mini|hochkant=1.5|Erbländischer Taler (breiter Reichstaler) Johann Georgs II. von 1662, Mmz. C–R und Eichel, Münzstätte Dresden (beschnitten)
Der von 1658 bis 1680Julius Erbstein, Albert Erbstein: Erörterungen auf dem Gebiete der sächsischen Münz- und Medaillen-Geschichte …, S. 223N. Douglas Nicol: Standard Catalog of German Coins … S. 743 in der Münzstätte Dresden unter Kurfürst Johann Georg II. (1656–1680) geprägte sogenannte Erbländische Taler und dessen Halbtaler sind kursächsische Talermünzen, die den Kurfürsten nicht wie gewöhnlich im Harnisch, sondern im Kurornat, also mit Hermelinmantel und Kurhut zeigen. Das stieß jedoch auf Widerstand bei den Landständen der beiden Lausitzen und führte dazu, dass völlig wertgleiche Taler nach alter Tradition zusätzlich geprägt wurden.
Münzgeschichte Nach Julius und Albert Erbstein „bietet das Münzwesen unter Kurfürst Johann Georgs II. die merkwürdige Erscheinung, dass […] noch vor Ablauf des ersten Jahrzehnts [der Regierung] zwei bezüglich der Vorderseite völlig verschiedene Reichsthaler- und Halbthaler-Gepräge Platz greifen […].“Julius Erbstein, Albert Erbstein: Erörterungen auf dem Gebiete der sächsischen Münz- und Medaillen-Geschichte …, S. 221
Seit Sachsens Beitritt zur Reichsmünzordnung im Jahr 1571 war die übliche Darstellung des sächsischen Kurfürsten auf Talermünzen sein Hüftbild mit Harnisch und Kurschwert.Paul Arnold: Die sächsische Talerwährung von 1500 bis 1763 …, S. 83 Bereits der Vater Johann Georgs II. ließ sich 1612 auf seinen Vikariatsmünzen der Repräsentation wegen, als Vikar des Heiligen Römischen Reiches, im Kurornat darstellen. In Anlehnung daran ließ Johann Georg II. im Jahr 1658 ebenfalls Talermünzen prägen, die ihn mit Kurhut, Mantel und Kurschwert zeigen. Damit stieß er jedoch auf Widerstand bei den Landständen der Ober- und Niederlausitz, die seit dem Prager Traditionsrezess von 1635 seine Lehensträger geworden waren.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde …, S. 163 Sie durften von den sächsischen Kurfürsten nur als Markgrafen, nicht als Kurfürsten, regiert werden.Paul Arnold: Die sächsische Talerwährung von 1500 bis 1763 …, S. 84 Die Landstände waren darauf bedacht, dass aus der wettinischen Personalunion zwischen Sachsen und den Lausitzen keine Einverleibung wird.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde …, S. 163: Der Anstoß war gegeben, wenn sich der Landesherr nur als Kurfürst auf den Talern zeigt. Andererseits waren Johann Georg II. wie auch seine Nachfolger stets darauf bedacht, mit den Ständen der Ober- und Niederlausitz im Einvernehmen zu sein und die Privilegien der Markgrafschaft zu achten. Als Kurprinz war er lange genug Landvogt der Oberlausitz gewesen, um seine Lausitzer zu kennen und zu wissen, wie weit er gehen darf.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde …, S. 164: Um die Empfindlichkeit seiner Lausitzer Stände zu schonen, ließ er sich auf einen Teil seiner Taler mit Helm und Harnisch schmücken. Er ließ deshalb ab 1665 zwei Talergepräge herstellen. Der zweite neue Taler zeigt den Kurfürsten nicht mehr im Kurornat, sondern als gesamtländisches Gepräge für seinen Gesamtstaat in der alten Tradition im Hüftbild mit Harnisch und Kurschwert.Paul Arnold: Die sächsische Talerwährung von 1500 bis 1763 …, S. 84
mini|hochkant=1.5|Gesamttaler Johann Georgs II. von 1676. Um im Einvernehmen mit den Landständen der beiden Lausitzen zu sein, ließ Johann Georg II. sich auf einem Teil seiner Münzen mit Helm und Harnisch darstellen.
Talernamen und Prägezeit Die Gebrüder Erbstein führten erstmals für die nebeneinander mit unterschiedlichem Münzbild geprägten Taler die Bezeichnungen Erbländischer Taler und Gesamttaler ein:
Höchstwahrscheinlich wurde mit der Prägung der Gesamttaler parallel zu den Erbländischen Talern 1665 begonnen, da sich im Münzkabinett Dresden Goldabschläge dieses Jahrgangs befinden. Die Probestücke, auch Erstabschläge genannt, wurden generell vor Beginn einer regulären Prägung hergestellt. Gesamttaler mit der Jahreszahl 1664 wären folglich äußerst seltene Zwittertaler aus dem Jahr 1665, bei denen ein Rückseitenstempel des Erbländischen Talers von 1664 mit dem Vorderseitenstempel des neuen Gesamttalers kombiniert wurde.Julius Erbstein, Albert Erbstein: Erörterungen auf dem Gebiete der sächsischen Münz- und Medaillen-Geschichte …, S. 223
Mit dem Tod Johann Georgs II. endete die Prägung der Erbländischen Taler. Die Nachfolger Johann Georgs II. haben keine Gepräge dieser Art mehr herstellen lassen.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde …, S. 164
Münzbeschreibung Der Erbländische Taler trägt auf der Vorderseite das Brustbild Johann Georgs II. im Kurmantel mit geschultertem Kurschwert und den vor ihm auf einem kleinen Tisch liegenden Kurhut. Über dem Kopf der Reichsapfel und der Beginn eines Teils seiner Titelumschrift. Auf der Rückseite die Fortsetzung seiner Titelumschrift und der achtfach behelmte kursächsische Wappenschild von 21 Feldern mit Mittelschild, die Jahreszahl und das Münzmeisterzeichen Eichel sowie die Anfangsbuchstaben C–R des Dresdner Münzmeisters Constantin Rothe. Im Jahr 1678 erschien der erste Erbländische Taler des neuen Dresdner Münzmeisters Christoph Fischer mit dem Münzmeisterzeichen C–F und zwei mit dem Rücken gegeneinander gekehrte Fische.Julius Erbstein, Albert Erbstein: Erörterungen auf dem Gebiete der sächsischen Münz- und Medaillen-Geschichte …, S. 232, Nr. 931 (Siehe auch: Münzstätte Dresden / Münzmeister der Münzstätte Dresden)
Vom Gesamttaler unterscheidet er sich nur dadurch, dass der Kurfürst im Kurornat und nicht im Harnisch dargestellt ist. Der Durchmesser des Talers beträgt zirka 46 mm. Des großen Durchmessers wegen wird er auch als „breiter Taler“ bezeichnet.Heinz Fengler, …: transpress Lexikon Numismatik …, S. 47: Numismatische Bezeichnung für Taler, deren Durchmesser größer als der des Normaltyps ist.
Der nur von 1658 bis 1665Walther Haupt: Sächsische Münzkunde …, S. 237Christian A. Kohl: Talerteilstücke des Kurfürstentums Sachsen, Typenkatalog …, S. 99 geprägte halbe Erbländische Taler entspricht dem Münzbild der Vorderseite des ganzen Talers. Die Rückseite zeigt den vereinfachten kursächsischen Wappenschild.acsearch: Johann Georg II, halber Erbländischer Taler 1661 (hier nur als Halbtaler bezeichnet) Es sind auch Doppeltaler vom Stempel des Erbländischen Talers bekannt.Julius Erbstein, Albert Erbstein: Erörterungen auf dem Gebiete der sächsischen Münz- und Medaillen-Geschichte …, S. 231, Nr. 952
Umschrift
Übersetzung: Johann Georg II., von Gottes Gnaden Herzog von Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, des Heiligen Römischen Reiches Erzmarschall und Kurfürst.
Ausprägung im Reichsmünzfuß Auszug aus der Tabelle nach Arnold/SchwinkowskiPaul Arnold: Die sächsische Talerwährung von 1500 bis 1763 …, S. 71, Anmerkung 45, W. Schwinkowski
Die Erbländischen Taler sind Reichstaler, die nach dem Reichsmünzfuß geprägt wurden.
Nominal Wert in Groschen Stück/Gemischte Mark g/Gemischte Mark Stück/Mark Feinsilber g/Mark Feinsilber Feingehalt (Lot, Grän = 0/00) Reichstaler 24 8 29,23 9 25,9814 Lot, 4 Grän = 888,89 ‰ ½ Reichstaler 12 16 14,62 18 12,99 14 Lot, 4 Grän = 888,89 ‰
Ab 1667 erfolgte die Münzprägung nach dem Vertrag von Zinna. Die Reichstaler, also auch die Erbländischen Taler, wurden danach Speciesreichstaler genannt und hatten einen erhöhten Wert von 28 Groschen.Paul Arnold: Die sächsische Talerwährung von 1500 bis 1763 …, S. 80/82 Die Ausprägung dieser Taler erfolgte weiterhin im Reichsmünzfuß.
Siehe auch Sächsische Münzgeschichte Wechseltaler Johann Georgs II. Taler auf die Verleihung des Hosenbandordens und auf das St. Georgenfest Johann Georgs II. Vikariatsmünzen Johann Georgs II. (Sachsen) Schautaler zur Grundsteinlegung der Kapelle im Schloss Moritzburg bei Dresden Johann Georgs II.
Literatur Walther Haupt: Sächsische Münzkunde, Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1974 Paul Arnold: Die sächsische Talerwährung von 1500 bis 1763, Schweizerische numismatische Rundschau, Band 59, 1980 Julius Erbstein, Albert Erbstein: Erörterungen auf dem Gebiete der sächsischen Münz- und Medaillen-Geschichte bei Verzeichnung der Hofrath Engelhardt’schen Sammlung, Dresden 1888 Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon Numismatik, Berlin 1976 Christian A. Kohl: Talerteilstücke des Kurfürstentums Sachsen, Typenkatalog Albertinische Linie 1547–1763, Leipzig 1994 N. Douglas Nicol: Standard Catalog of German Coins 1601 to Present, 1995
Einzelnachweise
Kategorie:Talermünze Kategorie:Münzstätte Dresden Kategorie:Deutsche Münze Kategorie:Geschichte der Oberlausitz Kategorie:Geschichte der Niederlausitz Kategorie:Sächsische Wirtschaftsgeschichte Kategorie:Recht (Heiliges Römisches Reich)