Le roi Arthus ist eine Oper („Drame-lyrique“) in drei Akten von Ernest Chausson (Musik) auf ein eigenes Libretto. Die Uraufführung fand posthum am 30. November 1903 im Théâtre de la Monnaie in Brüssel statt.

Handlung

Erster Akt

Erstes Bild

Großer Saal in König Arthus’ Palast in Carduel. Die Ziegelwände sind mit Wandteppichen bedeckt, der Boden mit Schilf belegt. Der Thron befindet sich links auf einer Erhebung. Beim Aufzug des Vorhangs ist Arthus gerade dabei, seine Ansprache zu beenden. Genièvre sitzt in seiner Nähe. Der Saal ist voller Ritter, Knappen und Pagen. Mordred und Lancelot sitzen in der ersten Reihe. Die Frauen haben sich vor dem Thron bei Genièvre versammelt. Die in weiße Roben gekleideten Barden befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite.

Nach dem Sieg über die Sachsen preist König Arthus den Mut seiner Ritter. Er bedauert lediglich, dass Merlin nicht anwesend ist, um an der Feier teilzunehmen. Endlich kann Frieden im Land einkehren. Arthus fordert die Barden auf, Loblieder auf die Helden und besonders auf Lancelot anzustimmen. Obwohl alle hart gekämpft haben, sei er es gewesen, der sie in der letzten entscheidenden Schlacht geführt habe. Während Lancelot das Lob bescheiden zurückweist, reagieren Arthus’ Neffe Mordred und einige andere Ritter mit Eifersucht. Arthus bemerkt dies und weist Mordred zurecht. Königin Genièvre überreicht Lancelot einen Kelch als Belohnung. Nach ihrer offiziellen Lobesrede flüstert sie ihm zu, dass sie ihn in der Nacht sehen wolle. Mordred hat dies aufmerksam beobachtet. Er schwört Rache, da sie ihn selbst früher bereits abgewiesen hatte. Genièvre verlässt den Saal, und die Feier nimmt ihren Lauf.

Zweites Bild

Eine Terrasse innerhalb der Schlossmauern. Auf der rechten Seite befindet sich eine überdachte Galerie, auf der linken Seite der Garten. Im Vordergrund führt eine Vorhalle zu den Gemächern der Königin. In der Ferne sind hinter einer Balustrade Baumspitzen und Türme zu sehen. Der Himmel ist bedeckt. Beim Aufzug des Vorhangs sitzt Lyonnel alleine auf den Stufen der Veranda. In der Ferne sind die Rufe des Nachtwächters zu hören.

Während Lancelot die Nacht mit Genièvre verbringt, hält sein Schildknappe Lyonnel Wache. Er ist entsetzt über das Treiben seines Herrn, der ihm bisher ein Vorbild der Treue und Ehre gewesen war. Außerdem ist er besorgt wegen der Eifersucht Mordreds. Lyonnel beschließt, vorsichtshalber die ganze Nacht hindurch zu wachen.

Als Lancelot und Genièvre auf die Terrasse treten, zieht sich Lyonnel zurück und ist nur noch gelegentlich im Hintergrund der Szene zu sehen. Die beiden genießen ihre Liebe und die Schönheiten der Natur. Bei Tagesanbruch werden sie von Lyonnel unterbrochen. Auch der Nachtwächter ist wieder zu hören. Lyonnel bringt Lancelot seine Waffen. Hinter den Bäumen nähert sich Mordred. Er bemerkt das Liebespaar und ruft nach den Wachen. Lancelot zieht sein Schwert und sticht Mordred nach kurzem Kampf nieder. Da sie Mordred für tot halten, drängt Genièvre ihren Geliebten zur Flucht. Sie verabschieden sich verzweifelt. Lancelot wird sich bewusst, dass er das Schwert gegen einen Kampfgenossen gezogen hat, um seine eigenen Lügen zu vertuschen. Lyonnel führt ihn in den nahegelegenen Wald. Bevor sich auch Genièvre in das Schloss zurückziehen kann, erwacht Mordred und ruft um Hilfe. Die Ritter erscheinen und umringen ihn, während der Vorhang fällt.

Zweiter Akt

Erstes Bild

Am Rande eines endlos wirkenden Kiefernwaldes. Auf der rechten Seite befindet sich ein großer moosbedeckter Felsen, der als Sitzplatz dienen kann. Im Hintergrund dehnen sich Felder aus. Es ist heller Tag. Die Sonne scheint durch die Äste und erzeugt helle Abschnitte am Boden. Während der Vorhang aufgeht, bewegt sich ein Ackermann langsam im Hintergrund über die Bühne, um Korn zu säen.

Der Ackermann singt eine Moritat vom Sieg Arthus’ über einen Riesen und seine Piratenbande. Unterdessen kommt Lancelot nach vorne und legt sein Schwert und seinen Umhang vor einem Baum ab. Besorgt über das Wohlergehen Genièvres, wartet er sehnsüchtig auf ihr Kommen. Zudem befürchtet er, dass Mordred überlebt und seinen Treuebruch an den König verraten haben könnte. Seine Gewissensbisse verstärken sich. Er hat seinen König und alle seine Schwüre gebrochen, kann aber dennoch nicht von Genièvre lassen. Endlich kommt sie mit Lyonnel, der sich anschließend zurückzieht. Genièvre berichtet, dass Mordred tatsächlich überlebt und ihn des Verrats beschuldigt habe. Obwohl sich die Ritter bereits gegen ihn vereinigt haben, glaube Arthus den Anschuldigungen jedoch nicht. Sie drängt Lancelot, zu ihm zu gehen und seine Unschuld zu beteuern. Lancelot jedoch ist zu beschämt über seine Taten. Er würde lieber sterben, als seinem Herrn direkt ins Gesicht zu lügen. Genièvre wirft ihm Feigheit vor: Lancelot, „der größte Lügner von allen“, habe plötzlich Skrupel, sie zu retten. Erschöpft sinkt sie auf eine Grasbank. Von Liebe zu ihr überwältigt, entscheidet sich Lancelot schließlich, ihrem Wunsch zu folgen. Aber auch Genièvre ist nun bereit, nachzugeben und bittet um Verzeihung. Selbst wenn Arthus ihm glauben würde, wäre da immer noch Mordreds Eifersucht und Wachsamkeit, der sie nicht entkommen könnten. Schließlich beschließen sie, zu fliehen, um den Rest ihres Lebens gemeinsam zu verbringen.

Zweites Bild

Gewölbe in Arthus’ Schloss bei Carlisle. Durch die Säulen der Galerien sieht man in der Mitte einen Garten und im Hintergrund die Dächer des Schlosses. Der Garten ist mit Bäumen, Sträuchern und Reben bewachsen. Am rechten Ende der Galerie führen einige Stufen zur Tür der königlichen Wohnung. Während der Vorhang aufgeht, führen einige Ritter eine stille Unterhaltung. Arthus tritt von der linken Seite auf und spricht einen von ihnen an.

Da der Ritter keine neuen Nachrichten über Lancelot hat, schickt Arthus ihn fort und grübelt über Genièvre und Lancelot nach. Er kann immer noch nicht an ihre Untreue glauben. Nach all den Erfolgen scheint sein Lebenswerk nun wieder zusammenzufallen. Die Ritter liegen im Streit miteinander, sein Neffe Mordred strebt nach dem Thron, und überall wird intrigiert. Er sehnt sich nach seinem alten Freund und Ratgeber Merlin, der immer noch nicht wieder aufgetaucht ist.

In diesem Moment tritt Merlin zwischen den Zweigen eines Apfelbaums hervor. Er trägt eine lange weiße Robe. Sein weißer Bart reicht bis zum Bauch. Er bleibt während der ganzen Szene vollkommen bewegungslos. Während Arthus ihm entgegengeht, grübelt Merlin traurig über die Prophezeiungen, die er von den Apfelbäumen empfangen hat. Er erklärt Arthus, dass es keine Hoffnung mehr gebe. Alle ihrer Erfolge werden vernichtet, und die Tafelrunde sei zur Auflösung verdammt. Wegen eines „ungenannten Verbrechens“, falschem Stolz und Neid haben sich seine vorigen Prophezeiungen als falsch erwiesen. Er habe seinen geheimen Rückzugsort nur verlassen, um ihm (Arthus) mitzuteilen, dass er das Schicksal akzeptieren müsse und seine Tage auf Erden gezählt seien. Aber anschließend werde ein großes Erwachen erfolgen: Die mächtigen Eichen werden erneut blühen, die Ritter von ihren Gräbern auferstehen und die Strahlen der Sonne seinen Kopf mit Ruhmesflammen umgeben. Arthus erklärt sich bereit, sein Schicksal anzunehmen. Er möchte nur noch erfahren, ob die Vorwürfe von Genièvres und Lancelots Verrat der Wahrheit entsprechen und sie die Urheber des „ungenannten Verbrechens“ seien. Auf diese Frage antwortet Merlin nicht mehr. Die Vision schwindet. Mit einem Ruf nach Genièvre verlässt Arthus die Bühne durch eine Hintertür.

Die Ritter haben Arthus Schrei gehört und laufen alarmiert und verwirrt über die Bühne. Ein Ritter berichtet, dass die Königin mit Lancelot geflohen und auf dem Weg zur Küste sei. Es kommt zum Streit unter den Rittern, bis Arthus selbst erscheint und zum Kampf gegen Lancelot aufruft.

Dritter Akt

Erstes Bild

Eine felsige Anhöhe mit Blick auf das Schlachtfeld. Auf der rechten Seite stehen einige Kiefern. Am Horizont ist das Meer zu sehen. Als der Vorhang aufgeht, eilt Genièvre auf die Bühne, gefolgt von ihrem alten Knappen Allan.

Allan warnt Genièvre davor, sich dem Schlachtfeld zu nähern. Sie hat jedoch keine Furcht und ist zuversichtlich, dass Lancelot siegen werde. Allan weist darauf hin, dass sich Mordred inzwischen zum König erklärt habe und ihm einige der Tafelrunden-Ritter folgen. Während sich Allan in den Hintergrund zurückzieht, um den Fortgang der Schlacht zu beobachten, setzt sich Genièvre auf einen Felsen und denkt über ihre Liebe zu Lancelot nach. Sie bereut nichts, erkennt aber auch, wie sehr er sich verändert hat. Allan kehrt zurück und berichtet, dass sich Lancelot und seine Leute auf der Flucht befinden. Kurz darauf erscheint dieser selbst – ohne seine Waffen. Als er im Feld König Arthus mit seinem Schwert Excalibur zwischen seinen Rittern erblickt hatte, war ihm seine Schande wieder bewusst geworden. Er habe nicht weiter kämpfen können, seine Waffen von sich geworfen und seine Leute im Stich gelassen. Trotz seiner Liebe zu Genièvre ist ihm sein König wichtiger. Er verabschiedet sich von ihr, um auf das Schlachtfeld zurückzukehren und sich zu unterwerfen. Genièvre will jedoch lieber sterben als um Gnade zu betteln. Als er ihr Flehen zurückweist, stößt sie ihn von sich. Zusammen mit Lyonnel verlässt Lancelot die Szene, während in der Ferne Trompeten erklingen. Genièvre beauftragt ihre Knappen, das Schiff für ihre Flucht vorzubereiten. Sie selbst bleibt zurück und grübelt über Lancelot nach, den sie immer noch mehr liebt als das Leben. Sie bemerkt, dass der Schlachtenlärm inzwischen aufgehört hat und lässt sich auf einem Felsen nieder. Da nun alle Hoffnung verloren ist, beschließt sie, die Welt in ihrer letzten verbliebenen Würde zu verlassen. Da ihre langen dunklen Haare Lancelot zwar bezaubert haben, ihn aber nicht halten konnten, sollen sie nun auch ihr Leben beenden. Sie löst ihre Zöpfe, windet das Haar um ihren Hals und erdrosselt sich damit. Der Vorhang senkt sich langsam.

Zweites Bild

Das Schlachtfeld an der Küste. Im Vordergrund auf der linken Seite stehen einige kleine Bäume, niedrige Felsen, Ginster, Narzissen und andere Blumen. Im Hintergrund formen die Klippen eine Bucht. Es ist Abend. Lancelot liegt von einer Gruppe Soldaten umgeben bewusstlos in der Mitte der Bühne. Andere kümmern sich um die Toten und Verwundeten.

Aufgrund der Schwere von Lancelots Verletzungen fürchten die Soldaten um sein Leben. Sie tragen ihn zu einem sonnenbeschienenen Felsen und erinnern sich dabei an seine Heldentaten und seinen Verrat. Arthus und Lyonnel kommen hinzu. Lyonnel berichtet Arthus, dass Lancelot zuletzt vergeblich versucht habe, seine Anhänger vom Kampf abzubringen. Arthus betrauert ihn und Genièvre. Lancelot erlangt noch einmal das Bewusstsein und bittet Arthus, ihn zu töten und sich zu rächen. Arthus jedoch strebt nicht nach Rache. Er hat sich bereits mit dem Schicksal abgefunden und das Interesse an irdischen Dingen verloren. Es tut ihm nur Leid um das, was hätte geschehen können. Mit seinen letzten Worten prophezeit Lancelot, dass Arthus’ Ideale und die Erinnerung an ihn bis zum Ende der Zeiten fortleben werden. Für die übrigen Menschen dagegen wie auch für ihn selbst sei der Tod gleichbedeutend mit Vergessen. Er stirbt. Auf ein Zeichen Arthus’ tragen die Soldaten Lancelots Leiche fort. Lyonnel folgt ihnen.