Der Bahnhof Radibor (Sachs), Dwórnišćo Radwor (Sakska), war eine Betriebsstelle der Bahnstrecke Bautzen–Hoyerswerda und der hier einmündenden Bahnstrecke Löbau–Radibor auf dem Gebiet der Gemeinde Radibor in Sachsen.

Geschichte mini|links|Gleisplan des Bahnhofs Radibor aus der Zeit nach 1906 mit Darstellung des alten Zustandes vor der Streckenerweiterung Mit der Entstehung der Bahnstrecke Bautzen–Königswartha wurde auf der Flur der Gemeinde Radibor ein Bahnhof mit einem kleinen Empfangsgebäude errichtet. Über die Gleisanzahl sind aus der Literatur keine Angaben zu entnehmen, der gezeichnete alte Linienverlauf zeigt kürzere Kreuzungsgleise als nach der Erweiterung 1906, die aus zwei, maximal drei Bahnhofsgleisen bestanden haben können. Ursprünglich waren für die Station eine beheizbare hölzerne Wartehalle in Fachwerkbauweise vorgesehen,Vorgeschichte und Bau über die Eisenbahnlinie Bautzen–Königswartha auf www.sachsenschiene.net Letztendlich wurde ein kleines, erweiterbares massives Gebäude in einstöckiger Bauweise mit der Grundfläche 10 m × 5 m gebaut.Skizze von dem ersten Empfangsgebäude im Bahnhof Radibor auf www.sachsenschiene.net Der Bahnhof lag in der Mitte der Rampe zwischen Neschwitz und Seidau mit einer Neigung von 10 ‰, die zur damaligen Zeit Schiebedienst erforderte. Anfangs war der Bahnhof noch nicht mit einem Fahrdienstleiter besetzt, die Weichenstellung wurde von den Zugführern im Vereinfachten Nebenbahnbetrieb mit Weichenschlüsseln durchgeführt.Hans von Polenz: Eisenbahnen im Bautzner Land. Ostsächsische Eisenbahnfreunde Löbau, 2006, ISBN 3-00-018243-8, Seite 70 Bereits 1896 kam es zu einer Begehung des Bahnhofes bezüglich des Anschlusses von Weißenberg.

Es war damals gedacht, den Bahnhof als Kreuzungsbahnhof mit der bestehenden Linie und der Erweiterung der Bahnstrecke Löbau–Radibor über Crostwitz nach Kamenz zu bauen.Hans von Polenz: Eisenbahnen im Bautzner Land. Ostsächsische Eisenbahnfreunde Löbau, 2006, ISBN 3-00-018243-8, Seite 85 Bei dem neuen Bahnhof Radibor wurden die Gleisanlagen drastisch vergrößert; die Gleislänge des Hauptdurchgangsgleises verlängerte sich um 200 m und die Gleisanzahl betrug sieben. Der Bahnhof wurde so gestaltet, dass Züge aus Weißenberg vorrangig in Gleis 1 und Gleis 2 einfahren sollten, Züge aus Königswartha sollten vorrangig in Gleis 3 bis Gleis 4 einfahren. Die Gleise 5 bis 7 waren Nebengleise. Eine gemeinsame Einfahrt aus den beiden Richtungsgruppen war ebenso möglich wie die Leitung der Züge in die andere als die gedachte Gleisgruppe. Bei Benützung von den Gleis 1 und Gleis 3 konnten zwei Züge mit einer Länge von 450 m in den Bahnhof geleitet werden, ohne die Profilfreiheit einzuschränken.Hans von Polenz: Eisenbahnen im Bautzner Land. Ostsächsische Eisenbahnfreunde Löbau, 2006, ISBN 3-00-018243-8, Seite 85 Das Empfangsgebäude wurde stark vergrößert,Zeichnung des Empfangsgebäudes von 1906 auf www.sachsenschiene.net auf der Fotografie von der Gleisseite sind die wesentlich größeren Dimensionen des neuen Empfangsgebäudes zu sehen.Foto des Empfangsgebäudes von 1906 von der Gleisseite her auf www.sachsenschiene.net Nach dem Umbau wurde auf der Nordseite des Empfangsgebäudes die Stellwerksbude des Fahrdienstleiter eingerichtet.Hans von Polenz: Eisenbahnen im Bautzner Land. Ostsächsische Eisenbahnfreunde Löbau, 2006, ISBN 3-00-018243-8, Seite 91 Das alte Empfangsgebäude wurde auf der Station Luttowitz der Bahnstrecke Löbau–Radibor aufgestellt.Internetseite des Bahnhof Radibor auf www.sachsenschiene.net

Am 1. Mai 1906 wurde das neue Bahnhofsgebäude mit den neuen Gleisanlagen eingeweiht. Die Weiterführung der sogenannten Nordost-Hauptbahn war nach wie vor gedacht, erst 1914 zerschlugen sich diese Pläne mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges. Der Bahnhof besaß neben den umfangreichen Gleisanlagen ein Ladegleis mit Güterschuppen, einen Lokschuppen,Zeichnung des Lokschuppens auf www.sachsenschiene.netFotografie des Lokschuppens auf www.sachsenschiene.net einen Zwischen- und einen Hausbahnsteig. Der Bahnhof war mit einem Fahrdienstleiter besetzt.

Im Laufe der Jahre hat es keine weiteren Erweiterungen der Bahnhofsanlagen gegeben. Der Ort Radibor blieb ein landwirtschaftliches Zentrum, wobei es zu keiner Industrieansiedlung kam. Da der Haltepunkt Radibor näher am Ort lag, wurde diese Haltestelle von der Bevölkerung häufiger genutzt. Dennoch hat es im Betriebsgeschehen mehrere Gleisumbauten gegeben. So wurde zu einem nicht belegten Zeitpunkt Gleis 6 ausgebaut,Gleisplan des Bahnhof Radibor zu einem nicht genannten Zeitpunkt auf www.sachsenschiene.net später erfolgte zu einem ebenfalls nicht genannten Zeitpunkt Gleis 5.Gleisplan des Bahnhof Radibor zu einem nicht genannten Zeitpunkt auf www.sachsenschiene.net 1985 wurden die Bahnhofsanlagen mit EZMG-Stellwerkstechnik ausgestattet. In dieser Ausstattung wurden die Bahnanlagen nicht lange weiterbetrieben; am 15. August 1998 wurde die Bahnstrecke Löbau–Radibor stillgelegt und am 19. Juli 2001 die Bahnstrecke Bautzen–Hoyerswerda. Seit der Zeit ist der Bahnhof ohne Eisenbahnverkehr.

Bahnsteige mini|Empfangsgebäude (2016) Der Bahnhof besaß zwei Bahnsteige: einen Zwischenbahnsteig und einen Hausbahnsteig. Die Belegung der Bahnsteiggleise richtete sich je nach der Verkehrssituation.

Verkehr Die Zugfahrten entwickelten sich im Bahnhof anfangs als Pendelfahrten zu den Behörden, Einkäufen und zu dem Wochenmarkt in Bautzen. Anfangs verkehrten drei Zugpaare auf der Bautzner Strecke.Hans von Polenz: Eisenbahnen im Bautzner Land. Ostsächsische Eisenbahnfreunde Löbau, 2006, ISBN 3-00-018243-8, Seite 68 1894 waren es schon vier Zugpaare.Fahrplan 1894 auf der Bahnlinie Bautzen-Königswartha auf www.sachsenschiene.net Als 1906 die Bahnstrecke Löbau–Radibor eröffnet wurde, kristallisierte sich diese schnell als bedeutungsvollere Linie für den Güterverkehr heraus. Der Personenverkehr blieb auf ihr durch die ortsferne Lage der Bahnhöfe an der Strecke und fehlendes touristisches Potential eher bescheiden und betrug immer drei bis vier Zugpaare täglich.Fahrplan 1914 auf der Bahnlinie Bautzen-Königswartha auf www.sachsenschiene.net 1925 waren es fünf Zugpaare auf der Bahnstrecke Bautzen–Hoyerswerda,Fahrplan 1925 auf der Bahnlinie Bautzen-Königswartha auf www.sachsenschiene.net 1932 ebenfalls fünf.Fahrplan 1932 auf der Bahnlinie Bautzen-Königswartha auf www.sachsenschiene.net 1939 fuhren zwischen Bautzen und Königswartha zehn Zugpaare,Fahrplan 1939 auf der Bahnlinie Bautzen–Königswartha auf www.sachsenschiene.net zwischen Weißenberg und Radibor blieb der Bedarf bei vier Zugpaaren.Fahrplan 1939 auf der Bahnlinie Weißenberg–Radibor auf www.sachsenschiene.net Fahrplanangaben liegen bei der Linie erst zum Fahrplan 1950/51 wieder vor, hier betrug die Verkehrsauslastung drei Zugpaare.Fahrplan 1950/51 auf der Bahnlinie Weißenberg–Radibor auf www.sachsenschiene.net 1960 verkehrten zwischen Weißenberg und Radibor vier Zugpaare,Fahrplan 1960 auf der Bahnlinie Weißenberg - Radibor auf www.sachsenschiene.net Auf der Bahnlinie Bautzen–Königswartha verkehrten 1965/1966 sechs Zugpaare, wobei eine Samstag-Verbindung als Busverkehr, drei weitere als Triebwagenverbindung geführt wurde.Fahrplan 1965/66 auf der Bahnlinie Bautzen–Königswartha auf www.sachsenschiene.net 1968/69 waren es auf der Bahnlinie Bautzen–Königswartha noch einmal sieben Zugverbindungen, die alle als Triebwagenverbindungen ausgeführt wurden zuzüglich eines Eilzuges, der in Radibor durchfuhr.Fahrplan 1968/69 auf der Bahnlinie Bautzen–Königswartha auf www.sachsenschiene.net 1972/73 waren auf der Bahnlinie Weißenberg–Radibor noch drei und auf der Gegenrichtung noch ein Personenzug unterwegs, wobei auf der Strecke von Löbau nach Weißenberg der Personenverkehr bereits eingestellt war.Fahrplan 1972/73 auf der Bahnlinie Weißenberg–Radibor auf www.sachsenschiene.net Auf der Bahnlinie Bautzen–Königswartha verkehrten 1990/1991 neun Zugpaare und ein Eilzug, der durchfuhr.Fahrplan 1990/91 auf der Bahnlinie Bautzen–Königswartha auf www.sachsenschiene.net

Lokschuppen Radibor Der Lokschuppen hatte nur eine ergänzende Bedeutung, da sämtlich Züge als Ringzüge eingesetzt wurden und von Bautzen oder Löbau aus bespannt wurden. Sicherlich war Radibor eine Tenderlokomotive für Rangieraufgaben zugeteilt. Die Wasserstation hatte eine größere Bedeutung, da auf der Bahnstrecke Löbau–Radibor fast ausschließlich Tenderlokomotiven verkehrten. Dabei soll der Wasserkran zwischen den Gleisen 1 und 3 gestanden haben, dieser wurde aus zwei Wasserbehältern mit einem Fassungsvermögen von je 27 m³ in sechs Meter Höhe gespeist. Diese Behälter wurden aus einem Tiefbrunnen versorgt. Freie Lokomotiven mussten hier Pumpdienste versehen, um die Hochbehälter zu füllen. 1972 ging diese Wasseranlage kaputt und wurde nicht wieder repariert. Daher mussten seit dieser Zeit bis zur Verdieselung der Strecken nur noch Schlepptenderlokomotiven eingesetzt werden. Später wurde der Lokomotivschuppen als Kleinlokschuppen benannt.

Beheimatete Dampflokomotiven Aus der Anfangszeit sind hier Lokomotiven der sächsischen Reihe VT auf der Linie Weißenberg–Radibor bekannt. Später waren es hauptsächlich Lokomotiven der Reihe 86, die hier stationiert waren. Über eventuelle Stationierungen von Kleinlokomotiven liegen keine Angaben vor.

Literatur Hans von Polenz: Eisenbahnen im Bautzner Land. Ostsächsische Eisenbahnfreunde Löbau, 2006, ISBN 3-00-018243-8.

Weblinks

Bahnhof Radibor auf www.sachsenschiene.net

Einzelnachweise

Radibor Kategorie:Technisches Denkmal in Sachsen Kategorie:Kulturdenkmal in Radibor RadiborSachs