(dt. Der Prüfstein oder Die Liebesprobe) ist ein „“ in zwei Akten von Gioachino Rossini (Musik) mit einem Libretto von Luigi Romanelli. Erstmals aufgeführt wurde es am 26. September 1812 in der Mailänder Scala.

Handlung

Graf Asdrubale hat die Wahl zwischen drei Frauen. Um diese auf die Probe zu stellen, täuscht er als türkischer Kaufmann verkleidet seinen eigenen Ruin vor. In dieser Situation hält lediglich Clarice weiterhin zu ihm. Im zweiten Akt prüft Clarice ihrerseits die Liebe des Grafen, indem sie sich als ihren Zwillingsbruder ausgibt, der sie mit sich in die Ferne führen will. Erst nachdem der Graf diesen ernsthaft um die Hand seiner Schwester bittet, gibt sie sich zu erkennen, und die beiden finden zusammen.

Erster Akt

Garten der Villa des Grafen Asdrubale

Szene 1. Ein gemischter Chor von Gästen und Gärtnern. Nacheinander treten Pacuvio, Fabrizio, die Baronin Aspasia und Donna Fulvia auf. Der Chor preist Wohlstand und Großzügigkeit des Grafen, der aber Schwierigkeiten habe, eine geeignete Ehefrau zu wählen (Introduktion I: „“). Pacuvio versucht vergeblich, sein neues Gedicht vorzutragen. Da die Gesellschaft nichts davon hören will, versucht er sein Glück beim Hausmeister Fabrizio und der Baronin. Den beiden gelingt es, sich loszureißen, als Fulvia auftaucht und Pacuvio in Beschlag nimmt.

Szene 2. Pacuvio macht Fulvia Komplimente. Die weist ihn jedoch darauf hin, dass sie wegen dessen Vermögen auf die Hand des Grafen hofft. Sie verspricht Pacuvio aber ein gutes Auskommen, sobald sie verheiratet ist. Als die beiden den Dichter Giocondo – der Pacuvio verhasst ist – und den Journalisten Macrobio kommen sehen, entfernen sie sich.

Szene 3. Macrobio und Giocondo streiten heftig über die Bedeutung ihrer jeweiligen Kunst (Duett: „“). Schließlich wechseln sie das Thema. Macrobios ist neugierig, welche der anwesenden Witwen die Gunst des Grafen erhalten werde. Er tippt auf die Marquise Clarice. Giocondo, der selbst an Clarice interessiert ist, stimmt ihm bedauernd zu. Sie gehen.

Szene 4. Clarice tritt auf. Sie beklagt die Ungewissheit ihrer Liebe. Ungesehen wiederholt der Graf jeweils ihre letzten Worte als Echo. Diese Worte geben zu erkennen, dass er sie liebt (). Clarice gewinnt an Zuversicht, dass er sie den beiden anderen Frauen vorziehen werde (Cavatine: „“). Sie versteckt sich, um ihn zu beobachten.

Szene 5. Der Graf erscheint. Nachdem er sich vergewissert hat, dass Clarice gegangen ist, offenbart er seine Ansichten über die Ehe in einem Selbstgespräch: Er hätte Gefühle für Clarice, wenn er nicht wüsste, dass die Frauen Betrügerinnen seien (Cavatine: „“). Er möchte aber nicht verführt werden, sondern sehnt sich nach Treue. Wie kann er herausfinden, welche der drei Witwen es nicht nur auf sein Geld abgesehen hat, sondern ihn selbst liebt?

Szene 6. Clarice tritt aus ihrem Versteck. Sie unterhält sich mit dem Grafen scherzhaft darüber, ob das Echo männlich oder weiblich sei. Sie habe den Eindruck gehabt, es hätte ihr seine Liebe erklärt. Der Graf antwortet, dass das Echo gelegentlich Scherze treibe (Duett: „“). Sie gehen.

Szene 7. Macrobio umwirbt die Baronin. Sie erinnert ihn daran, dass sie die Witwe eines Barons ist, er aber nur Journalist. Außerdem sei der Graf reich. Falls es mit diesem jedoch nichts werde, sei sie bereit, seine Dienste anzunehmen. In der Zwischenzeit könne er den Grafen ein bisschen eifersüchtig machen. Wenn sie dann reich sei, werde auch er zufrieden sein. Sie gehen.

Szene 8. Fulvia will dem Grafen eine Rose schenken. Sie zeigt sie Pacuvio und gestattet ihm, sein Gedicht vorzutragen (Arie „“). Fulvia lobt ihn.

Szene 9. Der Graf kommt in Gedanken versunken hinzu. Sein Herz spricht für Clarice, aber er weiß nicht, wie er sich verhalten soll. Pacuvio drängt Fulvia, ihm die Rose zu geben. Da sie zögert, spielt Pacuvio ihr vor, mit welch poetischen Worten sie die Rose überreichen könnte. Der Graf wundert sich über sein Verhalten und die unpassenden Verse und kann das Lachen kaum zurückhalten.

Szene 10. Der Graf plant eine „Liebesprobe“ der Bewerberinnen. Zu diesem Zweck will er sich als Afrikaner verkleiden. Fabrizio soll ihm assistieren. Der Graf geht.

Szene 11. Fabrizio macht sich Gedanken über seinen Herrn.

Ebenerdiges Zimmer mit Zugang zum Garten

Szene 12. Clarice erzählt Giocondo von ihrem verstorbenen Zwillingsbruder Lucindo. Giocondo bedauert ihr Interesse am Grafen. Als er seinen Wunsch ausdrückt, dass sie sich auch ihm zuwende, verdüstert sich ihre Miene – die sich beim Erscheinen Macrobios wieder aufheitert. Macrobio und Giocondo streiten sofort wieder über ihre Lieblingsthemen Journalismus und Dichtung. Auch der Graf mischt sich ein. Erst Clarice gelingt es, sie zu beruhigen, indem sie erklärt, dass alle drei unvernünftig und widersprüchlich seien: Der Graf wolle und wolle nicht, Giocondo schweige und seufze, und Macrobio lobe oder kritisiere – aber keiner von ihnen könne sein Verhalten begründen (Quartett: „“). Fabrizio bringt dem Grafen einen Brief. Der liest ihn und gibt vor, beunruhigt zu sein. Die anderen rätseln unterdessen über die erhaltene Nachricht. Alle gehen.

Szene 13. Pacuvio plant, sein neues Gedicht Macrobio zu zeigen, damit dessen Zeitung darüber berichten kann. Fulvia kommt und sagt, dass sie nicht verstehe, warum der Graf gelacht habe. Pacuvio glaubt, er sei einfach aus Freude geschehen. Die Baronin kommt auf der Suche nach Macrobio vorbei. Pacuvio geht, um ihn zu holen und dabei sein Gedicht an den Mann zu bringen.

Szene 14. Die Baronin und Fulvia versuchen herauszufinden, wie die jeweils andere zum Grafen steht. Beide behaupten, von ihm sehr zuvorkommend behandelt worden zu sein. Pacuvio kommt mit Macrobio zurück. An seinem Gedicht hat dieser jedoch kein Interesse, denn er hat bereits genug Material für die nächsten sechs Monate und ist völlig überlastet mit den Anfragen der vielen Künstler (Arie: „“).

Garten, wie zuvor

Szene 15. Ein Chor von Gärtnern beklagt den Grafen, der sich trübselig in sein Zimmer zurückgezogen habe (Chor: „“). Sie entfernen sich, und Clarice erscheint, gefolgt von ihrem Verehrer Giocondo. Macrobio, der so tut als habe er sie nicht bemerkt, trägt laut die Geschichte der heimlichen Liebe von Medoro und Angelica vor, die vom Grafen Orlando verfolgt werdenEin Thema aus Ludovico Ariostos Der rasende Roland. Orlando (Roland) ist unglücklich in Angelica verliebt. (Finale I-I: „“). Nach einer Weile gibt Macrobio vor, Clarice und Giocondo zu bemerken und erklärt ihnen in sarkastischem Tonfall das Thema seines Gedichts. Er geht. Die Baronin und Fulvia kommen und berichten Clarice und Giocondo, dass der Graf sein gesamtes Vermögen verloren habe (Finale I-II: „“). Fulvia ist erleichtert, dass er sie nicht geheiratet hat. Die Baronin und Fulvia gehen, um weitere Details herauszufinden.

Szene 16. Macrobio und Pacuvio kehren zurück. Macrobio erzählt, dass jemand einen hundert Jahre alten Schuldschein über sechs Millionen vorgelegt habe. Auf Clarices Rückfrage nach dem Gläubiger antworten Pacuvio und Macrobio mit wilden Spekulationen: er käme aus Japan – aus Kanada – er sei ein Türke aus Britannien – ein Deutscher aus Bevagnien (dem Land der Trinker). Clarice und Giocondo gehen entnervt.

Szene 17. Die Baronin und Fulvia kommen und melden die Ankunft des Gläubigers. Kurz darauf tritt der verkleidete Graf mit einigen Dienern und Seeleuten sowie einigen angeblichen Mitgliedern des Gerichts auf. Fabrizio tut so, als wäre er äußerst beunruhigt. In seltsamem Italienisch, das die anderen kaum verstehen, präsentiert der Graf den vermeintlichen Schuldschein. Als sie bemerken, dass er vorhat, das gesamte Anwesen zu „versiegeln“, sorgen sie sich um ihre eigenen Besitztümer, die sich darin befinden – darunter die Wertgegenstände der Baronin und Fulvias sowie die Manuskripte und Dramen Macrobios und Pacuvios. Der Besitz des Grafen kümmert sie weniger.

Innenhof im Haus des Grafen

Szene 18. Während Clarice über ihre Treue zum Grafen nachsinnt, erscheint dieser scheinbar trübsinnig in seiner eigenen Kleidung (Finale I-III: „“). Giocondo versucht, ihm Mut zu machen. Die drei erkennen, dass widrige Ereignisse ein „Prüfstein“ für die Freundschaft sind. Macrobio, Pacuvio, die Baronin und Fulvia kommen hinzu und beglückwünschen Clarice, dass diese den Grafen nun für sich habe (Finale I-IV: „“). Der Graf fragt die Anwesenden, wie sie ihn in seinem Unglück unterstützen wollen. Macrobio bietet einen Zeitungsartikel an und Pacuvio eine Elegie, aber die Baronin und Fulvia weichen dem Thema aus. Giocondo dagegen stellt dem Grafen sein Haus zur Verfügung, und Clarice bietet ihm ihre Hand.

Letzte Szene. Fabrizio kommt freudestrahlend mit dem Chor der Gäste und Gärtner. Er präsentiert ein altes Schriftstück, das er in einem verstaubten Schrank gefunden haben will und das dem Gegenwert des Schuldscheins entspreche (Finale I-V: „“). Damit ist der Graf gerettet. Alle drücken ihre Freude aus – Clarice und Giocondo mit echter Herzlichkeit, die Baronin, Fulvia, Macrobio und Pacuvio dagegen nur geheuchelt.

Zweiter Akt

Zimmer im Haus des Grafen, wie im ersten Akt

Szene 1. Von der einen Seite treten erst die Baronin, Fulvia und der Chor der Gäste, dann Macrobio und der Graf auf, von der anderen Giocondo und Pacuvio. Während der Chor die Abreise des Fremden kommentiert, überlegen die Baronin und Fulvia, wie sie sich am Grafen, Clarice und Giocondo rächen können (Introduktion II: „“). Macrobio und Pacuvio entschuldigen sich beim Grafen für ihr Verhalten: Macrobio behauptet, er habe gescherzt – Pacuvio dagegen nimmt dichterische Freiheit in Anspruch. Giocondo hat nur Verachtung für sie übrig. Während er sich mit dem Grafen unterhält, machen sich die Baronin an Macrobio und Fulvia an Pacuvio heran, um sie für ihre Zwecke einzuspannen. Macrobio erzählt der Baronin von einer neuen chinesischen Mode, die er bald in seiner Zeitung veröffentlichen wolle. Pacuvio teilt Fulvia im Vertrauen mit, dass Giocondo dem Grafen seine Freundschaft lediglich vorgetäuscht habe. Macrobio und Pacuvio erklären sich einverstanden mit den Plänen der beiden Frauen. Der Graf ruft zu einem Jagdausflug auf und schickt einen Bediensteten, um Clarice zu holen. Fulvia beschließt, im Haus zu bleiben.

Szene 2. Fulvia hält Macrobio und die Baronin zurück und flüstert der Baronin etwas ins Ohr. Die Baronin erzählt darauf Macrobio, dass Fulvia bereits gerächt sei, weil Pacuvio Giocondo im Kampf besiegt habe. Macrobio solle daher den Grafen herausfordern, um auch ihre Ehre zu retten. Obwohl Macrobio Pacuvios Tat bezweifelt, verspricht er der Baronin, dies nach der Jagd zu tun.

Ein Wald

Szene 3. Ein Chor von Jägern fordert den Dichter Pacuvio ironisch zur Jagd auf (Chor: „“). Als Wind aufkommt, fliegen einige Vögel auf, und Pacuvio zielt wahllos mit seinem Gewehr, ohne je zu einem Schuss zu kommen (Temporale: „“). Der Wind verwandelt sich in einen Gewittersturm. Pacuvio sucht panisch nach einem Unterschlupf und flieht schließlich.

Szene 4. Nachdem sich der Sturm gelegt hat, erscheint Giocondo, der von den anderen getrennt wurde. Er vergleicht das Unwetter mit dem Sturm in seinem Herzen und denkt dabei an Clarice, die er sich in den Armen seines Freundes vorstellt. Es folgt eine Klage über ihre Schönheit (Szene und Arie: „“).

Szene 5. Als Clarice auftaucht, erzählt Giocondo ihr von drei Feinden, die er in seiner Brust trägt: Ihr Glück, seine Liebe und die Freundschaft. Clarice versucht ihn zu trösten und verspricht, dass auch er eines Tages die Liebe finden werde. Unbemerkt von den beiden kommen nacheinander Macrobio, der Graf und die Baronin und beobachten die Szene (Quintett: „“). Macrobio neckt den Grafen damit, dass die Baronin die erste Witwe sei, die sich der Treue rühme. Es scheint, als hätten Clarice und Giocondo ein Verhältnis. Der Graf tritt aus seinem Versteck und beschuldigt Clarice der Falschheit.