Die Burschenschaft Germania Erlangen ist eine pflichtschlagende, farbentragende Studentenverbindung in Erlangen. Die Mitglieder der Burschenschaft werden Erlanger Germanen genannt.

Couleur und Wahlspruch Die Germania trägt die Farben Schwarz-Gold-Rot (von unten gelesen) mit goldener PerkussionHans König: Burschen, Knoten und Philister. Erlanger Studentenleben von 1743 bis 1983. Nürnberg 1983, S. 26. in Band und weißer Mütze.

Ihr Wahlspruch lautet: Freiheit, Ehre, Vaterland!

Geschichte Gründungszeit Die Burschenschaft wurde von ausgetretenen Mitgliedern einer gleichnamigen, aber älteren Germania 1827 gegründet. Diese nannte sich zeitweilig Amicitia (lateinisch für Freundschaft). Auf den folgenden Burschentagen (Bamberg/Nürnberg 1827 und Würzburg 1829) wurde sie trotz Widerspruch der älteren Germania, die sich mittlerweile Arminia nannte, als rechtmäßige Fortsetzung der Erlanger Burschenschaft anerkannt.Karl Albert von Kamptz (Hrsg.): Annalen der preußischen innern Staats-Verwaltung. Band 19, Jahrgang 1835, 2. Heft, Berlin 1835, S. 542. 1832 wurde die Germania von den Behörden verboten und ihr ein absolut revolutionäres TreibenFerdinand Bischoff: Merkwürdige Criminal-Rechts-Fälle für Richter, Gerichtsärzte, Vertheidiger und Psychologen. Dritter Band. Hannover 1837, S. 260. nachgesagt. Nachdem sich mehrere Mitglieder 1833 am Frankfurter Wachensturm beteiligt hatten, wurde sie streng verfolgt, so dass viele Mitglieder ins Ausland flüchten mussten. Andere kamen in jahrelange Untersuchungshaft, in der vier Germanen starben. Sieben Aktive wurden zum Tode verurteilt. Dieses Urteil wurde jedoch nicht vollstreckt. Einige der nichtinhaftierten Germanen schlossen sich dem Corps Baruthia an; die Germania bestand im Geheimen unter dem Namen WörnleinianerGeorg Heer, Herman Haupt, Paul Wentzcke: Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung, Band 16. Heidelberg 1939, S. 215. für einige Jahre fort, sie konnte jedoch erst 1849 wiedergegründet werden.

Wiedergründung, Süddeutsches Kartell, eigenes Haus Zwar bestand in Erlangen mit der Burschenschaft Bubenruthia ein Anlaufpunkt für alle burschenschaftlich interessierten Studenten, doch kam es im Laufe der Zeit zu einem immer größer werdenden Gegensatz zwischen arministisch und germanistisch geprägten Burschenschaftern, so dass am 12. Dezember 1849 die 1832 verbotene Germania mit alten Farben, altem Wahlspruch und altem Zirkel wiedergegründet wurde.

Aus einem Freundschaftsverhältnis der Burschenschaft Teutonia Jena mit der Germania Erlangen aus dem Jahre 1854 entstand am 18. Mai 1861 unter Beitritt der Burschenschaften Allemannia Heidelberg, Germania Tübingen und Allemannia auf dem Pflug zu Halle das bis heute bestehende Süddeutsche Kartell (SK). Dieses schloss sich mit seinen Mitgliedsburschenschaften dem Allgemeinen Deputierten-Convent (ADC), der späteren Deutschen Burschenschaft (DB), an.

mini|Das Germanenhaus, erbaut 1888, Umbau 1906. Am 1. August 1888 wurde das Germanenhaus eingeweiht.Christoph Friederich: Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 1743–1993: Geschichte einer deutschen Hochschule: Ausstellung im Stadtmuseum Erlangen, 24.10.1993–27.2.1994. Erlangen, Stadtmuseum, 1993, S. 432. Es ist das älteste Korporationshaus der Stadt. 1906 wurde das Haus umgebaut und erhielt sein heutiges Äußeres im klassischen Jugendstil. Die Exkneipe war die Gaststätte Brücken-Paulus in Sieglitzhof.Klaus Fröba: Erlangen in alten Ansichten. Zaltbommel 1986, S. 91. Mit der Burschenschaft Arminia Prag (heute in Bochum) wurde 1892 ein Freundschaftsbündnis begründet.

mini|Festzug zum 50. Stiftungsfest (1899) der Burschenschaft Germania Erlangen auf dem Altstädter Marktplatz (heute Martin-Luther-Platz). mini|Die Germania als Mitglied der Deutschen Burschenschaft (1915)

Die Zeit der zwei Weltkriege Im Ersten Weltkrieg wurde das Germanenhaus zum Lazarett für verwundete Soldaten umfunktioniert; 63 Mitglieder starben oder wurden vermisst. Am 14. März 1920 wurde zur Verhinderung eine „Überschwappens der Münchner Räterevolution nach Franken“ ein 1919 (von den Burschenschaften Erlanger Wingolf, Bubenruthia, Germania Erlangen und Uttenruthia) aufgestelltes Studentenbataillon unter Waffen gestellte, nachdem am Vortag in Berlin rechte Putschisten das Regierungsviertel besetzt hatten.Martin Droschke: Erlangen schlittert mit größtmöglicher Zielgenauigkeit auf einen Bürgerkrieg zu. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 19. März. 1920 schlossen sich zahlreiche Mitglieder der Germania dem Freikorps Epp an, 1921 dem Freikorps Oberland.Hans König: Burschen, Knoten und Philister. Erlanger Studentenleben von 1743 bis 1983. Nürnberg 1983, S. 47.

Am 12. November 1934 trat das Süddeutsche Kartell geschlossen aus der Deutschen Burschenschaft aus.Paul Wentzcke (Hrsg.): Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert. Band 1, Heidelberg 1957, S. 219. Die Germania wurde daraufhin Gründungsmitglied der Alten Burschenschaft. 1935/36 musste sich die Germania auf Druck der Nationalsozialisten auflösen und wurde in die Kameradschaft Wilhelm GustloffSiegfried Ziegler: Erlangen im Nationalsozialismus: Ausstellung im Stadtmuseum Erlangen, Martin-Luther-Platz vom 16.10.83 bis 19.2.84. Stadtmuseum Erlangen 1983, S. 38. überführt. Im Zweiten Weltkrieg starben 55 Mitglieder, 14 werden vermisst. Das Germanenhaus diente wieder als Lazarett für verwundete Soldaten.

Nachkriegszeit Am 18. September 1947 wurde die Burschenschaft Germania als Amicitia wiederbegründet und durch den Erlanger AStA und den Universitätssenat anerkannt. 1950 erfolgte die Rückbenennung zur Germania. Diese schloss sich der wiedergegründeten Deutschen Burschenschaft sowie dem Süddeutschen Kartell an. 1945–1947 diente das Germanenhaus dem US-Militär als Versammlungshaus, danach nutzte die Universität die Räumlichkeiten für Seminare ihrer Juristischen Fakultät. Am 11. Dezember 1954 wurde das Haus wieder für die Burschenschaft freigegeben. Im Geschäftsjahr 1960/61 übernahm Germania den Vorsitz der Deutschen Burschenschaft.

In den 1960er Jahren traten mehrere Germanen aus und gründeten eine Sieglitzhofer Germania, da sie mit der Behandlung des Bundes den Bundesbrüdern gegenüber, die sich am Südtirolkampf beteiligt hatten, unzufrieden waren. Trotz Unterstützung des Wirtes der Germanen-Exkneipe und der Deutschen Burschenschaft konnte diese Verbindung aber keinen dauerhaften Aktivenbetrieb unterhalten. Einige Sieglitzhofer Germanen schlossen sich später der Burschenschaft Teutonia Prag zu Erlangen an.Horst Baier: Hartwig Baier verstorben, in: Burschenschaftliche Blätter, 122. Jg. (2007), H. 3, S. 134.

Nachdem die Deutsche Burschenschaft 1971 das pflichtschlagende Prinzip zugunsten der Aufnahme österreichischer Burschenschaften aufgegeben hatte, trat die Germania aus dem Korporationsverband aus und gehört seitdem keinem Verband mehr an. Mit der 1990 gegründeten Burschenschaft Jenensia zu Jena ging sie ein Freundschaftsverhältnis ein.

Seit 2000 2012 wurde das an die Burschenschaft angegliederte Studentenwohnheim auf 56 Wohneinheiten erweitert.

2023 geriet die Germania in die überregionale Berichterstattung, nachdem auf ihrem Haus eine Pro-Patria-Suite gegen die Turnerschaft Munichia Bayreuth ausgefochten worden war. Zwei Mitglieder der Munichia mussten mit schweren Mensurverletzungen in das Universitätsklinikum Erlangen gebracht werden. Die Polizei nahm daraufhin Ermittlungen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung auf, Anklagen wurden jedoch nicht erhoben.

Bekannte Mitglieder Georg Michael Nahm (1803–1834), deutscher Revolutionär Christian von Frisch (1807–1881), Pädagoge, Gelehrter und Politiker Heinrich Heinkelmann (1807–1866), Bamberger Arzt und politischer Aktivist Georg Friedrich Koch (1808–1874), Botaniker und Arzt Nikolaus Titus (1808–1874), Bamberger Anwalt und Politiker, Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung Friedrich Alexander Keyl (1809–1878), Mitglied der Bayerischen Abgeordnetenkammer Georg Heinrich Vogt (1809–1889), Theologe und Abgeordneter des Bayerischen Landtags Gustav Richard Wagner (1809–1881), Jurist und Politiker (NLP), Mitglied des Deutschen Reichstags Conrad Ludwig Diehl (1810–1853), Revolutionär des Pfälzischen Aufstands 1849 Christian Wilhelm von Glück (1810–1866), Bibliothekar und Historiker Karl Hagen (1810–1868), Historiker und Politiker, Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung August Menzel (1810–1878), deutsch-Schweizer Zoologe und Bienenzüchter Gustav Rubner (1810–1882), Arzt und Politiker, Mitglied der Bayerischen Abgeordnetenkammer Friedrich August Crämer (1812–1891), deutsch-amerikanischer Missionar und Stadtgründer Friedrich Hermann Moré (1812–1880), deutscher Revolutionär und Bahnbeamter David Morgenstern (1814–1882), bayerischer Landtagsabgeordneter und Fabrikant Philipp Umbscheiden (1816–1870), Jurist und Politiker, Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung Eugen Schneider (1822–1880), Ehrenbursch, Verwaltungsjurist und Politiker, Bürgermeister von Bamberg, Mitglied der Kammer der Abgeordneten (Bayern) und des Zollparlaments Ferdinand Gottfried von Herder (1828–1896), Professor der Botanik Hermann Beckh (1832–1908), Jurist und Mitglied des Deutschen Reichstags Otto Muther (1832–1881), Coburger Landtagsabgeordneter Adam Wenglein (1833–1915), Bürgermeister von Lichtenfels, Mitglied der Bayerischen Kammer der Abgeordneten Heinrich August Papellier (1834–1894), Bürgermeister von Erlangen, Jurist und Mitglied des Deutschen Reichstags Hermann Roesler (1834–1894), Nationalökonom Sigmund Hieronymus Castner (1835–1919), Bürgermeister von Roth bei Nürnberg, Bezirksamtmann im Bezirksamt Neustadt an der Waldnaab Werner Schotte (1835–1910), Landrat in Beckum und Schleusingen Wilhelm Beckh (1836–1921), Mediziner und Schriftsteller Ernst Aub (1837–1900), Mediziner und Politiker (NLP), Mitglied der Bayerischen Abgeordnetenkammer, Ehrenbürger von Feuchtwangen Friedrich Beckh (1843–1927), Agrarier und konservativer Politiker Friedrich Knoke (1844–1928), Altphilologe, Heimatforscher, Direktor des Osnabrücker Ratsgymnasiums Friedrich Scharff (1845–1918), Jurist und Politiker, Bürgermeister von Erlangen Theodor Vaillant (1845–1913), Geheimer Justizrat Karl von Schwartz (1847–1923), lutherischer Theologe Christian Mehlis (1850–1933), pfälzischer Historiker Konrad Oebbeke (1853–1932), Mineraloge und Geologe, Professor an der Universität Erlangen und der TU München Alfred Stooß (1853–1927), Senator der Hansestadt Lübeck Ludwig Götting (1854–1920), Jurist und Mitglied des Deutschen Reichstags Gustav Hauser (1856–1935), Pathologe und Bakteriologe Nikolaus Müller (1857–1912), Theologe und Kirchenhistoriker Philipp Schubach (1858–nach 1924), Jurist und Bezirksamtmann Rudolph Beckh (1860–1919), Münchner Polizeipräsident Albert Döderlein (1860–1941), Gynäkologe Ernst Graser (1860–1929), Mediziner Karl Hammerschmidt (1862–1932), Politiker, Mitglied und Zweiter Vizepräsident der Bayerischen Abgeordnetenkammer Robert Knopf (1862–nach 1925), lutherischer Geistlicher und Publizist, Superintendent und Schulinspektor in Holzminden Heinrich Jolas (1866–1949), Verwaltungsjurist, bayrischer Staatskommissar für die Pfalz Gustav Rohmer (1868–1946), Regierungspräsident von Mittelfranken und Oberfranken Otto Beyer (1869–1929), Jurist und Politiker (DVP), Abgeordneter im Bayerischen Landtag Rudolf Kohler (1869–nach 1934), Regierungsdirektor Albert von Beckh (1870–1958), Generalmajor, SS-Gruppenführer Max Fritzsche († nach 1934), Rechtsanwalt, Notar und Bürgermeister von Windhuk in Deutsch-Südwestafrika Ernst Wüst (1875–1959), Klassischer Philologe Paul Mulzer (1880–1947), Dermatologe und Professor an der Universität Hamburg Friedrich Hauser (1883–1958), Physiker und Hochschullehrer