Enge-Sande (, südjütisch: Æng-'Sanj, ) ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Enge, Sande, Soholm, Schardebüll (), Engerheide () und Knorburg () liegen im Gemeindegebiet.

Geografie Geographische Lage Das Gemeindegebiet von Enge-Sande erstreckt sich nördlich vom Flusslauf der Soholmer Au zu beiden Seiten des Übergangs der Naturräume Lecker Geest und Nordfriesische Marsch (Enger Koog).Vgl. Buch und Karte in Der Langenberger Forst, eine 1878 im Auftrag der Provinz Schleswig-Holstein durch Strafgefangene aus Glückstadt unter der Leitung von Carl Emeis auf insgesamt 420 Hektar aufgeforstete ehemalige Heide­fläche, erstreckt sich im nördlichen Gemeindegebiet.

Gemeindegliederung Neben den beiden Dörfern, die im heutigen Gemeindenamen vereinigt sind, befinden sich ebenfalls die Dorflagen von Knorburg (), Schardebüll () und Soholm im Gemeindegebiet. Weitere Siedlungsplätze sind die Häusergruppen Ackern (), Blinge, Degel, Engemühle (), Hörn () und Perebüll (), die Streusiedlungen Engerheide () und Soholmfeld (), sowie die Höfesiedlungen Klapphagen (), Klingenberg (), Knorburgfeld, Linnerthof, Schardebüllfeld () und die Haussiedlung Maade im Gemeindegebiet.Jens Peter Trap: Statistisk-topographisk beskrivelse af hertugdømmet Slesvig, Kjøbenhavn/Kopenhagen 1864, S. 171Gerret Liebing Schlaber: Administrative tilhørsforhold mellem Ejderen og Kongeåen indtil 2007, Flensborg/Flensburg 2007, S. 219

Nachbargemeinden Direkt angrenzende Nachbargemeinden von Enge-Sande sind:

Geschichte mini|links|Volksabstimmung im Landesteil Schleswig 1920 Funde von etwa 14.000 Jahre alten Steinbeilen und anderen Werkzeugen weisen auf Besiedlung schon in der Steinzeit hin.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf Sande im Mahn- und Hebungsregister der Kirche zu Enge im Jahre 1636 in der Form Up dem Sande und Enge upt Sand.Gemeinde Enge-Sande (2008): Chronik der Gemeinde Enge-Sande. Band 2, S. 149

Die Sturmflut von 1634 forderte in der Gemeinde Enge ihre Opfer: Laut Aufzeichnungen kamen dabei 50 Menschen und 142 Tiere um. Außerdem wurden vier Häuser im Gebiet „Ackern“ Opfer der Flut.Gemeinde Enge-Sande (1997): Chronik der Gemeinde Enge-Sande, S. 6.

Bis zum Deutsch-Dänischen Krieg 1864 war Enge-Sande Teil des dänischen Herzogtums Schleswig (Sønderjylland) und bildete hier ein eigenes Kirchspiel (dän. sogn) innerhalb der Karrharde (Kær Herred). 1867 wurde es Teil der preußischen Provinz Schleswig-Holstein. Bis 1920 gehörte die Gemeinde zum früheren Kreis Tondern und war damit Teil der Zone II („Mittelzone“) bei der Schleswigschen Volksabstimmung am 14. März 1920. Dabei hatte der südliche Teil Tonderns mit großer Mehrheit für Deutschland gestimmt, sodass die heutige Gemeinde Enge-Sande, wie der überwiegende Rest der zur Zone II gehörigen Gemeinden, Deutschland zugesprochen wurde.Gemeinde Enge-Sande (1997): Chronik der Gemeinde Enge-Sande, S. 202. Historisch bedingt gibt es heute eine dänische Minderheit in dem Gebiet. Die Gemeinde selbst hat jedoch keine dänischen Institutionen oder Vereine. Diese befinden sich in dem nahegelegenen Ort Leck.

Dorfleben Vom Anfang bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts arbeiteten viele Gemeindebewohner als Weber. Die von ihnen erzeugten „Leinen und gestreiftes Wollenzeug“ wurde vornehmlich auf Husumer und Flensburger Märkten verkauft. Laut Quelle soll das Dorf Soholm ein reines Fischerdorf gewesen sein, da die Soholmer Au zur damaligen Zeit sehr fischreich gewesen sein soll. In dem Ort Knorburg soll ehemals nur eine einzige Fischerhütte gestanden haben, die Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts lebten die meisten Einwohner von der Viehlandwirtschaft, darunter Rinder, Pferde und Schafe, auch wenn einige Einwohner noch immer „einen Webstuhl oder ein Spinnrad in Gebrauch haben“. Da das Ackerland ertragsarm war, reisten viele Dorfbewohner in den Spätsommermonaten zur Erntearbeit nach Nordstrand, Eiderstedt usw., um sich Geld dazuzuverdienen. Zur zusätzlichen Heugewinnung kauften oder pachteten viele Bauern der heutigen Gemeinde Enge-Sande ab Mitte des 19. Jahrhunderts zusätzlich eigene Marschwiesen in den westlich liegenden Kögen. Außerdem gewannen die meisten Gemeindebewohner ihren Torf aus eigenen Ländereien, der unter der Kleischicht der Wiesen lag.Gemeinde Enge-Sande (1997): Chronik der Gemeinde Enge-Sande, S. 6.

Historische Agrarstruktur Die Landwirtschaftlichen Betriebe im Westen des Dorfes Enge hatten ihre Ländereien im Norden und Süden ihres Hofes („von der Au bis an den Langenberg“). Ebensolche im östlichen Teil waren meist gemeinschaftliches Eigentum, weshalb die Ländereien nicht festgelegt waren. Bis ins 19. Jahrhundert wurden gewöhnliche Höfe „Bondengut“ genannt, die im rechtlichen Sinne zum Amt Tondern bzw. Karrhardenvogtei gehörte, während Haus und Land in Privatbesitz waren. Bauern, die die Verfügungsrechte über ihre Grundbesitze verloren hatten, mussten mit dem jeweiligen „Landesherren“ ein besonderes Pachtverhältnis eingehen. In dem Dorf Enge waren diese Landesherren: das Domkapitel in Schleswig – die Gemeinschaft der Kleriker am Dom Das Gut Fresenhagen, das seit 1534 existierte; bis ins 17. Jahrhundert entwickelte sich die Abhängigkeit bis zur Leibeigenschaft. die Güter Klixbüllhof und Karrharde (entstanden im 15. Jahrhundert) mehrere auswärtige/adelige Güter der Herzog zu Schleswig die Kirche zu Klixbüll (Zu ihr gehörten die sogenannten „Vikariengüter“, die im 15. Jahrhundert der Kirche von der Familie Sönksen gestiftet waren. Diese gerieten nach der Reformation in die Hand der Landesherrschaft.) die Kirche St. Nikolai in Flensburg (durch die Einkunftsübetragung einer adeligen Dame aus Klixbüll im Jahr 1483; im 16. Jahrhundert wurden diese von der Gutsherrschaft Fresenhagen bestritten.)

Quellen zufolge besaß der Dom zu Schleswig bereits im Jahr 1352 sieben Höfe in Sande, Perebüll und Ackern und einen in Enge. Hierbei bezahlten die Bauern in Sande dem Dom eine Steuer von sieben Pfund Sterling, während das Gut in Enge lediglich fünf Schilling Sterling zahlte. Genaue Angaben zur Häufigkeit der Zahlungen sind nicht angeführt.Gemeinde Enge-Sande (2008): Chronik der Gemeinde Enge-Sande. Band 2, S. 149

Neben der Pachtung von Höfen gab es in der Gemeinde die sogenannten „Freibonden“, die durch Kauf, Heirat oder Pfandnahme von ehemals einheimisch ansässigen Adeligen im Mittelalter in den Besitz einfacher Bauern kam. In wenigen Fällen gab es in Enge sogenannte Katen, welches kleine Häuser ohne Land waren, in denen Arbeiter oder Gewerbetreibende wohnten. Schließlich befanden sich im Dorf mehrere Mühlen. Die letzte ihrer Art, dessen Grundrisse noch heute zu erkennen sind, wurde im Jahr 1979 stillgelegt.Gemeinde Enge-Sande (1997): Chronik der Gemeinde Enge-Sande. S. 54 ff.

Sprachen Die Gemeinde Enge-Sande ist geprägt durch eine historisch bedingte sprachliche Vielfalt. Neben Hochdeutsch sind örtlich auch das schleswigsche Niederdeutsch (Plattdeutsch), Nordfriesisch und Dänisch üblich.

Dabei teilte sich die Gemeinde bereits früh in ihre sprachlichen Präferenzen. So hielt der ansässige Pastor Johann Andreas Iversen (im Amt 1834–1840) fest, dass die Sprachen im Westen des Kirchspiels Enge, einschließlich Engerheide und Schardebüll, vornehmlich Nordfriesisch und Deutsch waren, während im östlichen Teil der Gemeinde Deutsch und Dänisch gesprochen wurde. Dabei soll Dänisch bereits nur noch selten vorgekommen sein „als es noch vor 1 bis 2 Menschenaltern noch durchweg üblich gewesen ist“. Darüber hinaus schrieb Iversen, dass sich die Sprachgesinnung in „Sitte und Gesinnung“ widerspiegelte.Gemeinde Enge-Sande (1997): Chronik der Gemeinde Enge-Sande, S. 6.

In der Topographie des Herzogtums Schleswig von Henning Oldekop, Kiel 1906 (X130/131) wurde festgehalten, dass die Bewohner des Dorfes Sande „größtenteils friesischer Abstammung“ seien und ihre Volkssprache noch ausübten.Gemeinde Enge-Sande (2008): Chronik der Gemeinde Enge-Sande. Band 2, S. 152 Allerdings berichtet Albrecht Johannsen 1927, dass nur noch von 25 bis 50 Prozent der hiesigen Bevölkerung die Karrharder Mundart beherrschten.Albrecht Johannsen (1929): Die friesische Sprache in Nordfriesland nach dem Stande vom 1. Dezember 1927. In: L. C. Peters (Hrsg.) (1929): Nordfriesland. Heimatbuch für die Kreise Husum und Südtondern. Husum, S. 694–697, S. 727

Heute sind sowohl Friesisch als auch Dänisch Minderheitssprachen in dem Gebiet, wobei das Karrharder Friesisch vom Aussterben bedroht ist. Im Gegensatz hierzu wird das Dänische in der Gemeinde durch die im Umland befindlichen dänischen Institutionen des dänischen Schulvereins, Dansk Skoleforening for Sydslesvig, am Leben erhalten und gepflegt. Jedoch wird der in dem Gebiet ursprünglich übliche dänische Dialekt Sønderjysk nicht gelehrt und ist deshalb in dieser Region ebenfalls vom Aussterben bedroht. Stattdessen ist mit dem Südschleswigdänischen eine Varietät des Reichsdänischen (Hochdänischen) verbreitet.

Gemeindebildung Am 1. Februar 1974 wurden die damaligen Gemeinden Enge, Engerheide (dänisch EngehedeFranz Christopher von Jessen: Haandbog det slesvigske Spørgmaals historie 1900–1937, Band 2, 1938, Seite 441; nordfriesisch DinghiiNordfriisk Instituut: Nordfriesland-Karte, Bräist/Bredstedt 2011), Knorburg (dän. Knorborg, nordfr. Knorborch), Sande, Schardebüll (dän. SkardebølJohannes Kok: Det danske folkesprog i Sønderjylland, Band 2, København 1867, S. 343) und Soholm zur neuen Gemeinde Enge-Sande zusammengeschlossen. Soholm hat rund 134 Einwohner (Stand 2009). Knorburg ist mit nur elf Häusern die kleinste der sechs ehemaligen Gemeinden.

Einwohnerentwicklung Kirchliche Daten über Einnahmen, Ausgaben, Geburten, Taufen etc. halten die geschichtliche Einwohnerentwicklung der Gemeinde Enge-Sande in der Tabelle dargestellt fest.Gemeinde Enge-Sande (1997): Chronik der Gemeinde Enge-Sande, S. 13.

Die Zahlen aus den Jahren 1961 und 1970 entstammen den Volkszählungen am 6. Juni 1961 und am 27. Mai 1970.

Ort 1896 1901 1906 1911 1921 1926 1961 1970 Enge 363 361 313 332 312 347 336 313 Engerheide 84 80 74 106 83 84 66 56 Knorburg 25 27 27 30 27 21 33 34 Sande 175 187 185 191 180 188 279 389 Schardebüll 98 107 106 99 106 105 75 79 Soholm 150 142 150 147 172 193 142 158

Kirche mini|Nordseite der Enger Kirche mini|Kirchenaltar der Enger Kirchemini|Unkraut säender Teufel auf der Enger Kirchendecke

Die Enger Kirche wurde bereits im 13. Jahrhundert errichtet und der heiligen Katharina von Alexandrien geweiht. Der Schnitzaltar stammt von 1520 und ist der Legende nach aus einer in der Burchardiflut 1634 untergegangenen Kirche gerettet. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Kirche umgebaut. Auf der holzgetäfelten Decke befindet sich eine Darstellung des Dorfes Enge im Jahre 1779, gemalt von Hinrich Melchior Sönnichsen (1776–1812), Bohlsmann und Maler aus Abro. Zwischen den ackernden Bauern ist ein Unkraut säender Teufel gemalt, Abbild des Gleichnisses von Vierfachen Acker (Mt.). Das Triumphkreuz und ein Kruzifixus von einem Altarkreuz stammen aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts.

Heute teilen sich die Kirchengemeinden Enge und Stedesand eine „verbundene“ Pfarrstelle, die zum Kirchenkreis Nordfriesland gehören. Pastorin Anja Nickelsen-Reimers betreut die Kirchengemeinde Enge, zu der die umliegenden Ortsteile Sande, Soholm, Schardebüll, Engerheide, Holzacker und Knorburg gehören. Pastor Thomas Reimers betreut die Kirchengemeinde Stedesand, zu denen Westerschnatebüll, Broweg, der Störtewerkerkoog mit Trollebüll, Schweinehallig und Hasenhallig gehören.http://enge-stedesand.de/

Im Jahr 2009 feierte die Kirchengemeinde ihr 650-jähriges Bestehen.Gemeinde Enge-Sande (2008): Chronik der Gemeinde Enge-Sande. Band 2, S. 303

Pastor Werner Stümke gründete im Jahr 1963 den hiesigen Posaunenchor, unter Mithilfe des damaligen Landesposaunenwartes Hans-Heinrich Oldsen.Gemeinde Enge-Sande (2008): Chronik der Gemeinde Enge-Sande. Band 2, S. 282

Liste der Enger Pastoren