Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der spanischen Fußballnationalmannschaft bei Europameisterschaften. Spanien nahm 2024 zum zwölften Mal an der Endrunde zur Europameisterschaft teil und wurde viermal Europameister sowie einmal Zweiter. Spanien ist damit seit 2024 alleiniger Rekordeuropameister, nachdem man dies seit 2012 zusammen mit Deutschland bereits war.

Übersicht Die spanische Nationalmannschaft nahm bisher zwölfmal an EM-Endrunden teil. 1964 feierte die Auswahl im eigenen Land den ersten Titelgewinn, ein Erfolg, der 2008 in Österreich und der Schweiz, 2012 in Polen und der Ukraine sowie 2024 in Deutschland wiederholt wurde. 1984 erreichten die Spanier das Finale, scheiterten jedoch dort an Gastgeber Frankreich.

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten1960 Frankreich disqualifiziert – – – Spanien wurde disqualifiziert, nachdem das spanische Regime das Antreten der Mannschaft in der UdSSR untersagt hatte1964 Spanien Finale UdSSR Europameister José Villalonga 1. Titelgewinn1968 Italien nicht qualifiziert – – – Im Viertelfinale an Weltmeister England gescheitert.1972 Belgien nicht qualifiziert – – – In der Qualifikation an der UdSSR gescheitert.1976 Jugoslawien nicht qualifiziert – – – Im Viertelfinale an Titelverteidiger BR Deutschland gescheitert.1980 Italien Vorrunde Belgien, England, Italien 7.* László Kubala Als Gruppenletzter ausgeschieden1984 Frankreich Finale Frankreich 2. Platz Miguel Muñoz 1988 Deutschland Vorrunde Dänemark, BR Deutschland, Italien 6.* Miguel Muñoz 1992 Schweden nicht qualifiziert – – – In der Qualifikation an der Frankreich und der Tschechoslowakei gescheitert, die sich auch nicht qualifizieren konnte.1996 England Viertelfinale England 6.* Javier Clemente Aus im Elfmeterschießen2000 Niederlande und Belgien Viertelfinale Frankreich 5.* José Antonio Camacho Aus gegen Weltmeister Frankreich, der anschließend den Titel gewann.2004 Portugal Vorrunde Griechenland, Portugal, Russland 10.* Iñaki Sáez 2008 Schweiz und Österreich Finale Deutschland Europameister Luis Aragonés 2. Titelgewinn2012 Polen und Ukraine Finale Italien Europameister Vicente del Bosque 3. Titelgewinn, erste Titelverteidigung 2016 Frankreich Achtelfinale Italien 10.* Vicente del Bosque Nach Siegen gegen Tschechien und die Türkei sowie einer Niederlage gegen Kroatien als Gruppenzweiter das Achtelfinale erreicht. 2021 Europa Halbfinale Italien 3./4.* Luis Enrique Spanien stellte mit dem Olympiastadion Sevilla in Sevilla eine Spielstätte für drei Gruppenspiele und ein Achtelfinalspiel, musste sich aber qualifizieren, was am 15. Oktober 2019 gelang und konnte dann in der Gruppenphase drei Spiele in Sevilla bestreiten, wo sie gegen Polen und Schweden remis spielten und gegen die Slowakei, die sich über die Playoffs qualifiziert hatte, mit 5:0 gewannen. Im Achtelfinale konnten sie Vizeweltmeister Kroatien mit 5:3 n. V. bezwingen und im Viertelfinale die Schweiz im Elfmeterschießen. Im Halbfinale scheiterten die Spanier dagegen im Elfmeterschießen.2024 Deutschland FinaleEngland Europameister Luis de la Fuente Gegner in der Qualifikation waren Georgien, Norwegen, Schottland und Zypern. Bei der Endrunde trafen die Spanier in der Gruppenphase auf Italien, Kroatien sowie Albanien und im Achtelfinale auf Georgien. Gegner im Viertelfinale war Gastgeber Deutschland, gegen den mit 2:1 nach Verlängerung gewonnen wurde. Im Halbfinale gegen Frankreich gelang wieder ein 2:1-Sieg.

Endrunden mit vier Teilnehmern EM 1960 An der ersten Fußball-Europameisterschaft 1960, die noch als „Europapokal der Nationen“ ausgetragen wurde, nahm Spanien zunächst teil. Im Achtelfinale wurde Polen in zwei Spielen besiegt (4:2 und 3:0), wobei Luis Suárez das erste Qualifikationstor und Alfredo Di Stéfano insgesamt drei Tore erzielte. Im Viertelfinale sollte Spanien dann gegen die Sowjetunion antreten. Der Kalte Krieg dominierte zu der Zeit aber noch den Sport und Spanien weigerte sich, auf Geheiß der damaligen Regierung unter Diktator Francisco Franco, in der Sowjetunion zu spielen, obwohl sich die spanische Mannschaft auf dem Weg in die UdSSR bereits am Flughafen in Madrid versammelt hatte. Die Führung der Sowjetunion lehnte ihrerseits eine Austragung auf neutralem Boden ab. Die beiden Spiele wurden von der UEFA mit jeweils 3:0 für die Mannschaft der UdSSR gewertet. Spanien musste zudem noch eine Konventionalstrafe zahlen.Ralf Klee und Broder-Jürgen Trede: "Als Spanien und Russland fast die EM sprengten", in einestages: Zeitgeschichten auf Spiegel Online, 9. Juni 2008 Die UdSSR erreichte somit kampflos die Endrunde in Frankreich und wurde dort erster „Europapokalsieger der Nationen“.

EM 1964 Vier Jahre später wollten schon mehr Mannschaften als 1960 teilnehmen, darunter auch wieder Spanien. Daher wurde dem Achtelfinale eine Vorrunde vorgeschaltet und Spanien musste in dieser gegen Rumänien antreten. Spanien, das seit dem Vorrundenaus bei der WM 1962 von José Villalonga trainiert wurde, gewann das Heimspiel mit 6:0, wobei Vincente Guillot allein drei Tore erzielte. Im Rückspiel 14 Tage später konnte dann ein 1:3 verkraftet werden.

Im Achtelfinale trafen sie auf Nordirland und erreichten im Heimspiel nur ein 1:1. Im Rückspiel konnte dann aber Kapitän Francisco Gento mit einem Tor den 1:0-Sieg und das Weiterkommen sichern. Auch im Viertelfinale ging es nach Irland, diesmal gegen die Republik. Nach einem 5:1 im Heimspiel und einem 2:0 in Dublin stand Spanien als Endrundenteilnehmer fest. Die Endrunde wurde dann an Spanien vergeben und die Spanier nutzten den Heimvorteil. Gegen Ungarn benötigten sie im Halbfinale allerdings die Verlängerung, um ins Finale gegen Titelverteidiger Sowjetunion einzuziehen. Hier gingen sie bereits in der 6. Minute in Führung, mussten aber zwei Minuten später den Ausgleich hinnehmen. Der Siegtreffer fiel dann erst sechs Minuten vor dem Ende. Der Spanier Jesús María Pereda erzielte bei der Endrunde zwei Tore und war zusammen mit zwei Ungarn bester Torschütze der Endrunde.

EM 1968 Für die Fußball-Europameisterschaft 1968 wurden in der Qualifikation erstmals Gruppenspiele angesetzt und anders als bei Weltmeisterschaften war der Titelverteidiger nicht automatisch qualifiziert. Spanien musste gegen die Tschechoslowakei, Irland und die Türkei antreten. Spanien, das nach dem Vorrundenaus bei der WM 1966 von Domènec Balmanya trainiert wurde, gewann alle Heimspiele, spielte zweimal remis und verlor nur in der Tschechoslowakei und profitierte dann von der Heimniederlage der Tschechoslowakei im letzten Spiel gegen Irland. Damit war Spanien mit einem Punkt Vorsprung vor der Tschechoslowakei als Gruppensieger für das Viertelfinale qualifiziert. In diesem trafen sie auf Weltmeister England und verloren beide Spiele.

England war damit für die Endrunde qualifiziert, die in Italien stattfand und wurde dort Dritter.

EM 1972 Für die EM-Endrunde 1972 konnte sich Spanien dann wieder nicht qualifizieren. In einer Gruppe mit der Sowjetunion, Nordirland und Zypern konnte Spanien zwar die meisten Tore erzielen, verlor aber in der UdSSR und erreichte im Heimspiel gegen die UdSSR nur ein 0:0. Damit wurde Spanien nur Gruppenzweiter, die UdSSR erreichte dann auch die Endrunde, verlor dort aber im Finale gegen Deutschland.

EM 1976 1976 wurde die Endrunde letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen. Spanien konnte sich zwar in der Gruppenphase ungeschlagen gegen Rumänien, Schottland und Dänemark durchsetzen, scheiterte dann aber im Viertelfinale an Titelverteidiger Deutschland. Nach einem 1:1 im Heimspiel wurde das Rückspiel mit 0:2 verloren. Deutschland erreichte dann wieder das Finale, verlor dieses aber im Elfmeterschießen gegen die Tschechoslowakei.

Endrunden mit acht Teilnehmern EM 1980 Die Fußball-Europameisterschaft 1980 wurde erstmals mit acht Mannschaften ausgetragen und erstmals wurde der Gastgeber vorab festgelegt. Italien konnte sich dabei bei der Bewerbung durchsetzen. Spanien musste dagegen über die Qualifikation und erledigte die Aufgabe gegen Jugoslawien, Rumänien und Zypern erfolgreich.

Bei der Endrunde fand nun erstmals eine Gruppenphase statt, bei der je 4 Mannschaften einmal gegen jede andere spielte und die beste Mannschaft jeder Gruppe direkt das Finale erreichte, während die zweitbeste Mannschaft das letztmals ausgetragene Spiel um Platz 3 bestritt. Spanien traf im ersten Spiel auf Gastgeber Italien und kam nur zu einem torlosen Remis. Die blieb aber der einzige Punktgewinn, denn im zweiten Spiel gegen Belgien wurde mit 1:2 verloren und auch das dritte Spiel gegen England endete ebenso. Damit schied Spanien als Gruppenletzter aus.

EM 1984 In der Qualifikation für die EM 1984 in Frankreich mussten die Spanier in Gruppe 7 gegen die Niederlande, Irland, Island und Malta antreten. Die Spanier wurden seit dem Zwischenrundenaus bei der Heim-WM von Miguel Muñoz trainiert. Spanien und die Niederländer gewannen ihre Heimspiele gegeneinander und gaben nur in Irland bzw. Island einen Punkt ab. So hatten beide am Ende 13:3 Punkte und eine Tordifferenz von +16. Da die Spanier aber im letzten Spiel gegen Malta mit 12:1 gewannen, wobei sie zur Pause nur mit 3:1 führten, und damit zwei Tore mehr als die Niederländer geschossen hatten, fuhren sie zur EM-Endrunde.

Bei der Endrunde kamen sie in den ersten beiden Spielen gegen Rumänien und Portugal nur zu zwei 1:1-Unentschieden. Auch im letzten Gruppenspiel gegen Titelverteidiger Deutschland stand es lange 0:0, was den Deutschen zum Halbfinaleinzug gereicht hätte, für Spanien aber das Aus bedeutet hätte. In der 90. Minute gelang Libero Antonio Maceda aber noch der 1:0-Siegtreffer, was die Verhältnisse umkehrte: Deutschland schied aus und Spanien stand als Gruppensieger im Halbfinale. Dort trafen sie auf die Überraschungsmannschaft aus Dänemark um Michael Laudrup. Bereits nach sieben Minuten mussten sie den 0:1-Rückstand hinnehmen, konnte aber danach die dänischen Angriffe abblocken. In der 67. Minute war es dann wieder Maceda, der für Spanien traf. Weitere Tore fielen dann auch in der Verlängerung nicht und so kam es zum ersten Elfmeterschießen für die Spanier. Während alle fünf Spanier trafen, schoss Preben Elkjær Larsen seinen Elfmeter über das Tor und Spanien zog ins Finale ein. Hier trafen sie auf Gastgeber Frankreich, der souverän das Finale erreicht hatte. Die Spanier überraschten die Franzosen zunächst durch sehr offensiven Fußball und hatten die ersten Chancen, konnten diese aber nicht nutzen. In der zweiten Halbzeit führte ein fataler Fehler von Spaniens Torwart Luis Arconada zur Führung der Franzosen: Einen direkten Freistoß von Michel Platini ließ Arconada durch die Hände gleiten und im Zeitlupen-Tempo rollte der Ball über die Linie. Die 1:0-Führung versuchten die Spanier nun mit noch stärkeren Offensivbemühungen auszugleichen, wobei sie Konter der Franzosen in Kauf nahmen. Aber auch nachdem der französische Innenverteidiger Le Roux in der 85. Minute vom Platz gestellt worden war, blieben die Bemühungen erfolglos. Dagegen konnten die Franzosen der 90. Minute einen Konter durch Linksaußen Bruno Bellone erfolgreich abschließen, womit Frankreich erstmals den Titel gewann.

EM 1988 Die Qualifikation für die EM in Deutschland lief auch wieder erfolgreich. In einer Gruppe mit Rumänien sowie Österreich und Albanien, das alle Spiele verlor, gewannen die Spanier fünf Spiele und verloren nur in Rumänien. Da diese in Österreich nur zu einem 0:0 kamen, hatten die Spanier am Ende einen Punkt mehr und fuhren zur EM-Endrunde.