mini|Rückseite des T-Wagens 2805

Die Baureihe T ist die 16. Triebwagen-Generation der Münchner Straßenbahn. Die 103 niederflurigen Gelenkwagen des Typs Avenio ließ die Münchner Verkehrsgesellschaft 2013 bis 2026 in mehreren Serien von Siemens bauen. Die Varianten T1.6, T4.7 und T4.8 sind vierteilig und fast 37 Meter lang. T2.7 und T3.7 sind mit zwei bzw. drei Wagenteilen und 19,1 bzw. 27,7 Metern kürzer, können jedoch in Doppeltraktion eingesetzt werden. Alle Fahrzeuge sind Einrichtungswagen und 2,3 Meter breit.

Geschichte Planung, erste Auslieferung und Vorstellung Die MVG ließ sich ursprünglich eine Option zum Kauf von acht weiteren Zügen des Vorgängermodells, der Baureihe S – eine Variobahnreihe von Stadler Rail – offen. Die Option wurde jedoch nach Zulassungsproblemen der Variobahnen nicht wahrgenommen. Dennoch wurden die Züge für ein expandierendes Verkehrsnetz und im Zuge der sogenannten Angebotsoffensive 2010–2020, womit ein dichterer Takt auf diversen Strecken gemeint ist, von Seiten der MVG benötigt. Daher bestellte die Verkehrsgesellschaft am 28. September 2012 acht Modelle des Avenios von Siemens. Die Fahrzeuge sollten vor allem auf Routen mit hohem Fahrgastaufkommen, also auf den Linien 17, 19, 20, 21 und 22, eingesetzt werden. Durch mangelnde Zeit – die MVG benötigte die Fahrzeuge bereits zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2013, um die dort geplanten Erneuerungen wahrnehmen zu können – mussten die ersten Wagen noch im selben Jahr ausgeliefert werden. Allerdings wurde der 15. Dezember nicht offiziell als Datum des ersten Fahrgasteinsatzes von der MVG bestätigt, nachdem bereits das Vorgängermodell Zulassungsschwierigkeiten hatte. Siemens lieferte die ersten sechs Züge binnen Jahresfrist aus. Die Garnituren wurden in Wien-Simmering hergestellt; die Drehgestelle stammen aus dem Werk in Graz.

Der erste Wagen mit der Nummer 2801 wurde schließlich in der Nacht vom 28. auf den 29. Oktober 2013 im Betriebshof 2 an der Einsteinstraße ausgeliefert. Am 4. November 2013 wurde die Tram erstmals Medien und Ehrengästen aus Stadtverwaltung, Politik und Wirtschaft sowie Mitarbeitern der MVG durch ihren Chef Herbert König und Siemens-Managerin des Business Unit Urban Transport Sandra Gott-Karlbauer in einem abgedunkelten Raum des Betriebshofs an der Einsteinstraße vorgestellt. Gott-Karlbauer meinte, dass Siemens mit der Tram, die sie „(t)rotz des außergewöhnlich engen Zeitplans […] in Rekordzeit“ produziert haben, den „Anspruch, im deutschen und europäischen Markt […] zu einer führenden Rolle“ im Bereich der Straßenbahnproduktion zurückzukehren haben. Neben dem eigentlichen Fahrzeug wurde auch ein Modell der Tram vorgestellt. Nach der Vorstellung wurde das erste ausgelieferte Fahrzeug für notwendige Testfahrten auf der Siemens-Teststrecke im Prüf- und Validationcenter in Wegberg zurück zum Hersteller geschickt, während am zweiten ausgelieferten Fahrzeug, dem Wagen 2802, umfangreiche Einstellungsarbeiten und Tests in München erfolgen sollten.

Weitere Auslieferungen und Testphase Am 6. November 2013 wurde die Tram 2801 wie geplant zurück zum Hersteller geschickt; in der Nacht auf den 12. November wurde schließlich der zweite Wagen, mit dem Test- und Probefahrten in München durchgeführt werden sollten, der MVG ausgeliefert. Das Fahrzeug 2801 kam am 11. Januar 2014 zurück nach München.

Anfang Dezember 2013 gab König jedoch bekannt, dass die Straßenbahnen durch eine verspätete Fertigstellung beziehungsweise Inbetriebsetzung und damit auch ein verspätetes Zulassungsverfahren frühestens ab Januar und nicht bereits zum Fahrplanwechsel den Betrieb ausgenommen werden kann. Eine Siemens-Sprecherin meinte jedoch, der Verzug der Auslieferung beliefe sich lediglich auf wenige Tage. Bis Mitte Dezember hätten sechs Straßenbahnen bereits geliefert sein sollen; nun musste die Zahl auf vier korrigiert werden. Letztendlich befanden sich bis zum Jahresende nur drei Avenios im Münchner Depot. Parallel dazu konnten auch die neuen U-Bahnen, die bereits im Depot der MVG standen, nicht den Betrieb wie geplant aufnehmen. Im Januar 2014 ließ die MVG verlauten, die neuen Trams ab dem 28. April 2014 einsetzen zu wollen.

Bei den Fahrzeugen 2802 und 2805 mussten im Januar 2014 in einem Siemens-Werk in München-Allach Verbesserungen vorgenommen werden.

Am 7. März 2014 wurde der Wagen 2804 erstmals mit zahlreichen technischen Messeinrichtungen auf dem öffentlichen Verkehrsnetz in Betrieb genommen. Er fuhr vom Betriebshof an der Einsteinstraße bis zur Hauptwerkstätte an der Ständlerstraße. Dort absolvierte er auf dem Bremsgleis zahlreiche Messfahrten und fuhr am 20. März zurück in das Depot an der Einsteinstraße.

Bis zum 24. April 2014 waren alle Avenios in München ausgeliefert. Obwohl durch Testfahrten die Trams bereits im Münchner Straßenbahnnetz im Einsatz waren, musste der angestrebte Fahrgasteinsatztermin wieder aufgegeben werden, da die Zulassung der Fahrzeuge durch die Regierung von Oberbayern noch nicht vorlag. Damit konnte die geplante Taktverdichtung erneut nicht realisiert werden. Gleiches galt parallel bei den U-Bahnen für die ebenfalls von Siemens gekauften C2-Züge.

In der Nacht vom 25. auf den 26. April 2014 wurden Tests und Messungen auf um dieser Uhrzeit nicht befahrenen Strecken mit dem Wagen 2801 durchgeführt. Dies waren die ersten Tests im Münchner Straßenbahnnetz mit dem Fahrzeug. In der Folgezeit wurden zahlreiche weitere Testfahrten mit diesem Fahrzeug im Münchner Straßenbahnnetz unternommen.Siehe mehrere Quellen: Ab Mitte des Folgemonats wurde auch Wagen 2804 bei Testfahrten gesichtet.Siehe mehrere Quellen: Unter anderem wurde die Profilfreiheit sowie das Fahrzeugverhalten bei maximaler Auslastung auf allen Strecken simuliert. Ab September machte auch Wagen 2805 Testfahrten außerhalb des Straßenbahnbetriebshofs an der Einsteinstraße.

Probebetrieb Nach Nachbesserungen an den Trams waren Mitte September die Tests abgeschlossen und die Zulassung wurde für einen Probebetrieb erteilt.Siehe mehrere Quellen: Am 17. September 2014 nahm schließlich weltweit der erste Siemens Avenio den Fahrgastbetrieb auf: Der Wagen 2807 fuhr auf der Strecke der Linie 19, der einzigen für diesen Fahrzeugtyp zugelassenen Strecke. Bereits einen Tag vorher schulte die MVG praktisch auf der Strecke der Tram 19 Trambahnfahrer mit dem Wagen 2805. Dieser Wagen war mit Wagen 2801 und 2807 vorläufig für den Fahrgasteinsatz zugelassen. Mit der ersten Fahrt des Avenios mit Fahrgästen waren insgesamt sechs verschiedene Straßenbahntypen gleichzeitig in München im Einsatz, so viele wie seit 1975 nicht mehr. Die Straßenbahn wurde von Presse, Fahrern und Fahrgästen neben dem Design vor allem durch seine „ruhige Fahrweise“ positiv aufgenommen. Seit Anfang Oktober kamen mehr und mehr Fahrzeugeinsätze hinzu, nachdem genug Personal dafür ausgebildet wurde.

Am 19. September 2014 wurde der Wagen 2806 nach Berlin gebracht, damit er dort vom 23. bis zum 26. September auf der InnoTrans vorgestellt werden konnte.

Durch die ersten Fahrten der Baureihe T wurden andere Trams frei, mit welchen die geplante Angebotsoffensive für andere Linien durchgeführt werden konnte. Während die ersten Fahrzeuge den Fahrgastbetrieb aufnahmen, diente Wagen 2801 noch immer für Mess- und Probefahrten. In den Morgenstunden des 18. Novembers 2014 blieb ein Avenio wegen defekter Elektronik im Linieneinsatz hängen, sodass der Tramverkehr auf zwei Strecken zum Erliegen kam. Dies war der erste große Defekt des Avenios im Linieneinsatz. Bis zum 23. Dezember 2014 konnten alle Münchner Avenios systematisch in den Fahrgastbetrieb aufgenommen werden. Die Fahrschulung wurde inzwischen auf verschiedenen Trams auch außerhalb der Strecke der Tram 19 erweitert.

Am 31. Juli 2015 lief die vorläufige Zulassung für die Avenios aus und wurde von der Technischen Aufsichtsbehörde laut der Münchner Verkehrsgesellschaft unerwartet nicht verlängert, obwohl sämtliche Unterlagen und Tests der Aufsichtsbehörde vorgelegt wurden und es keine nennenswerte Störungen gab. Die Aufsichtsbehörde meinte jedoch, dass es sich bei den Unterlagen um „sicherheitsgerichtete Anwendungsbedingungen“ handeln würde, die für einen sicheren Betrieb gegeben sein müssten. Bevor die Trams weiterfahren könnten, müssten diese bereits vorliegende Unterlagen von der MVG noch überprüft werden. Im Rahmen der bayerischen Sommerferien und des daraus resultierenden Ferienbetriebs kam es jedoch nicht zu Einschränkungen.

Elf Tage nach der Betriebseinstellung wurden die Unterlagen gesichtet und der Betrieb durfte bis zum 30. September 2015 vorerst wieder aufgenommen werden. Bis dahin wurden noch einzelne Nachweise nachgereicht, bis die MVG am 30. September 2015 eine dauerhafte Betriebserlaubnis von der Technischen Aufsichtsbehörde erhielt.

Weitere Bestellungen mini|Doppeltraktion von Zwei- und Dreiteiler der zweiten Bauserie auf der Linie 20 Im Oktober 2015 bestellte die MVG nach einer Ausschreibung, die der Hersteller Siemens gewann, weitere 22 Fahrzeuge des gleichen Fahrzeugtyps, zusätzlich vereinbarte die MVG eine Option auf bis zu 124 weitere Fahrzeuge. Neun Zweiteiler und neun Dreiteiler werden nach Verlängerung einzelner Bahnsteige bevorzugt als insgesamt fünfteilige Doppeltraktion auf den sechs Kursen der stark ausgelasteten Linie 20 entlang der Dachauer Straße eingesetzt, zusätzlich wurden vier Vierteiler bestellt, die zur Kapazitätserhöhung auf einigen Linien dienen. Sie besitzen außerdem eine andere Ausstattung als die Wagen der ersten Serie, z. B. andere Sitzmodelle. Nachdem der erste Wagen 2017 ins Prüfcenter nach Wildenrath zu Tests gelangte, wurden ab Dezember 2017 der erste Wagen nach München ausgeliefert. Nachdem sich der Zulassungsprozess verzögerte, werden seit Dezember 2018 alle Vierteiler auf der Linie 19 und fünf der neun Zweiteiler auf der Linie 12 im Linienbetrieb eingesetzt, die restlichen vier Zweiteiler erhielten im April 2019 die Zulassung für den Linienbetrieb. Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019 konnten auch die neun Dreiteiler zugelassen werden. Die Zulassung der Doppeltraktionen 2+3 oder 3+2 erfolgte im Februar 2023, die der Konstellation 2+2 erst Ende September 2024. Der Einsatz längerer Züge, 3+3 oder Kombination mit Vierteilern, ist nicht vorgesehen.

Am 4. Juli 2019 löste die MVG die Option zur Bestellung von 73 vierteiligen Fahrzeugen aus. Von Ende 2021 bis Mai 2026 wurden die Wagen der neuen Serie ausgeliefert, erster Einsatz war im August 2023.

Beschreibung Basisdaten Die Kosten aller acht Züge der ersten Serie, die nach offizieller Bezeichnung die Baureihe T 1.6 bilden, wurde auf 29 Millionen Euro veranschlagt, das entspricht 3,625 Millionen Euro pro Zug. Später wurde der Gesamtpreis auf 32 Millionen Euro, also vier Millionen Euro pro Zug, korrigiert. Die MVG beantragte dazu auch Fördergelder des Freistaat Bayerns. Der Avenio, der in München 47,8 Tonnen schwer ist, kam in der Landeshauptstadt weltweit erstmals zum Einsatz und ist ein Nachfolgemodell des Combinos, der wiederum ein Nachfolgemodell der GTxN-Reihe ist, die als Baureihe R auch in München verkehren. Die Nutzlast der T-Baureihe wird auf 23,6 Tonnen beziffert. Der Avenio besteht aus vier Wagenteilen, bei denen jedes Wagenteil auch mittig ein eigenes Fahrwerk besitzt. Der Aufbau der Waggons hat, anders als die Baureihe S, Drehgestelle direkt unter statt zwischen den einzelnen Wagenkästen. Laut Matthias Hintzen vom Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr bietet dies den Fahrgästen deutlich mehr Komfort.