mini|Bezalel Smotrich, 2023 Bezalel Joel Smotrich (, []; * 27. Februar 1980 in Chispin, Golanhöhen) ist ein rechtsextremer, fundamental-religiöserhttps://www.spiegel.de/ausland/israel-minister-fuer-unterwerfung-bezalel-smotrich-als-chefideologe-der-regierung-a-c601f40c-3e89-48bf-9f51-4b3a116c61d3 israelischer Politiker und Jurist. Seit 2023 ist er Vorsitzender der rechts-religiösen Partei Mafdal – HaTzionut HaDatit („Nationalreligiöse Partei – Religiöser Zionismus“), bis 2023 bekannt als Tkuma („Wiedergeburt“).
Von Juni 2019 bis Mai 2020 war er Verkehrsminister im Kabinett Netanjahu IV. Seit 29. Dezember 2022 ist er im Kabinett Netanjahu VI Finanzminister und außerdem zuständig für den Siedlungsausbau im Westjordanland. Smotrich verneint die Existenz des palästinensischen Volkes und verfolgt aktiv das Ziel der Errichtung eines „biblischen Großisrael“.
Leben Smotrich wurde 1980 in dem religiösen jüdischen Moschaw Chispin auf den von Israel 1981 annektierten Golanhöhen als Sohn eines Rabbiners geboren, wuchs in der religiösenhttps://forward.com/israel/359902/inside-the-west-bank-settlement-that-trumps-envoy-david-friedman-loves-best/ israelischen Siedlung Bet El (deutsch: „Haus Gottes“) im Westjordanland auf und besuchte die prominente national-religiöse Jeschiwa Merkas HaRaw Kook in Jerusalem; er studierte an der national-religiösen Jeschiwa Jaschlaz und an der Jeschiwa Kedumim. Außerdem absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaften und wurde als Rechtsanwalt zugelassen. Er ist der Enkel eines Holocaust-Überlebenden.
mini|Smotrich mit seinem Vater und einem weiteren Rabbiner (2022)
Smotrich praktiziert eine fundamentalistische Form des orthodoxen Judentums, ist verheiratet und hat sieben Kinder. Er ist ein Siedler im israelisch besetzten Westjordanland und lebt in der völkerrechtswidrigen Siedlung Kedumim. Auch sein Wohnsitz wurde illegal außerhalb der Siedlungsgrenzen errichtet.Avi Lewis: Jewish Home faction Tekumah selects Knesset candidates, The Times of Israel, 12. Januar 2015.
Smotrich wurde 2015 als Mitglied der religiös-zionistischen Partei Tkuma („Wiedergeburt“) in die Knesset gewählt. Im Januar 2019 forderte er den bisherigen Parteivorsitzenden der Tkuma, Uri Ariel, heraus und gewann die Wahl mit 82 zu 40 Stimmen.Jacob Magid: Hardliner Smotrich wins race to lead influential Jewish Home sub-faction, The Times of Israel, 14. Januar 2019. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ernannte Smotrich im Juni 2019 zum Verkehrsminister Israels. Dieses Amt hatte er bis zum Antritt einer neuen Regierung im Juni 2020 inne.
mini|Bezalel Smotrich auf der Wahlfeier seiner religiös-zionistischen Partei, März 2021
Am 29. Dezember 2022 wurde Smotrich im Kabinett Netanjahu VI Finanzminister, außerdem Zuständiger für den Israelischen Siedlungsausbau im Westjordanland.Who’s who in Netanyahu’s government, JNS Jewish News Syndicate, 29. Dezember 2022. Im April 2025 trat er im Hinblick auf die erwarteten Zollerhöhungen von Seiten der USA für eine Aufhebung jeglicher Zölle auf alle Produkte der USA ein.
Im Juni 2025 verhängten Großbritannien, Australien, Kanada, Neuseeland und Norwegen Sanktionen gegen Smotrich sowie seinen Ministerkollegen Itamar Ben-Gvir. Die Sanktionen gegen die beiden Minister sahen ein Einreiseverbot sowie das Einfrieren von Vermögenswerten vor. Begründet wurde dieser Schritt damit, dass die beiden „zu extremistischer Gewalt und schwerwiegenden Verstößen gegen die palästinensischen Menschenrechte“ aufgerufen hätten. Im Juli 2025 verhängten auch Slowenien und die Niederlande Einreiseverbote; im September 2025 folgte Spanien und im Juni 2026 Irland.
Im Oktober 2025 stimmten Smotrich und seine Partei gegen das von Donald Trump vorgeschlagene Gaza-Abkommen.
Politische Ansichten und Kontroversen Bezalel Smotrich setzt sich für die Ausweitung der israelischen Siedlungen im palästinensischen Westjordanland und auf den Golanhöhen, für eine weitere Stärkung der jüdisch-religiösen Identität Israels sowie für konservativ-religiöse Werte und Positionen ein.
Im März 2023 erteilten die USA Smotrich ein Einreisevisum. Über hundert jüdische Persönlichkeiten – darunter Peter Alter, Lawrence Bender, Lester Crown, Dan Glickman, Steve Grossman, Mel Levine, Richard Ravitch und Barry Schwartz – protestierten schriftlich gegen seine Reise und bezeichneten ihn als „rassistisch“ und „homophob“. Mehrere jüdische Organisationen – so die Union of Reform Judaism, die United Synagogue of Conservative Judaism und Americans for Peace Now – kündigten an, Smotrich meiden zu wollen.Chris McGreal: Biden administration grants US visa to extremist Israeli minister, The Guardian, 10. März 2023Statement from American Jewish Leaders: Smotrich Should Not Be Given a Platform in Our Community, Israel Policy Forum, 3. März 2023American Jewish Organizations and Allies Call to Shun Bezalel Smotrich Progressive Israel Network.
Palästina-Konflikt und antipalästinensischer Rassismus Für Smotrich gibt es kein palästinensisches Volk, und daher keinen Grund, einen palästinensischen Staat zu errichten. So sagte er 2003 in Frankreich: „Ich würde Sie gern fragen, welche Sprache die Palästinenser sprechen? Gab es irgendwann [...] eine palästinensische Münze? Gibt es eine palästinensische Geschichte oder [...] Kultur? Es gibt keine. So etwas wie ein palästinensisches Volk gibt es nicht.“ Rafael Seligmann widersprach in der Jüdischen Allgemeinen: „Ein Volk ist ein Volk, wenn es sich als solches empfindet. Die Araber Palästinas kämpfen seit einem Jahrhundert für ihre Unabhängigkeit gegen Juden und Israelis. Dieser Kampf hat bei ihnen ein Nationalbewusstsein entstehen lassen.“
Im Mai 2017 stellte Smotrich, als stellvertretender Vorsitzender der Knesset, im Namen der Ha-Ihud Hale'umi-Partei innerhalb der HaBajit-haJehudi-Partei („Jüdisches Heim“), einen „Entscheidungsplan“ vor: Ziel sei es, „jegliche nationale Hoffnung der Palästinenser auszulöschen“. Danach hätten diese drei Möglichkeiten: das Land zu verlassen; mit dem Status von „Ausländern“ () in Israel zu leben oder Widerstand zu leisten – „Dann wird die israelische Armee schon wissen, was zu tun ist“. Als Quelle seiner Bemerkungen führte Smotrich das biblische Buch Josua an. Amira Hass interpretierte den Plan in der Tageszeitung Haaretz so, dass er die Palästinenser vor die Wahl zwischen „Transfer“ (ethnischer Säuberung), Apartheid oder Völkermord stelle.Tomer Persico: , Haaretz 16. Mai 2016;Amira Hass: , Haaretz, 17. Mai 2017
Im Januar 2018 sagte Smotrich im Armee-Radiosender über die Palästinenser: „Das ist das Problem, wenn man es mit Mücken zu tun hat: Wenn man Mücken erschlägt, erwischt man vielleicht 99 [...], aber die hundertste [...], die du nicht getötet hast, tötet dich. Die echte Lösung ist es, den Sumpf trockenzulegen.“Dahlia Scheindlin: For Years, Israel’s Leaders Have Cultivated Ethnic Hatred. This Is on Them, Newsweek, 13. Mai 2021.
Im April 2018 erklärte Smotrich auf Twitter, die 17-jährige Palästinenserin Ahed Tamimi – wegen eines Angriffs auf zwei israelische Soldaten zu acht Monaten Haft verurteilt – habe „eine Kugel verdient, mindestens in die Kniescheibe“. Twitter sperrte ihn darauf für zwölf Stunden.Michael Bachner: MK back on Twitter after saying Palestinian teen deserved to be shot, The Times of Israel, 24. April 2018, abgerufen am 23. Oktober 2018.
Smotrich sprach sich bei einer Wirtschaftskonferenz nach einem palästinensischen Attentat und Ausschreitungen israelischer Siedler dafür aus, die Kleinstadt Huwara im Westjordanland „auszuradieren“; dort lebten rund 7400 Palästinenser. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, befand: „Diese Bemerkungen waren unverantwortlich. Sie waren abscheulich, sie waren ekelhaft.“
Im Jahr 2016 löste Smotrich eine Kontroverse in Israel aus, als er sich für die Trennung von jüdischen und arabischen Müttern in Entbindungsstationen aussprach. Er schrieb auf Twitter: „Es ist nur natürlich, dass meine Frau nicht neben jemandem liegen will, der gerade ein Baby zur Welt gebracht hat, das ihr Baby in 20 Jahren ermorden könnte.“ Außerdem verkündete er: „Meine Frau ist wirklich nicht rassistisch, aber sie möchte sich, nachdem sie entbunden hat, ausruhen, und nicht Party feiern, wie das bei arabischen Müttern nach der Geburt üblich ist.“ Knesset-Abgeordnete verschiedener Parteien kritisierten Smotrichs Position. Auch Naftali Bennett, Vorsitzender der national-religiösen Partei „Jüdisches Heim“, widersprach seinem Parteikollegen, indem er aus der Hebräischen Bibel zitierte: „Geliebt wird der Mensch, denn er wurde nach dem Ebenbild Gottes geschaffen.“ Bennett fügte hinzu: „Jude oder Araber.“
Im April 2021 schrieb Smotrich auf Twitter, gerichtet an den Knesset-Abgeordneten Ahmad Tibi: „Ein echter Muslim muss wissen, dass das Land Israel dem Volk Israel gehört, und mit der Zeit werden Araber wie Sie, die das nicht erkennen, nicht hier bleiben … dafür werden wir sorgen.“Netanyahu’s Far-right Ally: Israel Belongs to the Jews. Arabs Who Don’t Recognize That Won’t Stay Here, Haaretz, 7. April 2021; Anshel Pfeffer: They’re Israel’s Far Right, Pro-ethnic Cleansing Nationalists. But Don’t Call Them ‘Nazis’, Haaretz, 8. April 2021
Im November 2022 hielt Smotrich einen Vortrag bei einer Konferenz in der Knesset unter dem Titel „Menschenrechtsorganisationen, die von der Hamas betrieben werden“. Die Veranstaltung wurde von der rechtsextremen Aktivistengruppe Ad Kan () organisiert. In seiner Rede bezeichnete Smotrich Menschenrechtsorganisationen als eine „existenzbedrohende Gefahr“ für Israel; die Regierung müsse ihre Gelder beschlagnahmen und mit Sicherheits- und juristischen Maßnahmen gegen sie vorgehen. Genannt wurden unter anderem die Organisationen New Israel Fund, Schovrim Schtika und Schalom Achschaw.Noa Shpigel: Israel Must Deal With Human Rights Orgs as an Existential Threat, Netanyahu Ally Says, Haaretz, 21. November 2022
Im Jahr 2024 drohte Smotrich, jegliche staatliche Unterstützung für das israelische Tanz-Ensemble Batsheva einzustellen, nachdem dieses die palästinensische Fahne neben Dutzenden anderen auf der Bühne gezeigt hatte.Talia Banon Tsur: Israeli Minister Threatens to Stop Funding of Famed Dance Troupe Over Use of Palestinian Flag in Performance. In: Haaretz, 19. Dezember 2024.
Im August 2025 stellte Smotrich offiziell das Großsiedlungsprojekt E(ast) 1 bei Ostjerusalem vor und erklärte: „So begräbt man einen palästinensischen Staat.“ Das Gebiet stellte bisher die letzte Verbindung zum Westjordanland dar. UNO und EU lehnten die Pläne als „völkerrechtswidrig“ ab. Im September präsentierte Smotrich seinen Wunschplan, 82 % des Westjordanlandes zu annektieren, womit er die „Bildung eines palästinensischen Kollektivs“ verhindern wolle.
Aussagen im Israel-Gaza-Krieg ab 2023