mini|Alte Fotografie des Schwefelbades. mini|Schwefel-Brunnen (neben der Kapelle Hl. Dreifaltigkeit (Hohenems)), deutlich sichtbar die weißen Schwefel-Ablagerungen beim Auslauf. mini|Alte Postkarte aus der Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert vom Schwefelbad. Schwefel-Bad (auch: Schwefelbad oder Bad Schwefel oder auch Balneum Emsianum) war eine ehemalige Heilbadeanstalt und Gasthaus in Schwefel, einem Ortsteil der Stadt Hohenems in Vorarlberg (Österreich), der damit auch das älteste Heilbad in Vorarlberg war.Laurin Peter: Turnen fürs Vaterland, Sport zum Vergnügen - Vorarlberger Sportgeschichte bis 1945. S. 15.

Geschichte Das „Schwefelbad“ wurde in der Churer Urkunde von 909 erstmals urkundlich erwähnt.Chronik des Steinbruchs Hohenems-Unterklien, S. 18. Die Heilquelle von Bad Schwefel ist jedenfalls seit 1430 bekannt, als am 7. November Erzherzog Siegmund in Ulm dem Ritter Hans Ulrich I. von Ems (1421–1449) neben anderen Gütern und Rechten auch das Schwefelbad verlieh.Die Straßen von Hohenems und ihre Geschichte. Norbert Peter in Das Schwefelbad nach alten Berichten. In: Emser Almanach. No. 7, Hohenems 2003, ISBN 3-902249-27-7, S. 85, erwähnt, dass die Schwefelquelle schon mindestens 2000 Jahre bekannt sein dürfte. Siehe auch: Ludwig Welte: Geschichte der Reichsgrafschaft Hohenems, 1930, S. 39. Am 18. Mai 1489 wurde in Innsbruck ein neuer Lehnsbrief von Kaiser Friedrich an Hans Jakoben von Ems (gest. 1508) ausgestellt, in dem auch das Schwefelbad genannt ist.Arhivaal: Hohenems, Reichsgrafschaft. 1519 erwähnte der Colmarer Arzt Lorenz Fries Bad „Emps ob Constantz“ in seinem „Tractat der Wildbeder natuer“.Lorenz Fries: Tractat der Wildbeder natuer. Hans Grüninger, Straßburg 1519 (Digitalisat). 1558 wurde vom Feldkircher Stadtarzt, Achilles Pirminius Gasser (1505–1577), in einem lateinischen Gedicht über deutsche Bäder, unter anderem auch das Bad Schwefel in Hohenems, erwähnt.Christoph Vallaster: Kleines Vorarlberger Heilbäderbuch. Buch Spezial Verlag, Dornbirn 1984, , S. 79. Gemäß Apertur des Reichslehens Hohenems durch das Aussterben der männlichen Linie und dem Beschrieb der einzelnen Reichslehenstücke, wie z. B. Alt-Ems, Vorhof, Blutbaum, neue Burg zu Ems in der Reute mit dem Burgstall Glopper und 60 Heller Jahresgült aus den sogenannten Burggütern zu Reute, Silber und Bleierzbergwerk bei Ems, wird auch das Schwefelbad bei Ems als Lehen aufgezählt. Siehe Vorarlberger Landesarchiv 14-120, , Aktennummer: HoA 044,03; Aktenplannummer: 061, S. 150. 1572 beschrieb der Paracelsist Leonhard Thurneysser ausführlich die Zusammensetzung, die Heilanzeigen und die Gegenanzeigen des Emserbadwassers.Leonhard Thurneysser. Pison, Das erst Theil. Von Kalten Warmen Minerischen vnd Metallischen Wassern sampt der vergleichunge der Plantarum vnd Erdgewechsen 10. Buecher, Franckfurt an der Oder 1572, S. 213–214 (Digitalisat). 1595 wurde neben dem Bad die Schwefel Kapelle errichtet. Am 6. März 1600 wurde in einer Ladung vor das kaiserliche Landgericht in Wangen ein Michael Ehin, Wirt im Schwefelbad zu Hohenems, genannt.Vorarlberger Landesarchiv 14-120, , Aktennummer: HoA 077,07 und HoA 077,06; Aktenplannummer: 105, S. 212.

In der Embser Chronik aus 1616 wird der Schwefelbrunnen als „weitberühmt“ bezeichnet, der „allda aus dem Felsen heraus quellet“.Nachdruck der Embser Chronik von 1616 von Johann Georg Schleh aus Rottweyl im Jahr 1935 durch Leopold Schwarz, 2. Auflage, S. 40. 1678 entstand eine gedruckte Badeordnung des Hohenemser Schwefelbades (Balneum Emsianum).Balneum Emsianum. Das ist: Warhaffte Beschreibung deß hochfürlichen Schwebelbadts, vnfehrn von Embs gelegen, und was desselben Vrsprung, Krafft, Tugendt vnd Würckung seye. 2017 (). Die Schwefelquelle hat auch dem Ortsteil „Schwefel“ in Hohenems den Namen gegeben. Im 18. Jahrhundert, beginnend mit dem Pächter (1710, und ab 1711 Eigentümer) Johann Georg Tschoven (gest. 1729), erlebte das Bad ab 1710 eine neue Blüte. 1714 bis 1741 war gegen Johann Georg Tschoven, Badinhaber, vertreten durch Franz Karl Streicher, wegen Beleidigung des Grafen und anderen Punkten eine Klage anhängig.Vorarlberger Landesarchiv 14-120, , Aktennummer: HoA 087,01; Aktenplannummer: 103, S. 209 f. 1744 verfasst der Bregenzer Stadtarzt, Jakob Mathias Zürcher von Guldenpöck (1701–1781) eine „Kurtze und warhaffte Beschreibung des Von uhralten Zeiten her sehr berühmten Schwebel-Bads“.In der Vorarlberger Landesbibliothek aufzufinden unter: „Kurtze und warhaffte Beschreibung des Von uhralten Zeiten her sehr berühmten Schwebel-Bads ohnweit Des Hochgräfflichen Marck und Schloß Hochen-Embs gelegen : Von dessen sonderlilchen Krafft Tugend und Würckung beschrieben / Von Jacob Mathias Zürcher von Guldenpöck, Phil. & Med. Doctor, & Phys. der Ober-Oesterreichischen Statt Bregentz“, gedruckt: Bregentz Schüßler 1744.

Zwischen 1730 und 1740 wurde sodann links neben der Kapelle ein neues, dreistöckiges Gebäude im barocken Stil mit Mansardendach für das Schwefelbad errichtet.Norbert Peter in Das Schwefelbad nach alten Berichten. In: Emser Almanach. No. 7, Hohenems 2003, ISBN 3-902249-27-7, S. 91. Siehe auch: Ludwig Welte: Geschichte der Reichsgrafschaft Hohenems. 1930, S. 159.

Im Vorarlberger Landesarchiv findet sich ein Bregenzer Dekret des Georg Andre von Buol an Hohenems vom 2. September 1767 betreffend die Überlassung der Badquelle im Schwefel an den kaiserlichen Gesandten in Graubünden, Freiherrn von Buol, und dessen Bruder und ihre männlichen Nachkommen als Afterlehen und die Mitteilung, worin die in dem Kaufbrief von 1744 (an den von Tschoven) überlassenen Appertinenzien bestehen.Vorarlberger Landesarchiv 14-120, , Aktennummer: HoA 170,26; Aktenplannummer: 024, S. 44.

Das Bad wurde dann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an den späteren Postmeister Johann Baptist Streicher und seine Gattin Maria Anna Lorinserin verkauft. In den napoleonischen Kriegen wurde das Schwefelbad geplündert. Am 31. Januar 1800 wurde das Bad um 14.000 Gulden an den k.k. Hoffaktor Wolf Josef Levi (1746–1823) verkaufte (Levi nannte sich ab 1813 Benjamin Löwengard).Siehe auch: Aron Tänzer: Die Geschichte Der Juden in Tirol und Vorarlberg. Merau 1905, S. XXXV. und Norbert Peter in Das Schwefelbad nach alten Berichten. In: Emser Almanach. No. 7, Hohenems 2003, ISBN 3-902249-27-7, S. 91.

Das Bad war bis in das 19. Jahrhundert gut besucht.Josef Zötl, Johann Goldbrunner: Die Mineral- und Heilwässer Österreichs: Geologische Grundlagen und Spurenelemente. Springer Verlag, Wien 1993, ISBN 978-3-7091-7371-8, S. 115 (Google Books); Adolph Schmidl: Handbuch für Reisende in dem österr. Kaiserstaate. Leipzig 1834, S. 436 (Google Books). 1807 wurde für die Juden, die das Bad benützten, eine eigene „Speiseanstalt“ errichtet, in welcher nach jüdischen Ritus zubereitete Speisen angeboten wurden.Norbert Peter in Das Schwefelbad nach alten Berichten. In: Emser Almanach. No. 7, Hohenems 2003, ISBN 3-902249-27-7, S. 92. Der Sohn von Benjamin Löwengard, Isaak Löwengard (1769 – 14. Mai 1839), baute 1815 die rechte Haushälfte zu einer Baumwollspinnerei um und der Badebetrieb wurde auf die linke Haushälfte beschränkt. Zu einem anerkannten Kurbetrieb jedoch konnte sich das Schwefelbad in Hohenems, trotz guter örtlicher Voraussetzungen dafür, damals nicht entwickeln.

Das Badhaus und die Baumwollspinnerei wurde 1841 an die Gebrüder Philipp und Josef Rosenthal (Fa. Rosenthal, später Fa. Neumann und Söhne und dann im Eigentum der böhmischen Länderbank und sodann der Hohenemser Weberei und Druckerei Josef OttenPeter Melichar: Verdrängung und Expansion: Enteignungen und Rückstellungen in Vorarlberg. Oldenbourg Verlag, Wien 2004, ISBN 3-7029-0495-6, S. 64.) verkauft, die den Badebetrieb im bisherigen Haus einstellten und dafür eine „Cotton- und Tücheldruckerei“ einrichteten. Etwas später auch eine Türkischrot-Färberei.Christoph Vallaster: Kleines Vorarlberger Heilbäderbuch. Buch Spezial Verlag, Dornbirn 1984, , S. 84. Siehe auch: Norbert Peter in Das Schwefelbad nach alten Berichten. In: Emser Almanach. No. 7, Hohenems 2003, ISBN 3-902249-27-7, S. 94. Der Badebetrieb wurde in ein nahes Gasthaus an der Römerstraße ausgelagertJosef Zötl, Johann Goldbrunner: Die Mineral- und Heilwässer Österreichs: Geologische Grundlagen und Spurenelemente. Springer Verlag, Wien 1993, ISBN 978-3-7091-7371-8, S. 115 (Google Books). Siehe auch: Norbert Peter in Das Schwefelbad nach alten Berichten. In: Emser Almanach. No. 7, Hohenems 2003, ISBN 3-902249-27-7, S. 96. (Südwestlich von der Quelle, etwa 150 m nördlich vom Jüdischen Friedhof). Um das alte Badehaus entstand in weiterer Folge die Textilfabrikation der Gebrüder Rosenthal mit Druckerei, Färberei, Spinnerei, Stickerei und dem notwendigen Kraftwerk.

1896 stand das Bad im Eigentum von Joseph Anton Benzer, um 1872 erwarb es Johann Georg Vogel und wurde Badwirt. 1897 wurde das Stallgebäude erweitert.Der ehemalige Türsturz mit der Bezeichnung: „1897 G.V.“ findet sich bei der Familie Schuler in Hohenems. 1900 wurde der Gastwirtschaftsbetrieb von der Römerstraße in die angrenzende Kaiser-Franz-Josef-Straße verlegt. 1902–1903 wurde das Bad um einen Anbau erweitert.Norbert Peter in Das Schwefelbad nach alten Berichten. In: Emser Almanach. No. 7, Hohenems 2003, ISBN 3-902249-27-7, S. 96.

1906 wurde das Schwefel-Bad am Standort Römerstraße von der Hohenemser Familie Drexel (Johann Drexel, gest. 1926) erworben, ging 1926 durch Einheiratung an die Familie Schuler und wurde bis 1965 auch selbst betrieben und bewirtschaftet. 1912 wurde das alte dreistöckige Badehaus links neben der Kapelle im Betrieb der Fa. Gebrüder Rosenthal zum Großteil abgebrochen.Norbert Peter: Hohenems, Alte Bilder einer jungen Stadt. Kulturkreis Hohenems, Hohenems 1988, S. 176. Norbert Peter in Das Schwefelbad nach alten Berichten. In: Emser Almanach. No. 7, Hohenems 2003, ISBN 3-902249-27-7, S. 94 ff.

1926/1927 wurde das Schwefel-Bad an der Römerstraße angehoben und ein neues Erdgeschoß gemauert und das Bad umfassend saniert und modernisiert. Im Zuge der Umsiedlung von Südtirolern wurde das Schwefel-Bad 1940/41 kurzfristig für die Unterbringung einiger Familien genutzt. Bereits Anfang der 1930er Jahre wurde das Bad für die Unterbringung von Drainage-Arbeitern verwendet.

Nach 1945 wurden im Schwefel-Bad auch Feriengäste aufgenommen. Bis 1955/56 bestand neben dem Bade- und Gastwirtschaftsbetrieb auch eine Landwirtschaft. Ab 1946 wurden die Fremdenzimmer teilweise auch als Werkswohnungen verwendet. Ab 1957 musste der Heilbadebetrieb über den Sommer eingestellt werden, weil der zunehmende Straßenverkehr eine übermäßige Lärmentwicklung zur Folge hatte. Es wurden ab dieser Zeit im Sommer nur Feriengäste aufgenommen und der Dachboden ausgebaut, wodurch 15 Gästebetten mehr zur Verfügung standen.

Der Badebetrieb (Balneologie) wurde 1965 verpachtet und 1975 endgültig eingestellt. Das Gebäude wurde bereits seit 1966 verstärkt als Arbeiterwohnheim genutzt. Am 15. November 1992 wurde das Grundstück, auf welchem das Schwefel-Bad stand, an die Fa. Josef Otten verkauft. Im November 1993 wurde das Haus abgebrochen und in weiterer Folge ein Einkaufsmarkt errichtet. Damit endete eine Jahrhundertelange Bädertradition in Hohenems.Norbert Peter in Das Schwefelbad nach alten Berichten. In: Emser Almanach. No. 7, Hohenems 2003, ISBN 3-902249-27-7, S. 98 f. Die Schwefelquelle ist weiterhin öffentlich zugänglich und frei benutzbar.

Geographie / Topographie Das Schwefel-Bad () befand sich etwa 2 km Luftlinie vom Stadtzentrum von Hohenems. Der Quellaustritt (Brunnenstube) liegt direkt neben der Kapelle Hl. Dreifaltigkeit (Hohenems) (daher auch Schwefel-Kapelle).

Heilquelle und Badebetrieb mini|Quellfassung hinter dem Schwefelbrunnen. mini|Lorenz Fries. Emps ob Constantz. In: Tractat der Wildbeder natuer. 1519 mini|Badescene. In: Georg Schleh. Embser Chronik. 1616Georg Schleh. Embser Chronik. Schnell, Embs 1616, S. 40 MDZ München Digitalisat Heilquelle Eigentum