Der Schwarzmilan oder Schwarze Milan (Milvus migrans) ist ein etwa mäusebussard­großer Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Im Gegensatz zum nahe verwandten Rotmilan (Milvus milvus), dessen Brutgebiet sich im Wesentlichen auf Europa beschränkt, hat der Schwarzmilan ein riesiges Verbreitungsgebiet, das neben großen Teilen der Paläarktis weite Bereiche des indomalaiischen Faunengebietes sowie Australasien einschließt. Entsprechend dieser weiträumigen Verbreitung werden bis zu zwölf Unterarten beschrieben, von denen sieben als allgemein anerkannt gelten.

Unklar ist die Stellung der beiden gelbschnabeligen, in Afrika beheimateten Milane Milvus migrans aegyptius und Milvus migrans parasitus ("Schmarotzermilan"); sie werden sowohl als eigenständige Art Milvus aegyptius (mit der Unterart Milvus aegyptius parasitus) als auch weiter als Unterart von Milvus migrans geführt..J. Orta, J. S. Marks, E. F. J. Garcia & G. M. Kirwan (2016). Black Kite (Milvus migrans). In: J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie & de Juana, E. (eds.). Handbook of the Birds of the World Alive. Lynx Edicions, Barcelona. (abgerufen von hbw.com am 16. Oktober 2016).

Obwohl der Schwarzmilan auch in ausgesprochen trockenen Gebieten vorkommt, bevorzugt er meist feuchtere Gebiete oder sucht die Nähe von Wasserflächen. Er ist ein Nahrungsgeneralist, dessen Nahrungsspektrum äußerst breit ist und neben Aas und Abfällen eine Vielfalt eher kleiner Tiere umfasst, die er selbst erbeutet. Die Art zählt zu den am weitesten verbreiteten Greifvögeln und ist gebietsweise die häufigste Greifvogelart. Obwohl regional Bestandsrückgänge zu verzeichnen sind, wird die weltweite Bestandssituation von IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingestuft.

Aussehen der Nominatform M. m. migrans mini|hochkant=1|Schwarzmilan Schwarzmilane sind wenig kontrastreich, ziemlich einheitlich dunkelbraun gefärbte, mittelgroße Greifvögel, bei denen sich nur die helleren Kopf-, Kehl- und Nackenpartien sowie ein helles Band auf dem Oberflügel deutlich von der übrigen Gefiederfärbung absetzen.

Schwarzmilane sind frühestens im fünften Lebensjahr ausgefärbt. Kopf- und Halspartien sind dann hellgrau, zuweilen, insbesondere bei Vögeln im letzten Übergangskleid, auch leicht gelblich überhaucht. Deutlich ist eine dunkle Strichelung des Kopfgefieders zu erkennen, die sich im Hals- und oberen Brustbereich verstärkt. Der Rücken ist einheitlich matt dunkelbraun. Das Brust- und Bauchgefieder ist etwas heller, häufig auch deutlich rostbraun gefärbt. Die Steuerfedern sind oberseits graubraun und unterseits bräunlich bis zimtfarben. mini|links|hochkant=1.2|Halbgefächerter Schwanz:Schwarzmilan (links) und Rotmilan (rechts) Der Schwanz ist nur schwach gegabelt, ausgefächert wirkt er dreieckig. Eine dunkle Bänderung ist nur angedeutet und lediglich aus der Nähe zu erkennen. Die großen und kleinen Armdecken weisen meist die Färbung des Brustgefieders auf und kontrastieren recht deutlich mit den dunklen, fast schwarzen Arm- und Handschwingen. Die Beine ausgefärbter Vögel sind gelb, die Krallen schwarz. Der Oberschnabel ist ebenfalls schwarz, der Unterschnabel gelblich. Die Wachshaut ist leuchtend gelb. Frühestens mit sieben Jahren wechselt die Irisfarbe der Schwarzmilane von Braun ins alterstypische Gelb.

mini|M. m. migrans Die langen und schmalen, im Carpalgelenk auffällig gewinkelten Flügel enden in sechs (bei manchen Jungvögeln fünf) deutlich erkennbaren, tief gefingerten Handschwingen. Eine dunkle Zeichnung im Bereich des Carpalgelenks ist bei einigen Unterarten recht deutlich vorhanden, fehlt bei anderen aber fast völlig. Der Schwarzmilan fliegt sehr elegant mit flachen, relativ schnellen Flügelschlägen. Er segelt und gleitet oft, wobei die Flügel im Gegensatz zu denen des Rotmilans in derselben Flugposition nicht über der Horizontalen geknickt, sondern leicht abwärts gerundet sind. Auffällig ist auch das andauernde Verwinden, Fächern und Falten des Schwanzes, das nur beim Rotmilan noch stärker ins Auge fällt.

Frisch ausgeflogene Jungvögel weisen zwar wie ausgefärbte einen deutlich helleren Kopf- und Brustbereich auf, doch überwiegen bei Jungvögeln helle Zimt- oder Beigetöne im Gegensatz zu der weißgrauen Färbung dieser Körperpartien bei den Altvögeln. Die Iris ist noch mittelbraun, die Krallen sind schiefergrau. Insgesamt ist das Jugendgefieder etwas heller und vor allem auf der Körperoberseite kontrastreicher gefärbt.

Die Geschlechter unterscheiden sich in der Färbung nicht. Auch der bei vielen Greifvögeln deutliche reverse Geschlechtsdimorphismus ist nur schwach ausgeprägt. Weibchen sind maximal 6 % größer und bis zu 17 % schwerer als Männchen.

Maße und Körpermasse Die Körperlänge ausgewachsener Vögel variiert je nach Unterart und Geschlecht zwischen 46 und 66 Zentimetern, die Spannweite zwischen 120 und 153 Zentimetern. Männchen der kleinsten und auch leichtesten Unterart M. m. affinis wiegen etwa 500 Gramm, die der größten Unterart M. m. lineatus etwa 850 Gramm. Die schwersten Lineatus-Weibchen können über 1000 Gramm wiegen.

Stimme Schwarzmilane sind sehr stimmbegabt und auch außerhalb der Balzzeit akustisch auffällig. Die Hauptrufe sind in Tonlage und Ausdruck äußerst variabel, so dass sie sich kaum transkribieren lassen. Je nach Stimmung kann es sich um sanfte, melodiöse Triller, um ein möwenartiges, leicht verdrießlich klingendes Miauen oder sogar um wiehernde Rufe handeln. Häufig singen Schwarzmilane im Duett. Stimmbeispiele (in Macaulay Library)

Systematik Unterarten

Die Anzahl der Unterarten schwankt je nach Lehrmeinung beträchtlich. Insgesamt wurden bisher zwölf Unterarten beschrieben, von denen sechs bis sieben allgemeine Anerkennung finden. mini|Ein gelbschnabeliger Milan der Unterart parasitus, jetzt als Milvus aegyptius parasitus zu betrachten Die afrotropischen Unterarten zeigen eine vergleichsweise große verwandtschaftliche Entfernung zu den Subspezies der Paläarktis, sodass ihre Stellung als Art Milvus aegyptius ssp. molekularbiologisch bestätigt zu werden scheint.Jeff A. Johnson et al.: Prioritizing species conservation: does the Cape Verde kite exist? (pdf, 360 kbyte) Diese Abtrennung wurde kürzlich vollzogen, sodass Milvus aegyptius mit einer Unterart (M. aegyptius parasitus) Artstatus hat.[ Datenblatt ITIS] Für sie scheint sich der englische Trivialname Yellow-billed Kite durchzusetzen. Der deutsche Name dieser Art ist Schmarotzermilan. Auch M. m. lineatus scheint genetisch weiter von anderen Unterarten entfernt zu sein als diese untereinander, sodass auch für ihn Artrang erwogen wird.

In den Kontaktzonen hybridisieren offenbar alle Unterarten und bringen intermediär gefärbte Nachkommen hervor, die verschiedentlich als Unterarten (tienschanicus, ferghanensis, formosanus u. a.) geführt werden.

mini|Schwarzmilan in Japan, 2023 Verbreitung der Unterarten mini|hochkant=1.3|Verbreitung:

In Afrika, Indien und Südostasien überlappen die Brutgebiete der dort residenten Arten/Unterarten mit den Winterquartieren weiter nördlich brütender Unterarten. Dies wurde nicht dargestellt. Milvus migrans migrans , 1783): Die Nominatform brütet im größten Teil Europas. Die Nordwestgrenze der geschlossenen Verbreitung verläuft durch Nordfrankreich, Nordbelgien und Nordwestdeutschland. Westlich und nördlich dieser Linie sind Brutvorkommen selten und unstet. Einzelbruten wurden in den Niederlanden (1984 und 1996) und in Norwegen festgestellt. In Nordschweden besteht unregelmäßig ein kleines isoliertes Brutvorkommen. Spärlich und in den östlichen Landesteilen rückläufig sind die Vorkommen in Österreich sowie in Tschechien, auch in Polen, der Ukraine sowie auf dem Balkan ist der Schwarzmilan nur lückenhaft vertreten. Auch auf Zypern und Sizilien kommt M. m. migrans als Brutvogel vor, fehlt aber auf den anderen Mittelmeerinseln. In Asien fällt die Nordgrenze der Verbreitung etwa mit der Grenze des geschlossenen Nadelwaldgürtels zusammen. Nach Osten reichen die Vorkommen über den Ural hinaus, wo eine breite Kontaktzone zu M. m. lineatus besteht. Die südliche Verbreitungsgrenze liegt im Atlasgebiet und zieht sich nach Westen über die Türkei, den Nahen Osten, Iran und Afghanistan bis ins Himalayagebiet fort, wo die Nominatform mit M. m. govinda in Kontakt kommt. Im Norden der Arabischen Halbinsel besteht eine Kontaktzone zu M. m. aegyptius. mini|M. m. lineatus M. m. lineatus , 1831): Dies ist die größte und auch die schwerste Unterart. Die bei M. m. migrans grauweißen Kopf- und Halspartien sind bei dieser Unterart hellbraun, der Schwanz ist leicht rostbraun. Auffallend ist ein schwarzer Fleck im Ohrbereich, nach dem diese Unterart im Deutschen auch „Schwarzohrmilan“ genannt wird. Im Bereich des Carpalgelenks ist ein deutlicher heller, fast weißer Fleck erkennbar. Die Färbung der Iris scheint von Braun im höheren Alter nicht nach Gelb zu wechseln. Diese Unterart ist dem Rotmilan am ähnlichsten. Neueste molekulargenetische Untersuchungen zeigen eine relativ große genetische Distanz zu anderen Unterarten und legen für M. m. lineatus Artrang nahe.J. Orta & J. S. Marks (2014). Black Kite (Milvus migrans). In: J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie & de Juana, E. (eds.) (2014). Handbook of the Birds of the World Alive. Lynx Edicions, Barcelona. (abgerufen von hbw.com am 31. Juli 2014). Die Brutvorkommen von M. m. lineatus schließen östlich des Ural an die der Nominatform an und reichen bis an die pazifische Küste. Die Nordgrenze der Brutverbreitung pendelt um 65 Grad Nord, überschreitet aber am Mittellauf der Jana deutlich den Nördlichen Polarkreis. Im Osten brütet die Unterart bis auf Sachalin auf fast allen Inseln in den Randmeeren des nordwestlichen Pazifiks, einschließlich der Japanischen Inselgruppe. Nach Süden ist M. m. lineatus bis an den nördlichen Rand des Himalayas verbreitet, weiter ostwärts liegen die Kontaktzonen zu M. m. govinda im nördlichen Indochina.

mini|M. m. govinda M. m. govinda , 1832: Diese Unterart ist kleiner als die Nominatform und insgesamt kontrastarm graubraun, manchmal auch schmutzig sandfarben gefärbt. Das Kopfgefieder hat einen rötlichbraunen Anflug, die schwarzen Schaftzeichnungen sind meistens deutlich erkennbar. Auch die Weißzeichnung der Flügelunterseite im Bereich der Handschwingenbasen ist markant. M. m. govinda kommt in weiten Bereichen Pakistans, auf dem Indischen Subkontinent, im Nordteil Sri Lankas, ostwärts über Myanmar und Thailand bis nach Malaysia vor.

M. m. formosanus , 1920: Kleine Inselrasse auf Hainan und Taiwan. Sehr ähnlich M. m. govinda. Im Brutgebiet weitgehend Standvogel. Die Validität dieser Unterart wird in Frage gestellt.

mini|M. m. affinis M. m. affinis , 1838: Die kleinste Unterart weist ein relativ einheitliches dunkelbraunes Erscheinungsbild auf. Im Schulterbereich ist die Gefiederfärbung heller, sodass sich auf der Flügeloberseite ein deutlicher Diagonalstreifen abzeichnet. Diese Unterart brütet auf Sulawesi und vielen der Kleinen Sundainseln, wie auf Lombok, Sumba und Timor. Weiters kommt sie im Nordostteil Neuguineas sowie weiträumig in Australien vor.

M. m. aegyptius (Syn.M. aegyptius) , 1788): Die Vögel dieser Subspezies sind etwas kleiner als europäische Exemplare der Nominatform. Das Gefieder ist rötlichbraun, auf dem zimtfarbenen Schwanz können sich einige schmale hellere Binden abzeichnen. Das weiße Flügelfeld im Bereich des Handgelenks ist relativ deutlich. Der Schnabel der unterseits gefleckten Jungvögel ist bis zum dritten Lebensjahr schwarz und wechselt dann in das für die beiden afrikanischen Unterarten typische Gelb.