Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der tschechischen Fußballnationalmannschaft bei Europameisterschaften und den Qualifikationen dazu. Tschechien nimmt 2024 zum achten Mal an der Europameisterschafts-Endrunde teil und konnte sich seit der Aufspaltung der Tschechoslowakei und als einzige nach den Umbrüchen im Ostblock neu entstandene Mannschaft immer qualifizieren. Auf dem Gebiet des heutigen Tschechien geborene Spieler stellten von 1960 bis 1976 einen bedeutenden Anteil der tschechoslowakischen Mannschaft. Die Erfolge der tschechoslowakischen Mannschaft werden von der UEFA nun der tschechischen Mannschaft zugerechnet und mit den gemeinsamen Resultaten werden sie auf Platz 8 der Rangliste geführt.
Übersicht
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1996England FinaleDeutschland2. Platz Dušan UhrinNiederlage durch Golden Goal 2000Niederlande und Belgien Vorrunde Niederlande, Frankreich, Dänemark 10.Jozef ChovanecNach zwei Niederlagen und einem Sieg als Gruppendritter ausgeschieden. 2004Portugal HalbfinaleGriechenland 3. Karel BrücknerNiederlage in der Verlängerung 2008Österreich und Schweiz Vorrunde Schweiz, Portugal, Türkei11. Karel BrücknerNach einem Sieg und zwei Niederlagen als Gruppendritter ausgeschieden. 2012Polen und Ukraine Viertelfinale Portugal 6. Michal Bílek Gruppensieger nach einer Auftaktniederlage gegen Russland und zwei anschließenden Siegen, Aus im Viertelfinale gegen Portugal (0:1) 2016 Frankreich VorrundeSpanien, Kroatien, Türkei 21. Pavel Vrba Nach Niederlagen gegen Spanien und die Türkei sowie einem Remis gegen Kroatien als Gruppenletzter ausgeschieden 2021Europa Viertelfinale Dänemark 6. Jaroslav Šilhavý Tschechien hatte zunächst zusammen mit der Slowakei Interesse an einer Zweier-Kandidatur bekundet.dw.com: „Drei Länder für eine Fußball-EM“ Nachdem entschieden wurde die Endrunde in mehreren europäischen Städten auszurichten, hatte sich Tschechien mit dem noch zu bauenden Neuen Nationalstadion in Prag für die Ausrichtung von Spielen beworben, später aber zurückgezogen. In der Qualifikation setzten sich die Tschechen gemeinsam mit England gegen das Kosovo, Bulgarien und Montenegro durch. England ist neben Kroatien und Schottland, das sich über die Playoffs qualifizierte, auch Gegner bei der Endrunde. 2024Deutschland VorrundePortugal, Georgien, Türkei 22. Ivan Hašek Als Gruppenzweiter hinter Albanien, vor Polen, Moldawien und den Färöer qualifiziert.
Endrunden mit 16 Teilnehmern EM 1996 mini|Aserbaidschanische Briefmarke zum EM-Gruppenspiel gegen Deutschland
Das erste große Fußballturnier, an dem die tschechische Nationalmannschaft teilnahm, war die EM 1996 in England. Trainiert wurden sie seit 1994 von Dušan Uhrin. Qualifiziert hatten sich die Tschechen gegen die Niederlande sowie Norwegen, Belarus, Luxemburg und Malta, von denen wie die Tschechen auch die Belarussen erstmals an der Qualifikation teilnahmen. Tschechen und Niederländer gewannen beide je sechs Spiele. Die Tschechen verloren aber nur in Luxemburg, während die Niederländer in Tschechien und Belarus verloren. Damit wurden die Tschechen Gruppenerster und qualifizierten sich direkt. Die Niederländer mussten als zweitschlechtester Gruppenzweiter gegen Irland, den schlechtesten Gruppenzweiten, in einem Entscheidungsspiel um den letzten freien Platz in Liverpool antreten und gewannen mit 2:0.
In England traf die Mannschaft im ersten Gruppenspiel auf Vizeeuropameister Deutschland und verlor mit 0:2. Im zweiten Spiel gegen Vizeweltmeister Italien gewannen sie mit 2:1, wobei der nach der EM zu Lazio Rom wechselnde Pavel Nedvěd bereits in der fünften Minute das erste EM-Tor für die tschechische Mannschaft schoss. Im letzten Gruppenspiel gegen Russland führten die Tschechen auch früh mit 2:0. In der zweiten Halbzeit konnten aber die bereits ausgeschiedenen Russen das Spiel drehen und mit 3:2 in Führung gehen, womit auch die Tschechen ausgeschieden wären. In der Schlussminute gelang dann dem erst in der zweiten Halbzeit eingewechselten Vladimír Šmicer noch der Ausgleich. Damit waren Tschechien und Italien punktgleich, da Italien nach einem Sieg gegen Russland und der Niederlage gegen Tschechien, gegen Deutschland trotz Überlegenheit nur ein 0:0 erreicht hatte. Zwar hatten die Tschechen die schlechtere Tordifferenz, aber da sie das Spiel gegen Italien gewonnen hatten, kamen sie als Gruppenzweiter ins Viertelfinale. Dort trafen sie dann auf Portugal und gewannen in einem Spiel mit 10 gelben Karten mit 1:0, verloren aber Radoslav Látal durch Gelb-rote Karte.
Im Halbfinale gegen Frankreich, bei dem die Tschechen auf vier gesperrte Spieler verzichten mussten, gelang beiden Mannschaften in 120 Minuten kein Tor. Besser waren die ersten zehn Schützen beim Elfmeterschießen, die alle ins Tor trafen. Erst der sechste Franzose scheiterte am tschechischen Torhüter Petr Kouba. Als sechster tschechischer Schütze sorgte dann Kapitän Miroslav Kadlec für den Einzug ins Finale.
Hier trafen die Tschechen erneut auf Gruppengegner Deutschland. Nach einer torlosen ersten Halbzeit brachte der in Deutschland spielende Patrik Berger die Tschechen durch einen verwandelten Foulelfmeter in Führung. Diese hielt bis zur 73. Minute, dann gelang dem kurz zuvor eingewechselten Oliver Bierhoff der Ausgleich. Da beiden Mannschaften danach in der regulären Spielzeit kein Tor mehr gelang, gab es Verlängerung. In dieser erzielte Bierhoff dann per Golden Goal den Siegtreffer für die Deutschen, die damit als erste Mannschaft zum dritten Mal Europameister wurden, aber danach 12 Jahre lang bis 2008 kein EM-Spiel mehr gewannen. Da Deutschland als Europameister auf die Teilnahme am FIFA-Konföderationen-Pokal 1997 verzichtete, vertraten die Tschechen dort Europa und belegten den dritten Platz, scheiterten aber bei der Qualifikation für die WM 1998.
EM 2000 In die Qualifikation für die EM 2000 gingen die Tschechen mit Jozef Chovanec als Nationaltrainer. In einer Gruppe mit Schottland, Bosnien und Herzegowina, Litauen und Estland und den Färöer gewannen sie alle zehn Spiele und belegten den ersten Platz. Schottland scheiterte als Gruppenzweiter in den Playoffspielen an England.
Bei der EM wurden sie in eine Todesgruppe mit Co-Gastgeber Niederlande, Weltmeister Frankreich und Dänemark gelost. Im ersten Spiel gegen die Niederlande hielten sie 88 Minuten lang das 0:0, dann erhielten die Niederländer in der 89. Minute einen Foulelfmeter zugesprochen, den der niederländische Kapitän Frank de Boer zum Siegtreffer verwandelte. Der bereits ausgewechselte Radoslav Látal erhielt auf der Bank sitzend wegen Reklamierens daraufhin die Rote Karte.uefa.com: „Glücklicher Sieg für die Niederlande“ Im zweiten Gruppenspiel gegen Frankreich verloren sie dann mit 1:2, so dass das letzte Spiel gegen Dänemark, das auch zuvor zweimal verloren hatte, keine Bedeutung mehr für das Turnier hatte. Mit 2:0 durch zwei Tore von Vladimír Šmicer verabschiedeten sich die Tschechen dann von der EM.
EM 2004 Nach der verfehlten Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 2002 hatte Karel Brückner das Amt des Nationaltrainers übernommen. Gruppengegner in der Qualifikation waren wieder einmal die Niederlande, der Nachbar Österreich, Moldawien und Belarus. Die Tschechen gaben nur beim 1:1 in den Niederlanden einen Punkt ab, ansonsten wurden alle Spiele gewonnen.
In der Vorrunde in Portugal traf die Mannschaft erneut auf Qualifikationsgegner Niederlande sowie Vizeweltmeister Deutschland und EM-Neuling Lettland. Gegen die Letten gerieten sie in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit überraschend in Rückstand. In der zweiten Halbzeit konnten sie aber das Spiel drehen und mit 2:1 gewinnen. Im zweiten Spiel gegen die Niederlande lagen sie nach 19 Minuten mit 0:2 zurück, Jan Koller gelang aber vier Minuten später der Anschlusstreffer und in der zweiten Halbzeit konnten die Tschechen erneut das Spiel drehen. Damit waren sie vorzeitig für das Viertelfinale qualifiziert und Brückner schonte im abschließenden Gruppenspiel gegen Deutschland einige Stammspieler und setzte acht Spieler ein, die zuvor noch nicht zum Einsatz gekommen waren. Da die Deutschen zuvor nur zweimal remis gespielt hatten, benötigten sie einen Sieg, um das Viertelfinale zu erreichen und nach der 1:0-Führung in der 21. Minute durch Michael Ballack sah es auch danach aus. Aber bereits neun Minuten später gelang Marek Heinz der Ausgleich und in der zweiten Halbzeit konnte der eingewechselte Milan Baroš mit seinem dritten Turniertor erneut das Spiel drehen. Tschechien hatte damit erstmals drei Gruppenspiele gewonnen, Deutschland schied dagegen als Gruppendritter aus, worauf der deutsche Teamchef Rudi Völler zurücktrat.
Im Viertelfinale trafen die Tschechen dann auf Dänemark und diesmal mussten sie das Spiel nicht drehen und gewannen souverän mit 3:0, wobei Baroš zwei weitere Tore erzielte. Im Halbfinale trafen sie dann auf die Überraschungsmannschaft aus Griechenland. Da sich Kapitän Pavel Nedvěd in der ersten Halbzeit im griechischen Strafraum bei einem Zweikampf eine Knieverletzung zuzog, und bereits nach 40 Minuten ausgewechselt werden musste, kam das tschechische Angriffsspiel nicht in Schwung, zumal die Griechen ihre Defensivtaktik immer mehr perfektioniert hatten. Beiden gelang daher in der regulären Spielzeit kein Tor, und auch die erste Halbzeit der Verlängerung blieb zunächst torlos. In der Nachspielzeit gelang dann dem griechischen Libero Traianos Dellas ein Tor und da die Silver-Goal-Regel galt, wurde die zweite Hälfte der Verlängerung nicht mehr angepfiffen. Griechenland konnte dann auch das Finale gegen Gastgeber Portugal gewinnen und wurde sensationell Europameister. Mit fünf Toren war Milan Baroš aber bester Torschütze des Turniers.
EM 2008 mini|Petr Čech auf dem Wiener Riesenrad während der EM 2008 In der Qualifikation zur Europameisterschaft 2008 konnte sich Tschechien als Gruppensieger vor den ebenfalls qualifizierten Deutschen durchsetzen. Dabei wurde nur das Heimspiel gegen Deutschland verloren, das Rückspiel in Deutschland gegen die bereits qualifizierten Deutschen aber mit 3:0 gewonnen. Tschechien kassierte dabei ebenso wie Frankreich und die Niederlande in 12 Spielen nur fünf Gegentore. Neben Deutschland trafen die Tschechen dabei auf Irland, das mit 10 Punkten Rückstand Dritter wurde, sowie die Slowakei, Wales, Zypern und San Marino, gegen das mit 7:0 einer der drei höchsten Siege der Tschechen gelang.
Beim Endrundenturnier wurden die Tschechen in eine Gruppe mit Co-Gastgeber Schweiz gelost. Weitere Gegner waren Portugal und die Türkei. Im Eröffnungsspiel konnte die Schweiz mit 1:0 bezwungen werden. Gegen Portugal folgte dann ein 1:3. Damit waren Tschechen und Türken vor dem letzten Gruppenspiel punktgleich. Der Sieger würde ins Viertelfinale einziehen, der Verlierer ausscheiden. Bei einem Remis hätte es ein Elfmeterschießen um den zweiten Gruppenplatz gegeben. Tschechien führte bis zur 75. Minute mit 2:0, dann kippte das Spiel. Zunächst gelang den Türken das Anschlusstor, dann drei Minuten vor dem Spielende der Ausgleich. Als schon alles mit einem Elfmeterschießen rechnete, gelang den Türken noch der Siegtreffer. Danach wurde es turbulent. Zunächst erhielt der türkische Torhüter in der Nachspielzeit die Rote Karte, dann die Tschechen Tomáš Ujfaluši und der auf der Bank sitzende Milan Baroš die Gelbe Karte. Für Tschechien war die EM damit beendet. Karel Brückner verlängerte daraufhin seinen auslaufenden Vertrag nicht.Brückner steht nicht mehr zur Verfügung Ihm folgte wenig erfolgreich Petr Rada. Die Türken stießen nach einem dramatischen Viertelfinale gegen Kroatien bis ins Halbfinale vor, wo sie durch ein last-minute-Tor gegen Deutschland verloren.
EM 2012