Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der türkischen Fußballnationalmannschaft bei Europameisterschaften. Die türkische Mannschaft konnte sich erstmals für die EM-Endrunde 1996 qualifizieren, als diese erstmals mit 16 Mannschaften ausgetragen wurde. Danach gelangen fünf weitere Qualifikationen, dabei einmal ein Halbfinaleinzug. In der ewigen Bestenliste liegt die Türkei auf dem 15. Platz.

Übersicht

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten1960 Frankreich nicht teilgenommen 1964 Spanien nicht qualifiziert In der Vorrunde an Italien gescheitert, das sich auch nicht für die Endrunde qualifizieren konnte.1968 Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Titelverteidiger Spanien gescheitert, der sich auch nicht für die Endrunde qualifizieren konnte.1972 Belgien nicht qualifiziert In der Qualifikation am späteren Europameister Deutschland gescheitert1976 Jugoslawien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Vizeeuropameister UdSSR gescheitert, der sich aber auch nicht qualifizieren konnte.1980 Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation am späteren Europameister Deutschland gescheitert.1984 Frankreich nicht qualifiziert In der Qualifikation erneut an Titelverteidiger Deutschland gescheitert.1988 Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation an England gescheitert.1992 Schweden nicht qualifiziert In der Qualifikation wieder an England gescheitert.1996England VorrundeKroatien, Portugal, Dänemark 16. Fatih Terim Als Gruppenletzter ausgeschieden2000Niederlande und Belgien ViertelfinalePortugal 6. Mustafa Denizli 2004Portugal nicht qualifiziert In den Playoffs der Gruppenzweiten an Lettland gescheitert.2008Österreich und Schweiz HalbfinaleDeutschland 3. Fatih Terim Mit 2:3 am späteren Finalisten Deutschland gescheitert.2012Polen und Ukraine nicht qualifiziert In den Playoffs der Gruppenzweiten an Kroatien gescheitert.2016Frankreich Vorrunde Kroatien, Spanien, Tschechien17. Fatih Terim Nach zwei Niederlagen und einem Sieg als zweitschlechtester Gruppendritter die K.-o.-Runde verpasst2021Europa Vorrunde Italien, Schweiz, Wales 24. Şenol Güneş Die Türkei hatte sich zunächst als Gesamtausrichter und dann nach der Entscheidung die Spiele in mehreren Ländern auszurichten mit dem Atatürk-Olympiastadion in Istanbul für die Ausrichtung von Spielen beworben, dann aber zurückgezogen.2024Deutschland ViertelfinaleNiederlande 7. Als Gruppensieger vor Kroatien, Wales, Armenien und Lettland qualifiziert. Gruppengegner in Deutschland waren Portugal, Tschechien und Georgien, das sich im Februar 2024 noch über Play-off-Pfad C qualifizieren konnte. Im Achtelfinale gelang ein 2:1-Sieg gegen Österreich.

Endrunden mit vier Teilnehmern EM 1960 An der ersten Fußball-Europameisterschaft 1960, die noch als „Europapokal der Nationen“ ausgetragen wurde, nahm die Türkei nicht teil.

EM 1964 Vier Jahre später wollten dann mehr Mannschaften als 1960 teilnehmen, darunter auch die Türkei. Daher wurde dem Achtelfinale eine Vorrunde vorgeschaltet. Die Türkei musste gegen Italien antreten und verlor in Italien zunächst mit 0:6, woraufhin Trainer Ljubiša Spajić kurz darauf entlassen wurde. Für das Rückspiel betreute dann Bülent Eken neben seiner Tätigkeit als Vereinstrainer von Beyoğluspor auch die Nationalmannschaft. Diese verlor aber das Heimspiel mit 0:1 und schied aus. Italien scheiterte dann im Achtelfinale an Titelverteidiger Sowjetunion.

EM 1968 Für die Fußball-Europameisterschaft 1968 wurden in der Qualifikation erstmals Gruppenspiele angesetzt. Die nun von Adnan Süvari trainierte Türkei musste gegen Europameister Spanien, die Tschechoslowakei und Irland antreten. Im ersten Gruppenspiel in Irland gelang Ogün Altıparmak zwar das erste EM-Qualifikationstor für die Türken, das Spiel wurde aber mit 1:2 verloren. Gegen den Titelverteidiger gelang dann im heimischen Istanbul mit einem torlosen Remis der erste Achtungserfolg und danach wurde auch das Rückspiel gegen die Iren mit 2:1 gewonnen. In den folgenden drei Spielen blieb die Mannschaft aber ohne Torerfolg und landete damit auf dem letzten Platz der Gruppe. Mit dem 0:0 gegen die Tschechoslowakei verhalfen sie aber Spanien zum Gruppensieg. Spanien scheiterte dann aber im Viertelfinale an Weltmeister England. Süvari blieb zunächst im Amt, nach zwei verlorenen Spielen in der Qualifikation für die WM 1970 endete aber seine Tätigkeit als Nationaltrainer.

EM 1972 Für die EM-Endrunde 1972 konnte sich die Türkei auch nicht qualifizieren. In einer Gruppe mit Deutschland, Polen und Albanien konnten sie zwar mit einem 1:1 in Deutschland und einem 2:1 gegen Albanien starten, verloren dann aber das Heimspiel gegen Deutschland mit 0:3, in Polen mit 1:5 und in Albanien mit 0:3. Da konnte der 1:0-Sieg gegen Polen im letzten Spiel auch nicht mehr viel bewirken, außer dass Albanien noch auf den letzten Platz verwiesen wurde. Gruppensieger Deutschland erreichte dann auch die Endrunde und wurde dort erstmals Europameister. Mit dem vorletzten Qualifikationsspiel endete die letzte Amtszeit von Cihat Arman, der nach der verpassten Qualifikation für die WM 1970 das Amt zum vierten Mal übernommen hatte. Ihn beerbte für das letzte Spiel der Rumäne Nicolae Petrescu, ehe Coşkun Özarı erstmals das Amt übernahm.

EM 1976 1976 wurde die Endrunde letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen. Die Türken trafen in der Gruppenphase der Qualifikation auf Vizeeuropameister Sowjetunion, Irland und die Schweiz. Die Türkei konnte je zwei Spiele gewinnen, zweimal remis spielen und verlor zweimal. Dies reichte wieder nur zum dritten Platz. Gruppensieger UdSSR scheiterte dann im Viertelfinale an dem späteren Europameister Tschechoslowakei.

Endrunden mit acht Teilnehmern EM 1980 In der Qualifikation für die Europameisterschaft in Italien, die erstmals mit acht Mannschaften ausgetragen wurde, trafen die Türken auf Deutschland, Wales und Malta. Die mit Beginn der Qualifikation von Sabri Kiraz trainierten Türken begannen zwar mit einer Niederlage in Wales, erreichten nach einem Sieg gegen Malta aber ein 0:0 gegen Deutschland und hatten nach zwei weiteren Siegen noch die Chance, sich mit einem Sieg in Deutschland für die EM zu qualifizieren. Deutschland gewann aber mit 2:0, wurde damit Gruppensieger und konnte bei der Endrunde zum zweiten Mal den Titel gewinnen. Kiraz blieb zunächst im Amt, mit einer 0:4-Niederlage gegen Wales in der Qualifikation für die WM 1982 endete aber seine Amtszeit.

EM 1984 In der Qualifikation vier Jahre später traf die Türkei wieder Titelverteidiger und Vizeweltmeister Deutschland, Nordirland, Österreich und Albanien. Die Türkei wurde nun wieder von Coşkun Özarı trainiert und konnte nur die Heimspiele gegen Albanien, Nordirland und Österreich gewinnen, verhalf damit aber indirekt der deutschen Mannschaft zur Qualifikation für die Endrunde, bei der die Deutschen aber bereits in der Vorrunde ausschieden. Mit den meisten Gegentoren wurden die Türken nur Gruppenvorletzter. Özarı blieb zunächst bis zu einer 0:6-Niederlage gegen Ungarn im April 1984 im Amt.

EM 1988 Gegner in der Qualifikation für die EM 1988 waren England, Jugoslawien und wieder Nordirland. Die Türkei konnte diesmal kein Spiel gewinnen und wurde Gruppenletzter. Die einzigen Punkte wurden mit torlosen Remis gegen Nordirland und England erreicht, das damit den einzigen Punktverlust erlitt. England fuhr damit als Gruppensieger zur EM, schied aber in der Vorrunde aus. Mit der verpassten Qualifikation endete die Tätigkeit von Mustafa Denizli als Nationaltrainer, der das Amt nach den ersten beiden Spielen zusätzlich zu seinem Trainerjob bei Galatasaray Istanbul von dem zwischenzeitlich als Nationaltrainer zurückgekehrten Coşkun Özarı übernommen hatte.

EM 1992 In der Qualifikation für die EM 1992 traf die Türkei erneut auf England, Irland und Polen. Die vom Deutschen Sepp Piontek trainierten Türken verloren alle sechs Spiele und schied sang- und klanglos aus. Piontek blieb zunächst im Amt, da aber die Qualifikation für die WM 1994 ähnlich schlecht lief, beendete er seine Tätigkeit und empfahl Fatih Terim als Nachfolger, der zuvor die U-21-Mannschaft trainiert hatte.

Endrunden mit 16 Teilnehmern EM 1996 mini|Aserbaidschanische Briefmarke zum ersten EM-Spiel der Türken und Kroaten

1996 wurde die EM erstmals mit 16 Mannschaften ausgetragen, wodurch die sportliche Qualifikation nun einerseits leichter erschien, da das Teilnehmerfeld verdoppelt worden war, andererseits gab es nach den Umbrüchen im Ostblock aber mehr Bewerber. Dennoch nutzte die Türkei die Gunst der Stunde und qualifizierte sich erstmals für die Endrunde.

In einer Gruppe mit der Schweiz, Schweden, Ungarn und Island wurde hinter der Schweiz der zweite Platz belegt und überraschend der WM-Dritte Schweden auf Platz 3 verwiesen. Dabei wurde nur das Heimspiel gegen die Schweiz verloren, allerdings das Rückspiel in der Schweiz gewonnen. Als drittbester Gruppenzweiter waren die Türken damit direkt für die Endrunde in England qualifiziert.

Gegner bei der Endrunde waren Kroatien, das auch erstmals dabei war, Portugal und Titelverteidiger Dänemark. In ihrem ersten EM-Spiel gegen die Kroaten hielten die Türken lange das 0:0, mussten dann aber vier Minuten vor dem Spielende noch das 0:1 hinnehmen. Dabei verzichtete Alpay Özalan als letzter Mann in der Abwehr darauf, den Torschützen Goran Vlaović durch eine Notbremse zu stoppen, weshalb er mit einem Fair-Play-Preis der UEFA ausgezeichnet wurde, in den türkischen Medien aber herber Kritik ausgesetzt war. Gegen Portugal hielt das 0:0 nicht so lange, bereits in der 66. Minute fiel das 0:1. Damit stand das Aus für die Türken bereits vor dem letzten Spiel fest, das dann mit 0:3 gegen die Dänen verloren wurde, denen dieser Erfolg aber auch nicht weiterhalf. Terim trat daraufhin als Nationaltrainer zurück und wurde Trainer von Galatasaray Istanbul. Sein Nachfolger wurde sein Vor-vorgänger Mustafa Denizli.

EM 2000 mini|Startaufstellungen beim ersten Sieg der Türkei in einem EM-Spiel

In der Qualifikation für die EM 2000 war wieder einmal Titelverteidiger Deutschland der Gegner. Weitere Gruppengegner waren Finnland, Nordirland und Moldawien. Die Türken begannen als einzige Mannschaft mit vier Heimspielen und konnten davon die ersten beiden gewinnen: 3:0 gegen Nordirland und 1:0 gegen Deutschland, womit erstmals ein Pflichtspiel gegen Deutschland gewonnen wurde. Danach folgte aber eine 1:3-Heimpleite gegen Finnland. Die nächsten drei Spiele wurden aber gewonnen, wobei mit einem 4:2 in Finnland die Revanche für die Heimniederlage gelang. Durch zwei Remis in den beiden letzten Spielen (1:1 in Moldawien und 0:0 in Deutschland) wurde aber die direkte Qualifikation verpasst, die sich die deutsche Mannschaft durch das 0:0 sicherte. Die Türken mussten damit als drittbester Gruppenzweiter in die Relegation und trafen auf Irland. Nach einem 1:1 in Dublin reichte ihnen ein 0:0 im Rückspiel, um sich aufgrund der Auswärtstorregel für die Endrunde zu qualifizieren.