miniatur|150px|Henry Slade Henry Slade (* 1836 in den USA; † 1905 in Belding, Michigan, USA) war ein US-amerikanischer Spiritist und Medium, der vorgab, in Séancen mit Geistern (Verstorbenen) in Kontakt treten zu können. Er behauptete, Mitteilungen der Verstorbenen auf vorher unbeschriebenen Schiefertafeln (engl. „slate“) erscheinen lassen zu können („slate wiriting“).

Leben Der in den USA aufgewachsene Henry Slade wurde besonders in den 1870er Jahren in Europa bekannt. Er gab vor, ein Medium zu sein, das den Kontakt zur „vierten Dimension“ herstellen könne. Dazu veranstaltete er Séancen, in denen er eine unbeschriebene (Schul-)Schiefertafel vorzeigte und sie anschließend unter einer Tischplatte, fest an diese gedrückt, hielt. Nach geraumer Zeit wurde die Tafel hervorgeholt und man sah einen handgeschriebenen Text auf der Seite der Tafel, die gegen die Unterseite der Tischplatte gehalten wurde.

Als sich Slade 1876 in London aufhielt und dort Séancen abhielt, mischte sich der skeptische Zoologe Edwin Lankester unter das Publikum und beschaffte sich eine Schiefertafel, die bereits mit Schrift vorbereitet war. Lankester sah eine Gelegenheit, den Spiritismus in der Öffentlichkeit bloß zu stellen und sorgte dafür, dass Slade nach der Gesetzgebung gegen Landstreicherei angeklagt wurde, weil diese Wahrsagerei unter Strafe stellte. Der Zauberkünstler John Nevil Maskelyne demonstrierte als Zeuge der Anklage, wie man Schrift auf Schiefertafeln erscheinen lassen konnte.Roger Luckhurst: The Invention of Telepathy, 1870–1901. Oxford UP, Oxford 2002, S. 44–46. Slade wurde verurteilt, allerdings nicht aufgrund der Demonstration Maskelynes, sondern aus anderen Gründen. Als die Verurteilung wegen Formfehlern aufgehoben wurde, verließ Slade das Land.Barry H. Wiley: The Thought Reader Craze: Victorian Science at the Enchanted Boundary. Mcfarland, Jefferson (NC) 2012, S. 198.

Maskelyne erkannte die Methoden Slades und reproduzierte diese in Aufklärungsvorstellungen. So bewies er, dass die Schrift auf der Tafel mit Hilfe eines Stückchens Kreide, das an einem Fingerhut befestigt war, von Slade selbst geschrieben wurde.Hours with the Ghosts, Henry Ridgely Evans, Verlag Laird & Lee, 1897, Seite 46 ff.

Besondere Aufmerksamkeit erzielte Slade dadurch, dass ihm der Astrophysiker Karl Friedrich Zöllner nach einer 1877 veranstalteten Séance absolute Echtheit bescheinigte. Zöllner verfasste in den Jahren 1878/79 mehrere Berichte über diese Erfahrung und stellte die Hypothese auf, dass geistige Wesen aus der vierten Dimension dieses Phänomen bewerkstelligt haben.Corinna Treitel: A Science for the Soul: Occultism and the Genesis of the German Modern, Johns Hopkins University Press, Baltimore und London 2004

Auch der Zauberkünstler Chung Ling Soo entlarvte Slades Technik der Geisterschrift.Spirit Slate Writing, 1898

Nach Slades Tod stellte man fest, dass er eine, Zitat: „Hermaphrodite“ war.Wiley, Barry H., The Indescribabel Phenomenon: The Life and Mysteries of Anna Eva Fay, Hermetic Press, 2005, Seite 80Burger, Eugene, Spirit Theater, Verlag Kaufman & Greenberg, 1986, Seite 59

Literatur The Truth about Dr. Slade, in The Magician, Verlag Will Goldston, Vol. 1, November 1905, Seite 139 Henry Slade and the fourth Dimension, Peter Lamont, Genii, Vol. 72, No. 6, Juni 2009, Seite 22 ff Sixty Years of Psychical Research, Joseph F. Rinn, Verlag Truth Seeker Co. 1950, Seite 12 ff. Das Medium Henry Slade, Magie (Organ des MZVD), Heft 3, März 1966, 46. Jahrgang, Carl Graf von Klinckowström, Meyerink und Willi Faster, Seite 68 Das Medium Henry Slade, Magie, Heft 4, April 1966, 46. Jahrgang, Carl Graf von Klinkowstroem, Meyerink und Willi Faster, Seite 95 ff. Same Game, different Personnel in: The Magic of Uri Geller, James Randi, Verlag Ballantine Books, 1975, Seite 265 ff Willmann, John, Handel mit dem Wunderbaren, Edition Volker Huber, Seite 20ff, ISBN 3-921785-73-1 Inside the Medium’s Cabinet, Dunninger, Joseph, Verlag David Kemp and Co. 1935, Seite 212 ff Pankratz, Loren, in Gibecière, Vol. 3, No. 2, Conjuring Arts Research Center, Seite 123 ff, Revealing the Bizarre Powers of Harry Houdini, An Expose by Sir Arthur Conan Doyle, Global Communications, 2010 Magische Welt, Heft 4, 1997, 46. Jahrgang, Seite 321 ff. Willmann, Carl, Die Zauberwelt, 7. Jahrgang, Heft 7, Juli 1901, Seite 112

Weblinks

Conan Doyle über Slade Henry Slade in der deutschen Zauber-Pedia

Einzelnachweise

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