Die Liste der Kreise im Kurfürstentum Hessen ist zum überwiegenden Teil dem amtlichen Verzeichnis von 1821Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 70–77 entnommen. So weit möglich ist die Original-Schreibweise beibehalten worden.
Geschichte 1821 wurde das Kurfürstentum ein einheitlicher Staat – es war nun nicht mehr, wie zuvor, eine Anzahl von Herrschaften (z. B. Großherzogtum Fulda oder das Fürstentum Hanau usw., jede selbständig und nur durch die Person des Monarchen verbunden). Justiz und Verwaltung wurden als Folge einer langen Entwicklung endgültig getrennt (Trennung von Justiz und Verwaltung; Gewaltenteilung), und für die innere Staatsverwaltung wurde das Staatsgebiet neu in Provinzen, Kreise und Gerichtsbezirke (Justizämter) eingeteilt. Die kurhessischen Kreise wurden nach dieser Verwaltungsreform (Funktional- und Territorialreform) aus Landgerichten, Ämtern, Justizämtern und Gerichten geschaffen.
Nach nur acht Jahren wurde bereits 1829 der Kreis Salmünster aufgelöst. 1848 wurden die Kreiseinteilung insgesamt aufgehoben und der Staat in Bezirke eingeteilt. Bereits 1851 wurde auch die Bezirkseinteilung wieder aufgehoben und die Kreiseinteilung wieder hergestellt.
Die Kreise erfuhren dann nach der preußischen Annexion 1866 geringe territoriale Veränderungen. Das Kurfürstentum Hessen (und das Herzogtum Nassau) wurden „für immer“ mit der preußischen Monarchie vereinigt§ 1 Gesetz, betreffend die Vereinigung des Königreichs Hannover, des Kurfürstenthums Hessen, des Herzogthums Nassau und der freien Stadt Frankfurt mit der Preußischen Monarchie vom 20. September 1866, Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten (preußGS 1866) S. 555 und die Preußische Verfassung wurde am 1. Oktober 1867 in den annektierten Gebieten in Kraft gesetzt.§ 2 Gesetz, betreffend die Vereinigung des Königreichs Hannover, des Kurfürstenthums Hessen, des Herzogthums Nassau und der freien Stadt Frankfurt mit der Preußischen Monarchie vom 20. September 1866, Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten (preußGS 1866) S. 555 Aus anderen Staaten (Königreich Bayern und Großherzogtum Hessen) wurden lediglich Gebiets- und Ortsteile annektiert.Gesetz, betreffend die Vereinigung bisher Bayerischer und Großherzoglicher Hessischer Gebietstheile mit der Preußischen Monarchie vom 24. Dezember 1866, Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten, (preußGS 1866) S. 876: § 1 Nr. 4 (Landgrafschaft Hessen-Homburg), § 1 Nr. 5 (Kreis Biedenkopf), § 1 Nr. 6 (Kreis Vöhl, einschließlich der Enklaven Eimelrod und Höringhausen), § 1 Nr. 7 (Gemeinden im nordwestlichen Teil des Kreises Gießen: Frankenbach, Krumbach, Königsberg, Fellingshausen, Bieber, Haina, Rodheim, Waldgirmes, Naunheim und Hermannstein mit ihren Gemarkungen), § 1 Nr. 8 (der Ortsbezirk Rödelheim) und § 1 Nr. 9 (der bisher unter großherzoglich Hessischer Souveränität stehende Teil des Ortsbezirks Nieder-Ursel) Diese wurden zwar mit der Preußischen Monarchie ebenfalls für immer vereinigt, die Zuteilung zu einem Kreis erfolgte aber meist erst später. Erst durch die preußische Kreisordnung, für Hessen-Nassau 1885 eingeführt,Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. Juni 1885, § 1 Abs. 1: An die Stelle der bisherigen Kreise treten als Verwaltungsbezirke die in der Anlage A bezeichneten Verwaltungsbezirke Verzeichnis der Kreise, s. S. 175 wurden die ehemaligen kurhessischen Kreise mit geringfügigen Änderungen neu zugeschnitten.
Da die Kreise bis zum 1. April 1886 keine Selbstverwaltungskörperschaften waren, betraf die Annexion die Gemeindeverfassung zunächst nicht. Im ehemaligen Kurfürstentum Hessen (Gemeindeordnung von 1834) und im Herzogtum Nassau (Gemeindegesetz 1854) galten die bisherigen Gemeindeordnungen weiterhin fort. Auch in den erworbenen Gebietsteilen aus anderen Staaten (Königreich Bayern und Großherzogtum Hessen) galten die zum Zeitpunkt der Besitzergreifung (Eingliederung) geltenden Gemeindeordnungen (z. B. die bayerische GemeindeverfassungVerordnung: Die künftige Verfassung und Verwaltung der Gemeinden im Königreiche betreffend. Vom 17. May 1818, Gesetzblatt für das Königreich Baiern. V. Stück. München, Mittwoch, den 20. May 1818, (bayGBl. 1818) S. 49–96Gesetz vom 1. July 1834, die Revision der Verordnung vom 17. May 1818, die Verfassung und Verwaltung der Gemeinden betreffend, Gesetzblatt für das Königreich Bayern, No. 15, München, den 11. July 1834, (bayGBl. 1834) S. 109–130 für die Gemeinden in dem Bezirk Gersfeld§ 1 Nr. 1 Gesetz, betreffend die Vereinigung bisher Bayerischer und Großherzoglicher Hessischer Gebietstheile mit der Preußischen Monarchie vom 24. Dezember 1866, Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten (preußGS 1866) S. 876 und dem Bezirk Orb§ 1 Nr. 2 Gesetz, betreffend die Vereinigung bisher Bayerischer und Großherzoglicher Hessischer Gebietstheile mit der Preußischen Monarchie vom 24. Dezember 1866, Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten (preußGS 1866) S. 876 oder die hessen-darmstädtische für die Gemeinden im Kreis VöhlGesetz die Gemeinde-Ordnung betreffend vom 30. Juni 1821, Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt (Nr. 29), (RegBl. 1821) S. 355–376). Eine Selbstverwaltung der Kreise (neben der Funktion als Bezirk der inneren Verwaltung) wurde erst durch § 2 der Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. Juni 1885 eingeführt.Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. Juni 1885, § 2: Jeder Kreis bildet nach näherer Vorschrift dieses Gesetzes einen Kommunalverband zur Selbstverwaltung seiner Angelegenheiten mit den Rechten einer Korporation. S. S. 175; Inkrafttreten des Gesetzes am 1. April 1886 (§ 118 Abs. 1 Kreisordnung), s. S. 173
A. Provinz Niederhessen mit Schaumburg LaufendeNummer Bezeichnung des Kreises Bezeichnung der einzelnen Bestandtheile Einwohner(1821) I. Kreis Cassel a) Residenzstadt Cassel, nebst der Wilhelmshöher und Leipziger Vorstadt, dem Siechenhof, der Kolonie Philippinenhof etc., b) Landgericht Cassel: bisheriges Amt Ahna, bisheriges Amt Waldau, bisheriges Amt Wilhelmshöhe (ohne die Vogtei Hasungen), aus dem Amte Grebenstein: Knickhagen, nebst der Spiegelmühle, Rothwesten, nebst dem herrschaftlichen Gute, Hof Eichenberg und Hof Winterbühren, aus dem Amte Grosalmerode: Eschenstruth, Helsa, Oberkaufungen, nebst dem Freudenthaler Alaunbergwerk 48.233 II. Kreis Hofgeismar a) Amt Hofgeismar: bisheriges Amt Hofgeismar. aus dem Amte Sababurg: Hombressen aus dem Amte Trendelburg: Eberschütz, Hümme, Lamerden, Ostheim, Sielen. aus dem Amte Zierenberg: Ehrsen, Grimelsheim, Haueda, Zwergen. b) Amt Grebenstein: bisheriges Amt Grebenstein (ohne Holzhausen, Knickhagen, Rothwesten und Wilhelmshausen). aus dem Amte Zierenberg: Ehrsten, Fürstenwald, Meimbressen, Niedermeiser, Obermeiser, Westuffeln. c) Amt Sababurg: bisheriges Amt Sababurg (ohne Gewissenruh, Hombressen und Lippoldsberg). aus dem Amte Grebenstein: Holzhausen, Wilhelmshausen mit dem Wildhaus bei Münden und der Altmündener Glashütte. d) Amt Carlshafen mit dem Amte Trendelburg: Amt Carlshafen. aus dem Amte Sababurg: Gewissenruh, Lippoldsberg. Amt Trendelburg (ohne Eberschütz, Hümme, Lamerden, Ostheim und Sielen) 30.727 III. Kreis Wolfhagen a) Amt Wolfhagen mit dem Amte Zierenberg: bisheriges Amt Wolfhagen (ohne Ehringen), aus dem Amte Zierenberg: Zierenberg (Sitz eines Amts-Assistenten*), nebst den Kolonien Friderichsau und Friedrichstein, Dörnberg, Ödinghausen nebst der Vogtei Hasungen (aus dem Amte Wilhelmshöhe), b) Amt Volkmarsen: bisheriges Amt Volkmarsen, aus dem Amte Wolfhagen: Ehringen, aus dem Amte Zierenberg: Escheberg, Hohenborn, Laar, Malsburg, Niederelsungen, Niederlistingen, Oberelsungen, Oberlistingen, Rangen, Sieberhausen. c) Amt Naumburg: wie bisher.
) Die Justizamts-Assistenten sind zugleich Actuare für den sie angehenden Theil des Amtes. 21.039 IV. Kreis Fritzlar a) Amt Fritzlar: bisheriges Amt Fritzlar, aus dem Amte Borken: Gombet, nebst der Gombeter und Neuen-Mühle, Grosenenglis, nebst Hof Kalbsburg, Kerstenhausen, nebst der Unter- und Ober-Schwalm-Mühle, Kleinenglis, nebst der Stockelacher Mühle, Udenborn, aus dem Amte Homberg: Uttershausen b) Amt Gudensberg, wie bisher,
c) Amt Jesberg: bisheriges Amt Jesberg, aus dem Amte Borken: Betzigerode, Gilsa, Niedernurf, mit der Unter- und Wag-Mühle, Obernurf, nebst der Wiesenmühle, Reptich, nebst Hof Wickershof, Römersberg, Schiffelborn, mit Schloss Löwenstein, Wenzigerode, Zimmersrode, nebst der Otto-, Leo- und Keilmühle. 24.194 V. Kreis und Landgericht Homberg bisheriges Amt Homberg (ohne Uttershausen). aus dem Amte Borken: Borken, nebst den Höfen Marienrode und Gilserhof, Arnsbach, Dillich, nebst der Dillicher Mühle, Haarhausen, Nassenerfurth, Neuenhain, Pfaffenhausen, Singlis, nebst der Schwalm-Mühle, Stolzenbach, Trockenerfurth. aus dem Amte Neuenstein: Niederappenfeld, Niederhülsa, Wallenstein, mit dem dasigen Vorwerke. 16.736 VI. Kreis Melsungen a) Amt Melsungen: bisheriges Amt Melsungen. aus dem Amte Spangenberg: Beisförth, nebst der Papiermühle, der Roggenmühle und dem Hofe Grüneis, Binsförth. b) Amt Felsberg, wie bisher,
c) Amt Spangenberg (ohne Beisförth und Binsföhrt, Gericht Schemmern mit Diemerode, Eltmannsee u. Friemen). 24.782 VII. Kreis Witzenhausen a) Amt Witzenhausen mit Grosalmerode Amt Witzenhausen. Amte Grosalmerode (ohne Eschenstruth, Helsa und Oberkaufungen) b) Stadt Witzenhausen und Amt Ludwigstein, wie bisher
c) Amt Lichtenau, wie bisher
d) Amt Allendorf (ohne Bergfreiheit Abterode). 25.057 VIII. Kreis Eschwege a) Kurfürstl. Amt Eschwege: aus dem Amte Allendorf: Bergfreiheit, Abterode, nebst der Schmelzhüte, aus dem Gerichte Bilstein: Albungen, mit dem Schlosse und Vorwerk Fürstenstein, Frankershausen, mit der Wüstung Wölfterode, Niddawitzhausen, nebst herrschaftl. Gute Wipperode, mit der Brausmühle, aus dem Amte Bischhausen: Langenhain, nebst herrschaftl. Vorwerk Niederdünzebach, Oberdünzebach, Reichensachsen, nebst dem herrschaftl. Vorwerke und dem Hofe Vogelsburg, aus dem Amte Eschwege: Aue, Hittelrode, Jestädt, Motzenrode, Neuerode, Schwebda, Völkershausen, mit Hof Teufelsthal, Lehnhaus und der Obermühle, aus dem Amte Germerode: Schwalbenthal, b) Fürstl. Rotenburgisches Amt Eschwege, wie bisher,
c) Amt Bischhausen: Amt Bischhausen (ohne Langenhain, Nieder- u. Ober-Dünzebach u. Reichensachsen), mit der Stadt Waldkappel, aus dem Amte Spangenberg: das Gericht Schemmern (nämlich: Burghofen, Gehau, Heirode, Hetzerode, Mäckelsdorf und Schemmern) nebst Dimerode, Eltmannsee, Friemen, d) Amt Bilstein (ohne Albungen, Frankershausen, Niddawitzhausen und Wipperode),
e) Amt Germerode (ohne Schwalbenthal),
f) Amt Wanfried, wie bisher,
g) Amt Netra, wie bisher. 34.551 IX. Kreis Rotenburg a) Kurfürstl. Amt Rotenburg mit Nentershausen und Neuenstein: bisheriges Reservaten-Amt Rotenburg, Amt Nentershausen (Nentershausen Sitz eines Amts-Assistenten), Amt Neuenstein (ohne Hauptschwend, Niederappenfeld, Niederhülsa, Schwarzenborn und Wallenstein), (Radoldshausen Sitz eines Amts-Assistenten.) b) u. c) Fürstlich-rotenburgisches Ober- und Unter-Amt, wie bisher,
d) Amt Sontra, wie bisher. 29.071 X. Kreis Schaumburg a) Landgericht Rinteln: Stadt Rinteln, mit den Höfen Bünte, Krullkrug und Schaafhof, bisheriges Amt Schaumburg (ohne Friedrichsburg, Friedrichshagen, Fuhlen, Heßlingen, Rohden, Segelhorst und Welsede), b) Amt Oldendorf: bisheriges Amt Oldendorf, aus dem Amt Schaumburg: Friedrichsburg, Friedrichshagen, Fühlen, Heßlingen, Rohden, Segelhorst, Welsede, c) Amt Obernkirchen (ohne Pohle),
d) Amt Rodenberg: bisherige Aemter Rodenberg und Sachsenhagen, der bisher zum Amte Obernkirchen gehörige Theil von Pohle. 27.202
B. Provinz Oberhessen