Detmerode ist ein Stadtteil von Wolfsburg in Niedersachsen, der in den 1960er Jahren entstand.
Allgemeines mini|links|Detmerode vom höchsten Gebäude, der mittlerweile abgerissenen Neuland-Burg, fotografiert mini|Hochhäuser Don Camillo (r.) und Peppone (l.), 2012 Der südwestlich vom Stadtzentrum gelegene Stadtteil Detmerode gehört – wie der benachbarte Stadtteil Westhagen und der Stadtteil Teichbreite – zu den neueren Stadtteilen Wolfsburgs, deren Bild besonders von Hochhaussiedlungen aus den 1960er Jahren geprägt ist. Anders als in Westhagen gibt es hier auch Bungalowsiedlungen.
Verlässt man die Autobahn A 39 an der Abfahrt Wolfsburg-Mörse (Nr. 25) in Richtung Stadtzentrum, liegt am Beginn der anschließenden Braunschweiger Straße eine „Kleeblattkreuzung“, an der man nach Süden in den Stadtteil Detmerode abfährt. Hauptverkehrsstraße ist die John-F.-Kennedy-Allee (weiter nördlich Konrad-Adenauer-Allee), die von einer markanten Brücke gequert wird. Diese ist Bestandteil des zentralen Einkaufszentrums. Hier steht – recht prominent auf einem Hügel – die 1968 eingeweihte evangelische Stephanuskirche, ein Werk des finnischen Architekten Alvar Aalto. Wahrzeichen des Stadtteils sind die beiden 1969 fertiggestellten Hochhäuser Don Camillo und Peppone (Architekt Dr. Rudolf Richard Gerdes, Wolfsburg) an der Theodor-Heuss-Straße unweit vom Detmeroder Teich, wovon Don Camillo das höchste Wohnhaus der Stadt Wolfsburg istSiegfried Trogisch: Ansichtssache. 70 Jahre Neuland, Wolfsburg 2008, S. 79.. Auffällig waren das ehemalige „Stufenhochhaus“ am Kurt-Schumacher-Ring (erbaut 1964–67 von Paul Baumgarten) sowie die „Neuland-Burg“ an der John-F.-Kennedy-Allee, deren Großteil seit Februar 2012 abgerissen wurde.
Detmerode ist, wie die meisten Stadtteile Wolfsburgs, von Waldgebieten umgeben, wobei sich das Naherholungsgebiet um den Detmeroder Teich, der als Regenrückhaltebecken angelegt worden war, besonderer Beliebtheit erfreut. Östlich liegt der „Detmeroder Wald“, ein Teil des Wolfsburger Stadtwaldes, der sich bis zur Stadtmitte erstreckt. Im Detmeroder Wald befindet sich der „Detmeroder Schalenstein“, ein Stein mit 173 schälchenartigen Vertiefungen, der vermutlich in der frühen Jungsteinzeit für Kulthandlungen verwendet wurde. In unmittelbarer Nähe davon, am Niemannsteich, befindet sich eine Replik des Opfersteines mit dem Namen „Schälchenstein-Brunnen“.
Der Ortsname „Detmerode“ geht auf eine mittelalterliche Siedlung zurück, die allerdings im 15. Jahrhundert wüst gefallen ist. Ein Gedenkstein an der Theodor-Heuss-Straße weist darauf hin.
Ortsgeschichte und Stadtbaugeschichte mini|Die Replik des Opfersteins am Niemannsteich Bereits vor rund 3500 Jahren lebten im Gebiet um Detmerode Menschen, wie durch einen 1983 im Wald bei Detmerode gefundenen Schalenstein bewiesen werden konnte. Im Mittelalter entstand nach Waldrodung eine Siedlung mit etwa fünf bis neun Höfen, die am Weg von der Burg Rothehof nach Mörse lag und vermutlich als Reihendorf angelegt war. Auf das Jahr 1332 datiert die erste bekannte urkundliche Erwähnung der Siedlung, aber bereits 1495 wird sie als verlassen beschrieben. Im 15. Jahrhundert fiel sie wüst, ihre Ländereien gelangten später größtenteils zum Gut Mörse. Einer Sage nach soll diese Siedlung abgebrannt sein, was aber durch archäologische Ausgrabungen nicht bestätigt werden konnte. Die Funde deuten eher darauf hin, dass die Siedlung planmäßig verlassen wurde.
Nachdem 1960 in Detmerode bereits Feuersteingeräte gefunden wurden, erfolgten 2016 anlässlich des Baus einer Flüchtlingsunterkunft westlich der Theodor-Heuss-Straße archäologische Ausgrabungen. Dabei wurden unter anderem ein Reitersporn, ein Pferdeschädel, ein Feuereisen und eine Spinnwirtel gefunden, ferner Teile eines Hufeisens, einer Handdrehmühle, eines Kugeltopfes, eines Grapens, eines Messers, und eines Webgewichts, sowie Reste eines Kastenbrunnens, eines Pfostenhauses und Spuren von Grubenhäusern, die dem mittelalterlichen Detmerode zugeordnet werden. Diese Funde deuten auf Pferdehaltung und Textilherstellung im mittelalterlichen Detmerode hin.Ausstellung Ausgegrabene Geschichte. Arbeitsergebnisse der Archäologischen Denkmalpflege. Vom 14. März bis 24. April 2018 in der Bürgerhalle des Wolfsburger Rathauses.
Auf einer Karte von 1781 ist ein Dettmeroder Holtz eingetragen.
1938, im Jahr der Stadtgründung, war das Gebiet des heutigen Stadtteils Detmerode nicht bebaut. 1942 sah ein Plan des Stadtbaubüros bereits eine Bebauung im Bereich des heutigen Stadtteils Detmerode vor, die als Mörser Viertel bezeichnet wurde. Dieses Vorhaben wurde jedoch kriegsbedingt nicht realisiert.Wolfsburg 1938–1988. Wolfsburg 1988, S. 110 (Katalog zur Ausstellung in der Bürgerhalle des Wolfsburger Rathauses anlässlich des 50. Stadtgeburtstags)
mini|Stufenhochhaus (2018 abgerissen) In den ersten Jahren nach Ende des Zweiten Weltkriegs plante man die Stadt Wolfsburg für eine geringere Einwohnerzahl, so dass zunächst im Gebiet des heutigen Detmerode keine Bebauung mehr vorgesehen war. 1959 ging ein Entwurf des Stadtplanungsamtes wieder von einer Bebauung beiderseits der Braunschweiger Straße aus, was jedoch erst später mit dem Stadtteil Westhagen umgesetzt wurde. 1960 beschloss der Rat der Stadt Wolfsburg unter Stadtbaurat Rüdiger Recknagel den Bau des Stadtteils Detmerode. 1962 gingen aus einem beschränkten Architektenwettbewerb, an dem drei Architektengruppen teilnahmen, Paul Baumgarten und Walter Rossow als Sieger hervor.Maja Albert: Stadtteil Detmerode, in: Wohnen 60 79 80. Junge Denkmäler in Deutschland. Hrsg. Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 2000, ISBN 978-3-422-98154-6, S. 134–137, hier S. 135. Noch im September desselben Jahres wurde auf bisherigen Ackerflächen mit dem Bau des neuen Stadtteils begonnen. Die Bautätigkeit begann nahe der Braunschweiger Straße mit dem Kurt-Schumacher-Ring. Am 23. November 1963 wurden im Wohnblock Kurt-Schumacher-Ring 27/29/31 der VW-Siedlungsgesellschaft bereits die ersten Wohnungen bezogen. 1964 waren in dem noch im Aufbau befindlichen Stadtteil schon 700 Wohnungen bezogen, und die erste Schule wurde eröffnet. 1967 wurde das Einkaufszentrum eingeweiht, und eine Zweigstelle der Stadtbücherei eröffnet. Die Bautätigkeit zog sich weiter bis in den Süden Detmerodes, wo bis 1969 im Bereich des Graf-Stauffenberg-Ringes einer der letzten Bauabschnitte Detmerodes entstand. Am 11. November 1968 feierte die Stadt Wolfsburg den Bauabschluss Detmerodes, 1970 erfolgte die offizielle Fertigstellung des Stadtteils.
Die neue Wohnsiedlung war asymmetrisch konzipiert und in drei Nachbarschaften mit jeweils 5000 Einwohnern unterteilt. Die Nachbarschaften wurden durch unterschiedliche Gebäudetypen (Punkt- und Kettenhochhäuser, ein Stufenhochhaus, Zeilenbauten und Einfamilienhäuser) gebildet, deren Höhenentwicklung nach Auffassung der Planer (und niederländischen Vorbildern) ein mögliches Auseinanderfließen der Siedluntg in die Landschaft vermeiden sollte.Maja Albert: Stadtteil Detmerode, in: Wohnen 60 79 80. Junge Denkmäler in Deutschland. Hrsg. Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 2000, ISBN 978-3-422-98154-6, S. 134–137, hier S. 136. Einzelne Gebäude entwarfen international renommierte Architekten, wie etwa Alvar Aalto (Stephanuskirche), Dieter Oesterlen (Schwedenhochhaus) oder Hans Scharoun (Stephanus-Kindergarten). Die Einfamilienhäuser gehen auf einen Architektenwettbewerb von 1962/63 mit 13 regionalen Architekturbüros zurück. Diese Bauten prägen das Stadtbild durch rote Backsteinfassaden, ein- bis eineinhalbgeschossige Flachdachbauten mit breiter weißer Attika.
Nach 1970 entstanden nur noch vereinzelt Neubauten, um die Infrastruktur Detmerodes zu vervollständigen oder die Wohnbebauung zu verdichten. So wurden von 1971 bis 1973 die St.-Raphael-Kirche, 1978 das Vereinsheim des Kleingärtnervereins, 1981 ein Behindertenwohnheim, 1984 das Landhaus, 1988 die Sozialstation, 1997 eine Seniorenwohnanlage, 2005 das Senioren- und Pflegeheim und 2016 ein Flüchtlingsheim erbaut.
Von 2012 bis 2016 erfolgte der teilweise Abriss und Neubau der Wohnanlage Neue Burg, auch Neuland-Burg genannt, durch die Neuland Wohnungsgesellschaft. 1967 war der Gebäudekomplex mit bis zu 10 Geschossen und 534 Wohnungen fertiggestellt worden. 2012 gewann das Architekturbüro KSP Jürgen Engel Architekten für den Umbau den BDA-Preis Niedersachsen. Durch den Umbau verringerte sich die Anzahl der Wohneinheiten auf nur noch 332.Wohnanlage Neue Burg bda-bund.de, abgerufen am 11. April 2018. waz-online.de vom 2. Dezember 2015, abgerufen am 11. April 2018. 2018 folgte der Abriss des Stufenhochhauses, das aufgrund von Baumängeln durch Neubauten ersetzt wurde.
Einwohner Die höchste Einwohnerzahl hatte Detmerode im Jahr 1972 mit 15.301 Einwohnern. Jahr 1966Eberhard Rohde: Detmeroder kauften im Holzhaus ein. In: Wolfsburger Nachrichten. Ausgabe vom 27. April 2019. 1972 2004 2005 2010 2013 2015 2017 Einwohner7.00015.3008.4738.4737.3147.7197.6027.564 Detmerode wurde für etwa 15.000 Einwohner geplant. In den 1970er Jahren war der Stadtteil geprägt von Familien und vor allem von Kindern. Zwei achtzügige Grundschulen (je 30 Kinder pro Klasse) wurden zu diesem Zeitpunkt in jedem Jahrgang von 480 Kindern besucht, also insgesamt allein auf den beiden Grundschulen knapp 2000 Kinder. Schon vor längerer Zeit wurde eine der beiden Grundschulen geschlossen, der Stadtteil entspricht inzwischen in seiner Prägung etwa dem Wolfsburger Durchschnitt.
Politik Ortsrat Politisch wird der Stadtteil seit 1991 durch den Ortsrat Detmerode vertreten.
Wahl 2016 Partei Anteil (PDF; 1,3 MB) Sitze SPD 39,4 % 5 CDU 24,7 % 3 PUG 16,1 % 2 Grüne 6,6 % 1 FDP 3,6 % 0 Die Linke 4,8 % 1 FAMILIE 4,8 % 1 Wahlbeteiligung 51,1 % –
Ortsbürgermeister Ortsbürgermeister ist seit 2024 Axel Bosse (Bündnis 90/Die Grünen).Claudia Caris: Grünen-Urgestein ist neuer Ortsbürgermeister. In: Wolfsburger Nachrichten. Ausgabe vom 2. November 2024.
Erster Ortsbürgermeister war Horst Weiß (SPD), der 2001 von Thorsten Werner (CDU) abgelöst wurde. Ihm folgten ab 2011 Ralf Mühlisch (SPD), spd-wolfsburg.de, abgerufen am 26. April 2018.Ortsrat Detmerode, abgerufen am 21. Dezember 2016. und von 2021 bis 2024 Joachim Grammes (CDU).Daniela Burucker: Joachim Grammes ist neuer Ortsbürgermeister. In: Wolfsburger Nachrichten. Ausgabe vom 25. November 2021.
Wappen Detmerode verwendet als Stadtteil und Ortschaft das Wappen der Stadt Wolfsburg.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke In Detmerode sind vier Bauwerke als Baudenkmal ausgewiesen: Die Stephanuskirche, die St.-Raphael-Kirche, der Stephanus-I-Kindergarten und der Schalenstein.Eva Nick: Ein Streifzug durch Detmerodes Historie. In: Wolfsburger Nachrichten. Ausgabe vom 26. Mai 2020.
Kirchen mini|Stephanuskirche mini|St.-Raphael-Kirche In Detmerode sind die evangelisch-lutherische und die römisch-katholische Kirche mit je einem Gotteshaus vertreten sowie mit Kindergärten und weiteren sozialen Einrichtungen.
Stephanuskirche
Nachdem die evangelischen Einwohner Detmerodes zunächst von der Heilig-Geist-Kirchengemeinde betreut worden waren, erfolgte 1964 die Gründung einer eigenen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde für Detmerode, der heutigen Stephanusgemeinde, und der Bau einer Kirche wurde in Auftrag gegeben. Nach Plänen des Architekten Alvar Aalto erfolgte von 1966 bis 1968 der Bau der Kirche und des zugehörigen Gemeindezentrums. Die Kirchengemeinde, der heute (2018) rund 2.800 Gemeindemitglieder angehören, gehört heute zum Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers
St.-Raphael-Kirche