Moïse et Pharaon, ou Le Passage de la Mer Rouge (dt.: Moses und Pharao oder Der Zug durchs Rote Meer) ist eine französische Grand opéra in vier Akten von Gioachino Rossini (Musik) mit einem Libretto von Luigi Balocchi und Victor-Joseph-Etienne de Jouy. Sie erschien 1827 an der Pariser Opéra als Überarbeitung von Rossinis 1818 komponierten Mosè in Egitto. Eine italienische Rückübersetzung entstand noch im selben Jahr unter dem Titel Mosè e Faraone. Sie wird meist unter dem Kurztitel Mosè aufgeführt.
Handlung
Die Oper behandelt die biblische Erzählung vom Auszug des israelitischen Volkes aus Ägypten, versehen mit einer Liebesgeschichte zwischen Aménophis, dem Sohn Pharaons, und der Israelitin Anaï, der Tochter von Moïses Schwester Marie. Moïse ist aus Ägypten zu den Midianitern geflohen. Seinem Bruder Éliézer (Aaron) gelingt es, Pharaon zu überreden, den Hebräern die Ausreise zu erlauben. Diese widerruft er aber kurz darauf wieder. Gott straft die Ägypter für diesen Wortbruch mit der Plage der Finsternis. Auf Drängen des ägyptischen Volkes erklärt sich Pharaon wieder bereit, die Hebräer ziehen zu lassen. Der Isis-Priester Osiride verlangt jedoch, dass sie zuvor der Göttin Isis ein Opfer darbringen. Es kommt zu weiteren Plagen. Die Gewässer verwandeln sich in Blut, Heuschrecken verwüsten das Land, und Krankheiten breiten sich aus. Pharaon droht, sich dafür an den Israeliten zu rächen. Daraufhin bewirkt Moïse ein Wunder. Die Isis-Statue fällt um, und an ihrer Stelle erscheint die Bundeslade. Nun entscheidet sich Pharaon für einen Kompromiss, um den Befehlen beider Gottheiten Folge zu leisten. Er lässt die Israeliten gefesselt aus der Stadt ziehen. Aménophis folgt ihnen mit Anaï bis zum Roten Meer, um Moïse um ihre Hand zu bitten. Anaï selbst lehnt ab, um bei ihrem Volk zu bleiben. Aménophis holt das ägyptische Heer, um sich an ihnen zu rächen. Nach einem Gebet der Hebräer teilt sich das Rote Meer und gibt einen Fluchtweg frei. Die ihnen folgenden Ägypter werden von den Fluten verschlungen.
Die folgende Inhaltsangabe basiert auf der französischen Fassung von 1827.
Erster Akt
mini|links|Bühnenbild, 1827
Das Lager der Midianiter vor den Mauern von Memphis
Man sieht das Zelt von Moïse, vor dem sich ein Altar aus Gras erhebt; ein Palmenwald auf der linken Seite, und an dessen Rand einige Sträucher, von denen einer durch seine Form und seine Größe auffällt.
Szene 1. Moïse ist mit einigen anderen Israeliten aus Ägypten nach Midian geflohen. Gemeinsam mit den Midianitern beten sie um die Befreiung des hebräischen Volkes aus der ägyptischen Sklaverei (Chor: „Dieu puissant“).
Szene 2. Moïse fordert die Anwesenden auf, mit den Klagen aufzuhören. Er erwarte die Rückkehr seines Bruders Éliézer, der Pharaon in seinem Namen auffordern sollte, die Hebräer freizulassen.
Szene 3. Éliézer erscheint mit seiner Schwester Marie und deren Tochter Anaï im Lager. Sie bringen gute Nachrichten. Nachdem sie Pharaon von dem bevorstehenden Zorn Gottes erzählt hatten, habe seine Gattin Sinaïde ihn dazu überredet, den Hebräern die Freiheit zu versprechen. Marie und Anaï konnten bereits mit ihnen zurückkehren. Ein Regenbogen erscheint am Himmel, und eine mysteriöse Stimme bekräftigt den Bund zwischen dem Herrn und seinem Volk. Sie fordert Mose auf, die Gesetzestafeln an sich zu nehmen, die auf einem blumenbedeckten Busch bereit liegen. Die Israeliten werden siegen, sofern sie Gott die Treue halten. Alle außer Anaï gehen.
Szene 4. Anaï fühlt sich schuldig wegen ihrer Liebe zum ägyptischen Prinzen Aménophis. Sie betet zu Gott um Vergebung.
Szene 5. Aménophis erscheint mit einigen ägyptischen Soldaten. Er fleht Anaï an, bei ihm zu bleiben. Sie versichert ihm ihre Liebe, ist aber entschlossen, ihrer Mutter zu gehorchen und mit ihrem Volk fortzuziehen (Duett: „Ah! si je perds l’objet que j’aime“). Aménophis ist verzweifelt. Er beschließt, mit Moïse zu reden und tritt in dessen Zelt.
Szene 6. Die Israeliten feiern den Freudentag mit einem Lobgesang an Gott (Chor: „Jour de gloire“). Nur Anaï ist trübsinnig. Sie vertraut sich ihrer Mutter Marie an, die vergeblich versucht, sie zu trösten (Duett: „Dieu, dans ce jour prospère“).
Szene 7. Aménophis kommt zusammen mit Moïse aus dessen Zelt. Moïse kann kaum glauben, was Aménophis ihm mitgeteilt hat: Der Pharao hat die Abreiseerlaubnis widerrufen. Die Hebräer sind entsetzt über diesen Wortbruch. Moïse prophezeit den Ägyptern Gottes Rache mit Hagel und Feuer. Aménophis hält dies für eine Drohung und befiehlt seinen Soldaten, ihn festzunehmen. Die Israeliten rüsten sich zu Moïses Verteidigung.
Szene 8. Pharaon selbst erscheint und gebietet Einhalt. Moïse stellt ihn wegen seines Wortbruchs zur Rede (Finale: „Quel delire!“). Pharaon aber bekräftigt seine Entscheidung und fordert Respekt von seinen Sklaven. Moïse schüttelt seinen Stab, worauf sich die Sonne verdunkelt. Ein Sturm mit Blitz und Donner zieht auf. Alle geraten vor Entsetzen in größte Verwirrung.
Zweiter Akt
mini|links|Bühnenbild, 1827
Galerie im Palast Pharaons
Szene 1. Die Ägypter und die königliche Familie klagen über die über das Land hereingebrochene Finsternis (Introduktion: „Désastre affreux!“). Das Volk fleht Pharaon an, einzulenken. Er lässt Moïse kommen. Sinaïde und das Volk schöpfen wieder Hoffnung. Nur Aménophis fürchtet erneut, seine Geliebte zu verlieren.
Szene 2. Moïse erscheint vor Pharaon. Er weist ihn erneut auf seinen Wortbruch hin und fragt ihn, ob er erneut falsche Versprechen abgeben wolle. Pharaon verspricht, sein Volk diesmal wirklich ziehen lassen zu wollen, falls Moïse für ein Ende der Finsternis sorgt. Moïse spricht ein Gebet, worauf sich der Himmel aufklärt (Anrufung: „Arbitre supreme“). Alle jubeln – nur Aménophis fürchtet den Verlust Anaïs (Quintett: „O toi dont la clemence“).
Szene 3. Pharaon teilt seinem Sohn mit, dass er ihm die assyrische Prinzessin Elegyne zur Gattin ausgewählt habe. Er wolle dies gleich im Isis-Tempel öffentlich verkünden. Aménophis ist entsetzt. Er weiß nicht, wie er seinem Vater seine Liebe zu Anaï offenbaren soll. Als Pharaon ihn nach dem Grund für seinen Kummer fragt, antwortet er lediglich mit dunklen Anspielungen (Duett: „Cruel moment!… que faire?“). Pharaon lässt ihn allein.
Szene 4. Aménophis ist entschlossen, seinem Vater entgegenzutreten. Nichts und niemand soll ihn und Anaï trennen.
Szene 5. Sinaïde erscheint mit einigen Höflingen. Sie weiß Bescheid über Aménophis’ Liebe, erinnert ihn aber an seine Pflichten seinem Land und seinem Vater gegenüber, da er einst die Macht über das Reich erben werde. Aménophis bleibt standhaft. Er droht, sich an Moïse zu rächen. Als seine Mutter ihn aber anfleht, seine Rache- und Liebesgefühle aufzugeben (Arie: „Ah! d’une tendre mère“), verspricht er, ihr zu gehorchen. In der Ferne sind die Freudenrufe des Volkes zu hören. Sinaïde stimmt ein, aber Aménophis bleibt insgeheim trübsinnig.
Dritter Akt
mini|links|Édouard Desplechin: Bühnenbild des dritten Akts
Vorhalle des Tempels der Isis
Szene 1. Pharaon, der Priester Osiride und weitere ägyptische Priester und Edelleute preisen die Göttin Isis (Marsch und Chor: „Reine des cieux“). Das Fest beginnt.
Szene 2. Moïse, Éliézer, Marie, Anaï und weitere Hebräer unterbrechen die Zeremonie. Moïse fordert die Einlösung des königlichen Versprechens. Pharaon bestätigt seine Erlaubnis zur Abreise der Israeliten. Osiride allerdings verlangt nun von ihnen, zuvor der Göttin Isis eine Opfergabe darzubieten. Moïse lehnt dies entschieden ab.
Szene 3. Der ägyptische Hauptmann Aufide berichtet von neuen Plagen, die über das Land hereingebrochen sind. Das Wasser habe sich in Blut verwandelt, Schlachtlaute seien zu hören, Heuschrecken haben die Felder vernichtet, und der Wind führe Krankheiten mit sich. Osiride und die Priester drängen Pharaon zur Rache an den Hebräern. Sinaïde, Marie und die anderen anwesenden Frauen bitten im Gegenzug um Milde. Moïse fordert Pharaon auf, Reue zu zeigen. Schließlich streckt er seinen Arm gegen die falschen Götter aus. Die Isis-Statue stürzt um, und an ihrer Stelle erscheint von goldenem und blauen Licht umgeben die Bundeslade. Nach einem Moment allgemeiner Bestürzung entscheidet Pharaon, dem Willen beider Götter Genüge zu tun. Er befiehlt, die Israeliten in Ketten zu legen und aus der Stadt in die Wüste zu führen. Während Aménophis Anaï zur Flucht drängt, rufen Moïse und die Hebräer den Herrn um Hilfe an.
Vierter Akt
Am Ufer des Roten Meeres
Szene 1. Auf ihrer Flucht sind Aménophis und Anaï den Israeliten gefolgt (Rezitativ: „Où me conduisez-vous?“). Er teilt ihr mit, dass er ihr zuliebe auf den ägyptischen Thron verzichten wolle. Anaï ist verwirrt. Während Aménophis sie um ihre Liebe bittet, betet sie zu Gott um ihre verlorene Tugend (Duett: „Jour funeste, loi cruelle!“). In der Ferne hören sie die Freudenrufe der Hebräer.
Szene 2. Moïse versichert den Hebräern, dass ihr Leid nun ein Ende habe. Nur Marie beklagt den Verlust ihrer Tochter Anaï. Noch während Moïse sie zu beruhigen versucht, erscheint diese mit Aménophis. Der erklärt Moïse seine Liebe zu Anaï und bittet ihn um ihre Hand. Anaï muss sich nun zwischen ihrem Geliebten und ihrer Familie und ihrem Volk entscheiden (Arie: „Quelle affreuse destinée!“). Schließlich entschließt sie sich, Gott zu folgen und bei ihrem Volk zu bleiben. Aménophis schwört Rache und entfernt sich wütend, um das ägyptische Heer zu holen.
Szene 3. In Erwartung des feindlichen Heeres beten die Hebräer zu Gott um Hilfe (Preghiera/Gebet: „Des cieux où tu résides“). Es scheint keinen Fluchtweg zu geben. Moïse aber vertraut weiterhin auf Gott. Das Meer teilt sich vor ihnen und gibt einen Weg frei. Die Israeliten schreiten hindurch.
Szene 4. An der Spitze des ägyptischen Heeres treffen Pharaon und Aménophis am Ufer ein. Pharaon befiehlt, den Israeliten durch das Meer zu folgen. Ein Unwetter bricht aus, die Wellen schlagen über ihnen zusammen, und alle ertrinken. Nachdem sich der Sturm gelegt und das Meer wieder beruhigt hat, sieht man die Israeliten am anderen Ufer. Marie und die anderen preisen den Herrn für ihre Rettung.
Gestaltung
Instrumentation
Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:Moïse et Pharaon. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Bd. 5. Werke. Piccinni – Spontini. Piper, München und Zürich 1994, ISBN 3-492-02415-7, S. 444
Holzbläser: Piccoloflöte, zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte Blechbläser: vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Ophikleide Pauken, Große Trommel, Becken, Triangel Harfe Streicher
Musiknummern
Die Oper enthält die folgenden Musiknummern:Angaben in der italienischen Wikipedia, dort leider nicht belegt.
Erster Akt Nr. 1. Präludium (teilweise aus Armida) Nr. 2. Chor: „Dieu puissant“ (Szene 1, teilweise aus Armida) Nr. 3. Duett (Anaï, Aménophis): „Ah! si je perds l’objet que j’aime“ (Szene 5, Mosè in Egitto: „Ah se puoi così lasciarmi“, Nr. 3, erster Akt, Szene 4) Nr. 4. Marsch Chor: „Jour de gloire“ (Szene 6, Mosè in Egitto: „All’etra, al ciel“, Nr. 5, erster Akt, Szene 6) Nr. 5. Duett (Anaï, Marie): „Dieu, dans ce jour prospère“ (Szene 6, Mosè in Egitto: „Tutto mi ride intorno“, Nr. 6, erster Akt, Szene 7) Nr. 6. Finale: „Quel delire!“ (Szene 8, Mosè in Egitto: „All’idea di tanto eccesso“, erster Akt, Szene 8) Zweiter Akt Nr. 7. Introduktion: „Désastre affreux!“ (Szene 1, Mosè in Egitto: „Ah! Chi ne aita?“, Nr. 1, erster Akt, Szene 1) Nr. 8. Anrufung: „Arbitre supreme“ (Szene 2, Mosè in Egitto: „Eterno! Immenso!“, Nr. 2, erster Akt, Szene 2) Quintett: „O toi dont la clemence“ (Szene 2) Nr. 9. Duett (Aménophis, Pharaon): „Cruel moment!… que faire?“ (Szene 3, Mosè in Egitto: „Parlar, spiegar non posso“, zweiter Akt, Szene 1) Nr. 10. Arie (Sinaïde): „Ah! d’une tendre mère“ (Szene 5, Mosè in Egitto: „Porgi la destra amata“, Nr. 14, zweiter Akt, Szene 6) Dritter Akt Nr. 11. Marsch Chor: „Reine des cieux“ (Szene 1, aus Bianca e Falliero) Ballett (teilweise aus Armida)