Holden war eine Automarke von GM Holden Ltd, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft des US-amerikanischen Automobilkonzerns General Motors mit Unternehmenssitz in Melbourne, Australien. Holden verfügte bis 2017 über eigene Produktionsstätten und eine eigene Entwicklungsabteilung.
Produktpalette Die Modellpalette (des Jahres 2013) bestand einerseits aus selbst entwickelten Modellen, dem Holden Commodore und dem größeren Holden Caprice, beide mit großen, vorn eingebauten V6- und V8-Motoren, Hinterradantrieb und verschiedenen Karosserieformen (Limousine, Kombi und Pritschenwagen „Ute“), andererseits aus Modellen, die bei GM Korea produziert wurden. Sie wurden außerhalb Australiens unter der Marke Chevrolet verkauft, teils mit eigenen Modellnamen (Chevrolet Aveo als Holden Barina, Chevrolet Spark als Holden Barina Spark).
Frühere Modelle stammten von Opel oder Vauxhall, manche unterschieden sich lediglich im Firmenlogo. In Australien wurden zum Beispiel Holden Astra (fast baugleich mit dem Vauxhall Astra, einem Opel Astra mit Rechtslenkung) verkauft. Die Modelle Barina, Viva, Epica und Captiva basieren auf Fahrzeugen von GM Daewoo.
Andere Fahrzeuge, insbesondere die großen und luxuriösen bzw. die Pick-ups, die für australische Bedingungen besser geeignet erscheinen, waren weitgehend Eigenentwicklungen, die teilweise auf Fahrzeugen anderer GM-Marken basieren. So wurde der Holden Commodore und die darauf basierenden Statesman, Caprice und Ute in Australien entwickelt. Das erste Modell basierte auf dem Opel Commodore C und wurde später weiterentwickelt.
Holden im weltweiten GM-Konzern Der Holden Commodore wurde mit dem Markenzeichen Chevrolet in den arabischen Osten, nach Südafrika als Chevrolet Lumina und in die USA als Chevrolet SS exportiert. Der Holden Caprice bildete als Buick Park Avenue das Flaggschiff von Buick China und wurde bei Shanghai GM aus CKD-Kits zusammengebaut, die aus Australien importiert wurden.
Das technische und Design-Entwicklungszentrum von Holden in Melbourne war Teil des weltweiten Entwicklungsverbunds von General Motors und trug auch zu anderen, nicht nur von Holden vertriebenen Modellen bei. So wurde die Steilheck-Version (Hatchback) des Chevrolet Cruze bei Holden entwickelt und designed. Dort wurde auch das Fahrgestell des Chevrolet Trax für zahlreiche Märkte auch außerhalb Australiens angepasst.
Opel baute in seine Fahrzeuge aus Australien importierte Sechszylindermotoren ein.
Holden Special Vehicles
Das Tuningunternehmen Holden Special Vehicles (HSV) wurde 1987 als Joint-Venture von Holden und Tom Walkinshaw Racing gegründet. HSV produzierte und vertrieb getunte Varianten von Holden-Fahrzeugen. HSV-Versionen des Holden Commodore wurden auch als Modelle der VXR8-Baureihe von Vauxhall nach Großbritannien importiert. VXR8 steht hier für Achtzylindermotoren. VXR-Varianten der Automodelle von Vauxhall entsprachen ansonsten den OPC-Varianten bei Opel. HSV-Varianten von Holden-Autos fuhren auch in der australischen Autorennserie V8 Supercars.
Geschichte Vorgeschichte 1852 wanderte James Alexander Holden aus Walsall in England nach South Australia aus und gründete 1856 die J.A. Holden & Co., eine Sattlerei in Adelaide.Davis, Kennedy, Kennedy (2007): Teil 1, S. 16. 1885 schloss sich der Deutschstämmige Henry Frederick Frost dem Geschäft als Juniorpartner an. So wurde aus J.A. Holden & Co. die Holden & Frost Ltd.Davis, Kennedy, Kennedy (1998): S. 7. Edward Holden, Enkel von James Holden, trat 1905 in die Firma ein und interessierte sich für Automobile. Von da ab entwickelte sich die Firma mit verschiedenen Partnerschaften und 1908 wandten sich Holden und Frost dem Geschäftszweig von kleineren Reparaturen an Automobilpolstern zu. 1913 begann die Firma mit der Herstellung kompletter Karosserien für Motorrad-Seitenwagen und Edward experimentierte mit dem Bau von Aufbauten für verschiedene Kutschen.
Nach 1917 ermöglichten die kriegsbedingten Handelseinschränkungen der Firma die Herstellung ganzer Fahrzeugkarosserien. J.A. Holden gründete 1919 eine neue Firma, die Holden's Motor Body Builders Ltd (HMBB), die sich auf Automobilkarosserien spezialisierte und an der King William Street in Adelaide produzierte.Darwin (2002), S. 3. 1923 stellte HMBB 12.000 Karosserien im Jahr her. Damals war HMBB die erste Firma, die Aufbauten für Ford Australia herstellte, bis deren Werk in Geelong fertig war. Ab 1924 war HMBB der Exklusivlieferant für Karosserien an GM in Australien, wobei die Fertigung in das neue Werk in Woodville in South Australia verlegt wurde. Diese Karosserien passten auf eine Reihe von Fahrgestellen, die von Herstellern wie Chevrolet und Dodge eingeführt wurden.
1926 wurde General Motors (Australia) gegründet und besaß Montagewerke in Newstead, QLD, Marrickville, NSW, in der City Road in Melbourne, in Birkenhead, SA und in Cottesloe, WA,Darwin (2002), S. 7. wobei Karosserien von HMBB und importierte CKD-Fahrgestelle verwendet wurden.Darwin (2002), S. 4. Die Weltwirtschaftskrise sorgte für ein deutliches Sinken der Produktionszahlen bei Holden; von 34.000 Karosserien im Jahre 1930 auf nur noch 1.651 Karosserien im Jahre 1931. 1931 kaufte GM die Holden Motor Body Builders auf und fusionierte sie mit General Motors (Australia) Pty. Ltd. So entstand die General Motors-Holden's Ltd. (GM-H).
1940er Jahre mini|links|Der Holden 50-2106 Ute kam 1951, drei Jahre nach der Limousine 48-215, heraus.
Holdens zweite große Automobilfabrik in Fishermans Bend in Port Melbourne wurde 1936 fertiggestellt. 1939 begann der Bau eines neuen Werkes in Pagewood NSW. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde die Aufnahme der Automobilproduktion verzögert. Man stellte zunächst weiterhin Karosserien und dazu Schusswaffen, Flugzeuge und Motoren her. Noch vor dem Kriegsende unternahm die Regierung von Australien Schritte zur Förderung einer nationalen Automobilindustrie. Sowohl GM als auch Ford präsentierten der Regierung Studien für das erste australische Automobil. Der Vorschlag von Ford wurde von der Regierung zwar favorisiert, hätte aber umfangreiche Subventionen erfordert. Schließlich entschied man sich für den Entwurf von GM, weil dieser nur wenig Unterstützung durch die Regierung benötigte. mini|Premierminister Ben Chifley 1948 bei der Fertigstellung des ersten Holden in der Fabrik in Fishermans Bend (Port Melbourne)
Nach dem Krieg kehrte Holden zum Bau von Automobilkarosserien zurück, diesmal für Buick, Chevrolet, Pontiac und Vauxhall. Der Oldsmobile Ace wurde ebenfalls von 1946 bis 1948 hergestellt. Ab diesem Zeitpunkt verfolgte Holden weiter das Ziel, ein australisches Automobil herzustellen. Dies erforderte Kompromisse mit GM, da der Geschäftsführer von Holden, Laurence Hartnett die Entwicklung einer australischen Konstruktion bevorzugte, während GM eher eine US-amerikanische Konstruktion als Basis für „Australia's Own Car“ sah.Loffler (2006), S. 5–7. Schließlich einigte man sich als Basis auf ein Auto, das Chevrolet vor dem Krieg für den amerikanischen Markt (als „Billig-Chevrolet“) vorgesehen hatte, das aber nie zur Marktreife gelangte.Loffler (2000), S. 5. Der Holden kam 1948 heraus und es gab lange Wartelisten bis ins Jahr 1949 und darüber hinaus.Balderstone, Bowan, Lewis (2006), S. 184–188.
Den Namen Holden wählte man zu Ehren von Sir Edward Holden, dem ersten Präsidenten und Enkel von J.A. Holden. Im Gespräch waren aber auch GeM, Austral, Melba, Woomerah, Boomerang, Emu und Canbra, eine phonetische Schreibweise von Canberra. Obwohl die offizielle Modellbezeichnung 48-215 lautete, wurde der Wagen einfach als Holden angeboten. Die inoffizielle Bezeichnung „FX“ entstand bei Holden selbst und bezog sich auf das überarbeitete Fahrwerk des 48-215 von 1953.Loffler (2002), S. 4.
1950er Jahre mini|Der Holden FC wurde als erstes Modell auf dem Testgelände in Lang Lang Probe gefahren.
In den 1950er Jahren beherrschte Holden den australischen Automobilmarkt. GM investierte umfangreich in die Produktionsleistung und so gelang es der Firma, den steigenden Bedarf an Automobilen im Nachkriegs-Australien zu decken. Billigere Wagen mit Vierzylindermotoren boten nicht die Robustheit des Holden auf den schlechten Straßen in den ländlichen Gegenden Australiens.Davis, Kennedy, Kennedy (2007): Teil 1, S. 38. Ab 1951 wurde parallel zur Limousine 48-215 der Ute 50-2106 gefertigt, dieser war bald überall im ländlichen Australien das „Arbeitspferd“ der Wahl. Die Fertigung der Limousine und des Ute wurden mit kleinen Änderungen bis 1953 fortgeführt. Dann erschien das überarbeitete Modell FJ, das in einer dritten Karosserievariante als geschlossener Lieferwagen zu haben war. Der FJ war das erste neue Holden-Modell seit dem Produktionsbeginn 1948. Mit der Zeit erreichte dieses Modell Kultstatus und gilt als typisches australisches Auto.Davis, Kennedy, Kennedy (2007): Teil 1, S. 40. Ein neuer Kühlergrill mit horizontalen Stäben dominierte die Front des FJ, der auch verschiedene andere Ausstattungsdetails und kleinere mechanische Änderungen erhielt.Bebbington (1998), S. 14. "… the FJ was easily identified by its bold new, Buick-style grille, new hubcaps and new torpedo-style tail-lights."Loffler (2002), S. 5. 1954 begann der Export des Holden FJ nach Neuseeland. Trotz geringer Unterschiede zum Urmodell 48-215 sorgten Marketingkampagnen und Preisnachlässe für stabile Verkaufszahlen beim Modell FJ und überbrückten so die Zeit bis zum Erscheinen einer kompletten Neukonstruktion. Auf der Australian International Motor Show 2005 in Sydney erwies Holden dem FJ mit dem Konzeptauto Efijy eine Reverenz.Carey (2005), S. 16.
Holdens nächstes Modell, der FE wurde 1956 vorgestellt. Mit dem Station Sedan, einem Kombi, gab es nun eine weitere Karosserievariante. Im selben Jahr begann Holden mit Exporten nach Malaysia und Thailand. Die Verkaufszahlen in Australien blieben auf hohem Niveau und 1958 erreichte Holden einen Marktanteil von 50 % mit dem überarbeiteten Modell FC.Wright (1998), S. 117. Dies war das erste Holden-Modell, das auf dem neuen Testgelände der Firma in Lang Lang Probe gefahren wurde. 1957 dehnten sich Holdens Exportmärkte auf 17 Länder aus; neu dazu kamen Indonesien, Hongkong, Singapur, Fidschi, Sudan, die Länder Ostafrikas und Südafrika. Die Eröffnung der Fertigungsstätte in Dandenong 1956 brachte viele neue Arbeitsplätze und 1959 hatte Holden landesweit 19.000 Mitarbeiter. Im selben Jahr begann die Montage von CKD-Kits in Südafrika und Indonesien.
1960er Jahre 1960 führte Holden das dritte grundlegend neue Modell, den FB, ein. Das Design erinnerte mit seinen Heckflossen und seinen Panoramascheiben an die Chevrolets der 1950er Jahre. Bereits bei seiner Einführung empfanden viele Kunden sein Erscheinungsbild als veraltet. Man bemerkte in der Branche schnell, dass der aus den USA übernommene Stil nicht so recht zu den kompakteren Holden passte.Wright (1998), S. 122. Der FB war der erste Holden, von dem es auch eine Linkslenker-Version gab. Dies erweiterte sein Exportpotenzial auf die Märkte in Neukaledonien, den Neuen Hebriden, den Philippinen und Hawaii.Davis, Kennedy, Kennedy (2007): Teil 1, S. 46.
mini|links|Der EK von 1960 war Holdens Antwort auf den Ford Falcon. Es gab ihn auch mit Automatik.