Die Ermordung von Alison Parker und Adam Ward, auch „Moneta Shooting“ genannt, war ein Verbrechen, bei dem am 26. August 2015 in Moneta, Virginia, Vereinigte Staaten die Journalistin Alison Parker und ihr Kameramann Adam Ward von einem früheren Kollegen vor laufender Kamera erschossen wurden. Sie waren Angestellte von CBS-Affiliates WDBJ und führten ein Interview live auf WDBJ7 aus dem Einkaufszentrum Bridgewater Plaza am Smith Mountain Lake.US-Journalisten erschossen – Todesschütze von Virginia mit Schussverletzung im Krankenhaus, 26. August 2015Richard Wheatstone: Virginia shooter films himself gunning down TV reporter - then posts horrific footage on Facebook, Daily Mirror vom 26. August 2015
Hergang Das Nachrichtenteam führte um 6:45 Uhr Ortszeit ein Interview mit der Vorsitzenden der örtlichen Handelskammer Vicki Gardner, als die Schüsse fielen. Die 24-jährige Parker und der 27-jährige Ward starben noch am Tatort, Gardner überlebte schwerverletzt und wurde am 8. September aus dem Krankenhaus entlassen.Christine Hauser: Woman Injured in Virginia TV Shooting Is Out of the Hospital, New York Times vom 8. September 2015 Parker und Ward waren zur Tatzeit die siebten und achten Journalisten, die seit 1992 in den USA bei ihrer Arbeit ermordet wurden.
Als Angreifer wurde später der 41-jährige Vester Lee Flanagan II. identifiziert, der unter dem beruflichen Pseudonym „Bryce Williams“ bekannt und vormals ebenfalls als Reporter bei WDBJ tätig war. Nach einer stundenlangen Verfolgungsjagd mit dem PKW wurde er auf der Interstate 66 im Fauquier County gestellt, konnte aber entkommen. Kurz darauf richtete er die Waffe gegen sich selbst und starb später im Krankenhaus. Flanagan war im Jahre 2013 wegen störenden Verhaltens von WDBJ entlassen worden und hatte sich über rassistische Diskriminierung beschwert, die später zum Tatmotiv wurde.Verdächtiger im Life-Mord an Journalisten tötet sich selbst, USA-today vom 26. August 2015; abgerufen am 26. August 2015
Zwei Stunden nach der Tat erhielt ABC News ein 23-seitiges Fax, das offenbar von Flanagan stammte. In dem Fax mit dem Titel „Selbstmord-Notiz für Freunde und Familie“ äußerte er seine Verbitterung über rassistische und homophobe Diskriminierung aufgrund seiner Hautfarbe und Homosexualität. Flanagan schrieb auch, dass er vom Anschlag in Charleston provoziert worden sei und schrieb drohende Kommentare gegen Dylann Roof, den einzigen Verdächtigen jener Tat.
Folgen und Reaktionen Wegen der schnellen Verbreitung des Geschehens unter anderem via Facebook und Twitter und weil der Täter ein Video der Tat im Internet veröffentlichte, um auf sein Motiv aufmerksam zu machen, wurde das Verbrechen als „erster Social-Media-Mord“ und als Wendepunkt im Internet-Zeitalter bezeichnet. Da der Mörder mit der Resonanz seiner Tat gerechnet hatte, hatte er zuvor seine Facebook- und Twitter-Konten für eine journalistische Auswertung vorbereitet und twitterte nach der Tat, dass „Alison rassistische Kommentare gemacht“ habe.liberation.fr: (französisch) Er hatte seine Tat in einem 56 Sekunden langen Video ebenfalls gefilmt und im Internet veröffentlicht. Seine Benutzerprofile wurden darauf von den Seitenbetreibern gelöscht.
US-Präsident Barack Obama sagte als Reaktion auf die Tat: „Es bricht mir das Herz“.Huffington Post vom 26. August 2015, abgerufen am 26. August 2015 Der Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, erneuerte in einer Reaktion auf die Tat seine Forderung nach einer Verschärfung der Waffengesetze.
Der Kommentator der Basler Zeitung maß dem Doppelmord eine historische Bedeutung zu. Mit der Tat sei eine „neue Eskalationsstufe“ erreicht worden, da Flanagan damit gezielt eine Social-Media-Kampagne inszenierte habe.Die geteilte Schandtat, Linus Schöpfer, Basler Zeitung, 28. August 2015 Im Berliner Tagesspiegel wurde das Geschehen als „Zäsur in der digitalen Medienöffentlichkeit“ bezeichnet, da in diesem Fall „Regie und Distribution“ in die Hand des Täters übergegangen seien.Außer Kontrolle?, Margreth Lünenborg, Der Tagesspiegel, 30. August 2015
An der James Madison University, der Alma Mater der ermordeten Journalistin, wurde ein nach ihr benannter Alison B. Parker Memorial Fund zur Stipendien-Finanzierung eingerichtet.Alison Parker's Memory Celebrated Through Memorial Fund, WSET-TV, 1. September 2015 Der Lebensgefährte von Alison Parker, Chris Hurst wurde im November 2017 in das Abgeordnetenhaus von Virginia berufen und widmete seine Antrittsrede seiner verstorbenen Lebensgefährtin Alison Parker.Chris Hurst, whose girlfriend died in live TV shooting, beats NRA candidate in Virginia Die Mutter der ermordeten Reporterin und ihr Mann engagieren sich seit dem Tod ihrer Tochter für schärfere Waffenkontrollgesetze.Meet the Mother of the Reporter Tragically Gunned Down on Live TV, Rolling Stone, 6. Mai 2016Father of slain TV reporter Alison Parker continues to speak out against gun violence, Fox 5 (WTTG), 19. Februar 2018 Zusammen mit ihrem Mann nahm sie im März 2018 an dem Protestmarsch March for Our Lives in Washington D.C. für schärfere Waffengesetze teil, auf dem sie ein Foto ihrer erschossenen Tochter mit sich führte.„Andy and Barbara Parker carried a portrait of their daughter, Alison, who was killed on live TV.“ Parents of slain Virginia reporter attend Washington, D.C., Los Angeles Times, 24. März 2018 (in Deutschland wegen der EU-Gesetze nicht erreichbar)"March for our lives" in Washington: Marsch gegen Waffengewalt und für härtere Gesetze, Deutschlandfunk, 26. März 2018 Im August 2018 wurde in den Medien an dieses Ereignis erinnert.Recalling the 2015 fatal shooting of two Virginia journalists, Washington Post, 23. August 2018Radio, TV station journalists attacked in Detroit while on assignment, USA Today, 3. August 2018
Opfer Alison Parker (19. August 1991 – 26. August 2015) wuchs in Martinsville, Virginia, auf und studierte am Patrick Henry Community College und der James Madison University. Sie arbeitete 2012 als Praktikantin bei WDBJ, darauf als Nachrichtenjournalistin beim ABC-Affiliate WCTI-TV in New Bern, North Carolina und seit 2014 bei WDBJ als Korrespondentin für die Sendung „Mornin‘“. Sie lebte zusammen mit ihrem Lebensgefährten Chris Hurst, der für den gleichen Sender arbeitet. Adam Ward (10. Mai 1988 – 26. August 2015) wuchs in Salem, Virginia, auf und graduierte 2011 an der Virginia Polytechnic Institute and State University. Seit Juli desselben Jahres arbeitete er für den Sender. Seine Verlobte Melissa Ott arbeitet ebenfalls beim Fernsehen. Vicki Gardner, die Interviewte, überlebte einen Schuss in den Rücken. Sie stammt ursprünglich aus Union Springs, New York, und war seit 2002 Leiterin der örtlichen Handelskammer von Smith Mountain Lake. Nach der Operation wurde ihr Zustand als stabil bezeichnet.
Weblinks , Die Zeit, 26. August 2015 Ehemaliger Kollege erschießt Reporterin und Kameramann, Rheinische Post, 26. August 2015 Täter von Virginia war ein ehemaliger Kollege, Die Welt, Clemens Wergin, 26. August 2015 Fallende Kamera fängt Bild des Täters ein, Die Welt, 26. August 2015 „Es bricht uns das Herz“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Roland Lindner, 26. August 2015 Ehemaliger Kollege erschießt zwei Journalisten während Liveübertragung, Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 27. August 2015 Virginia-Täter bezeichnete sich selbst als „menschliches Pulverfass“, Kölner-Stadt-Anzeiger, 27. August 2015 Nach den Schüssen von Virginia: Anhaltendes Entsetzen, Focus, 27. August 2015 Außer Kontrolle?, Der Tagesspiegel, 30. August 2015
Einzelnachweise
Kategorie:Kriminalfall 2015 Kategorie:Mordfall Kategorie:Bedford County (Virginia) Kategorie:Kriminalfall in den Vereinigten Staaten