mini|hochkant=1.25|Römisches Gladiatoren-Mosaik. Die beiden am Boden liegenden Gladiatoren Astivus und Rodan sind durch ein Theta nigrum als Tote gekennzeichnet. Das Theta nigrum (lateinisch für „schwarzes Theta“) ist ein in griechischen und lateinischen Texten und Inschriften verwendetes Todessymbol. Es besteht aus einem Kreis, der mittig von einer waagerechten Linie durchkreuzt wird, und ähnelt damit der Majuskel (Theta) des griechischen Alphabets. In griechischen Texten wird es als Abkürzung für (, „Tod“) aufgefasst, in lateinischen Texten als Abkürzung von ([er/sie] „ist gestorben“) gelesen. Den Namen erhielt es von Theodor Mommsen nach einem Vers des römischen Dichters Persius.
Verwendung mini|hochkant|Epitaph für Conrad Celtis im Wiener Stephansdom. Die Zeile unten zum Todesdatum und Sterbealter wird durch ein Theta nigrum eingeleitet. Über die Herkunft des Zeichens lässt sich keine Klarheit mehr gewinnen. Es erscheint vor der Zeitenwende auf griechischen Vasen und nach der Zeitenwende häufiger in römischen Texten und Inschriften (Memoriensteinen), auch mit schrägem Balken ähnlich den Zeichen Ø, ∅ oder ø. Der römische Dichter Persius schrieb poetisch vom „schwarzen Theta“ () für ein Todesurteil („Vergehen“ steht sicherlich euphemistisch für „Verbrechen“):Persius, 4, 13, vergleiche lateinische Wikisource.
In einem Ennius zugeschriebenen Vers wurde das Zeichen früher schon als („der unheilvolle Buchstabe Theta“) bezeichnet:
Rufinus von Aquileia schrieb im 4. Jahrhundert, dass in Militärlisten vor den Namen von Verstorbenen ein Theta gesetzt wurde. Diese Praxis wurde 2 Jahrhunderte später von Isidor von Sevilla ebenfalls beschrieben; sie war offensichtlich zu seiner Zeit nicht mehr üblich, denn er benutzte die Vergangenheitsform. Bei Isidor heißt es:
In ägyptischen Papyri des 3. Jahrhunderts ist die Bezeichnung oder auch gemischt griechisch-lateinisch überliefert, was wörtlich etwa „die mit einem Theta Markierten“ bedeutet und sich im Kontext auf Gefallene einer Schlacht bezieht.
In neulateinischen Texten und Biografien wird es als Todessymbol bis weit in die Frühe Neuzeit hinein verwendet. Bekanntere Beispiele der Verwendung sind Grabmale, etwa das Epitaph für Conrad Celtis († 1508) im Wiener Stephansdom, oder die gedruckten Biographien Melchior Adams († 1622).
Deutung Isidor von Sevilla, der auch den Ennius-Vers überlieferte, schrieb unmittelbar vor dieser Stelle, dass die Verwendung des Theta vom Wort (, „Tod“) herstamme:
Die neuzeitlichen Gelehrten stimmen angesichts der Zeugnisse darin überein, dass das Symbol ein Todeszeichen ist, so die Deutung von Mommsen im Corpus Inscriptionum Latinarum (CIL), bei dem Latinisten Du Cange,« Th » (par C. du Cange, 1678), dans du Cange et al., , éd. augm., Niort : L. Favre, 1883–1887, t. 8, col. 092b (lateinisch, Digitalisat). bei dem Hebraisten William RobertsonWilliam Robertson: A Dictionary of Latin Phrases: Comprehending a Methodical Digest of the Various Phrases from the Best Authors, London 1824, S. 229 (englisch, ). oder in der Ausgabe der Werke von Giraldus Cambrensis.J. S. Brewer, James F. Dimock, George F. Warner: Giraldi Cambrensis Opera, Cambridge University Press, 2012, ISBN 978-1-108-04297-0, Glossary, S. 260 (englisch, – Google Books). Ob es von griechisch oder aus anderer Tradition stammt, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit beantworten. Die lateinische Lesung ([er/sie] „ist gestorben“), von der Mommsen überzeugt war, ist wohl jünger und nicht der Ausgangspunkt, wie die Papyri aus dem 3. Jahrhundert mit den Wörtern und zeigen, die allerdings zu Mommsens Lebenszeit nicht bekannt waren.
Darstellung in Druckwerken und Computersystemen In Druckwerken wird das Zeichen häufig durch die Majuskel des griechischen Alphabets wiedergegeben.
In Unicode werden die Zeichen (U+0398 ), (U+03F4 ) – siehe im Unicodeblock Griechisch und Koptisch – und Ꝋ (U+A74A , siehe im Unicodeblock Lateinisch, erweitert-D) unterschieden. Hier kann das am genauesten durch das letztgenannte Unicodezeichen wiedergegeben werden, da nur bei diesem der Querstrich stets über den Kreis hinausragt.
Weblinks
Belege CIL I1, Indices, S. 613 (“Litterae singulares”), vergleiche . Isidor von Sevilla: Etymologiae sive Origines.
Kategorie:Schriftzeichen Kategorie:Griechische Schrift Kategorie:Lateinische Phrase Kategorie:Geschichte des Todes