Die Antikensammlung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), kurz Antikensammlung Erlangen, ist eine dem Institut für Klassische Archäologie der Universität Erlangen angegliederte Sammlung von Gipsabgüssen antiker Plastik und antiker Originalstücke.
Geschichte Die Geschichte der Erlanger Antiken- und Gipsabgusssammlung reicht zurück bis ins Jahr 1855, als Carl Friederichs erstmals begann, Abgüsse antiker Plastik zu Lehrzwecken anzukaufen.Martin Boss: Die Antikensammlung der Friedrich-Alexander-Universität. In: Christian Friederich, Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1743-1993. Geschichte einer deutschen Hochschule (= Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen Nr. 43). Nürnberg 1993, ISBN 3-930035-00-6, S. 597. Die Abgüsse sollten der Veranschaulichung antiker Kunstwerke dienen. Am 9. Dezember 1857 wurde das „Archäologische Museum der Königlich Bayerischen Friedrich Alexander Universität“ mit anfangs lediglich 15 Stücken der Universität übergeben. Aufgrund des Fehlens eines Lehrstuhls für Klassische Archäologie unterstand die Sammlung zunächst dem Institut für Philosophie, damals vertreten durch Carl Heyder.Martin Boss: Die Antikensammlung der Friedrich-Alexander-Universität. In: Christian Friederich, Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1743-1993. Geschichte einer deutschen Hochschule. (= Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen Nr. 43). Nürnberg 1993, S. 597.
Im Jahr 1887 – dem Jahr, in dem die Erlanger Universität auch ein eigenes „Archäologisches Seminar“ bekamMartin Boss: Die Antikensammlung der Friedrich-Alexander-Universität. In: Christian Friederich, Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1743-1993. Geschichte einer deutschen Hochschule (= Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen Nr. 43). Nürnberg 1993, S. 598. – erwarben die Verantwortlichen auch eine Kiste mit Scherben aus dem Nachlass Ludwigs I. Diese Scherben, die erst 1947 inventarisiert wurden, sollten den Kern der späteren Originalsammlung bilden.Martin Boss: Die Antikensammlung der Friedrich-Alexander-Universität. In: Christian Friederich, Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1743-1993. Geschichte einer deutschen Hochschule (= Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen Nr. 43). Nürnberg 1993, S. 600.
Anfang Mai 1889 wurde die Sammlung, die bis dahin im Erlanger Schloss untergebracht war,Martin Boss: Die Antikensammlung der Friedrich-Alexander-Universität. In: Christian Friederich, Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1743-1993. Geschichte einer deutschen Hochschule (= Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen Nr. 43). Nürnberg 1993, S. 597. ins Kollegienhaus der Universität verlagert. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts experimentierte der Erlanger Archäologe Heinrich Bulle mit einigen der Gipsabgüsse, denen er beispielsweise eine farbliche Fassung geben ließ, um einen realistischeren und wirklichkeitsgetreuen Eindruck beim Betrachter zu hinterlassen.Martin Boss: Die Antikensammlung der Friedrich-Alexander-Universität. In: Christian Friederich, Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1743-1993. Geschichte einer deutschen Hochschule (= Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen Nr. 43). Nürnberg 1993, S. 598. Mit ihm verlagerte sich ab 1903 auch die Sammlungstätigkeit insgesamt, da ab diesem Zeitpunkt systematisch originale Objekte antiker Keramik und Kleinkunst angekauft wurden.Martin Boss: Die Antikensammlung der Friedrich-Alexander-Universität. In: Christian Friederich, Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1743-1993. Geschichte einer deutschen Hochschule (= Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen Nr. 43). Nürnberg 1993, S. 598.
Als der Münchner Gelehrte Paul Arndt im Jahr 1937 verstarb, vermachte er der Antikensammlung sein privates Foto-Archiv, das sich bis heute im Besitz der Erlanger Sammlung befindet. Es umfasst ca. 28 000 Fotografien antiker Plastik, Porträts und Gebäude.Martin Boss: Die Antikensammlung der Friedrich-Alexander-Universität. In: Christian Friederich, Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1743-1993. Geschichte einer deutschen Hochschule (= Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen Nr. 43). Nürnberg 1993, S. 602. Der erste hauptamtliche Kustos der Sammlung war – ab 1947 – Wilhelm Grünhagen. Er verfasste auch den ersten Katalog des Sammlungsbestandes: „Antike Originalarbeiten der Kunstsammlung des Instituts (1948)“.Martin Boss: Die Antikensammlung der Friedrich-Alexander-Universität. In: Christian Friederich (Hrsg.): Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1743-1993. Geschichte einer deutschen Hochschule (= Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen Nr. 43). Nürnberg 1993, S. 601.
Während der beiden Weltkriege wurden die Räumlichkeiten der Sammlung als Lazarett genutzt. Einige Gipsabgüsse wurden bei diesem Anlass beschädigt; zu größeren Verlusten im Bestand der Sammlung kam es aber nicht.Martin Boss: Die Antikensammlung der Friedrich-Alexander-Universität. In: Christian Friederich (Hrsg.): Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1743-1993. Geschichte einer deutschen Hochschule (= Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen Nr. 43). Nürnberg 1993, S. 598–599. Im Jahr 1957, unter dem damaligen Institutsvorstand Wolfgang Züchner, wurde die Erlanger Antikensammlung erneut umquartiert, diesmal in das Souterrain des Seminargebäudes der Philosophischen Fakultät in der Kochstraße. Dort ist die Sammlung auch heute noch.Martin Boss: Die Antikensammlung der Friedrich-Alexander-Universität. In: Christian Friederich (Hrsg.): Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1743-1993. Geschichte einer deutschen Hochschule (= Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen Nr. 43). Nürnberg 1993, S. 603.
Kustoden der Sammlung 1947–1954: Wilhelm Grünhagen 1970–1990: Eberhard Reschke 1990–1991: Volker Scheunert (Juni 1990 bis Juli 1991, Vertretung der damals vakanten Kustodenstelle) 1991–2022: Martin Boss 2022–2024: Georg Gerleigner (November 2022 bis April 2024) und Fabian Gapp (Januar 2023 bis April 2024) (beide Vertretung der vakanten Kustodenstelle) seit 2025: Julian Schreyer (seit April 2025, Vertretung der vakanten Kustodenstelle)
Bestand Die Erlanger Antikensammlung gliedert sich in den Bereich der Gipsabguss-Sammlung, der Sammlung antiker Originalwerke und des Fotoarchivs.
Die Gipsabgüsse, mit deren Ankauf bereits 1855 begonnen wurde, umfassen Kopien berühmter antiker Statuen wie etwa des Apollo von Belvedere, der Venus vom Esquilin oder des Betenden Knaben des Teisikrates. Weitere Gipsabgüsse antiker Plastik, wie etwa des Zeus von Otricoli, der Juno Ludovisi sowie zahlreicher Porträts antiker Gelehrter wie etwa Platon oder Aristoteles ergänzen den Bestand, ebenso wie eine umfangreiche Galerie von Abgüssen der Porträts römischer Kaiser und Staatsmänner von Gaius Iulius Caesar über Trajan bis hin zu Septimius Severus.
Die Originalsammlung umfasst in erster Linie Stücke antiker Keramik. Besonders prominent ist eine im Jahr 1905 erworbene schwarzfigurige attische Schale des sechsten Jahrhunderts v. Chr., deren Bemalung in der Wissenschaft die Benennung eines eigenen Malers hervorrief: Es handelt sich um den sogenannten Erlanger Maler. Ludwig Curtius erwarb im Jahr 1911 darüber hinaus einen bronzenen Dreifußständer, der als „Erlanger Dreifuß“ bekannt wurde.
Sonderausstellungen und Projekte Neben den Dauerausstellungen der Gipsabgüsse und der antiken Originalstücke organisiert das Institut für Klassische Archäologie der Friedrich-Alexander Universität darüber hinaus auch Sonderausstellungen zu bestimmten Themen – beispielsweise zur Darstellung von Satyrn in der Antike oder zu den Porträts römischer Kaiserinnen.Siehe beispielsweise den Link zu den Sonderausstellungen des Instituts auf der Homepage der Antikensammlung:
Mit dem Jahr 2007 wurden zwei Modelle zum Forum Romanum fertig gestellt,Bernhard Steinmann, Robert Nawracala, Martin Boss (Hrsg.): Im Zentrum der Macht. Das Forum Romanum im Modell. Ausstellungskatalog Erlangen, Erlangen 2011. die seitdem an verschiedenen anderen Orten in Deutschland in Sonderausstellungen gezeigt wurden, so in Berlin, KasselNational Geographic Mai 2014, S. 25. und in der Glyptothek in München. An der Wissenschaft orientierter Modellbau wurde seitdem als fortlaufendes Projekt mit Studenten durchgeführt.
Literatur Carl Heyder, Carl Friederichs: Die Eröffnung des Archäologischen Museums der Königlich bayerischen Friedrich-Alexanders-Universität Erlangen am 9 December 1857 eingeleitet durch zwei öffentliche Vorträge des Professors Dr. Heyder und des Privatdocenten Dr. Friederichs. Erlangen 1857 (Digitalisat). Peter Kranz: Aus einer akademischen Studiensammlung wurde ein Museum für alle, die neugestaltete Antikensammlung der Universität Erlangen. In: Antike Welt. 34, 1, 2003, S. 75–79. Peter Kranz: Eine akademische Studiensammlung wird zum Museum für alle – Zur Neuaufstellung der Erlanger Antikensammlung. In: Eberhard Paul (Hrsg.): Antikenpräsentation in der heutigen Zeit – zwischen Tradition und Zukunft. Internationales Kolloquium in Leipzig 1994. Leipzig 1995, S. 31–36. Martin Boss: Die Antikensammlung der Friedrich-Alexander-Universität. In: Christian Friederich (Hrsg.): Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1743–1993. Geschichte einer deutschen Hochschule (= Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen Nr. 43). Nürnberg 1993, ISBN 3-930035-00-6, S. 597–604. Martin Boss: Antikensammlung Erlangen. Auswahlkatalog. Palm und Enke, Jena 2002, ISBN 3-7896-0655-3. Martin Boss: Antikensammlung. In: Die Sammlungen der Universität Erlangen-Nürnberg. Begleitband zur Ausstellung „Ausgepackt. Die Sammlungen der Universität Erlangen-Nürnberg.“ 20. Mai–29. Juli 2007 Stadtmuseum Erlangen. Nürnberg 2007, S. 83–90. Sammlungskataloge Wilhelm Grünhagen: Antike Originalarbeiten der Kunstsammlung des Instituts. Nürnberg / München 1948. Corpus Vasorum Antiquorum Deutschland Band 67. 84: Erlangen – Antikensammlung der Friedrich-Alexander-Universität. Bd. 1. 2. C. H. Beck, München 1995. 2007.
Weblinks Antikensammlung auf der Homepage des Instituts für Klassische Archäologie der FAU Das Internetarchiv der Antikensammlung mit virtuellem Rundgang durch das Museum
Einzelnachweise
Kategorie:Universitätssammlung Erlangen Kategorie:Archäologische Sammlung in Bayern Kategorie:Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Kategorie:Forschungseinrichtungsgründung 1857