Napoleon ist ein französisch-italienischer Monumentalfilm aus dem Jahre 1954 über die wichtigsten Lebensstationen Napoleon Bonapartes. Unter der Regie von Sacha Guitry spielte die größte Starriege, die je ein französischer Film aufzuweisen hatte.
Handlung “Napoleon ist gestorben!” so geht die Kunde, die sich bald wie ein Lauffeuer in ganz Paris verbreitet. Der alte, erfahrene Staatsmann Talleyrand, Diener vieler Herren Frankreichs der vergangenen 40 Jahre, sitzt mit Freunden zusammen und erzählt rückblickend über den machthungrigen und skrupellosen Gewaltherrscher, den er wie kaum ein anderer gekannt hat. Die folgenden drei Stunden zieht das Leben Napoleons wie in einem Bilderbogen vorbei, von seiner Geburt 1769 auf Korsika bis zu seinem schmählichen Ende als Gefangener der britischen Krone auf St. Helena. Station auf Station wird seine Vita beleuchtet: Die schweren Jahre der Kindheit, die Ausbildung an der Militärakademie von Brienne, die Verlobung in Toulon mit Désirée Clary, seine erste Ankunft in Paris. Dort begegnet der junge Bonaparte Joséphine de Beauharnais, die 1796 seine Ehefrau werden soll. Im selben Jahr kommt es zur Schlacht bei Arcole mit den Österreichern, in der sich General Bonaparte erstmals als taktisch versierter Feldherr unter Beweis stellen kann. Seine erfolgreich verlaufenden Feldzüge in Ägypten unterstreichen seinen jungen Ruhm und machen Bonaparte landesweit zu einem Nationalhelden. Mit seiner Ernennung zum Ersten Konsul der Republik erringt Napoleon faktisch die Alleinherrschaft über Frankreich. Im Dezember 1804 lässt er sich zum Kaiser der Franzosen krönen.
Es folgen Schlachten auf Schlachten, Siege auf Siege: Ulm, Austerlitz, Preußisch Eylau, Wagram, Aspern. Nebenbei findet der Franzosenkaiser auch noch Zeit für Liebschaften und Romanzen. Die Tochter des letzten Kaisers des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation, Marie-Louise von Österreich, wird seine zweite Ehefrau, Éléonore Denuelle seine Geliebte. Aus einer weiteren Liebschaft mit Maria Walewska, einer polnischen Gräfin, geht ein Kind hervor. Die Hoffnung der Polin, dass Napoleon zugleich ihrer geknechteten Heimat die staatliche Unabhängigkeit bringt, wird jedoch enttäuscht. Nach seinem verlustreichen Vordringen bis in das Herz Russlands wendet sich Napoleons Kriegsglück, sein Heer verblutet in den endlosen Weiten des Zarenreichs und erfährt beim Rückzug durch Preußen weitere schwere Verluste. Schließlich folgt sein erstes Exil auf die Insel Elba, gefolgt von dem Versuch, mit der Rückkehr auf das französische Festland die Kontrolle im Rahmen der Herrschaft der Hundert Tage wiederzuerlangen. In der Schlacht bei Waterloo erlebt Napoleon seine endgültige Niederlage und wird von den Briten auf die Insel St. Helena verbannt, wo er einsam und verbittert 1821 stirbt.
Produktionsnotizen Napoleon wurde vom 14. Juni bis zum 30. Oktober 1954Jean-Claude Sabria: Cinéma français. Les années 50. Paris 1987, Nr. 632 gedreht. Das im Original über dreistündige Spektakel wurde am 25. März 1955 uraufgeführt und ab dem 30. März 1956 auch in Deutschland gezeigt. Dort wurde der Film auf 105 Minuten extrem heruntergekürzt. Nach seinem schauprächtigen Bilderbogen über Frankreichs Glanz und Gloria des 18. Jahrhunderts, Versailles – Könige und Frauen (1953), versuchte Guitry mit seiner neuen ambitionierten Großproduktion den im Vorjahr entstandenen Filmbilderbogen bezüglich Optik wie Ausmaße noch zu übertrumpfen.
Zahlreiche Aufnahmen entstanden an (vor allem französischen) Originalschauplätzen wie Schloss Malmaison, Schloss Fontainebleau und Schloss Versailles. Auch die Schlachtfelder von Austerlitz und Waterloo sollen Drehorte gewesen sein.
Ghislain Cloquet assistierte Chefkameramann Pierre Montazel. René Renoux schuf die Filmbauten. Die zahllosen historischen Kostüme entwarfen Monique Dunan, Paulette Coquatrix und Jacques Cottin. Der 17-jährige Sami Frey gab hier mit einer winzigen Rolle sein Filmdebüt.
Regisseur Guitry spielte hier erneut den Staatsmann Talleyrand, den er bereits 1948 in seinem Film Der hinkende Teufel dargestellt hatte. O. W. Fischer und Maria Schell, das Liebespaar des deutschen Films der 1950er Jahre schlechthin, standen auch in dieser Produktion (ohne eine gemeinsame Szene zu haben) zusammen vor der Kamera.
Lana Marconi, die die Maria Walewska verkörpert, war die damalige Ehefrau Guitrys.
Die Auftritte zahlreicher weiterer Stars fielen der Schere zum Opfer. Um den Film nicht noch länger werden zu lassen, wurden die Szenen mit folgenden bekannten Mitwirkenden aus der französischen Originalfassung entfernt: Françoise Arnoul. Sie spielte ein Mädchen im Königspalast Eleonora Rossi Drago. Sie spielte Pauline Fourès Raymond Bussières. Er spielte Raoul Passementier Corinne Calvet. Sie spielte Madame Récamier Fernand Ledoux. Er spielte Lazare Carnot Gaby Morlay. Sie spielte Madame de Blanchetière Silvana Pampanini. Sie spielte die Opernsängerin Giuseppina Grassini
Synchronisation Erste Synchronisation Nachfolgend die deutschen Stimmen der von Wolfgang Wehrum hergestellten Originalsynchronisation von 1956:Synchronstimmen zu Napoleon
RolleDarstellerSynchronsprecher Napoleon Raymond Pellegrin Arno Assmann Bonaparte Daniel Gélin Arno Assmann Talleyrand Sacha Guitry Walter Holten Josephine de Beauhernais Michèle Morgan Eleonore Noelle Marie-Louise von Österreich Maria Schell Maria Schell Eleonore Denuelle Danielle Darrieux Eva Maria Meineke Graf von Montholon Jean Marais John Pauls-Harding Barras Pierre Brasseur Werner Lieven Bourrienne Bernard Dhéran Ernst Fritz Fürbringer
Zweite Synchronisation Nachfolgend die deutschen Stimmen der von Werner Uschkurat hergestellten Neusynchronisation aus dem Jahre 1971:Synchronstimmen zu Napoleon
RolleDarstellerSynchronsprecher Napoleon Raymond Pellegrin Hans-Michael Rehberg Bonaparte Daniel Gélin Hans-Michael Rehberg Talleyrand Sacha Guitry Robert Klupp Josephine de Beauhernais Michèle Morgan Eva Pflug Marie-Louise von Österreich Maria Schell Maria Schell Eleonore Denuelle Danielle Darrieux Karin Kernke Désirée Clary Dany Robin Gudrun Vaupel Murat Henri Vidal Wolfgang Hess Graf von Montholon Jean Marais Horst Naumann Marschall Lefebvre Yves Montand Harald Juhnke Marschall Lannes Jean Gabin Horst W. Krause Hortense de Beauharnais Micheline Presle Petra Unkel Lucien Bonaparte Serge Reggiani Manfred Schott Hudson Lowe Orson Welles Walter Reichelt Caulaincourt Roger Pigaut Hans Quest
Diese erste Fernsehausstrahlung fand zur besten Sendezeit (20.15 Uhr) in der ARD am Ostermontag, dem 12. April 1971 statt.
Kritiken
Im Lexikon des Internationalen Films heißt es: „Ein gewaltiges Fresko mit den geschliffenen Texten des subtilen Formulierers Guitry, eine Superproduktion mit allen Schauspielern, die damals in Frankreich Rang und Namen hatten. Bunt, überlang (im Original 183 Minuten!) und stellenweise unfreiwillig komisch.“
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1955 Kategorie:Französischer Film Kategorie:Italienischer Film Kategorie:Monumentalfilm Kategorie:Historienfilm Kategorie:Koalitionskriege im Film Kategorie:Film über Napoleon Bonaparte