mini|hochkant=1.3|Schloss Moritzburg

Schloss Moritzburg ist die ehemalige Jagdresidenz der Kurfürsten und Könige von Sachsen in der Gemeinde Moritzburg bei Dresden. Die barocke Vierflügelanlage wurde 1542 unter Herzog Moritz durch Hans Dehn-Rothfelser begonnen und 1730 durch Kurfürst August den Starken von Matthäus Daniel Pöppelmann vollendet. Hervorzuheben sind der Speisesaal, der Monströsensaal und die Schlosskapelle. Zum Ensemble gehören auch der Schlosspark, das Hellhaus und das Fasanenschlösschen.

Geschichte mini|Herzog Moritz von Sachsen, Gemälde von Lucas Cranach d. J. (1559) mini|Schloss Moritzburg (um 1900)

In den Jahren 1542–1546 ließ Herzog Moritz durch seinen Baumeister Hans Dehn-Rothfelser ein Jagdhaus im Renaissancestil errichten.Dehio 1905, S. 210. Nach ihm benannte man später das Schloss, der ursprüngliche Name war Dianenburg. Schon das damalige Jagdhaus bestand aus vier dicken Rundtürmen, die mit einer umlaufenden Wehrmauer verbunden waren. Es wurde 1550 Sitz der Verwaltung des Amtes Moritzburg. Kleinere Veränderungen an dem Renaissancebau erfolgten 1593–1660. In den Jahren 1661–1672 wurde die Schlosskapelle unter Leitung von Kurfürst Johann Georg II erbaut. Die Pläne der Kapelle stammten vom Baumeister Wolf Caspar von Klengel. Die Grundsteinlegung für die Kapelle im Schloss Moritzburg war am 1. November 1661, am Geburtstag der Gemahlin Johann Georgs II., Magdalena Sibylle. Den Grundstein legte der Kurfürst selbst und verschloss unter anderen drei Stück der ersten Schautaler zur Grundsteinlegung der Kapelle im Schloss Moritzburg darein.Julius Erbstein, Albert Erbstein: Erörterungen auf dem Gebiete der sächsischen Münz- und Medaillen-Geschichte bei Verzeichnung der Hofrath Engelhardt’schen Sammlung (1888) S. 224 In den Jahren 1656 bis 1672 wurde das Jagdhaus unter Mitwirkung von Wolf Caspar von Klengel zum Schloss erweitert.

Im Jahr 1697 trat Kurfürst August der Starke zum katholischen Glauben über und wurde König von Polen, womit sich das Bedürfnis nach einem katholischen Gotteshaus ergab. Nachdem die Entscheidung auf Moritzburg gefallen war, erhielt die ehemals protestantische Schlosskapelle Weihnachten 1699 im Rahmen eines Gottesdienstes die katholische Weihe.I. Möbius, J. Karpinski: Schloss Moritzburg. 3. Auflage. Verlag Schnell und Steiner, 2001, S. 5. Seit 1699 findet so bis heute der katholische Gottesdienst in der Kapelle des Schlosses statt. 1703 entstanden erste Pläne zum Umbau des Schlosses zum barocken Jagdschloss. Im Oktober 1719 kam die Serenata di Moritzburg von Johann David Heinichen als Umrahmung einer königlichen Jagd hier zur Uraufführung. 1722–1730 wurde das Schloss durch Kurfürst August den Starken von Matthäus Daniel Pöppelmann barock umgebaut und erweitert.Dehio 1905, S. 210. Pöppelmann ließ die Hofmauern abtragen, den Mittelbau wesentlich erhöhen und verbreitern, ihn durch Flügelbauten mit den Ecktürmen verbinden und umgab das so entstandene Barockschloss mit Terrassen, Rampen und Brücken. In der Umgebung wurden außerdem neue Teiche und Tiergehege angelegt. Der Umbau endete mit dem Tod Augusts des Starken. Das Schloss gehört neben Schloss Pillnitz zu den Hauptwerken des königlich beauftragten Dresdner Barock. Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen, ein Enkel von August dem Starken, bezog um 1800 die Umgebung des Schlosses verstärkt in die Gestaltung der Landschaft ein. Das Fasanenschlösschen, das Marcolinihaus, der Venusbrunnen, der Hafen und der Moritzburger Leuchtturm mit Mole am Niederen Großteich Bärnsdorf entstanden.

Prinz Ernst Heinrich von Sachsen benutzte Moritzburg 1933–1945 als festen Wohnsitz und richtete einige Räume für Führungen ein. Die wertvollsten (ausgelagerten) Bestände der durch Edith Rothe aufgebauten und katalogisierten Schlossbibliothek, Klosterhandschriften des Mittelalters, Inkunabeln, illustrierte Bücher des 16. Jahrhunderts, eine Autographen-Sammlung, Prachteinbände aus der Zeit der Renaissance und des 18. Jahrhunderts sowie eine geschlossene Handzeichnungssammlung König Friedrich Augusts, wurden in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 bei den Luftangriffen auf Dresden komplett zerstört.Hans-Christian Mannschatz: (PDF; 5,6 MB). In: BIS : Das Magazin der Bibliotheken in Sachsen, Jg. 2 (2009), Heft 2, Juni 2009, S. 108–111.Georg Kretschmann: Das Silber der Wettiner – Eine Schatzsuche zwischen Moskau und New York. Ch. Links Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-86153-088-0, S. 23, 27, 37, 40, 50, 63. 1945 wurde das Haus Wettin enteignet. Die ehemalige Königsfamilie konnte große Teile ihrer wertvollen Schätze im Schlosspark in Holzkisten vergraben. Bis auf wenige Stücke wurden diese von den sowjetischen Truppen gefunden und abtransportiert. Am 4. Oktober 1996 gelang es privaten Hobby-Archäologen, mehrere Kisten mit edelsteinbesetzten Goldschmiedearbeiten zu finden. Sie wurden dem Wettiner Schatz zugeordnet. Obwohl durch die lange Lagerung in der Erde alle Metalle und Edelsteine in Mitleidenschaft gezogen waren, ließ sich der Vorkriegszustand wiederherstellen. In den Jahren 1946–1949 erfolgte die Einrichtung eines Museums für Barock in einigen Räumen des Schlosses. Im Zeitraum 1985–1989 wurde die Schlosskapelle aufwändig restauriert.

Heute dient das Schloss vor allem als Museum sowie als Ort für kulturelle Veranstaltungen und Filmproduktionen.

Schloss mini|Sommeraufnahme mini|Winteraufnahme mini|Speisesaal mini|Schlosskapelle

Das auf ein Jagdhaus des 16. Jahrhunderts zurückgehende Jagdschloss erhielt seine heutige Gestalt im 18. Jahrhundert unter August dem Starken. Der Bau, dessen Hauptachse von Süd nach Nord verläuft, erhebt sich auf einer künstlichen Insel im Schlossteich (). Die barocke Vierflügelanlage mit vier direkt mit dem Hauptbau verbundenen Türmen ruht auf einem podestartigen Sockelgeschoss. Acht ehemalige Wachhäuschen sind auf der Insel rings um das Schloss gruppiert. Das Innere war in insgesamt zwölf Wohnquartiere mit insgesamt 200 Räumen aufgegliedert. Beherbergt wurden hier die kurfürstlich-königliche Familie und ihre Gäste sowie die Dienerschaft. Die Eingangshallen im Erdgeschoss erinnern mit ihren Kreuzgewölben an das alte Jagdhaus, den Renaissancebau des Herzogs Moritz von Sachsen. Im ersten Obergeschoss befinden sich die vier großen Prunksäle (Billardsaal, Speisesaal, Steinsaal und Monströsensaal), welche jeweils zwei Geschosse hoch sind. Die vier Türme des Schlosses werden nach ihrer ursprünglichen Funktion bezeichnet. Der nordöstliche Küchenturm diente ehemals der Belieferung des Speisesaals, der nordwestliche Backturm enthielt die Bäckerei. Südöstlich liegt der Amtsturm, südwestlich der Jägerturm. Die Gewölbe im Sockelgeschoss wurden als Hofküche, Lagerräume und Pferdeställe benutzt.I. Möbius, J. Karpinski: Schloss Moritzburg. 3. Auflage. Verlag Schnell und Steiner, 2001, S. 6–8. In den Kellern der Türme waren ebenfalls Wirtschaftsräume untergebracht. Außen herum ist das Schloss mit einer Terrassenanlage versehen. Die Statuen auf den Balustraden der Terrasse und an der Auffahrt stammen aus den Werkstätten von Balthasar Permoser, Benjamin Thomae, Johann Christian Kirchner und Wolf Ernst Brohn. Auf Sandsteinsockeln an der Auffahrt sind zwei Piqueure dargestellt, mit Parforcehörnern und Jagdhunden. Die Balustraden der Terrasse sind mit Jägerfiguren, Kinderfiguren und Vasen geschmückt.

In der Eingangshalle des Schlosses empfängt den Besucher eine Sammlung von Galakutschen. Der Schlossbau ist mit barocker Wohnkultur aus der Zeit Augusts des Starken ausgestattet. Hier befinden sich Prunkräume mit Lack- und Prunkmöbeln, Augsburger Silbermöbeln, Jagdwaffen und Gemälden. Zu den Kostbarkeiten gehören unter anderem vergoldete Ledertapeten aus dem 18. Jahrhundert, die in elf Räumen noch erhalten sind. Im Billardsaal, nach dem ehemals darin befindlichen Billardtisch benannt, zeigen die Monumentalmalereien auf Leder Genreszenen, im Monströsensaal Szenen aus dem antiken Sagenkreis um die Jagdgöttin Diana nach ovidischen TextvorlagenNiobiden, Ovid, Metamorphosen 6,146 ff.; Endymion, Ovid, Heroides 18, 61 ff.; Aktaion, Ovid, Metamorphosen 3,138 ff.; Callisto, Ovid, Metamorphosen, 2,409ff. Als ausführende Künstler werden Lorenzo Rossi (um 1690–1731) und Giovanni Battista Grone (1682–1748) genannt sowie Louis de Silvestre (1675–1760)Harald Marx: Zur dekorativen Malerei des 18. Jahrhunderts in Sachsen, Dissertation Universität Halle/Saale 1971, S. 80–87 (Kapitel: Zu den Monumentalmalereien auf Leder im Schloß Moritzburg). Porträts von Luis de Silvestre schmücken das Quartier der Kronprinzessin Maria Josepha. Es sind die der Gemahlin König Augusts III., Maria Josepha, und ihrer Töchter Maria Josepha als Flora, die den französischen Dauphin heiratete, und Maria Anna als Jagdgöttin Diana, die als Gemahlin des Kurfürsten Maximilian III. Joseph von Bayern bayerische Kurfürstin wurde.

Die Ausstattung vieler Räume ist der höfischen Jagd gewidmet. Die Sammlung der Rothirschgeweihe gilt als eine der bedeutendsten der Welt. Der beeindruckendste Teil der Trophäensammlung ist im Speisesaal angebracht, wo viele der 71 Rothirschtrophäen ein Alter von 270 bis 400 Jahren aufweisen. Sie stammen meist aus kursächsischen Revieren oder sind als Ankauf bzw. Geschenk nach Moritzburg gekommen.I. Möbius, J. Karpinski: Schloss Moritzburg. 3. Auflage. Verlag Schnell und Steiner, 2001, S. 17–20. Unter ihnen ist auch das fast zwei Meter breite und mit 19,8 kg Gewicht bisher schwerste Rothirschgeweih der Welt. Eine seit 1689 als „Willkomm“-Trinkgefäß benutzte Geweihstange mit kelchförmiger Krone ist ebenfalls im Speisesaal zu besichtigen. Der Steinsaal beherbergt eine Sammlung von Ren- und Elchgeweihen. Die Trophäe eines ausgestorbenen Riesenhirsches ist über seinem westlichen Eingang angebracht. Dieses Geschenk des russischen Zaren Peter der Große an August den Starken weist ein Alter von über 10.000 Jahren auf; als Fundort vermutet man die Halbinsel Krim. Im Monströsensaal befinden sich 39 krankhaft veränderte Geweihe, darunter auch der berühmte 66-Ender, der 1696 von Friedrich III. Markgraf von Brandenburg erlegt worden war. Während die auf holzgeschnitzten Tierköpfen montierten Trophäen im Speise- und Steinsaal im Vordergrund stehen, ergänzen sie im Monströsensaal die hier vorherrschenden Ledertapeten mit deren Darstellungen aus der antiken Mythologie. Die Schlosskapelle ist mit edler Stuck- und Sandsteindekoration, Deckengemälden, Altaraufbau und einer Fürstenloge ausgestattet. Den nach Westen weisenden Altar schmückt ein 1744 nach Dresden geliefertes Altarbild eines unbekannten venezianischen Meisters, Mariä Himmelfahrt darstellend. Das Deckengemälde mit der Himmelfahrt Christi stammt vom Hofmaler Johann Fink.

1723 erwarb August der Starke für das Japanische Palais ein Prachtbett, dessen Baldachinhimmel und Bettvorhänge aus ungefähr einer Million Federn von Pfau, Perlhuhn, Ente und Fasan bestanden. Sein Schöpfer, der Franzose Le Normand, hatte sich einer genialen Technik bedient: Die Federn wurden nicht, wie sonst üblich, aufgeleimt oder verknüpft, sondern am Webstuhl als Schussfaden in das Gewebe eingearbeitet. Kaum erworben, ließ der Kurfürst die Bettvorhänge abtrennen und zu Wandbehängen umarbeiten, weshalb der Raum später Federzimmer genannt wurde. 1830 kam das Federzimmer nach Schloss Moritzburg. Nach einer aufwendigen 19-jährigen Restaurierung ist das Prachtbett mit den Wandvorhängen seit 2003 wieder zu besichtigen. Chinesisches, japanisches und Meissener Porzellan werden in dem seit 2009 wieder eröffneten Historischen Porzellanquartier im Jägerturm ausschließlich in Führungen gezeigt. Im Vordergrund stehen dabei Meißner Porzellan mit jagdlichen Motiven sowie Tierfiguren, also Stücke, die der einstmaligen Bestimmung Moritzburgs als Jagdschloss entsprechen.