Die Forsythien (Forsythia) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae). Die Gattung umfasst rund 12 Arten, die bis auf eine in Südosteuropa heimische Art alle in Ostasien beheimatet sind.

Insbesondere eine Kreuzung zweier chinesischer Arten und zahlreiche daraus hervorgegangene Kultivare werden heute vielfach in den gemäßigten Klimazonen Europas und Nordamerikas als Ziergehölze in Gärten und Grünanlagen eingesetzt, wobei ihnen in der Regel nur ein geringer ökologischer Wert zugeschrieben wird.

Beschreibung

mini|hochkant|Junge Blätter von Forsythia intermedia mini|hochkant|Herbstfärbung mini|hochkant|Früchte von Forsythia giraldiana Vegetative Merkmale Forsythien-Arten sind sommergrüne Sträucher, die Wuchshöhen von 1 bis 3 Metern erreichen. Die selbstständig aufrechten, ausgebreiteten bis niederliegenden oder überhängenden Zweige sind hohl oder besitzen ein gekammertes Mark, junge Zweige können im Querschnitt etwas vierkantig sein.

Die gegenständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreiten sind meist einfach, selten dreiteilig. Die Herbstfärbung ist manchmal gelb bis lila-rot, manchmal auch nur dunkelgrün oder olivgrün.

Alle Pflanzenteile sind gering giftig.

Generative Merkmale Die in der Regel geruchlosen Blüten erscheinen im zeitigen Frühjahr noch vor dem Blattaustrieb – je nach Art bzw. Sorte und Witterungsverlauf beginnend ab Februar bis Ende April. Vereinzelt kann es auch zu einer schwachen Vorblüte im Herbst kommen. Die hellgelben bis goldgelben Blüten stehen einzeln oder zu mehreren in den Blattachseln der letztjährigen Zweige. Die zwittrigen Blüten sind vierzählig mit doppelter Blütenhülle. Die vier Kelchblätter sind nur kurz verwachsen, die vier Kronblätter sind glockenförmig verwachsen.

Forsythien-Arten sind distyl, d. h. ein Pflanzenexemplar hat einheitlich entweder kurzgriffelige Blüten (die Staubblätter überragen den Griffel) oder langgriffelige Blüten (der Griffel überragt die Staubblätter); die Staubblätter können auch ganz fehlen. Das deutlich unterschiedliche Erscheinungsbild der Blütenmitten hat zu den englischen Bezeichnungen „thrum-eyed“ (unscharfe Kontur der Staubbeutel) und „pin-eyed“ (scharfe Kontur der Narbe) geführt. Bei Wildsträuchern kommen diese beiden Morphen statistisch gesehen annähernd gleichverteilt vor, bei Kultivaren zeigen alle Pflanzen einer Sorte durch die vegetative Vermehrung die Morphe ihrer Mutterpflanze.

Der oberständige Fruchtknoten besteht aus zwei Fruchtkammern, die jeweils zahlreiche hängende Samenanlagen enthalten. Die zweifächerigen Kapselfrüchte enthalten zahlreiche leicht geflügelte Samen.

mini|hochkant|Forsythia europaea mini|hochkant|Forsythia giraldiana mini|hochkant|Forsythia koreana in Seoul mini|hochkant|Wildhybride Forsythia × mandshurica mini|hochkant|Forsythia suspensa mini|hochkant|Forsythia viridissima in Zhengzhou Systematik Die Gattung Forsythia wurde 1804 durch Martin Vahl aufgestellt. Typusart ist Forsythia suspensa . Der Gattungsname Forsythia ehrt den britischen Botaniker und Gärtner William A. Forsyth (1737–1804), der als Leitender Gärtner den Chelsea Physic Garden und später die königlichen Kensington Gardens führte.

Die Gattung Forsythia bildet zusammen mit der monotypischen Gattung Abeliophyllum (einzige Art ist die Schneeforsythie (Abeliophyllum distichum)) die Tribus Forsythieae innerhalb der Familie der Oleaceae. Es gibt etwa zwölf Forsythia-Arten, von denen mit Ausnahme der in Südosteuropa heimischen Forsythia europaea alle in Ostasien beheimatet sind, sechs davon in China:

Europäische Forsythie (Forsythia europaea ): Sie wurde erst 1897 von dem italienischen Botaniker Antonio Baldacci an ihren bergigen Standorten auf dem Balkan entdeckt und ist von Montenegro über das Kosovo bis ins nördliche Albanien verbreitet.

Forsythia giraldiana : Sie ist in den chinesischen Provinzen Gansu, Henan, Shaanxi und Sichuan beheimatet. Das Epitheton giraldiana ehrt den italienischen Botaniker Giuseppe Giraldi.

Japanische Forsythie (Forsythia japonica ): Sie ist im westlichen Teil der japanischen Insel Honshū und in Korea beheimatet.

Forsythia koreana : Sie ist in Korea beheimatet. Ihren deutschen Namen Koreanische Forsythie teilt sie sich mit Forsythia ovata.

Forsythia likiangensis : Sie ist beheimatet in Sichuan und im nordwestlichen Yunnan. Das Epitheton likiangensis verweist auf die Stadt Lijiang in der Provinz Yunnan (früher oft Likiang geschrieben).

Forsythia × mandshurica : Sterile triploide Wildhybride offenbar prähistorischen Ursprungs; sie gedeiht an Hängen nur im Jiguan Shan in der mandschurischen Provinz Liaoning und verbreitet sich dort vegetativ.

Forsythia mira : Sie ist beheimatet im Kreis Shanyang in Shaanxi.

Forsythia nakaii : Sie ist beheimatet im nördlichen zentralen Korea.

Ovalblättrige Forsythie (Forsythia ovata ), auch (mehrdeutig) Koreanische Forsythie: Sie ist beheimatet in ca. fünf Bergregionen in Korea.

Hänge-Forsythie (Forsythia suspensa (): Sie ist beheimatet in Nord- und Süd-Zentralchina, in Südostchina und in der Inneren Mongolei.

Forsythia togashii : Sie wächst endemisch auf der japanischen Insel Shōdoshima. 1964 als Varietät von Forsythia japonica erstbeschrieben und 1973 zu einer eigenständigen Art hochgestuft.

Grüne Forsythie (Forsythia viridissima ): Sie ist beheimatet im südlichen Zentralchina, in Südostchina und in Korea.

In der freien Natur gibt es von mehr als der Hälfte der Arten nur kleine Populationen, da sie kleinräumig endemische Arten sind. Die Ovalblättrige Forsythie F. ovata wurde von der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources als gefährdet eingestuft. Die beiden japanischen Arten F. japonica und F. togashii sind in der Roten Liste gefährdeter japanischer Pflanzen gelistet. Insbesondere über den Fortbestand von Populationen in Nordkorea gibt es heute keine Informationen.

Von den Wildarten sind nach heutiger Kenntnis mindestens elf in westlichen botanischen Gärten eingeführt worden. Das Arnold-Arboretum in Massachusetts, das ab 1908 die ersten Samen mehrerer Forsythienarten erhielt, die von seinem späteren Leiter Ernest Wilson gesammelt worden waren, unterhält die vielleicht weltweit umfangreichste Sammlung dieser Gattung. Der weitläufige Skulpturenpark „Sculpture by the Lakes“ in der Nähe von Dorchester hat zugleich den Charakter eines botanischen Gartens und beherbergt eine sehr umfangreiche, von Plant Heritage anerkannte nationale Forsythiensammlung, die zunehmend als wichtige Referenz für die Gattung dient.

Geschichte der Einführung in die westliche Gartenkultur Als erste Forsythienart gelangte die Hänge-Forsythie Forsythia suspensa nach Europa; als einer der frühesten Nachweise gilt der Eintrag im 1817 von Christian August Breiter herausgegebenen Katalog seines Breiterschen Wintergartens in Leipzig. Jahrelang war sie die einzige Vertreterin der Gattung in westlichen Gärten, bis 1844–1845 von Robert Fortune mit der Grünen Forsythie F. viridissima eine zweite chinesische Art nach England eingeführt wurde.

In den 1860er-Jahren gelang dem Botaniker und Baumschulinhaber Thomas Meehan in Germantown (Philadelphia)/Pennsylvania die erste experimentelle Kreuzung von Hänge-Forsythie und Grüner Forsythie; Sämlinge daraus wurden aber nie kommerziell erhältlich. 1878 fielen dem deutschen Botaniker Hermann Zabel im Alten Botanischen Garten der Universität Göttingen Sämlinge mit vermischten Eigenschaften beider Arten auf; sie waren aus vom Botanischen Garten Bern bereitgestelltem Hängeforsythien-Saatgut hervorgegangen. Zabel beschrieb die mutmaßliche Hybride 1885 unter der Bezeichnung Forsythia × intermedia. Heute handelt es sich bei den allermeisten Zier-Forsythien in europäischen Gärten und Grünanlagen um Gattungshybriden dieser beiden chinesischen Arten.

mini|hochkant|Forsythia ×intermedia ‘Spectabilis’ Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Forsythienzucht in Deutschland wirtschaftlich bedeutsam, als der Botaniker und Baumschul-Inhaber Franz Späth in Berlin mit der Vermehrung und dem Vertrieb mehrerer Selektionen von Forsythia ×intermedia begann; von diesen war 'Spectabilis' die auffälligste und wurde schnell zum „Goldstandard“ der Gattung.

Nennenswerte Züchtungsprojekte gab es u. a. in den 1930er-Jahren in den USA, in den 1950er-Jahren in Polen und ab 1972 in Frankreich. In Ostasien konzentrierte sich die traditionelle Forsythienzucht eher auf die Auswahl von Laubvarianten von Forsythia koreana.

Verwendungen Kulturelle Hintergründe Forsythien gelten kulturell insbesondere auf der Nordhalbkugel als Frühlingsboten. Aufgrund der im Westen erst sehr kurzen Geschichte ist ihre Verwurzelung in den westlichen Traditionen weitaus oberflächlicher als in Ostasien, wo die dort heimischen Wildarten außerdem in der traditionellen Medizin seit Jahrhunderten eine hohe Wertschätzung als Heilpflanzen genießen. In den asiatischen Kulturen symbolisieren sie vielfach Hoffnung, Erneuerung und Glück, wegen ihrer sattgelben und gerne mit Gold assoziierten Blütenfarbe auch Wohlstand und Wohlergehen. Seit 1971 ist die Forsythie die offizielle Blume der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

Medizinische Verwendung In der traditionellen chinesischen, japanischen und koreanischen Medizin werden seit Jahrhunderten Extrakte aus Blättern und Früchten der dort heimischen Forsythienarten (insbesondere F. suspensa, Forsythia viridissima und Forsythia koreana) unter anderem bei Atemwegsinfektionen, Fieber und Halsschmerzen eingesetzt. In zahlreichen Studien der letzten Jahre wurden einerseits detailliert die medizinisch wirksamen Verbindungen von Forsythien analysiert; Blätter und Früchte enthalten vor allem Lignane, die sich hauptsächlich aus Pinoresinol, Matairesinol, Arctigenin, Phillygenin und deren Glucosiden zusammensetzen. Andererseits wurden auch intensiv die medizinischen Wirkungen erforscht, die insbesondere antibakterieller, antioxidativer, entzündungshemmender und antiviraler Natur sind, Wirkungen gegen verschiedene Krebsarten zeigen und Schutzfunktion für Nervenzellen, Herz und Leber haben können.

Bei den Forschungsaktivitäten ebenso wie bei der tatsächlichen medizinischen Verwendung dominiert eindeutig die Hänge-Forsythie Forsythia suspensa. Ihre getrockneten Früchte sind in der Traditionellen chinesischen Medizin (TCM) als Lianqiao und in der japanischen Pflanzenheilkunde Kampo als rengyô bekannt; im amtlichen Europäischen Arzneibuch sind sie als Monografie unter der Bezeichnung Forsythiae Fructus gelistet. Im asiatischen Raum sind auch zahlreiche TCM-Kombinationspräparate auf dem Markt, die neben Extrakten anderer Heilpflanzen auch Auszüge von Forsythiae Fructus enthalten.

Bislang stammen die Rohstoffe für diese Präparate weitestgehend aus Wildsammlung oder Halbkultur. Während die Nachfrage weiterhin steigt, bereiten Ertrag und Qualität nicht zuletzt aufgrund zunehmender unkontrollierter Wildsammlung und „Pflanzenwilderei“ immer mehr Probleme. Daher wurde in den chinesischen Provinzen Henan, Shanxi, Shaanxi, Shandong und Hebei mit der Anlage von größeren kommerziellen Plantagen begonnen. Allerdings stehen (noch) keine hinsichtlich Ertrag oder Wirkstoffgehalt optimierten Zuchtsorten zur Verfügung, und bei den meisten bisherigen Anpflanzungen wurden Sämlinge als genetisch uneinheitliches Pflanzgut verwendet; die Erträge sind daher mit 2250–3750 kg/ha relativ gering. Es gibt aber erste Forschungen, um die ertragsbestimmenden Gene der Pflanze zu identifizieren und damit Zuchtprojekte beschleunigen zu können.

Gärtnerische Verwendung als Ziergehölze