Das Kugelstoßen der Frauen bei den Olympischen Spielen 1972 in München wurde am 4. und 7. September 1972 im Olympiastadion München ausgetragen. Achtzehn Athletinnen nahmen teil.

Olympiasiegerin wurde Nadeschda Tschischowa aus der Sowjetunion, die mit 21,03 m einen neuen Weltrekord aufstellte. Die Silbermedaille gewann Margitta Gummel aus der DDR, Bronze ging an die Bulgarin Iwanka Christowa.

Neben der Silbermedaillengewinnerin starteten für die DDR außerdem Marianne Adam und Marita Lange. Beide erreichten das Finale. Adam wurde Fünfte, Lange Sechste. Athletinnen aus der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein nahmen nicht teil.

Rekorde Bestehende Rekorde Weltrekord20,63 mNadeschda Tschischowa ()Sotschi, Sowjetunion (heute Russland)19. Mai 1972Athletics - Progression of outdoor world records (Women), Shot put - Women, sport-record.de (englisch), abgerufen am 5. Oktober 2021Olympischer Rekord19,61 mMargitta Gummel ()Finale OS Mexiko-Stadt, Mexiko20. Oktober 1968 Rekordverbesserung Die sowjetische Olympiasiegerin Nadeschda Tschischowa verbesserte den bestehenden olympischen Rekord mit ihrem ersten Versuch im Finale am 7. September um 1,42 m auf 21,03 m. Damit steigerte sie gleichzeitig ihren eigenen Weltrekord um vierzig Zentimeter und übertraf als erste Frau die Marke von 21 Metern.

Durchführung des Wettbewerbs Die Athletinnen traten am 4. September zu einer Qualifikationsrunde an. Dreizehn von ihnen – hellblau unterlegt – übertrafen die direkte Finalqualifikationsweite von 16,20 m. Damit war die Mindestanzahl von zwölf Teilnehmerinnen für das Finale am 7. September erreicht.

Im Finale hatte jede Athletin zunächst drei Versuche. Den besten acht Teilnehmerinnen standen anschließend weitere drei Stöße zur Verfügung.

Zeitplan 4. September, 10:30 Uhr: Qualifikation 7. September, 16:30 Uhr: FinaleOffizieller Report 1972: Die Spiele, Band 3: Die Wettkämpfe (PDF; 28.754 KB) S. 43 (englisch, französisch, deutsch), abgerufen am 5. Oktober 2021

Legende Kurze Übersicht zur Bedeutung der Symbolik – so üblicherweise auch in sonstigen Veröffentlichungen verwendet: – verzichtet x ungültig

Qualifikation Datum: 4. September 1972, 10:30 UhrOffizieller Report 1972: Die Spiele, Band 3: Die Wettkämpfe (PDF; 28.754 KB) S. 72 (englisch, französisch, deutsch), abgerufen am 5. Oktober 2021 Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch Weite 1 Iwanka Christowa 19,20 m – – 19,20 m 2 Marianne Adam 19,11 m – – 19,11 m 3 Margitta Gummel 18,82 m – – 18,82 m 4 Helena Fibingerová 18,66 m – – 18,66 m 5 Nadeschda Tschischowa 18,54 m – – 18,54 m 6 Marita Lange 18,16 m – – 18,16 m 7 Antonina Iwanowa 17,87 m – – 17,87 m 8 Radostina Wasekowa 17,78 m – – 17,78 m 9 Elena Stojanowa 17,70 m – – 17,70 m 10 Ludwika Chewińska 17,40 m – – 17,40 m 11 Esfir Dolschenko 17,18 m – – 17,18 m 12 Valentina Cioltan 16,85 m 17,15 m 16,69 m 16,85 m 13 Judit Bognár 16,52 m – – 16,85 m 14 Maren Seidler 15,63 m 16,05 m 16,18 m 16,18 m 15 Baeg Ok-ja x 15,78 m x 15,78 m 16 Jan Svendsen 14,48 m x 14,96 m 14,96 m 17 Rosa Molina 14,59 m 14,61 m 14,41 m 14,61 m 18 Nnenna Njoku 10,63 m 10,40 m 9,06 m 10,63 m

Finale Datum: 7. September 1972, 16.30 Uhr Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch 4. Versuch 5. Versuch 6. Versuch Endresultat Anmerkung 1 Nadeschda Tschischowa 21,03 m WR 20,36 m 20,58 m 19,97 m x x 21,03 m WR 2 Margitta Gummel 18,46 m 18,83 m 19,55 m 20,22 m 19,53 m x 20,22 m 3 Iwanka Christowa 19,35 m x 19,22 m x 18,82 m 18,95 m 19,35 m 4 Esfir Dolschenko 18,43 m 19,24 m x 18,74 m x x 19,24 m 5 Marianne Adam 18,75 m x 18,58 m 18,94 m 18,91 m 18,71 m 18,94 m 6 Marita Lange x 18,46 m 18,29 m 18,85 m 18,38 m 18,71 m 18,85 m 7 Helena Fibingerová 18,62 m x x 18,59 m 18,81 m x 18,81 m 8 Elena Stojanowa 18,24 m 17,75 m 18,34 m x 17,55 m x 18,34 m 9 Antonina Iwanowa 18,28 m 17,99 m 17,98 m nicht im Finale derbesten acht Athletinnen 18,28 m 10 Ludwika Chewińska 17,71 m 18,24 m 17,73 m 18,24 m 11 Judit Bognár 17,93 m 17,97 m 18,23 m 18,23 m 12 Radostina Wasekowa 17,86 m 17,48 m 17,52 m 17,86 m 13 Valentina Cioltan 16,37 m 16,62 m x 16,62 m Die sowjetische Bronzemedaillengewinnerin von 1968, Nadeschda Tschischowa, galt als Topfavoritin für diesen Wettkampf. Sie hatte den Weltrekord auf deutlich über zwanzig Meter verbessert und war Im Vorjahr überlegene Europameisterin geworden. Die beiden DDR-Athletinnen Margitta Gummel, Olympiasiegerin von 1968 und EM-Dritte 1971, sowie Marita Lange, Silbermedaillengewinnerin von 1968 und Vizeeuropameisterin 1971, waren ihre größten Konkurrentinnen. Weitere Medaillenanwärterinnen waren die Bulgarin Iwanka Christowa, die sich in der Olympiasaison erheblich verbessert hatte, Marianne Adam aus der DDR sowie die beiden sowjetischen Athletinnen Antonina Iwanowa und Esfir Dolschenko.

Dreizehn Athletinnen hatten dieses Finale erreicht, alle kamen aus osteuropäischen Ländern. Die Wettbewerberinnen aus der Sowjetunion, der DDR und aus Bulgarinnen waren jeweils komplett mit all ihren angetretenen Teilnehmerinnen im Finale vertreten. Hinzu kamen jeweils eine Polin, eine Tschechoslowakin, eine Ungarin sowie eine Rumänin.

Tschischowa begann den Wettkampf gleich mit einem neuen Weltrekord. Als erste Frau überhaupt übertraf sie die 21-Meter-Marke. Hinter ihr lagen Iwanka Christowa und Marianne Adam. Im zweiten Versuch verbesserten sich Esfir Dolschenko auf Rang drei und Gummel auf Rang vier. Im dritten Durchgang setzte sich Gummel auf Rang zwei und verdrängte Christowa auf den dritten Platz. In Runde vier erbrachte Gummel schließlich ihre Bestleistung von 20,22 m. So waren die Medaillen verteilt: Olympiasiegerin wurde unangefochten Nadeschda Tschischowa, die auch mit ihrer zweit- und drittbesten Weite diesen Wettkampf gewonnen hätte. Margitta Gummel errang die Silbermedaille, Bronze ging an Iwanka Christowa.Athletics at the 1972 München: Women's shot put, archiviert bei wayback (Internet Archive), sports-reference.com (englisch), abgerufen am 5. Oktober 2021

Die Abstände auf den vorderen Platzierungen waren enorm. Nadeschda Tschischowa stieß als einzige Frau über 21 Meter, Margitta Gummel neben Tschischowa als einzige über 20 Meter. Iwanka Christowa lag weitere 87 Zentimeter zurück. Dahinter wurden die Abstände dann enger.

Iwanka Christowa gewann die erste bulgarische Medaille im Kugelstoßen der Frauen.

Literatur Werner Schneider / Sport-Informations-Dienst / Bertelsmann Sportredaktion, Die Olympischen Spiele 1972. München – Kiel – Sapporo, Bertelsmann-Verlag, München, Gütersloh, Wien 1972, ISBN 3-570-04559-5, S. 60f

Weblinks Offizieller Report 1972: Die Spiele, Band 3: Die Wettkämpfe (PDF; 28.754 KB) S. 72 (englisch, französisch, deutsch), abgerufen am 5. Oktober 2021 Munich 1972, Athletics shot put women Results, Seite des IOC (englisch), olympics.com, abgerufen am 5. Oktober 2021 Olympedia, Athletics at the 1972 Summer Olympics, Shot Put, Women, olympics.com (englisch), abgerufen am 5. Oktober 2021 Athletics at the 1972 München: Women's shot put, archiviert bei wayback (Internet Archive), sports-reference.com (englisch), abgerufen am 5. Oktober 2021

Einzelnachweise

Kategorie:Leichtathletikwettbewerb bei den Olympischen Sommerspielen 1972 Kategorie:Frauenleichtathletikwettbewerb