Der Großglockner (häufig auch kurz Glockner genannt) ist mit einer Höhe von rund Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV): Österreichische Karte 1:50.000Gerhard Brandstätter (Hrsg.): Die Höhe des Großglockners. In: Geowissenschaftliche Mitteilungen, Heft 18, Institut für Allgemeine Geodäsie, Technische Universität Wien, 1981. 68 S. der höchste Berg Österreichs. Die markante Spitze aus Gesteinen der Grünschieferfazies gehört zur Glocknergruppe, einer Bergkette im mittleren Teil der Hohen Tauern, und gilt als einer der bedeutendsten Gipfel der Ostalpen. Seit den ersten Erkundungen Ende des 18. Jahrhunderts und der Erstbesteigung durch vier Teilnehmer einer Großexpedition unter der Leitung von Fürstbischof Salm-Reifferscheidt-Krautheim im Jahr 1800 spielte der Großglockner eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Alpinismus. Bis heute ist er von großer Bedeutung für den Fremdenverkehr in der Region und mit mehr als 5000 Gipfelbesteigungen pro Jahr ein beliebtes Ziel der Bergsteiger. Der Blick auf den Berg, eines der bekanntesten Wahrzeichen Österreichs, ist die landschaftliche Hauptattraktion der Großglockner-Hochalpenstraße.
Geographie Lage und Umgebung
Der Großglockner ist Teil des Glocknerkamms, eines Gebirgskamms der Glocknergruppe (Österreichische Zentralalpen), der am Eiskögele in südöstlicher Richtung vom Alpenhauptkamm abzweigt und dort die Grenze zwischen den Bundesländern Tirol im Südwesten und Kärnten im Nordosten bildet. Diese Grenze ist auch die Wasserscheide zwischen dem Kalser Tal mit seinen Seitentälern auf der Osttiroler und dem Mölltal mit der Pasterze auf der Kärntner Seite.Alpenvereinsführer, S. 37 Die Gegend um den Berg ist außerdem seit 1986 Bestandteil des Sonderschutzgebietes Großglockner-Pasterze innerhalb des Nationalparks Hohe Tauern.Verordnung der Landesregierung vom 4. November 1986 über den Nationalpark Hohe Tauern Fassung vom 21. August 2016, siehe § 8: Sonderschutzgebiet „Großglockner-Pasterze“.
Der Großglockner ist der höchste Berg der Alpen östlich der 175 km entfernten Ortlergruppe und weist nach dem Mont Blanc die zweitgrößte geografische Dominanz aller Berge der Alpen auf. Auch seine Schartenhöhe ist mit 2428 Metern nach dem Montblanc die zweitgrößte aller Alpengipfel. Somit ist der Berg eine der eigenständigsten Erhebungen der Alpen.
Die bedeutendsten Orte in der Umgebung des Berges sind Kals am Großglockner () im Kalser Tal in Osttirol, vom Gipfel aus ungefähr acht Kilometer in südwestlicher Richtung gelegen, und Heiligenblut am Großglockner () im Mölltal in Kärnten, vom Gipfel aus ca. zwölf Kilometer in südöstlicher Richtung.
Aussicht Die Aussicht vom Großglockner gilt als eine der weitesten aller Berge der Ostalpen, sie reicht über 220 Kilometer weit, unter Berücksichtigung der terrestrischen Refraktion fast 240 Kilometer. Der Blick über mehr als 150.000 Quadratkilometer Erdoberfläche reicht bis zur Schwäbisch-Bayerischen Ebene im Nordwesten, bis zum Böhmerwald im Norden, zum Adamello (197 km) im Südwesten, zum Ortler und zum 226 km entfernten Piz Bernina im Westen, zum Hochvogel im Allgäu (174 km), zum Auslauf zur Poebene und zum Triglav im Süden sowie zum Toten Gebirge und Gesäuse im Osten.Alpenvereinsführer, S. 260. Kühlken: Das Glocknerbuch, S. 53.
Topographie
mini|Großglockner mit Umgebung von Nordosten (Mai 2025): Leiterköpfe, Schwertkopf, Schwerteck, Kellerskopf, Hohenwartkopf, Adlersruhe, Kleinglockner, Obere Glocknerscharte, Großglockner, Glocknerhorn, Untere Glocknerscharte, Glocknerwand, Teufelskamp, Romariswandköpfe, Schneewinkelkopf, Eiskögele, Untere Ödenwinkelscharte und Johannisberg, vorn Pasterze mit See und Hofmannskees, Glocknerkees sowie Teufelskampkees
Der Großglockner ist ein pyramidenförmiger Felsgipfel, der aufgrund seines hochalpinen, stark vergletscherten Erscheinungsbildes häufig mit den Bergen der Westalpen verglichen wird. Mit dem hohen, südöstlich vorgelagerten Kleinglockner bildet er einen markanten Doppelgipfel. Ob der Kleinglockner als Nebengipfel oder eigenständiger Hauptgipfel anzusehen ist, wird in der Literatur unterschiedlich gehandhabt. Aufgrund seiner geringen Schartenhöhe und Dominanz sowie der engen Verknüpfung seiner Besteigungsgeschichte mit der des Großglockners wird er in historischen Veröffentlichungen zum Großglockner gezählt, aufgrund eigenständiger Routen wertet ihn die Bergsteigerliteratur jedoch als selbstständigen Gipfel.
Zwischen beiden Gipfeln liegt die Obere Glocknerscharte, die mit Die Höhe der Oberen Glocknerscharte wurde in früheren Ausgaben des Alpenvereinsführers von Willi End noch mit 3.766 m angegeben (mit einer Höhe des Kleinglockners von 3783 m), in der 11. Auflage (2010) wurde sie mit 3756 m angegeben (Kleinglockner 3770 m). Laut der Alpenvereinskarte Nr. 40 „Glocknergruppe“ (10. Ausgabe von 2017) beträgt die Höhe der Scharte 3753 m. höchste Scharte Österreichs, von der ein bis 55° geneigtes Couloir 600 Höhenmeter zum Glocknerkees hinabzieht, die nach dem Bergsteiger Alfred von Pallavicini benannte Pallavicinirinne. An diese in nordöstlicher Richtung verlaufende Rinne schließen sich Nordost- und Nordwand des Großglockners an. Begrenzt werden diese vom Nordwestgrat, einem Teil des Hauptgrates des Glocknerkamms, der über die Grögerschneid () und die Graterhebungen Glocknerhorn () und Teufelshorn () zur Unteren Glocknerscharte () verläuft, an die sich die hohe Glocknerwand anschließt.
Nach Südwesten hin entsendet der Großglockner einen ausgeprägten Grat, den Stüdlgrat (benannt nach Johann Stüdl), der mit seiner Verlängerung, dem Luisengrat, die Westwand und den darunter liegenden Gletscher Teischnitzkees von der Südwand mit dem anschließenden Ködnitzkees trennt. Die Südwand wird unterhalb der Oberen Glocknerscharte von der Pillwaxrinne durchzogen, der Großteil der Südwand liegt östlich dieser Rinne unterhalb des Kleinglockners. Die Ostseite des Kleinglockners, das Glocknerleitl, ist bis knapp unterhalb des Gipfels vergletschert und findet zur Pasterze hinab im Kleinglockner- und Hofmannskees ihre Fortsetzung.
Geologie
mini|Geologische Karte des Großglockners und seiner Umgebung, nach Ferdinand Löwl, 1898. Anm.: Der „Zentralgranit“ wird heute zutreffender als „Zentralgneis“ bezeichnet. mini|Stein vom Gipfel des Glockners
Der Großglockner befindet sich im Mittelteil des Tauernfensters, einer west-östlich ausgedehnten Zone des Oberen Penninikums, die durch tektonische Hebung (Exhumierung) im Zusammenspiel mit Erosion entstanden ist. Dort treten heute Gesteine zutage, die aus einer Tiefe von mehr als 10 km in den obersten Bereich der Erdkruste gelangt sind und nachfolgend, aufgrund anhaltender Abtragung des Gebirges, schließlich den ostalpinen Deckenstapel durchbrochen haben.
Der Großglockner besteht aus magmatischem Gestein und Sedimenten, die unter dem hohen Druck der Tiefe zu den heutigen besonders harten kristallinen Schiefern umgewandelt wurden. Seine Höhe ist hauptsächlich auf die Verwitterungsbeständigkeit des grünlich gefärbten Gesteins Prasinit (früher Grünstein genannt) zurückzuführen, das, eingebettet in Chloritschiefer, den Gipfel aufbaut. Bei diesem Prasinit handelt es sich um Basalte, die als ehemalige Ozeanböden des Penninischen Ozeans später metamorph überprägt worden sind. Neben Prasinit sind auch Serpentinite, Breccien, Quarzite und Phyllite am Aufbau der Großglockner-Basis beteiligt.Alpenvereinsführer, S. 63. Das Großglocknergebiet ist umgeben von mächtigen Schichten des Bündnerschiefers, die an der Nordflanke des Glockners, an der Glocknerwand, am Glocknerkamp und Hohenwartkopf zu Tage treten und aus Kalkglimmerschiefer bestehen. Im Lauf der alpidischen Gebirgsbildung entstand die Obere Glocknerscharte, die den Groß- vom Kleinglockner trennt, durch eine nordöstlich-südwestlich streichende geologische Störung. Diese Gefügestörung zieht sich von der Pallavicinirinne hinauf zur Scharte und verläuft durch die Pillwaxrinne parallel zum Stüdlgrat hinunter ins Ködnitzkees.
Flora und Fauna
mini|Glocknerleitl, Kleinglockner, Obere Glocknerscharte (Normalweg), Großglockner, Nordwestgrat (Juni 2025)
Die Flora des Großglocknergebiets besteht aus alpinen und subalpinen Pflanzenarten. Die Waldgrenze der hochstämmigen Bäume markiert den Übergang der beiden Bereiche und erreicht eine Höhe von 2000 bis 2200 Metern. Die Schneegrenze liegt bei etwa 2600 bis 2700 Metern, wo jeder zusammenhängende Pflanzenbewuchs aufhört. Einzelne hochalpine Arten, wie der Gletscherhahnenfuß und verschiedene Flechten, finden sich jedoch noch unmittelbar unterhalb des Gipfels.Nach Erkundungen von Hohenwart, Hoppe und Schultes aus Franz Turski: Der Großglockner und seine Geschichte, Wien, Leipzig 1922, S. 40 f.
Neben der Gämse und dem Murmeltier sind im Nationalpark Hohe Tauern und damit auch im Glocknergebiet Gänsegeier, Bartgeier und Steinadler vertreten. Darüber hinaus sind bis in höchste Gipfellagen verschiedene Schmetterlingsarten anzutreffen. Erste Projekte zur Wiederansiedlung des Alpensteinbocks gab es bereits 1914. In den 1960er Jahren wurden solche Pläne erstmals umgesetzt, heute (2006) lebt im Gebiet Großglockner-Pasterze eine der größten Steinbockpopulationen der Hohen Tauern.
Touristische Bedeutung und Erschließung
mini|Blick von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe zum Glockner (2005) mini|Die bedeutendsten Routen auf den Großglockner: Stüdlgrat und Normalweg via Kleinglockner (2020)
1919, als Südtirol nach dem Vertrag von Saint-Germain Italien zugesprochen wurde, löste der Glockner den Ortler als höchsten Berg Österreichs ab. Nach dem Ersten Weltkrieg gewann er wachsende touristische Bedeutung, die bis heute anhält und viele Besucher anzieht, an schönen Sommertagen mehr als 150. Die Glocknerrunde, eine vom Österreichischen Alpenverein und dem Nationalpark Hohe Tauern als Pauschalangebot ausgearbeitete einwöchige Wanderung rund um den Großglockner, bietet einen weiteren Anziehungspunkt für den wachsenden Trekkingtourismus in der Region.Die GlocknerRunde im Nationalpark Hohe Tauern alpenverein.at Kommerziell bedeutsamer ist heute jedoch weniger der Alpinismus als vielmehr der motorisierte Massentourismus auf der Großglockner-Hochalpenstraße. Der Blick zum höchsten Berg Österreichs von der Franz-Josefs-Höhe (historische Schreibung: Kaiser-Franz-Josephs-Höhe) aus ist eine der größten Attraktionen dieser Erlebnisstraße und zieht jährlich etwa 900.000 Besucher an. Die Gesamtzahl seit der Eröffnung im August 1935 wird auf über 56 Millionen Besucher (Stand 2005) geschätzt, damit gilt der Großglockner nach dem Schloss Schönbrunn als die zweitbeliebteste Sehenswürdigkeit Österreichs. Er wird auf BriefmarkenSonderpostmarke 7 Schilling, „200 Jahre Erstbesteigung des Großglockners“ (2000), Briefmarke 160 Cent mit Motiv Großglockner (2015), in: Austria-Forum und den Wappen der Gemeinden Kals am Großglockner sowie Heiligenblut dargestellt. Seit 2007 dient der Name „Großglockner“ als gemeinsame Marke der Nationalparkregion Hohe Tauern und der Großglockner-Hochalpenstraße.
mini|Glocknerwand, Teufelshorn, Glocknerhorn, Großglockner, Kleinglockner, Adlersruhe, Hohenwartkopf, Kellersberg (Ansicht aus Südwest von links nach rechts), vorn mittig Gramul, links Fruschnitzkees, mittig Teischnitzkees, rechts hinten Ködnitzkees (2021)
Der Großglockner weist mit mehr als 30 in der Literatur beschriebenen Routen eine hohe Anzahl von Anstiegsmöglichkeiten auf. Dies ist neben der aus seiner Höhe resultierenden alpinistischen Attraktivität auch auf seine verhältnismäßig komplizierte Struktur aus Graten, Rinnen, Gletschern und Felswänden zurückzuführen.Pusch, Baumgartner: Großglockner, S. 13, 89.