Als Eiserner Rhein wird eine über Mönchengladbach und Roermond führende Eisenbahnstrecke zwischen den Häfen von Duisburg und Antwerpen bezeichnet. Sie war bis zur Einstellung des grenzüberschreitenden Güterverkehrs auf dem Teilstück zwischen Dalheim und Roermond im Jahr 1992 die kürzeste Bahnverbindung vom Ruhrgebiet zu den belgischen Seehäfen und ist etwa 50 Kilometer kürzer als die Verbindung über die Montzenroute über Aachen West und Tongern.Harry Hondius: Schnellerer Bahnanschluss für die belgischen Seehäfen. Infrabel investiert in den Hinterlandverkehr nach Deutschland. In: Güterbahnen. Heft 1/2009, Alba Fachverlag, Düsseldorf, , S. 42–47. Oft wird mit der Bezeichnung Eiserner Rhein nur die Eisenbahnstrecke von Rheydt Hauptbahnhof nach Antwerpen gemeint, da zur Gesamtverbindung Teile der bereits früher gebauten Strecken Aachen–Mönchengladbach und Duisburg-Ruhrort–Mönchengladbach sowie die Güterumgehungsbahn Mönchengladbach gehören.
Ursprünglich wurde der Name Eiserner Rhein für die Stammstrecke Köln–Aachen der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft zwischen Köln und dem Grenzbahnhof Herbesthal als Teil der Verbindung nach Antwerpen-Berchem von Köln über Düren, Eschweiler, Aachen, Verviers, Lüttich und Löwen verwendet, später bürgerte sich der Ausdruck für die Strecke über Mönchengladbach und Roermond ein.
Geschichte
Das heutige Belgien, das vom Wiener Kongress dem Vereinigten Königreich der Niederlande zugeschlagen worden war, wurde nach der Julirevolution von 1830 unabhängig, was im Vertrag von London vom 19. April 1839 von den Niederlanden anerkannt wurde. In diesem Vertrag wurde den Belgiern das Recht zugesichert, auf eigene Kosten eine Landverbindung als Kanal oder Straße durch das niederländische Limburg bis zur Grenze Preußens zu schaffen. Dies geschah als Ausgleich für den Verlust von Sittard, das nach der Revolution zunächst zu Belgien gehört hatte.
Erst 1868 wurde dieses Recht wahrgenommen. Preußische Interessen (sowie ab der Reichsgründung 1871 deutsche Interessen) an einer schnellen Bahnverbindung zwischen dem entstehenden Industriegebiet an Rhein und Ruhr unter Umgehung der Niederlande, ausgedrückt v. a. durch Ludolf Camphausen, spielten eine entscheidende Rolle für die Realisierung des Projekts. Es wurde jedoch kein Kanal, sondern eine Eisenbahnstrecke gebaut.
Am 13. November 1874 wurde ein Staatsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Vereinigten Königreich der Niederlande mit dem Titel Herstellung einer direkten Eisenbahnverbindung zwischen München-Gladbach und Antwerpen geschlossen. Hierin wurde in Artikel 1 festgelegt:„Beide Regierungen erklären sich bereit, die Herstellung einer Eisenbahn zu fördern, welche im Anschluss an die von der belgischen Regierung von Antwerpen bis zur Königlich niederländischen Grenze bei Hamont konzessionirte Bahn, von dort über Weert und Roermonde nach München-Gladbach führen soll.
Diese Bahn soll in Roermonde an die Königlich niederländischen Staatsbahnen und in Gladbach an das Bahnnetz der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft dergestalt angeschlossen werden, daß die Lokomotiven, Personen- und Güterwagen beider Länder die verschiedenen Bahnlinien ohne Hindernis durchlaufen können."Am 6. August 1877 begann die Bergisch-Märkische Eisenbahn mit dem Bau des 20,5 km langen deutschen Streckenabschnitts von Mönchengladbach bis zur preußisch-niederländischen Landesgrenze. Ein Jahr später, im Herbst 1878 konnten diese Bauarbeiten abgeschlossen werden. Aufgrund von Bauverzögerungen auf dem niederländischen Abschnitt bis Roermond musste die für Ende 1878 geplante Inbetriebnahme der Gesamtstrecke verschoben werden. Am 15. Februar 1879 wurde die Gesamtstrecke für den provisorischen Betrieb freigegeben. Am 20. Juli 1879 wurde der reguläre Bahnbetrieb aufgenommen.
Diese Bahnverbindung, die ab der Eröffnung in ihrer ganzen Länge von der belgischen Gesellschaft Grand Central Belge betrieben wurde, stellt die kürzeste Verbindung vom Ruhrgebiet nach Antwerpen dar. Sie wurde überwiegend von Güterzügen genutzt. Im Personenverkehr war sie vor dem Ersten Weltkrieg vor allem für eine große Zahl von Auswanderern in die USA von Bedeutung. Im Jahr 1884 betrug die Fahrzeit für die 160 km lange Verbindung Mönchengladbach – Dalheim – Roermond – Antwerpen 4 Stunden und 15 Minuten. In einer Beilage zur Augsburger Abendzeitung vom 3. Mai 1894 schildert ein Reisender seine Erlebnisse:„Bei meiner vorletzten Antwerpener Reise über Düsseldorf, M.-Gladbach und Roermond mussten wir Passagiere sowohl in Vlodrop (holländische Grenze) wie in Hamont (belgische Grenze) mit allen Koffern und Gepäckstücken in die Zollhallen uns begeben, wo gründliche Revisionen vorgenommen wurden. Dazu war weder in Vlodrop noch in Hamont ein einziger Gepäckträger zu erblicken.“Um 1904 existierte ein tägliches Schnellzugpaar zwischen Duisburg und Antwerpen. In Duisburg bestand Anschluss an Schnellzüge von und nach Berlin. Auch soll es Kurswagen gegeben haben, die zwischen Berlin und Antwerpen geführt wurden und dabei den Streckenabschnitt Dalheim – Roermond nutzten.
Im Ersten Weltkrieg wurde der Streckenabschnitt von Roermond nach Hamont von den Niederlanden mit Verweis auf ihre Neutralität geschlossen. Hiermit fand sich die Oberste Heeresleitung des Deutschen Reichs nicht ab. Da die von Deutschland nach Belgien führenden Eisenbahnlinien überlastet waren, wurden alternative Bahnverbindungen dringend benötigt. Im April 1917 gaben die Niederlande dem militärischen und diplomatischen Druck des Deutschen Reichs nach und öffneten den Streckenabschnitt Dalheim – Roermond – Hamont für bis zu 24 Züge je Tag und Richtung, wobei der Transport von Waffen, Munition und Flugzeugen ausgeschlossen wurde. Die Bahnverbindung erlangte dennoch eine militärische Bedeutung durch den Transport kriegsrelevanter Rohstoffe wie Sand oder Kies sowie von Ausrüstung des deutschen Heers (z. B. Maschinen, Telekommunikationstechnik, Feldeisenbahnen oder Proviant). Nach dem Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 nutzte das deutsche Heer die Strecke auch zum Abtransport von Soldaten und militärischer Ausrüstung zurück nach Deutschland. Am 18. November explodierte dabei beim Eisenbahnunfall von Hamont ein Munitionstransportzug. Die Explosion zerstörte drei im Bahnhof von Hamont stehende Lazarettzüge sowie Teile der angrenzenden Bebauung und forderte wahrscheinlich über 1000 Todesopfer.Eisenbahn in Mönchengladbach: Die Katastrophe von Hamont im November 1918., abgerufen am 26. September 2025
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bahnverbindung erneut unterbrochen. Am 24. Dezember 1954 gab die Bundesregierung die Wiederinkraftsetzung des Staatsvertrags Herstellung einer direkten Eisenbahnverbindung zwischen München-Gladbach und Antwerpen vom 13. November 1874 bekannt. Trotz einer Wiederinbetriebnahme verkehrten nach dem Zweiten Weltkrieg keine regulären Personenzüge mehr, jedoch fuhren vereinzelt Personen-Sonderzüge, so in den 1960er Jahren ein Klingender Rheinländer von Roermond nach Altenahr. Die ursprünglich zweigleisige Strecke Rheydt – Roermond wurde von 1958 an abschnittsweise auf ein Gleis zurückgebaut.
Der grenzüberschreitende Güterverkehr Dalheim – Roermond wurde 1992 eingestellt. In den 1980er Jahren verkehrte auf diesem Abschnitt noch ein bis zu 500 Meter langes werktägliches ContainerzugpaarBundesbahndirektion Köln: Güterzugbildungsvorschriften (GZV), gültig vom 2. Juni 1985 an, Schnellgüterzüge 42174 bis 42177 (Seite 32) Zeebrugge – Antwerpen – Neuss sowie Neuss – Antwerpen – Oostende.Bundesbahndirektion Köln: Jahresfahrplan 1978/79, Fahrplanblatt 17, Züge Sg 42175 und 42193 (Folgejahre analog)Bundesbahndirektion Köln: Jahresfahrplan 1985/86, Fahrplanblatt 13 (neue Blatt-Nummer ab 1985), Züge Sg 42174 bis 42177 Die Güterzugfahrpläne jener Jahre verzeichnen KohlezügeBundesbahndirektion Köln: Güterzugbildungsvorschriften (GZV), gültig vom 2. Juni 1985 an, Ganzzüge 48146 bis 48150 (Seite 58) von Ratheim (Zeche Sophia-Jacoba) über Dalheim nach Roermond, die jedoch nur bei Bedarf verkehren sollten. Wie oft dieser Bedarf tatsächlich bestand, ist nicht mehr zu ermitteln. 1999 wurde ein Ausbau des Streckenabschnitts zwischen Dalheim und Rheydt für Versuchsfahrten bis 240 km/h erwogen.Meldung Genehmigung für Klimawindkammer. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 1/2, 1999, , S. 12.
Begriffsherkunft
Der Ausdruck Eiserner Rhein wurde von Ludolf Camphausen geprägt, der 1833 in seiner Denkschrift Zur Eisenbahn von Köln nach Antwerpen schrieb:
Ohne Zweifel lautet die Antwort auf diese rhetorische Frage: in Preußen.
Weiter heißt es:
Sowie:
Streckenbeschreibung
Übersicht
Von den 160,3 km der Gesamtstrecke sind 16,5 Kilometer (Roermond – Dalheim) nicht betriebsfähig und weitere 9 Kilometer (Budel – Weert) werden nur selten befahren, sind jedoch in einem betriebsfähigen Zustand. Zugewachsen sind nur etwa 200 Meter Strecke bei Dalheim auf deutscher Seite. Immerhin 85 Kilometer der Strecke sind zweigleisig ausgebaut, 55 Kilometer sind elektrifiziert. Der größere Teil der Strecke (134,8 Kilometer) wird täglich von Zügen befahren.
Auf dem deutschen Abschnitt Mönchengladbach – Dalheim verkehren im Personenverkehr Nahverkehrszüge täglich im Stundentakt, Güterverkehr erfolgt in Form von Übergaben zum Prüfcenter Wegberg-Wildenrath. Auf belgischer und niederländischer Seite wird die Strecke durch Intercity-, Nah- und Güterverkehrszüge genutzt.
Deutschland
Im Schienenpersonennahverkehr verkehrt die Schwalm-Nette-Bahn (RB 34) zwischen Mönchengladbach Hauptbahnhof und dem direkt an der Grenze zu den Niederlanden gelegenen Dalheim. Bis Dezember 2014 hatte diese Linie die Liniennummer RB 39. Sie wird von der VIAS Rail betrieben und verkehrt täglich durchgehend im Stundentakt. Es wird der NRW-Tarif angewendet. Die Linie verläuft zwischen Wegberg und Dalheim im Gebiet des Aachener Verkehrsverbundes (AVV); der Tarif des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr gilt von Mönchengladbach Hauptbahnhof bis Mönchengladbach-Genhausen. Die Haltepunkte Arsbeck und Mönchengladbach-Genhausen sind Bedarfshalte. Die VIAS Rail setzt Triebwagen vom Typ Alstom LINT 41 auf der Linie ein.
Bis zum 10. Dezember 2017 wurde die Schwalm-Nette-Bahn von der Deutschen Bahn bzw. deren regionalen Tochtergesellschaften betrieben. Seit Ende der 1990er Jahre fuhr in deren Auftrag jedoch bereits die Rurtalbahn GmbH die Linie mit RegioSprintern.Tschüss Rurtalbahn … Willkommen VIAS. Meldung auf eisenbahn-in-moenchengladbach.de vom 17. Dezember 2017 Der AVV strebte eine Wiederaufnahme des grenzüberschreitenden Personenverkehrs zwischen Dalheim und Roermond (mit einer Bahnstation Meinweg) bis 2015 an, die jedoch nicht erfolgte.
Rheydt Hauptbahnhof
mini|links|Rheydt Hauptbahnhof
Im Kern des Mönchengladbacher Stadtteils Rheydt befinden sich zwei Bahnhöfe, Rheydt Hauptbahnhof und Rheydt Güterbahnhof. Beide liegen an der Bahnstrecke Aachen–Mönchengladbach und dem im Hauptbahnhof beginnenden Eisernen Rhein, der bis zum Güterbahnhof parallel zur Strecke nach Aachen verläuft. Ebenso beginnt am Hauptbahnhof Rheydt (km 49,4) die Bahnstrecke Rheydt–Köln-Ehrenfeld.
Das Empfangsgebäude des Rheydter Hauptbahnhofes, das aus den 1950er Jahren stammt, beherbergt heute neben dem Fahrkartenverkauf einige Geschäfte. Für die Reisenden steht neben dem Hausbahnsteig ein Mittelbahnsteig zur Verfügung. Ein weiterer Bahnsteig an Gleis 4 dient für den Umstieg für Reisende zum Borussia-Park. An der Rückseite des Bahnsteiges ist eine Bushaltestelle für den Shuttleservice angelegt. Der Bahnhof wird von dem RE 4 (Wupper-Express) in Richtung Dortmund und Aachen, dem RE 8 (Rhein-Erft-Express) in Richtung Mönchengladbach und Koblenz, der RB 27 (Rhein-Erft-Bahn) ebenfalls in Richtung Mönchengladbach und Koblenz, der RB 33 (Rhein-Niers-Bahn) in Richtung Duisburg und Aachen sowie der RB 34 (Schwalm-Nette-Bahn) zwischen Mönchengladbach und Dalheim bedient.