Der Schafberg ist ein hoher Berg im Salzkammergut im nördlichen Salzburg und südlichen Oberösterreich. Er befindet sich am Nordende der Nördlichen Kalkalpen und ist durch seine ins Alpenvorland vorgeschobene Position eine markante Landmarke und ein beliebter Aussichtsberg des nordwestlichen Salzkammerguts. Er ist von den drei großen Salzkammergutseen Wolfgangsee, Mondsee und Attersee umgeben. Aufgrund seiner charakteristischen Form, mit gleichmäßig ansteigender Südflanke und senkrecht abfallenden Nordwänden, ist er ein Wahrzeichen des Salzkammerguts. Der Schafberg ist ein bedeutendes Tourismusziel. Am Gipfel befindet sich das älteste Berghotel Österreichs. Die Schafbergbahn, eine von drei noch existierenden Zahnradbahnen in Österreich, befördert jährlich rund 170.000 Besucher auf den Gipfel.

Geographie mini|Topografische Karte des Schafbergs mit dem Wolfgangsee

Umgrenzung Die Westgrenze beginnt beim Weiler Brunnwinkl in Sankt Gilgen und verläuft über die Scharflinger Höhe zum Eglsee am Mondsee. Von dort folgt die Nordgrenze dem Südufer des Mondsees, der Seeache sowie dem Südufer des Attersees bis Burgbachau. Die Ostgrenze verläuft durch die Burggrabenklamm zur Moosalm und folgt dem Moosbach bzw. Schwarzenbach bis zum Schwarzensee, danach den Schwarzenbach abwärts zur Ache bei Strobl und zum Wolfgangsee. Das Nordostufer des Wolfgangsees bildet die Südwestgrenze bis Brunnwinkl.

Der Schafberg hat eine maximale Ausdehnung zwischen der Scharflinger Höhe im Nordwesten und dem Schwarzensee im Südosten von 9 und von Nord nach Süd von 7 Kilometern mit einer Gesamtfläche von etwa 50 km².

Zuordnung Nach der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE) gehört das Höllengebirge zu den Salzkammergut-Bergen (17a). Verwaltungsmäßig befindet sich der Schafberg in den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich. Er gehört zum Bezirk Salzburg-Umgebung im Flachgau (Nordwesten) und zum oberösterreichischen Bezirk Gmunden im Traunviertel (Südosten). Die Landesgrenze verläuft entlang des Klausbachs im Norden, durch den Mittersee zur Einschartung zwischen Spinnerin und Törlspitz, von dort entlang des Ditlbachs bis St. Wolfgang. Die Gemeinden Sankt Gilgen und St. Wolfgang im Salzkammergut haben Anteil am Schafberg.

Topologie Die Südflanke steigt gleichmäßig steil vom Wolfgangsee auf an. Der höchste Punkt befindet sich beim Hotel Schafbergspitze mit Im Westen des Nordabfalls liegt die Himmelspforte, eine schmale Felsgasse, wo auf das Gipfelkreuz steht. Östlich der Schafbergspitze befindet sich der Nebengipfel der Spinnerin (), die durch eine Einschartung vom Törlspitz () getrennt ist. Die Nordwände fallen rund 300 Meter senkrecht zum Kar des Suissensees auf ab. Oberhalb des Mittersees beträgt die Wandhöhe rund 200 m. Die Nordabdachung verläuft zunächst mäßig steil zur Eisenaueralm () auf einem kleinen Plateau. Die Ackerschneid fällt von der Eisenaueralm zum Mondsee, zur Seeache und zum Attersee () ab. In der Südostflanke sind der Vormauerstein () und der Sommeraustein () zwei markante Vorgipfel. Im Südwesten fällt die Falkensteinwand vom Falkenstein () senkrecht zum See ab.

Verkehr Im Norden verläuft die Attersee Straße bzw. die Seeleiten Straße entlang der Ufer von Mondsee und Attersee. Im Westen verbindet die Mondsee Straße Scharfling mit Sankt Gilgen. Im Südosten führt die St. Wolfganger Straße (L546) von Bad Ischl nach St. Wolfgang im Salzkammergut. Dort befindet sich der Talbahnhof der Schafbergbahn, einer Zahnradbahn, die zum Gipfel des Schafbergs führt.

Gewässer mini|Der Suissensee ist ein kleiner Karsee am Fuß der Nordwände Am Schafberg befinden sich fünf Seen etwas nördlich vom Hauptkamm. Von Westen nach Osten sind dies: Krotensee, Suissensee, Mittersee, Mönichsee und Schwarzensee. Am Nordfuß gibt es eine Reihe von Bächen, die in den Mondsee bzw. in den Attersee fließen. Die Bäche der Südflanke fließen zum Wolfgangsee. Die wichtigsten Zubringer sind der Kesselbach, der zum Krotensee fließt, und der Ditlbach, der in St. Wolfgang in den Wolfgangsee mündet. Das Gebiet der Moosalm im Osten entwässert über den Moosbach in den Schwarzensee, der über den Schwarzenbach in die Ischler Ache entwässert.

Geologie Tektonik mini|Blick von der Spinnerin auf den Nordabfall des Schafbergs, der von einer liegenden Synklinale gebildet wird Der Schafberg ist ein Teil der Nördlichen Kalkalpen und wird von Gesteinen der Staufen-Höllengebirgs-Decke des Tirolischen Deckensystems aufgebaut. Während der Bewegung der Staufen-Höllengebirgs-Decke nach Norden wurden das jüngere Bajuvarikum und das Rhenodanubische Deckensystem nordvergent überschoben. Die Staufen-Höllengebirgs-Decke ist durch das dextrale Blattverschiebungssystem der Wolfgangsee-Störung in zwei Schollen zerlegt. Im Südwesten liegt das Osterhorn-Tirolikum und im Nordosten das Schafberg-Tirolikum. Der Schafberg besteht aus einem komplexen Faltensystem, wobei die landschaftsprägende Schafberg-Gipfelregion von einer nach Norden überschlagenen, liegenden Synklinale gebildet wird.

Lithostratigraphie Lithostratigraphisch bestehen die Gesteine des Schafbergs überwiegend aus mesozoischen Kalken und Dolomiten der Trias und des Jura, die vor rund 210 bis 135 Millionen Jahren abgelagert wurden.

Nordalpine Raibler Schichten (Karnium) befinden sich am Nordabfall des Schafbergzuges im Bereich der Eisenaueralm. Wegen der leichteren Verwitterung ist der Verlauf der Raibler Schichten durch eine Geländeverflachung gekennzeichnet, die zumeist eine Moränenüberlagerung aufweist. Hauptdolomit (Karnium bis Norium) bildet die Basis und die Hauptmasse des Schafbergs und erreicht eine Mächtigkeit von bis zu 1500 m. Er tritt großflächig in der Südflanke und am Nordabfall zu Tage. Unter Wechsellagerung geht aus dem Hauptdolomit der dezimeter- bis metergebankte, graue bis bräunlichgraue Plattenkalk (Norium bis Rhätium) hervor. Seine Mächtigkeit kann bis zu 300 m betragen.

Scheibelbergkalk und Kirchsteinkalk (Unterjura) bilden zusammen eine bis zu 200 m mächtige Schicht, die vom Graben des Kesselbachs über die Schafbergalm nach Osten zieht und auch im Bereich der Vormaueralm vorkommt. Massiger, heller Hierlatzkalk (Unterjura) streicht mit bis 100 m Mächtigkeit über den Gipfelzug des Schafberges und ist von der Kote 1782 m nahe dem Hotel Schafbergspitze gegen Osten bis nördlich des Schwarzensees zu verfolgen. Dazwischen befinden sich bunte Kalke der Adnet-Formation, die fossilienführend sind. Radiolarit der Ruhpoldinger Schichten (Oberjura) bildet den Kern der Synklinale im Nordabfall der Schafberg-Gipfelregion. Er kommt nördlich der Himmelspforte, südlich des Suissensees und vom Nordosthang der Spinnerin bis südlich des Mittersees vor. Heller, fast weißer Plassenkalk (Kimmeridgium bis Tithonium) bildet den Falkenstein am nördlichen Wolfgangseeufer und die Höhen des Vormauersteins, des Sommerausteins und des Käferwandls.

Ehemalige Vergletscherung mini|Blick von der Eisenaueralm auf den Nordabfall sowie auf den ehemaligen Gletscherabfluss aus dem Kar zwischen Spinnerin (links) und Schafbergfipfel (rechts) Das Gebiet um den Schafberg war während der Eiszeiten immer vergletschert. Am Höhepunkt der jeweiligen Vereisung erfüllten große Eismassen die Täler und reichten immer wieder bis auf rund Nur der Gipfelbereich des Schafbergs ragte als Nunatakker aus den Eisströmen heraus. In den Tälern entstanden übertiefte Becken, die heute von Seen und deren Ablagerungen ausgefüllt sind. Der mächtige Traungletscher verzweigte sich bei Bad Ischl und floss mit einem Seitenast durch das Ischltal über den Wolfgangsee zum Mondsee. Ein kleinerer Seitenast floss durch die Furche von der Schwarzensee-Moosalm zum Attersee und lagerte in der ausgeschürften Mulde wasserstauende Spätglazialtone ab. Am Nordabfall des Schafbergs bildeten sich in den Karen über dem Suissensee und dem Mittersee mächtige Lokalgletscher, die Endmoränenwälle um die Eisenaueralm hinterließen.

Höhlen Mit Stand 2014 sind in der Katastergruppe 1531 (Schafberg) des Österreichischen Höhlenverzeichnisses vier Höhlen verzeichnet. Die längste davon ist das Wetterloch (Kat.Nr. 1531/2) mit etwas über 300 m Ganglänge. Die deutlich bewetterte Höhle wurde 1895 als Schauhöhle mit elektrischer Beleuchtung ausgebaut. Der Betrieb wurde aus Rentabilitätsgründen 1906 wieder eingestellt. Die weiteren Höhlen sind die Adlerhöhle (Kat.Nr. 1531/1), das St.-Wolfgang-Loch (Kat.Nr. 1531/3) und der Schafbergschacht (Kat.Nr. 1531/4).

Klima mini|St. Wolfgang mit dem Schafberg im Winter Die Wetterwarte der GeoSphere Austria in St. Wolfgang im Salzkammergut () stellt exakte Daten für das Schafberggebiet zur Verfügung. Die Klimadaten zeigen eine für die Nördlichen Kalkalpen typische Temperatur- und Niederschlagsverteilung: kühle und niederschlagsreiche Sommer und niederschlagsarme Winter. Der Jahresniederschlag beträgt 1467 mm und die Jahresdurchschnittstemperatur 8,8 °C. Die Niederschläge nehmen mit zunehmender Meereshöhe deutlich zu, die Temperatur nimmt ab. Am Schafberggipfel bewegen sich die Jahresniederschläge in einer Größenordnung von 1800 bis über 2000 mm und die Jahresdurchschnittstemperatur liegt zwischen 2 und 4 °C. In freien, höher gelegenen Bereichen dominieren West- und Nordwestwinde, die häufig mit Niederschlag einhergehen. Die im Salzkammergut nach Norden verschobenen Berge wirken gegen die von Westen kommenden Fronten wie Barrieren. Dies führt zu häufigen Stauniederschlägen. Gleichzeitig wirken die Seen mildernd auf Temperaturextreme. Durch die feuchten, warmen Luftmassen der umliegenden Seen kommt es im Herbst und Winter häufig zu stabilen Inversionswetterlagen. In höheren Lagen ist dadurch eine wesentlich längere Sonnenscheindauer festzustellen.

Flora und Vegetation mini|hochkant|Steirisches Kohlröschen (Nigritella stiriaca), Schafberg Aufgrund der großen Höhenunterschiede zwischen der Tallage und den Gipfelregionen bildet sich in jeder Höhenstufe eine entsprechende Vegetation. Die montane Stufe ist der Bereich der Fichten-Tannen-Buchen-Wälder als Klimaxvegetation, der sich vom Talboden bis auf etwa erstreckt. Die Wälder werden forstwirtschaftlich genutzt und die Fichte (Picea abies) bildet den Hauptteil des Baumbestandes. In den Kalkvoralpen werden Wald- und Baumgrenze in der Regel von der Fichte gebildet. Von Natur aus wäre am Schafbergipfel in etwa die Waldgrenze, diese liegt aufgrund der lange zurückliegenden Rodungen und der Almwirtschaft heute deutlich tiefer. Auch die Bestände der Latschenkiefer (Pinus mugo subsp. mugo) sind Nachfolger von aufgelassenen Almweiden hin zum subalpinen Fichtenwald. Die Bergmischwälder am Franz-Josef-Weg nach St. Wolfgang enthalten stellenweise noch stattliche Tannen (Abies alba).

Auf den Almen im hochmontanen Bereich wachsen für den Schafberg typische, sonst im Salzkammergut seltene, Rosenarten wie die Apfel-Rose (Rosa villosa) und die Busch-Rose (Rosa corymbifera). In der Südflanke befinden sich subalpine Fettweiden und Rostseggenrasen, der in Lagen mit langer Schneebedeckung und größerer Feuchtigkeit den großflächig vorkommenden Horstseggenrasen ersetzt. Im tiefgründigen Rasen wächst häufig der Allermannsharnisch (Allium victorialis), der in Oberösterreich sonst sehr selten ist. In südexponierten Hängen, im von einzelnen Kalkfelsen durchsetzten Blaugras-Horstseggenrasen, wächst das sehr seltene Steirische Kohlröschen (Nigritella stiriaca). Diese in Österreich endemische Art ist vom Salzkammergut bis in die Hochschwabgruppe verbreitet. An der windexponierten Kante des Nordabbruchs hat sich ein Polsterseggenrasen entwickelt, in dem viel Silberwurz (Dryas octopetala), Alpen-Süßklee (Hedysarum hedysaroides) und Bewimperter Mannsschild (Androsace chamaejasme) wächst. Im Mittersee gedeiht das Langblättrige Laichkraut (Potamogeton praelongus). Dieses Vorkommen ist das einzige in Salzburg und in Oberösterreich.

Von den vorkommenden Pilzen sind viele mit der Fichte und anderen Nadelbäumen vergesellschaftet. Dies sind etwa Feinschuppiger Ritterling (Tricholoma imbricatum)