch umgestaltet. Ferner ließ Metternich einen Park im englischen Stil anlegen. Dafür konnte zunächst der Frankfurter Stadtgärtner Sebastian Rinz gewonnen werden, spätere Planungen erfolgten durch den Schöpfer des Frankfurter Palmengartens, Heinrich Siesmayer.Dagmar Söder: Rheingau-Taunus Kreis I.1 Altkreis Rheingau. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Theiss-Verlag, Darmstadt 2014, ISBN 978-3-8062-2987-5.
Der Johannisberg wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Ziel des aufkommenden Rheintourismus; die Besucher tranken den berühmten Wein gleich auf der Schlossterrasse. Auch heute noch befindet sich hier der Ausschank, umgeben von Wein-Laubengängen, Feigen-Spalier und Esskastanien-Allee.