Stephen James Miller (* 27. Mai 1980 in Newcastle upon Tyne) ist ein britischer Leichtathlet im Behindertensport. Über mehr als eineinhalb Jahrzehnte galt er im Keulenwurf – dem Behindertensport-Äquivalent zum Hammerwurf – als weltweit dominierender Sportler.
Miller kam mit infantiler Zerebralparese zur Welt und tritt deshalb in der Klassifizierungsgruppe F32 an (F = en. für field).
Persönliches Er besuchte zunächst die Percy Hedley School in seiner Geburtsstadt, die speziell auf behinderte Schüler ausgerichtet ist. Im Alter von neun Jahren wechselte er aber an die reguläre Southlands Middle School im nahen Cramlington und später an die Blyth Ridley High School in Blyth. Dort legte er sein General Certificate of Secondary Education sowie sein Advanced Level ab. Anschließend immatrikulierte er sich für ein Studium der Wirtschaftsinformatik an der Northumbria University und schloss dieses 2002 mit einem Bachelor of Science mit einem 2:1-Grad ab (second-class honours, upper division).
Miller lebt nach wie vor in Cramlington, Northumberland, und arbeitet halbtags als Web-Entwickler für das Queen Elizabeth Hospital Gateshead. Darüber hinaus betätigt er sich als RednerProfil von Miller auf der Homepage der Vermittlungsagentur PJS Speakers. Abgerufen auf motivational-paralympians.co.uk am 23. August 2015. und Autor und ist Generalsekretär der Newcastle United Disabled Supporters Association. Im November 2013 gründete er die Community interest company SMILE Through Sport (SMILE = Stephen Miller Inspiring Learning and Enjoyment), deren Geschäftsführer er ist. Die Initiative richtet sich vornehmlich an Kinder und Jugendliche, Vereine, Schulen, Kommunen und andere Träger, und bietet unter anderem Trainings, Beratungen, Workshops und Hilfe bei Inklusion an. Miller ist ein Fan des Newcastle United, zählt Alan Shearer und Kevin Keegan zu seinen engsten Freunden und bekam vor den Paralympischen Spielen 2012 vom damaligen Newcastle-Trainer Alan Pardew ein Trikot als Glücksbringer geschenkt. Seit seinem dreizehnten Lebensjahr war Miller auf einen Rollstuhl angewiesen, im Frühjahr 2013 erlernte er das selbstständige Gehen neu.Katie Davies: „Paralympian Stephen Miller takes first steps to a new life“. Am 11. April 2013 auf chroniclelive.co.uk (The Chronicle). Abgerufen am 23. August 2015.
2005 lernte er Rachel Toland (* 1983 oder 1984) kennen.Helen Rae, Michael Brown: „Paralympic hero Stephen Miller is set to walk his bride up wedding aisle“. Am 24. August 2013 auf chroniclelive.co.uk (The Chronicle). Abgerufen am 23. August 2015. Das Paar verlobte sich 2010 und heiratete im August 2013.
Sportliche Karriere Als Initialzündung für seine sportliche Laufbahn und seinen Wunsch nach olympischen Erfolgen benennt Miller den Sieg seines Landsmannes Linford Christie im 100-Meter-Lauf bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona. Dieses Erlebnis habe ihn inspiriert und mit den Idealen der olympischen Bewegung in Kontakt gebracht.
Bereits als Teenager gehörte Miller zur Weltelite seines Sports. Bei den Paralympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta sicherte er sich mit Weltrekordweite und mehr als drei Meter Vorsprung auf den Zweitplatzierten erstmals den Titel im Keulenwurf. Er wurde damit zum bislang jüngsten Briten, der jemals eine olympische Goldmedaille gewinnen konnte. Anschließend blieb er in dieser Disziplin bis 2005 bei allen Wettkämpfen, zu denen er antrat, ungeschlagen.www.stephenjamesmiller.co.uk – Offizielle Homepage von Stephen Miller. Abgerufen am 23. August 2015. Den Weltrekord hielt er bis 2008 und verbesserte ihn selbst mehrfach.
In den folgenden Jahren konnte Miller seinen paralympischen Titel 2000 in Sydney und 2004 in Athen verteidigen, 2008 in Peking musste er sich allerdings mit Silber zufriedengeben. Darüber hinaus wurde er je dreimal Welt- und Europameister. Zudem trat er mit wechselndem Erfolg auch im Diskuswurf an und kann hier unter anderem eine Goldmedaille bei den Europameisterschaften 2003 verbuchen.
Im Vorfeld der Paralympischen Sommerspiele 2012 im eigenen Land galt Miller als große Medaillenhoffnung und wurde zum Mannschaftskapitän des 294 Athleten umfassenden britischen Teams ernannt. Aufgrund einer Hüftgelenksverletzung konnte er jedoch nicht an vorherige Leistungen anknüpfen und blieb hinter den Erwartungen zurück: Im Keulenwurf reichten seine drei ersten Würfe nicht für den Einzug ins Finale und er beendete den Wettkampf auf dem elften Platz. Zum Diskuswurf war er nicht angetreten. Nach den Spielen unterzog er sich im Oktober 2012 einer Operation, während der ihm ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt wurde. Daraufhin strich ihm der britische Leichtathletik-Verband UK Athletics (UKA) im November gleichen Jahres sämtliche Fördergelder, da er nicht mehr als Medaillenhoffnung angesehen wurde. Eine Teilnahme an den Weltmeisterschaften 2013 im französischen Lyon kam wegen des noch laufenden Rehabilitationsprozesses nicht in Frage; im August 2014 konnte sich Miller allerdings bei den Europameisterschaften in Swansea bereits wieder die Silbermedaille im Keulenwurf sichern. Weniger glücklich verlief im Oktober 2015 hingegen seine Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Doha, der Hauptstadt Katars. Eine Bestweite von 29,65 Metern reichte dort nur für den vierten Platz.
Neben den Erfolgen bei den drei „großen“ Wettbewerben sammelte Miller auch bei anderen Veranstaltungen Medaillen, beispielsweise bei den Cerebral Palsy World Games„Another gold for Miller“. Am 12. Juli 2005 auf bbc.co.uk (BBC). Abgerufen am 23. August 2015. und den Cerebral Palsy European Athletics Championships.
Auszeichnungen 1996: Cerebral Palsy Sport England & Wales Athlete of the Year 1997: Northern Rock North East Special Achievement Award 2000: Cerebral Palsy Sport England & Wales Athlete of the Year 2000: Northern Rock North East Disabled Sports Personality of the Year 2000: Sport Aid Special Achievement Award 2000: Gateshead Harriers Athletics Club Life Membership 2001: Chronicle Young Achievers Sports Award 2003: Npower Disabled Sportsman of the Year 2003: Cerebral Palsy Sport Athlete of the Year 2003: North East Disabled Sports Personality of the Year 2004: Npower Services to Disabled Sport Award 2004: Chronicle Young Sports Achiever of the Year 2004: Sport Aid North East Sports Personality of the Year 2004: Cerebral Palsy Sport Athlete of the Year 2005: Sport Aid Northern Personality of the Year 2005: Sport Newcastle Frank Brennan Trophy 2005: Npower Disabled Sportsman of the Year 2005: Duke of Edinborough Gold award 2005: Freedom of Blyth Valley Borough 2006: Sport Newcastle Sports Personality of the Year 2006: North East Disabled Sports Personality of the Year 2008: Ehrendoktor in öffentlichem Recht der Northumbria University 2013: Freedom of Gateshead
Publikationen Miller: Paralympian. My Autobiography. Tonto Books, Newcastle upon Tyne 2008, ISBN 978-0-9556326-1-7.
Einzelnachweise
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