Belgien, dessen NOK, das Belgische Olympische und Interföderale Komitee, 1906 gegründet und vom IOC anerkannt wurde, nimmt seit 1900 an Olympischen Sommerspielen teil. Seit 1924 werden auch Sportler zu Winterspielen entsandt. Jugendliche Sportler nahmen an allen bislang ausgetragenen Olympischen Jugendspielen im Sommer und im Winter teil. Belgien war einmal Ausrichter von Olympischen Sommerspielen, als sie 1920 in Antwerpen stattfanden.
Allgemeines mini|Einmarsch der belgischen Mannschaft 1912 Belgien gehört zu den Nationen, die bei allen Sommerspielen, mit Ausnahme von 1932, mindestens eine Medaille gewannen.
Der Florettfechter Antoine Smet war am 14. Mai 1900 der erste belgische Olympionike. Am 8. Juli 1912 nahm mit der Schwimmerin Claire Guttenstein die erste Frau des Königreiches bei Olympischen Spielen teil. 1920 in Antwerpen gehörten Eiskunstlauf und Eishockey ebenfalls zu den olympischen Sportarten. Die belgische Eishockey-Nationalmannschaft spielte am 23. April 1920 gegen Schweden (0:8), damit waren die Teammitglieder die ersten belgischen Wintersportler bei Olympischen Spielen. Die erste Wintersportlerin war am 25. April 1920 die Eiskunstläuferin Gérardine Herbos, die am 31. Januar 1924 auch die erste belgische Frau bei Winterspielen war. Die ersten belgischen Männer bei Winterspielen waren am 26. Januar 1924 die Eisschnellläufer Louis de Ridder, Gaston van Hazebroeck, Philippe Van Volckxsom und Marcel Moens.
Der erfolgreichste Athlet ist mit zehn Medaillen der Bogenschütze Hubert Van Innis. Er trat 1900 und 1920 an und wurde sechs Mal Olympiasieger, hinzu kamen vier Silbermedaillen. Er ist auch Belgiens erster Medaillengewinner und Olympiasieger. Die Schwimmerin Ingrid Lempereur schaffte 1984 den ersten Medaillengewinn einer Frau Belgiens. Die erste Olympiasiegerin Belgiens war 1996 die Judoka Ulla Werbrouck.
Das Bogenschießen ist Belgiens erfolgreichste Sportart mit insgesamt 20 Medaillen. Nur im Radsport wurden mehr Medaillen gewonnen. Bei 26 Medaillen gab es sieben Olympiasiege. Erfolgreichste Wintersportart mit zwei Medaillen, davon ein Olympiasieg, ist das Eiskunstlaufen.
Belgiens erste Olympiamannschaft 1900 umfasste 64 Mitglieder. Die größte Mannschaft ging bei den heimischen Sommerspielen 1920 an den Start, hier traten 336 Sportler an. Bis 1960 wurden mit Ausnahme von 1956 ständig über 100 Athleten geschickt. Danach erreichte man nur noch 1976, 2012 und 2016 eine dreistellige Teilnehmerzahl. Die größte Olympiamannschaft bei Winterspielen ging 1936 in Garmisch-Partenkirchen an den Start. 27 belgische Wintersportler traten an.
Die heimischen Sommerspiele waren die erfolgreichsten Spiele für belgische Sportler überhaupt. Insgesamt gewannen sie in Antwerpen 36 Medaillen, davon 14 Gold-, elf Silber- und elf Bronzemedaillen. Die erfolgreichsten Winterspiele waren die Spiele von 1948 in St. Moritz. Hier gelang der einzige Olympiasieg bei Winterspielen.
Belgien hat zwei stimmberechtigte IOC-Mitglieder. 2012 wurde der Sportfunktionär Pierre-Olivier Beckers-Vieujant zum IOC-Mitglied gewählt. Der Präsident des belgischen NOKs ist Mitglied der Kommissionen für Finanzen und Ethik. Außerdem ist er Vorsitzender der Rechnungskommission. 2017 wurde der Präsident der Fédération Équestre Internationale, Ingmar De Vos, zum IOC-Mitglied gewählt.
Der Chirurg Jacques Rogge, selber dreifacher Olympiateilnehmer im Segeln, war von 2001 bis 2013 IOC-Präsident. Er war der Nachfolger des Spaniers Juan Antonio Samaranch und wurde von dem Deutschen Thomas Bach abgelöst. Bis zu seinem Tod 2021 war er Ehrenpräsident auf Lebenszeit.
Bewerbungen und Ausrichtungen der Olympischen Spiele Bewerbungen mini|Das Plakat der Olympischen Spiele 1920 in Antwerpen mini|Victor Boin spricht den olympischen Eid Für die Ausrichtung Olympischer Spiele reichten die Städte Brüssel und Antwerpen Bewerbungen ein. Die erste Bewerbung wurde von Brüssel für die Ausrichtung der 6. Olympischen Spiele ein, die 1916 stattfinden sollten. Brüssel verlor gegen Berlin, die Spiele wurden jedoch wegen des Ersten Weltkrieges nicht durchgeführt.
Für die Ausrichtung der 7. Olympischen Spiele 1920 bewarb sich Antwerpen. Auf der 17. IOC-Session in Lausanne wurde Antwerpen der Zuschlag gegeben. Als Favorit galt die ungarische Hauptstadt Budapest, doch IOC-Präsident Pierre de Coubertin wünschte sich mit Belgien ein Gastgeberland, das besonders schwer unter den Kriegshandlungen des Ersten Weltkrieges gelitten hatte.
Brüssel bewarb sich um die Ausrichtung der 17. Olympischen Spiele 1960, verlor aber mit nur sechs Stimmen im ersten Wahlgang. Auch die Bewerbung um die Ausrichtung der 18. Olympischen Spiele 1964 scheiterte schon im ersten Wahlgang, den Tokio mit absoluter Mehrheit gegenüber Detroit, Wien und Brüssel gewann.
Ausrichtung Vom 20. April bis zum 12. September 1920 fanden die Olympischen Spiele in Antwerpen statt. 2626 Athleten, davon 65 Frauen, aus 29 Ländern nahmen teil. Eröffnet wurden die Spiele von König Albert I. Als Auslöser des Ersten Weltkrieges wurden Deutschland, Österreich, Bulgarien, Ungarn und die Türkei nicht eingeladen. Auch die Sowjetunion wurde nicht eingeladen, hier auf Grund des politischen Embargos. In Antwerpen wurde erstmals der olympische Eid gesprochen (durch den Schwimmer Victor Boin) und die olympische Flagge gehisst. Erstmals bei Olympischen Spielen wurde ein Eishockeyturnier durchgeführt. Das Gastgeberland Belgien belegte im Medaillenspiegel Platz 5.
Übersicht der Teilnahmen
Sommerspiele
JahrAthletenSportartenMedaillenRang∑20x20px20x20px20x20px40x40px|Medaillen – Gesamt1896nicht teilgenommen190067670451111391121106661841904nicht teilgenommen1908Die Wasserballspieler Victor Boin, Fernand Feyaerts, Oscar Grégoire und Herman Meyboom nahmen auch an Schwimmwettbewerben teil.70700186641010732711528101912Die Wasserballspieler Félicien Courbet, Oscar Grégoire und Herman Meyboom nahmen auch an Schwimmwettbewerben teil. Victor Boin trat auch im Fechten an.353411121416592136131920Mehrere Athleten traten in zwei Sportarten an: René Bauwens und Gérard Blitz im Schwimmen und Wasserball, Fernand de Montigny im Fechten und Hockey, Maurice Van Den Bemden im Tennis und Hockey, René Smet im Boxen und Rudern.3323321014137222147144241518122024121481648831411113651924Die Wasserballspieler Gérard Blitz und Joseph De Combe traten auch im Schwimmen an.1691645171019118491117161468811237313101928Die Wasserballspieler Gérard Blitz und Pierre Coppieters traten auch im Schwimmen an. Der Leichtathlet Émile Vercken spielte auch in der Hockeymannschaft.1711591262114818323891321461012329193276171936119114588201491338311733922291948148129191481831391831294361288223715195213513051251421342111191241043102241419565753416112267337261222819601019384152174121132553335722426196461601211621010321211102132019688277532153151521363212112361972888263111748151442564422291976101752621411521125742751032336281980594316233161912337112319846347165425158316661111242119885935243242136118682212244199268432511192778194751221123441996614120173129611544332222631200068363211291913641943221235552004503119133999314131211235120089477172191163217113373212220023720121116942213254141610111235122123602016104703421113165123145111043346222635202012369541161231844291482124114443137292024167848321231133843392193481132453161025Gesamt475665168
Winterspiele JahrAthletenSportartenMedaillenRang∑20x20px20x20px20x20px40x40px|Medaillen – Gesamt1924Die Eishockeyspieler Victor Verschueren und Paul Van den Broeck nahmen auch im Bobsport an. Die Spieler Louis De Ridder und Philippe Van Volckxsom traten auch im Eisschnelllauf an.18171510341110192825241101321181932541411936Der Eishockeyspieler Louis De Ridder trat auch im Bobsport an.2724381042419481110153121129195299043219564402111960nicht teilgenommen19648716111968nicht teilgenommen1972110119764312219802202198442213198810111992541519945234119981101112220026601142006440112201084422132014734212112018221392423214131125202219118521321311112212026001129Gesamt2259 Zwischenspiele JahrAthletenSportartenMedaillenRang∑20x20px20x20px20x20px40x40px|Medaillen – Gesamt1906171705133331213612Gesamt213612 Jugend-Sommerspiele JahrAthletenFlaggenträgerMedaillenGesamtmw20px20px20pxGesamtRang 2010 52 26 26 An-Sophie Mestach 2 1 2 5 27 2014 33 14 19 2 4 6 57
Jugend-Winterspiele JahrAthletenFlaggenträgerMedaillenGesamtmw20px20px20pxGesamtRang 2012 7 4 3 Sebbe De Buck 1 1 24 2016 9 6 3 1 1 24
Übersicht der Sportarten
Sommerspiele Badminton links|25px|klasse=skin-invert-image
Badminton wurde 1992 olympische Sportart. Beim Olympiadebüt der Sportart nahm auch ein belgischer Spieler teil. Belgische Badmintonspieler blieben bei den Turnieren erfolglos.
Basketball links|25px|klasse=skin-invert-image
1936 nahm erstmals eine belgische Basketballmannschaft an einem olympischen Turnier teil. In Berlin war Basketball erstmals olympische Sportart. Die Belgier verloren schon in der ersten Runde gegen Mexiko mit 9:32. Auch in der Trostrunde gegen Uruguay gab es eine Niederlage (10:17). Damit schied Belgien aus.
Beim Turnier 1948 gelangen die ersten Siege einer belgischen Mannschaft. Der erste Sieg war ein 98:20 über den Irak. Mit drei weiteren Mannschaften gelangen Belgien jeweils drei Siege. Durch die schlechtere Punktdifferenz lag Belgien jedoch nur auf Platz 3. Damit war man für die Platzierungsrunde um die Plätze 9 bis 16 qualifiziert. Das erste Spiel gegen Ungarn ging kampflos an Belgien, da die Ungarn nicht antraten. Das nächste Spiel gegen Kanada ging verloren, das Spiel um Platz 11 gegen die Philippinen wurde mit 38:34 gewonnen.
1952 verlor Belgien in der Qualifikationsrunde zwei Spiele gegen Kuba und Bulgarien. Der 59:49-Sieg über die Schweiz reichte nicht aus, um sich für die nächste Runde zu qualifizieren. Es war die bis heute letzte Teilnahme einer belgischen Mannschaft beim olympischen Basketball.
Beach-Volleyball links|25px|klasse=skin-invert-image
Beach-Volleyball wurde 1996 in Atlanta erstmals ausgetragen. Ein belgisches Duo war erst 2008 in Peking erstmals vertreten. Liesbet Van Breedam und Liesbeth Mouha erreichten nach einem 2:0-Sieg über das Schweizer Duo Simone Kuhn und Lea Schwer das Play-off der Drittplatzierten. Mit einem Sieg über Georgien qualifizierten sich die beiden Belgierinnen für das Achtelfinale und schieden dort mit 0:2 gegen das US-Duo Kerri Walsh und Misty May-Treanor aus. Dies war die bislang einzige Teilnahme Belgiens am Beach-Volleyball.
Bogenschießen links|25px|klasse=skin-invert-image
mini|Hubert Van Innis, mit sechs Olympiasiegen der erfolgreichste Belgier bei Olympischen Spielen Das Bogenschießen war von 1900 bis 1908, dann wieder 1920 und erst seit 1972 olympische Sportart. In den Anfangsjahren dominierte Belgien den Bogensport. In Paris wurden mehrere heute nicht mehr ausgetragene Disziplinen wie Scheibenschießen durchgeführt. Hubert Van Innis konnte bei seinen Teilnahmen 1900 und 1920 insgesamt zehn Medaillen, darunter sechs goldene, gewinnen.
In Paris 1900 gewann er die Disziplinen Au cordon doré über 33 Meter (Scheibenschießen auf ein Ziel an einer goldenen Kordel) und Au chapelet über 33 Meter (Scheibenschießen auf ein Kreuz). In der Disziplin Au cordon doré über 50 Meter wurde er Zweiter. Im Mastschießen auf einen Metallvogel (sur la perche à la herse) wurde Emmanuel Foulon Olympiasieger vor seinem Landsmann Émile Druart. Im Mastschießen auf eine Pyramide (sur la perche à la pyramide) wurde Louis Glineur Dritter.