mini|Weinberge der Cantine Settesoli in Menfi, Provinz Agrigent Der Weinbau in Sizilien stellt mit 112.700 ha Rebfläche die größte Weinregion Italiens. Dazu zählen neben der Insel Sizilien auch die südwestlich liegende Insel Pantelleria und die nordöstlich gelegenen Liparischen Inseln. Im Qualitätsweinbau (DOP-Weine) steht Sizilien mit 23.690 ha auf Platz 5 der nationalen Rangliste. Seit September 2005 gibt es den ersten und einzigen DOCG-klassifizierten Wein. Es gibt 23 DOC-Weine auf Sizilien, sie machen jedoch nur etwa fünf Prozent der Gesamtrebfläche aus.Der große Johnson. Hallwag-Verlag 2009, ISBN 978-3-8338-1621-5, S. 368 Es gibt ausgezeichnete Landweine (IGTs). Eine Besonderheit ist die Gründung der DOC Sizilien (seit dem Weinjahr 2012), die das Gebiet der gesamten Insel einschließt und als Zusatz „Sicilia“ auf dem Etikett erscheinen darf.Produktionsvorschriften und Beschreibung der DOC Sicilia (PDF) cittadelvino.it (italienisch). So kann die sizilianische Herkunft auch bei den unbekannteren Denominationen (DOC) verdeutlicht werden. Zu den bekanntesten Herstellern zählen Corvo und Regaleali. Allerdings bleibt das Gros der Winzer namenlos. Nur ein Viertel der gesamten Produktion wird auf der Insel abgefüllt. Viele von den 50 Genossenschaften haben oft genug keine eigenen Abfüllanlagen, so dass die sizilianischen Weine letztlich nicht als Weine aus Sizilien in Flaschen gefüllt werden. Trotz des guten Potenzials erkannten die sizilianischen Winzer später als diejenigen auf dem Festland die Chancen eines Anbaus von Qualitätsweinen, der daher noch im Aufschwung begriffen ist. Sizilien ist eine Regionen Italiens, in der außergewöhnliche Gebiete wie die vulkanische Insel Pantelleria oder die Ätna-Hänge (Etna Rosso) beheimatet sind.

Sizilien ist zwar das größte Weinbaugebiet Italiens, bis Mitte der 1990er Jahre war die Insel im Ausland aber in erster Linie für den alkoholverstärkten Süßwein Marsala bekannt. Lediglich ein Dutzend Betriebe exportierten ihre Weine. Und als weltweit das Interesse an aufgespriteten Weinen sank, hatte man Probleme, sich den geänderten Realitäten anzupassen. Nachdem man zunächst auf den Anbau internationaler Rebsorten gesetzt hatte, entdeckten die Winzer später heimische Rebsorten wieder, vor allem den Nero d’Avola. Dieser ist heute auf vielen Märkten der wichtigste und bekannteste Wein der Insel. Für die Zukunft ist aber eine positive Entwicklung zu erwarten. Die allgemeinen Standortbedingungen auf Sizilien sind für Wein sehr gut. Es gibt bereits einzelne, kleine Produktionen weniger bekannter regionaler Rebsorten, die das Interesse von Weinliebhabern wecken dürften. Dementsprechend werden bereits deren Stöcke vermehrt und Flächen damit bepflanzt.

Geographie und Klima Die 23 Regionen mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung (DOC) verteilen sich weit voneinander entfernt vor allem auf das westliche Ende, den Nordosten mit dem Hochlagenanbau um den Ätna, dessen Klimate und Böden so komplex sind, dass sie allein sehr unterschiedliche Weintypen hervorbringen. Der Süden dagegen ist heiß und afrikanisch geprägt.

Geschichte Im Jahr 1860 wurden auf Sizilien versteinerte Weinreben entdeckt, die bereits vor einigen Millionen Jahren entstanden sind. Die ersten Winzer waren griechische Kolonisten, die im 8. Jahrhundert v. Chr. auf Sizilien landeten. Sie begannen mit der Kultivierung der vorhandenen Wildreben und führten auch die noch heute gebräuchliche Art der Rebenerziehung ein, den als Alberello bezeichneten Anbau in Form von kleinen Bäumchen. In der Antike waren Syrakus und Taormina, die großen Städte am Ätna, bereits blühende Weinhandels-Zentren. Sizilien wurde von immer wieder wechselnden Mächten als Stützpunkt der Seefahrt und des Handels beherrscht. Nach Phönikern, Griechen und Karthagern in der Antike kamen mit Vandalen, Ostgoten, Byzantinern und Arabern im Mittelalter auch Gruppen, die in ihrer Heimat keinen Weinbau betrieben. Sizilien wurde von den auswärtigen Herrschern oft nachrangig behandelt. Die Infrastruktur ist bis heute schwierig. John Woodhouse verschiffte 1773 die ersten aufgespriteten Weine von Marsala nach England. Die Erfolgsgeschichte des Marsala, der auf den britischen Inseln hohe Marktanteile gewann, hatte begonnen. Sizilien ist zwar das größte Weinbaugebiet Italiens, bis Mitte der 1990er Jahre blieb die Insel im Ausland aber in erster Linie für den alkoholverstärkten Süßwein bekannt. Lediglich ein Dutzend Betriebe exportierten ihre Weine, denn Siziliens riesiger Weinindustrie fehlte es definitiv an Dynamik. Und als weltweit das Interesse an aufgespriteten Weinen sank, hatte man Probleme, sich den geänderten Realitäten anzupassen. Wären nicht die Winzer aus Australien und Chile auf Europas Weinbühne getreten, hätte sich daran wahrscheinlich bis heute auch wenig geändert. Quasi über Nacht wurde Sizilien mit seinem, für den Weinbau optimalen heißen und trockenen Klima in Italiens Weinpresse als Antwort auf die zunehmende Konkurrenz der Neuen Welt gefeiert. Eine regelrechte Euphorie griff um sich, allerorts wurde in Weinberge und Kellereien investiert, flossen Milliarden Subventionen in die Landwirtschaft und die Vermarktung. Zu Beginn setzte man allerdings darauf, durch den Anbau internationaler Rebsorten wie beispielsweise Chardonnay, Merlot oder Cabernet Sauvignon und deren Verarbeitung zu kräftigen, geschmacklich oft stark durch Ausbau in neuen Holzfässern geprägten Weinen der Überseekonkurrenz Paroli zu bieten. Erst nach und nach kamen die Winzer zu der Einsicht, dass es sinnvoll sei, den Fokus auch auf heimische Gewächse zu richten, um sich so als eigenständige Weinwelt von den Mitbewerbern abzuheben. Hier kam vor allem modern ausgebauter Nero d’Avola zum Zug. Süßwein führt heute nur noch ein Nischendasein; für viele ist er eher Kuriosität als Weinalternative. Nur wenige Marsala-Häuser pflegen deshalb das historische Erbe.

Qualitätsstufen und Gebietseinteilung Der DOCG Wein auf Sizilien Cerasuolo di Vittoria

Die 23 DOC-Weine auf Sizilien

Alcamo, Contea di Sclafani, Contessa Entellina, Delia Nivolelli, Eloro, Erice, Etna, Faro, Malvasia delle Lipari, Mamertino di Milazzo, Marsala, Menfi, Monreale, Noto, Pantelleria, Riesi, Salaparuta, Sambuca di Sicilia, Santa Margherita di Belice, Sciacca, Sicilia (in allen Regionalgebieten), Siracusa, Vittoria. (Stand 2014)Statistik des Dachverbandes der ital. Schutzkonsortien Federdoc (PDF; 6,0 MB). Sie dürfen mit dem Zusatz „Sicilia“ verkauft werden, um die Herkunft zu verdeutlichen. Die DOC-Bezeichnungen werden auf Sizilien kontinuierlich erweitert. Im Oktober 2012 hatten Winzer Anträge auf Anerkennung der geschützten Herkunft für insgesamt 40.000 Hektar gestellt.

Die 7 IGT-Weine auf Sizilien Avola, Camarro, Fontanarossa di Cerda, Salemi, Salina, Terre Siciliane, Valle Belice. (Stand 2014)Übersicht aller IGP- und DOP-Vorschriften. politicheagricole.it (italienisch) abgerufen am 17. September 2015. Die IGT-Weine dürfen zusätzlich die Bezeichnung „Terre Siciliane“ auf das Etikett drucken. So kann jeder die Weine ihrer Herkunft zuordnen.

Territoriali Zusätzlich gibt es das Konzept der Lagenweine, „territoriali“, die Winzer mit einer Katasterkarte auf dem Rückenetikett bewerben können. Die Verantwortlichen der Weinbaupolitik, in Form des regionalen Landwirtschafts-Institutes IRVOS, unterteilen die weitläufige und facettenreiche Insel mit ihren kleinen Weinbauinseln wie Lipari, Salina oder Pantelleria in 17 Territorien.Interaktive Karte der Territorien, auf irvos.it, abgerufen am 22. September 2015. Doch sind dies namentlich nicht die DOC-Weinbaugebiete, sondern übergeordnete, geografische Bezeichnungen wie z. B. Contea di Sclafani, Castelli Nisseni oder Piazza Armerina im Zentrum der Insel. Hier ist die Weinbaufläche vergleichsweise klein, die Anzahl der Betriebe gering. Viel Weizen wird hier angebaut, ein wenig Wald ist auch noch in dem nördlichen Teil übrig geblieben nach Jahrhunderten systematischer Ausbeutung. Dazu kommen kleine versprengte Anbaugebiete wie die vulkanische Insel Pantelleria.

Weintypen Trotz des heißen und trockenen Klimas auf Sizilien gibt es deutlich mehr Weißwein als Rotwein. Dafür ist der Marsala verantwortlich, der den sizilianischen Weinmarkt historisch dominierte. Seit Mitte der 1990er Jahre ist jedoch der Rotweinanteil gewachsen, auch weil die einheimischen und neu angekommenen Weingüter internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah gepflanzt haben. Diese Neupflanzungen befinden sich fast alle im Inselwesten in Reichweite der Hauptstadt Palermo.

Weißweine Catarratto Vor allem die Briten förderten den Aufstieg des in der Regel aufgespriteten Süßweins Marsala. Dieser Run ist schon lange vorbei, die Traube Catarratto, der Hauptbestandteil des Weins, aber noch immer in Massen vorhanden. Viele Winzer bauen mittlerweile trockene Weine an. Von der Sorte Catarratto etwa gibt es große, ertragreiche Anbauflächen. Sizilien, dort insbesondere die DOC-Region Etna, erzeugt mehr davon als die Weißweinregionen Südtirol, Trentino und Friaul zusammen. Aktuelle statistische Erhebungen gibt es nicht. Nach Schätzungen stehen etwa 40.000 Hektar unter Catarratto-Reben. Mit Hilfe der kühlen, der Frucht dienlichen Gärung ergibt der Catarratto einen fruchtigen Weißwein. Ganz allgemein reifen Weine aus heißen Gegenden – vor allem aus den weniger edlen einheimischen Sorten – schneller als andere. Die große Hitze, die für den Marsala noch von Vorteil war, ist für die moderne Weißweinerzeugung wenig förderlich. Durch sie werden nämlich die fragilen Fruchtaromen und die Säure am Weinstock zermürbt.

Grillo Recht gut hingegen verträgt die ehemalige Marsala-Rebsorte Grillo die Hitze, weshalb dieser als trockener Weißwein von einigen Kellereien erfolgreich im Markt positioniert werden konnte. Andere Weingüter arbeiten lieber mit Ansonica (Synonym Insolia) oder dem Grecanico. Ein einheitliches Bild von sizilianischen Weißweinen existiert aber nicht – außer dass sie aus einer heißen Erde stammen.

Moscato di Pantelleria oder Malvasia delle Lipari Für die Süßweinfraktion hält Sizilien mit dem Moscato di Pantelleria, dem Moscato di Noto und dem Malvasia delle Lipari gleich drei hocharomatische weiße Dessertweine bereit. Einzelne Winzer kultivieren dieses Kulturgut des Südens mit Erfolg, aber außer dem Moscato di Pantelleria erreicht kaum einer Produktionszahlen, die überregionale Vermarktung zuließen.

Rotweine Cerasuolo di Vittoria In der Nähe von Ragusa und der Stadt Vittoria wird der Cerasuolo di Vittoria erzeugt – benannt nach der kirschroten Farbe des jungen Weins. Er ist ein aparter, fruchtbetonter Rotwein mit einem angenehmen Säurespiel. Erzeugt wird er aus den Rebsorten Nero d’Avola (mind. 50…70 %) und Frappato (höchstens 30…50 %). Besonders der Frappato verleiht diesem Wein mit seiner präsenten Säure ein ansprechendes Fruchtspiel und die Eleganz, an der es so manchen Rotweinen des Südens mangelt. Dazu trägt der Boden seinen Teil bei: roter, eisenhaltiger Sand auf einem Kalksteinbett, das schon in 30 bis 40 cm Tiefe beginnt. In Kombination mit der Abkühlung durch die Hügelkette Monte Iblei gerät hier auch die Rebsorte Nero d’Avola frischer, mineralischer als im Westen der Insel. Bis in den etwas abgelegenen Südosten der Insel hat sich aber bisher kaum ein Weininvestor gewagt.

Etna Rosso