mini|hochkant=1.2|Francis Weiss (1981) Francis Weiss, in frühen Veröffentlichungen immer Franz Weiss, (* 1893 in Budapest; † 25. März 1982 in Beckenham, Kent (heute zu London), England) war ein englischer Rauchwarenhändler und Autor. Bereits beide seiner Großväter waren im Pelzhandel tätig.

Familiengeschichte Familie der Mutter Der Urgroßvater mütterlicherseits von Francis, Jakob Berg, war von Beruf Weißgerber in Frankfurt an der Oder. Sein Sohn, der Wildwaren-Pelzhändler Max Berg (* 1834; † 1904) war trotz seiner Herkunft aus Frankfurt an der Oder ein typischer, aber bescheidener Berliner mit „Berliner Schnauze“, „er machte sich wenig daraus“, dass sein Vetter Heinrich unter dem angenommenen Namen Friedberg als preußischer Justizminister geadelt wurde. Max Berg bewohnte mit seiner Familie am Berliner Alexanderplatz den ersten Stock des Vorderhauses Königstraße 38, sein Geschäftspartner Adolf Schulvater wohnte eine Etage höher. Beide zusammen waren Inhaber der Firma Schulvater & Berg, eine der bedeutendsten Wildwarenhandlungen der Zeit. Die Kontore und Lagerräume lagen im Hintergebäude des recht großen Baukomplexes, in dem sich auch eine Schule befand, die schon Francis Mutter, Trude Berg, als Kind besucht hatte. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Die Berliner Großmutter von Francis Weiss und der Budapester Großvater starben ein oder zwei Jahre nach der Geburt von Francis. Jakob Berg starb 1904 an einer Bauchoperation.

1892 heirateten Trude Berg und Francis Weiss. Im darauffolgenden Jahr kam ihr Sohn Franz, der sich später Francis nannte, zur Welt.

Francis Weiss Mutter, geboren in Berlin, verbrachte 70 Jahre ihres Lebens Jahre in Ungarn, wo ihr Mann in Pest seinen Rauchwarenhandel betrieb. Sie lebte sich in der neuen ungarischen Heimat nie wirklich ein. Trotz der vielen im Land verbrachten Jahre lernte sie kein ungarisch. Sie führte ihren Haushalt ganz in Deutsch, unterstützt von Haushälterinnen aus Schwaben-Gegenden Ungarns oder aus Österreich. Jährlich besuchte sie im Sommer mit ihrer Familie die verschiedenen Kurbäder Deutschlands, die Heimatorte ihrer Verwandten und selbstverständlich auch Berlin und kaufte „Berge von Dingen“, weil eben alles aus der Heimat sein sollte. Die wichtigsten deutschen Journale kamen per wöchentlichem Lesezirkel, tägliche Neuigkeiten erhielt man über das „Nachrichten-Telephon“, einem Vorgänger des Radios und dem ebenfalls abonnierten „Berliner Tageblatt“.

Familie des Vaters Großvater Max (Moritz) Weiss (* 1829 in Alt-Ofen bei Budapest; † 14. September 1895) stammte aus einer alten jüdischen Familie im Burgenland, Österreich. Dessen Vater, Wolf Mattersdorf war ein „Kiesmer“, ein Musikant oder Sänger, vor der Vergabe jüdischer Familiennamen genannt „Wolf, Sohn des Moses aus Mattersdorf“. Mattersdorf (heute Mattersburg) war eine der sieben alten jüdischen Gemeinden, die unter dem Schutz der Esterházy standen. Abgerufen am 7. August 2015. Francis Ururgroßvater wanderte nach Alt-Ofen aus, er war dort als Synagogensänger unter dem Namen Weiss registriert, er starb im Jahr 1895.

Sein ältester Sohn war Max Weiss, der als Fellhändler die Geschichte der Firma Max Weiss & Sohn begründete.

Francis (Franz) Weiss 1895, als Großvater Max Weiss starb, wohnte Francis am Budapester Theresienring, wo auch später seine Schwester und seine spätere Ehefrau Margit († ca. 1952) zur Welt kamen. Die nächste Wohnung war in der Königsgasse, in der seine künftige Frau wohnte, diesmal direkt gegenüber. 1901 verlegte Francis Vater das Geschäft und den Wohnsitz zum Karlsring 9, wo es bis 1922 bestand. In seiner Jugend pflegte er begeistert den Ruder- und Kanusport und beteiligte sich verschiedentlich an Wettkämpfen, „wenn auch ohne sensationellen Erfolg“.

Als der Vater schwer leidend wurde, ging Weiss zu dessen Unterstützung zurück nach Budapest. Als „Einjähriger“ absolvierte er seine Militärzeit bei den Tiroler Kaiserjägern. 1914 wurde er zum Kriegsdienst einberufen und diente während der gesamten Zeit des Ersten Weltkriegs als Offizier. An der italienischen Front erhielt er eine leichtere Schussverletzung.Francis Weiss: Insanity.... ........abounding., S. 4.

Nach seiner Übersiedlung nach London im Jahr 1930 erhielt Weiss Ende 1936 die britische Staatsbürgerschaft.Insanity.... ........abounding., S. 74.

Über das Verhältnis des Leipziger Pelzzentrums zu Schriftstellern und Künstlern vermerkte Walter Fellmann: „Von den Leuten am Brühl selbst machte eigentlich nur als Schriftsteller der Kürschner Francis Weiss auf sich aufmerksam. […] Er schrieb seine Romane in englischer Sprache, wohl nicht nur aus ökonomischen Gründen. Im deutschsprachigen Raum blieben seine Werke über die Welt der Pelze jedenfalls weitgehend unbekannt.“Walter Fellmann: Der Leipziger Brühl. VEB Fachbuchverlag, Leipzig 1989, S. 10. Anerkennung als Autor fand Francis-Weiss durch seine Mitgliedschaft im PEN-Club. In: AJR Information, Vol. V Nr. 10, London, Oktober 1950 S. 4 (englisch). In einem Nachruf des Berufskollegen Jürgen Thorer zu seinem Tod wird über seine letzten Lebensjahre gesagt: „Wie ein Rufer in der Wüste hat er sich gefühlt, jede Gelegenheit genutzt, seine Gedanken zur Welt und zur Welt des Pelzes schriftlich und mündlich darzulegen. Dass dieser Eifer auf so wenig aktive Resonanz gestoßen ist, hat seine innere Einsamkeit, seit dem Tod seiner von ihm über alles geliebten Frau, stetig vergrößert. Francis Weiss war nicht nur ein Prediger für den Pelz und dessen, was er als gut und nützlich erachtete für die Branche; sein reger Geist hat die Wellen seiner Zeit seismisch aufgenommen und literarisch verarbeitet. Wer ihn erst in seinen letzten – enttäuschten – Jahren kennengelernt hat, würde ihm kaum die feine Lyrik zutrauen, die er seiner Frau gewidmet hat“.Jürgen Thorer: Ferry Weiss ist tot! In: Winckelmann Pelzmarkt, Nr. 637, Frankfurt am Main, 2. April 1982, S. 1.

In Leipzig hatte jedoch sein handfestes „Klagelied eines Kommissionärs“ zuvor bereits Zustimmung und Verbreitung gefunden: „Nach der Versteigerung seh' ich die Ware, Auch meinem Nachbarn sträuben sich die Haare, Was gestern blau, ist heute braun. Wie konnt ich meinen Augen traun. Die großen Males sehen aus wie kleine Damen, Der Preis fällt nun völlig aus dem Rahmen. Was werden da die feinsten Kunden sagen. Oder soll man besser gar nicht fragen…“Ephraim Carlebach Stiftung (Hrsg.): Judaica Lipsiensa, Edition Leipzig, ISBN 3-361-00423-3, S. 275.

Der älteste Sohn Robert Niels White (* 1923 in Leipzig; † 23. Juli 1983 in London) diente im Zweiten Weltkrieg als englischer Hauptmann, dafür musste Niels seinen Nachnamen in White ändern. Er arbeitete zunächst einige Monate bei der Firma Arne Holm in Oslo, anschließend in Stockholm bei der Firma Vik und dann zwei Jahre in der Canadian Fur Auction Company in Montreal. 1950 beendete er seine Ausbildung in der Firma Hans Hessel, um dann, der Familientradition folgend, als Teilhaber in die elterliche Firma einzutreten. Niels heiratete am 11. September 1978 in Sheffield Catherine Glossup.Ohne Autorenangabe: Hochzeit in England. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 354, 17. September 1976, S. 12. 1981 übernahm Niels in vierter Generation die Leitung der von Max Weiss & Sohn, London.Niels White verstorben. In: Winckelmann pelzmarkt, Winckelmann Verlag, Frankfurt/Main, Nr. 705/29, 29. Juli 1983, S. 14.

Francis Weiss starb friedlich im Schlaf am 25. März 1982 in Beckenham, Kent, beerdigt wurde er im Londoner Stadtbezirk Croydon. Er hinterließ die Söhne Niels und Francis.Redaktion: Late Francis Weiss. In: Fur Report Supplement, 2. April 1982, S. VI.

Berufs- und Firmengeschichte mini|hochkant|Anzeige Max Weiss & Sohn, London, in einer Leipziger Fachzeitung (1933) Der Firmengründer Max Weiss, Großvater von Francis Weiss, betrieb in der ungarischen Hauptstadt Budapest (damals noch Pest genannt) einen Fellhandel, in der Berliner Pelzbranche war er als „der schwarze Weiss“ bekannt.

Im Jahr 1844 begann der älteste Sohn Max Weiss eine Lehre als Kürschner und „Kappelmacher“ bei Karl Steiner in Buda (deutsch: Ofen), einem Stadtteil von Budapest. Neben der Mützenmacherei lernte er hier die Manipulation der verschiedenen transsylvanischen Schaf- und Lammfellarten, die besonders in Osteuropa in großen Mengen verarbeitet wurden. Eine Bunda, ein mit der Lederseite nach außen getragener, oft reich bestickter Lammfellmantel gehörte zur Kleidung des oft wohlhabenden ungarischen Bauernstandes, häufig wurde sie bis in den Sommer hinein getragen. Budapest war zu der Zeit, zusammen mit Wien, der Pelzumschlagplatz für den gesamten Balkan.

Nachdem Max Weiss am 1. April 1847 sein Abschlusszeugnis erhalten hatte, ging er mit Ziel Paris auf die übliche Wanderschaft zu diversen Werkstätten Österreichs und Ungarns. Bevor er Paris erreichte, musste er wegen Ausbruchs der Revolution 1848 in seine Heimat umkehren. Er fing in Pest bei L. W. Heidelberg als Rauchwarensortierer an und wurde nach verhältnismäßig kurzer Zeit Geschäftsführer. Im Alter von 45 Jahren gab er diese sichere Stellung auf, um sich selbständig zu machen. Sein erstes Geschäftslokal eröffnete er am 1. Juni 1874 im Haus „Marokkaner Hof“ rechts, Elisabethplatz 8, wo er auch eine Wohnung bezog. In diesem Bezirk hatten auch die anderen Budapester Rauchwarenhändler ihre Lager. Die Rohfellbranche befand sich in der Gegend Karlsring und Königsgasse. Nach kaum zwei Jahren vergrößerte er sein Lokal.

Er besuchte die Leipziger Messen, 1877 fuhr Francis Weiss Vater „Willi“ (* 1862; † 1915) im Alter von 15 Jahren das erste Mal mit. Bis 1879 volontierte er bei dort David Kölner, ebenfalls ein dem Vater aus seiner Lehrzeit bei A. Goldstein bekannter enger Freund. Aus der Leipziger Filiale des Hauses Goldstein, die David Kölner leitete, entstand die Firma D. Kölner. 1888 erhielt Willi Weiss in der väterlichen Firma Prokura, 1891 wurde er Teilhaber und die Firma in Max Weiss und Sohn umbenannt. Auf einer Auslandsreise lernte er in Berlin Francis Mutter kennen, die er 1892 heiratete. Als im Jahr 1895 der Vater starb, wurde Willi Inhaber des Unternehmens. Für kurze Zeit trat der Onkel Hugo Weiss mit in die Firma ein, verließ diese aber bald wieder und gründete in Wien einen eigenen Betrieb, „um dann nach recht unglücklichen Jahren die Branche zu verlassen“. 1901 zog die Firma Willi Weiss zum Karlsring um. Hier hatte auch der Knabe Franz seine ersten intensiven Kontakte mit dem Fellhandel.

Aus dieser Zeit berichtet Francis Weiss im Jahr 1934: mini|hochkant|links|Adolf und Wilhelm, Hausdiener in der Pelzwarenhandlung Wilhelm Weiss (um 1911)

1910, zwei Monate nach seinem Schulabschluss, fing Francis Weiss in Berlin bei dem damals weltbekannten Spezialhaus Levy & Salinger am Georgen-Kirchplatz das „Lammfellstudium“ an. Nach einem Jahr ging er nach Leipzig, öfter besucht von seinem Vater. Dort volontierte er bei der Rauchwarenfirma Eisenbach & Stern, Inhaber Willi Eisenbach. Während des Krieges führten Mitarbeiter das Geschäft bis zu seiner Rückkehr im Jahr 1918 weiter. Die politischen Verhältnisse in Ungarn bewogen ihn, das Land zu verlassen. Im Herbst 1921 eröffnete Francis Weiss eine Niederlassung in Leipzig, zuerst bei den Firmen Arthur Kniesche und Heinz Littauer, Ritterstraße 38–40, bald jedoch in eigenen Räumen im selben Haus, im Pelzzentrum rund um den Brühl. Geplant war eigentlich eine Kürschnerei mit Rauchwarenhandel, gegründet wurde eine Rauchwarenhandlung mit der Kürschnerei als Nebengewerbe. Auf dem Brühl war er bekannt als der „Feri“, der Sohn vom verstorbenen Willy Weiss. Bald machte er Leipzig zum Hauptsitz der Firma, schnell gehörte er zu den führenden Rauchwarenkommissionären der Stadt. Privat wohnte er in einem Landhaus am Stadtrand. Wiederholt bezeichnete er diese Epoche im Weltzentrum des Pelzhandels als die glücklichste Zeit seines Lebens.